Alte Fassung - Brainrewiring: Neues Bewusstsein | Warum Ausrichtung zählt | Geist-Reset28.01.2021
Abschrift
Abschrift des Videos vom 28.01.202150 Abschnitte
Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.
Gast
das thema ist ja welches wir hatten ja schon im letzten stream festgestellt dass ich ja doch ein bisschen eigenartige vorstellung habe was widerstand betrifft und wie man sich mit den korona maßnahmen positionieren sollte sicherlich Was ist der Grund dafür? Wie komme ich zu solchen absurden Ideen? Und der Grund dafür ist, dass ich zu der Erkenntnis gekommen bin, dass immer zwei Seiten zu einer Sache gehören. Also wenn da irgendwo was ist, dann ist es nicht so, dass ich davon nicht irgendwie betroffen bin und auch nichts damit zu tun hätte. Und da möchte ich direkt mal den Einstieg wagen. Nämlich, wenn wir bei der Corona-Krise sind, wer ist denn eigentlich betroffen? Also betroffen sind einmal die Einzelpersonen. Logisch, wir müssen Masken tragen, wir müssen uns wie auch immer verhalten. Jetzt müssen wir uns freiwillig impfen lassen. So, dann ist aber über unseren individuellen Bereich hinaus geht es in die lokale Gesellschaft. Das heißt meine Freunde, meine Bekannten in meiner Stadt, in meinem Bundesland und letztendlich auch in ganz Deutschland. Und wenn wir den Rahmen noch ein bisschen größer machen, sind wir auf einmal Ja, im europäischen Bereich oder sogar im globalen Bereich. Das heißt, wir haben also eine Krise, die uns Menschen vom globalen bis zum individuellen betroffen macht. Und jetzt haben wir im Grunde genommen die Frage, wie können Menschen insgesamt als Einzelne, also als Kollektiv damit umgehen?
Uwe
Ja, was denn? Nur als Einzelne oder als Kollektiv?
Gast
Als Einzelne oder als Kollektiv. Ach so, okay, gut. Man hat immer die beiden Möglichkeiten, die Grundmöglichkeiten, nämlich, dass man vor dem Problem in Angst erstarrt oder aber davor wegläuft. Dieses Verhalten ist aber rein reaktiv. Da ist die Gefahr und ich zack, zack, zack, entferne mich von der Gefahr. So eine Art von Entfernen ist auch, den Mund zu halten, den Kopf einzuziehen, Ja zu sagen und zu hoffen, dass das Unwetter vorüber geht und es irgendwann mal besser wird. Das alles sind Reaktionen der Angst. Dann gibt es die andere Alternative, dass man sagt, nee, also so bitte nicht mit mir, das lasse ich mir nicht gefallen und ich gehe jetzt dagegen an. Das ist die kämpferische Mentalität. Aber beiden gemeinsam, dem Weglaufen wie dem Dagegen. ist, dass es ein reaktives Verhalten ist. Nämlich zuerst muss etwas passieren und dann reagiert der eine mit Stillhalten oder Weglaufen und der andere mit Dagegenhalten und Dagegenkämpfen. Und das interessante ist, wenn man sich das grafisch mal auf einer Achse vorstellen würde, hier wäre jetzt die Kraft, dann ist der eine, der rennt davon weg und der andere, der rennt darauf zu. Aber beides ist auf derselben Achse. Das heißt, weglaufen ist strukturell nichts anderes als kämpfen. Es ist nur mit dem umgekehrten Vorzeichen. Beides ist rein reaktiv. Da ist nichts Konstruktives drin. Es ist reaktiv. Nun könnte man sagen, ja...
Uwe
Darf ich dich... Ich will nur... Bitte. Darf ich... Soll ich dich unterbrechen? Du kannst mich gerne unterbrechen, ja.
Gast
Ich möchte keinen Monolog halten.
Uwe
Okay, gut. Es wirkt sehr... kontraintuitiv, was du gerade sagst. Weil wir haben ja, nicht nur ich, ganz viele andere versuchen ja Leute zu motivieren und sagen, nein, lehnt euch auf. Wir nennen uns ja auch cleverer Widerstand. Das heißt, wir gehen davon aus, dass was auch immer, auf welche Art und Weise wir widerstehen, dass das Gegenteil irgendwo ist zu einer Apathie, die wir ja alle letzte Woche noch bemängelt haben, die da ist, nichts zu tun. Und jetzt sagst du mir, den Kopf in den Sand zu stecken, ist dasselbe wie Widerstand zu leisten, nur mit einem anderen Vorzeichen.
Gast
Hilf mir mal das zu entpacken. Es ist strukturell dasselbe und das Gemeinsame ist das reaktive Verhalten. Es ist jetzt keine Wertung darin, was das Bessere oder was das Schlechtere ist, sondern worauf ich hinaus möchte ist, dass beides nur möglich ist, wenn vorher ein anderer eine Ursache gesetzt hat.
Uwe
Also das verstehe ich. Okay, also wenn ich jetzt, ich übersetze es immer, wenn mich jemand in irgendeiner Form drangsaliert und mich einschränkt in meinen Rechten, habe ich nur zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Entweder pauschal, global gesehen, entweder ich stecke den Kopf in den Sand oder ich setze mich dagegen ein. Aber beide Szenarien setzen voraus, dass zuerst ja irgendetwas eine Ursache da gewesen sein muss. In dem Zusammenhang sagst du, du stellst das auf dieselbe Ebene.
Gast
Genau, so ist es. Das heißt, das Gemeinsame ist eben die Reaktion.
Uwe
Ja, das hat Per Reichen auch gerade geschrieben. Perfekt. Die Leute im Chat sind klüger als ich. Toll.
Gast
Ja, das ist ja, das heißt, Schwarmintelligenz oder ich würde es eher sagen Chatintelligenz. Das heißt, jetzt kann man sagen, okay, das ist jetzt erstmal nur so eine allgemeine strukturelle Feststellung. Aber wie ist denn eigentlich die vermutete Zielrichtung, nicht die wahre, sondern die vermutete? Wir wissen ja, dass wir zwei Parteien haben. Wir haben einmal die Mainstream-Partei, die auf eine bestimmte Weise denkt. Und dann haben wir die Protest-Partei-Seite, die auf eine andere Weise denkt. So, und wie denkt denn jetzt die Mainstream-Partei? Die denkt bezüglich der Corona-Krise, oh, das Virus, das ist ganz schlimm und ganz, ganz viele Menschen werden sterben, wenn man nicht etwas dagegen unternimmt. So, Herr Bill Gates hat ja mal schon vor Jahren gesagt, wenn denn dann die nächste Pandemie kommt, dann muss man mit 65 Millionen Toten weltweit rechnen. Also viele Menschen werden sterben. Jetzt gucken wir mal, wie die Menschen auf der Protestseite die Krise beurteilen und wo denn deren Zielrichtung oder wo sie meinen, dass die Zielrichtung hingeht. Die sagen, oh, da ist ja ein Totalitarismus in Gang und Totalitarismus bedeutet, die Bürgerrechte werden immer weniger. was zu deutsch heißt, viele Menschen und Bürgerrechte werden sterben. Auch hier haben wir eine Gemeinsamkeit, nämlich beide Parteien befürchten, dass etwas sterben wird. Die einen befürchten, dass die physischen Körper der Menschen sterben werden und die anderen befürchten, dass die Bürgerrechte sterben werden. Und da sieht man erstaunlicherweise schon im zweiten Fall Gemeinsamkeiten. Gucken wir mal.
Uwe
Was ist der zweite Fall? Der Fall, dass Grundrechte sterben werden?
Gast
Nein, der zweite Fall ist, wie man überhaupt damit umgeht. Der erste Fall war, was ist, wenn etwas passiert? Reaktion ist die Gemeinsamkeit, weglaufen oder kämpfen. Zweiter Fall ist, was vermutet man, was die Zukunft ist? Wie wird es weitergehen? So, und da haben wir die Variante, die einen sagen, Menschen werden sterben und die anderen sagen, nicht Menschen werden sterben, sondern Bürgerrechte werden sterben. Aber auf jeden Fall, irgendetwas stirbt. Das große Sterben ist quasi die Vision, die beide gegenteilige Weltansichten vereinigt. Der große Tod, die große Vernichtung, das droht uns. Und das finde ich ganz erstaunlich, dass also zwei Parteien, die völlig entgegengesetzt sind, in einem sich einig sind, nämlich das große Sterben. Nur was denn stirbt darüber? Darüber streiten sie sich. Und wenn man sich jetzt fragt, okay, das ist jetzt die Zukunft, aber wo kommt denn das alles her? Was ist denn die Ursache? Dann sagt jetzt die eine Partei, oh, das ist das böse Virus. Und wo ist denn das? Das ist da draußen, irgendwo da draußen. Da draußen in der Welt. Und was sagt die andere Partei, die Protestpartei? Was ist die Ursache der Probleme? Nein, das ist ja nicht das Virus. Das sind ja die Politiker, die Systeme, irgendwelche Wirtschaftsunternehmen, irgendwelche Einzelpersonen. Aber die sind alle da draußen. Also auch hier haben wir die dritte Gemeinsamkeit. Obwohl die Parteien gegensätzlich sind, sehen sie das Problem irgendwo anders, da draußen. Und wenn man sie fragen würde, ja, wie kann ich denn das Problem lösen? Dann sagt die eine Partei, ja, das böse Virus, was da draußen ist, das lässt sich ja, muss man besiegen, das muss man töten. Und wenn man es nicht töten kann, dann muss man sich schützen mit Hilfe einer Schutzimpfung. Und was sagt die andere Partei? Die andere Partei sagt, das Virus ist ja nicht das Problem. Das Problem sind ja die Menschen. Also muss ich diese Menschen, diese Systeme beseitigen. Die einen sagen, ich muss das Virus beseitigen. Die anderen sagen, ich muss das System, die Menschen beseitigen. Das politische System beseitigen. Also auch hier haben wir eine strukturelle Gemeinsamkeit. Das Problem ist da draußen und da draußen muss es beseitigt, vernichtet, verändert werden. Das ist ja irgendwie ganz interessant. Man kann jetzt nach meiner Terminologie sagen, dass beide Weltanschauungen eine Art von horizontalem Dualismus haben. Horizontal meine ich, Ich bin hier, da ist das Problem. Das Problem ist da, ich bin hier. Es ist auf einer Ebene. Aber in beiden Betrachtungsweisen sind diejenigen, die sich dazu äußern, genau auf der Ebene, wo das Problem ist. Und das heißt, sie sind in einem übergeordneten Sinne ein Bestandteil dieses Problems. Und diese Erkenntnis, das Problem ist nicht nur da draußen und völlig getrennt von mir, sondern ich selber bin ein Teil des Problems. Das ist eine Erkenntnis, die die meisten Menschen auf diesem Planeten nicht haben dürften. Und warum nicht? Weil die meisten Menschen sich keine Gedanken darüber machen, dass nichts passieren kann in meiner Weltwahrnehmung, wo ich beteiligt bin, ohne dass ich beteiligt bin. Das geht schlichtweg nicht.
Uwe
Moment, Moment. Sag den letzten Satz einfach nochmal, bitte.
Gast
Es kann nichts passieren in meiner subjektiven Weltwahrnehmung, ohne dass ich beteiligt bin. Oder andersrum zu sagen.
Uwe
Aber das stimmt doch nicht. Es kann doch sein, äußere Umstände können sich ändern und die kann ich subjektiv wahrnehmen.
Gast
Da kann ich dann passiv dazu bleiben. Ich möchte es mal einem einfachen Beispiel nennen. Damit einem eine Farbe nicht gefällt, muss man Augen haben. Damit man einen Ton als störend oder quietschend empfindet, muss man Ohren haben. Hätte ich keine Ohren, könnten die Töne sein, wie sie wollten, ich würde es gar nicht feststellen. Hätte ich keine Augen, würde ich niemals auf den Gedanken kommen, dass ein Bild hässlich ist oder eine Frau oder sonst nicht was. Das heißt, die bloße Tatsache, dass ich irgendeinen Mangel in der Welt feststelle, also etwas, was ich für einen Mangel halte, Sagt mir, dass ich quasi eine Art von Sinnesorgan habe, diesen Mangel überhaupt wahrnehmen zu können. Hätte ich dieses Sinnesorgan nicht, hätte ich diese Mangelwahrnehmung nicht und hätte subjektiv das Problem nicht. Ein Blinder hat kein Problem mit hässlichen Bildern. Und ein Tauber hat kein Problem mit unharmonischen Symphonien.
Uwe
Darf ich das mal jetzt auf die nächste höhere Ebene schieben? Weil du hast es jetzt sehr lokal beschrieben, sehr individuell. Ich glaube, wenn man das jetzt wirklich nicht nur global, sondern im Universum betrachtet, hilft mir mal, ob ich das richtig verstanden habe. Es gibt dieses anthropische Prinzip und das sagt, dass das beobachtbare Universum nur deshalb beobachtbar ist, weil es alle Eigenschaften hat, die dem Beobachter ein Leben ermöglichen. Ja, also im Prinzip das Universum ist beobachtbar, weil wir eben Augen besitzen, Ohren besitzen, Sinne besitzen, um das erkennen zu können. Genauso ist es auch mit deinen Problemen, die du sagst. Also ganz lokal vor mir, die Welt, die ich erkenne, kann ich nur erkennen, weil ich eben alle diese Sinne habe.
Gast
Genau, das ist eine völlig korrekte Beurteilung, Eli. Danke für diesen konstruktiven Hinweis. Ich werde da zu diesem Bezug später noch weiter mich äußern wollen. So, wollen wir aber mal im, ich sag mal, im logischen Ablauf weiter bleiben. Also wenn wir verstehen, dass also wir grundsätzlich erstmal horizontal dualistisch denken, im Sinne von ich bin hier und die Welt oder das Problem ist da und wir dann vergessen, dass wir ein Teil dieses Dualismus sind, ist die Frage, was hat man eigentlich für Möglichkeiten, um Probleme, die entstehen, dauerhaft zu lösen. So und ich persönlich bin der Meinung, man kann unmöglich irgendein Problem lösen, wenn man sich auf der Problemebene befindet. Was meine ich damit? Also stellen wir uns mal vor, ich wäre ein, ich komme ursprünglich ja mal aus, bin geboren in Münster und habe meine Jugend und Teenagerzeit in Dortmund verbracht. Und da waren wir alle große BVB 09 Fans. Was gab es für ein Theater, nämlich jedes Wochenende, wenn BVB 09 gegen Schalke 04 spielte? Entweder in dem einen Stadion oder dem anderen Stadion. Und wenn man jetzt so ein Dortmunder ist und so ein BVB-Fan, dann hat man ein Problem. Nämlich, dass die Schalker ab und zu mal gewinnen, was sie eigentlich überhaupt nicht tun sollten. Die sollten aus der Liga absteigen, auf keinen Fall gewinnen. Die Frage ist, wie kann man das Problem lösen? Indem man jetzt seine Mannschaft anfeuert und dass sie die Schalker niedermachen und sie dann tatsächlich absteigen und im nächsten Jahr steigen sie wieder rauf. Sprich, wenn ich jetzt Fan einer von meinem BVB 09 bin, werde ich das Urproblem, dass BVB 09 und Schalke 04 Todfeinde sind, niemals lösen. Ich werde mich immer darüber aufregen können, wie schlimm es ist, dass die ein Tor geschossen haben und dass die mehr Fans haben und mehr T-Shirts verkauft haben und und und. Das heißt, das Problem ist unlösbar, solange ich ein Fußballfan bin.
Uwe
Richtig, ich wollte gerade sagen, man muss aufhören, sich mit Fußball zu beschäftigen, dann wird das Problem auf einen Puff irrelevant.
Gast
So ist es, wenn ich die Problemebene verlasse, zum Beispiel, weil ich erwachsen werde und eine Frau und Kinder habe und einen Beruf habe und meine Frau sagt, wenn du noch mal zum Fußball gehst, dann lasse ich mich scheiden. Schon verlässt man das Problem und plötzlich interessiert es einen ja noch nicht einmal mehr, ob BVB oder Schalke gewinnt. Das Problem ist zwar in der objektiven Außenwelt nach wie vor nicht gelöst, aber in meiner subjektiven Wahrnehmungswelt spielt es null Rolle mehr.
Uwe
Aber wo ist der Unterschied zwischen ich entscheide mich aktiv, dieser Sache keine Bedeutung mehr beizumessen und ich stecke den Kopf in den Sand und lasse Merkel gewähren?
Gast
Der Unterschied liegt darin, dass derjenige, der den Kopf in den Sand steckt, der befolgt die Anweisungen, die die Außenwelt ihm gibt. Während derjenige, der die Problemebene verlässt, der sozusagen in die Vogelperspektive aufsteigt, bezüglich dieses speziellen Punktes, der tritt aus der problemebene aus also um beim fußball zu bleiben wenn ich meine vereinsmitgliedschaft kündige weil mich fußball nicht mehr interessiert ist mir völlig scheißegal nicht nur wie die mannschaft spielt und ob sie einen cup gewinnt oder nicht sondern auch wie hoch die mitgliedsbeiträge sind und wie die spieler heißen das interessiert mich einfach nicht mehr so und ich bin von deren problemen auch nicht mehr betroffen So, nun kann man sagen, ja, kann man das jetzt auf die Corona-Krise so direkt anwenden? Nein, natürlich nicht, weil die Corona-Krise ja global ist. So, aber dadurch, dass sie global ist, bedarf es anderer Techniken. Das heißt, ich kann physisch nicht aus dieser Krise aussteigen, außer wenn ich so ein Segler bin, der jetzt eine Weltumseglung macht, wie wir gerade im Fernsehen haben, dann ist man da 90 Tage auf See. Ja, da gibt es ja kein Corona und keine Probleme. Dann ist man temporär weg dann aus dieser Ebene. Da interessieren einen die Nachrichten nicht. So, aber Aussteiger können wir nicht sein. Das heißt, physisch können wir aus der Ebene nicht aussteigen, aber möglicherweise können wir psychisch aussteigen. Und das ist das, wovon ich hier unter anderem reden möchte.
Uwe
Redest du also von einer Abkapselung, so ein bisschen einen Kopf in den Sand stecken, aber mit positiven Spin, weil es halt intellektuell erklärt ist?
Gast
Ich rede davon, dass wir zunächst einmal uns eine Klarheit darüber verschaffen, was wir tun und dass wir aus diesem reaktiven Verhalten herauskommen. Und ich möchte versuchen zu erklären, warum es überhaupt dazu gekommen ist und welche Möglichkeiten wir haben, damit umzugehen. Das heißt, deine Frage führt zu einer Antwort, die erst später gegeben werden kann. Ich muss es einfach mal ein bisschen verweisen, weil sonst kommen wir hier von Höckschen auf Stöckschen. Das heißt, ich sage, um Probleme dauerhaft zu lösen, muss man grundsätzlich die Problemebene verlassen. aufhören, auf Reize von außen zu reagieren, sondern man muss in der Vogelperspektive wie ein General auf dem Feldherrenhügel stehen. Wenn ich als General auf dem Feldherrenhügel stehe und sage, oh guck mal, da ist ja schon wieder ein Soldat, der ist verletzt worden und der hat Schmerzen, oh wie tut mir das aber leid. Wenn ich so denke, dann kann ich niemals eine Schlacht gewinnen. Ich muss mich aus diesen emotionalen Bindungen, die in der Problemebene sind, befreien und muss die Vogelperspektive annehmen und gucken, wie sieht es ganz neutral, ich sage jetzt mal aus dem Weltraum aus, wie sieht es da aus? Welche Probleme sind da wichtig? Welche Entscheidungen sind richtig? Was müsste ich objektiv tun? Nicht, was fühle ich, was mich gerade bedrückt? Das ist eine andere Geschichte. Das heißt, der erste Schritt ist zu verstehen, dass überhaupt dieser horizontale Dualismus existiert und dass wir den für völlig selbstverständlich halten, obwohl er das gar nicht ist.
Uwe
Du setzt das einfach voraus. Warum ist das nicht so? Du sagst das so und ich kann das auch, Sachen mit Nachdruck sagen, aber du musst das bitte nochmal erklären.
Gast
Ja, die Erklärung kommt jetzt. Deswegen müssen wir mal in Urzeiten zurückgehen, noch bevor menschliche Zivilisation in dem Sinne, wie wir es heute kennen, vorhanden war. Das heißt in Zeiten, bevor Städte gebaut wurden, als die Menschen noch Sammler und Jäger waren. Und alles, was man über diese Zeiten weiß, da haben die Menschen so eine Art von horizontalen Dualismus nicht gehabt. Sondern die waren eingebunden in einen spirituellen Kontext. Da gab es einen vertikalen Dualismus. Da gab es die Geister, die Götter und später Religionen. Und da unten war der Mensch und er fühlte sich eingebunden, er fühlte sich als ein Glied in diesem religiösen, geistigen Wesen. Und in seiner äußeren Realität, da lebte er völlig in der Natur eingebunden und hatte da gar keine so feste, strukturelle Wahrnehmung, wie wir sie heute für ganz natürlich halten. Das heißt, der Ursprung der Menschheit war ein vertikaler Dualismus, wo es noch nicht mal so sehr dualistisch war, sondern die fühlten sich eingebunden in die höheren geistigen Kräfte, was auch immer man jetzt darunter verstehen mag. Dann entwickelte sich das weiter und der Kontakt nach oben ging verloren und plötzlich hatte nicht mehr jeder den Kontakt nach oben, sondern nur noch ausgewählte Personen. Das war so die Zeit, wo die Könige auch gleichzeitig Priester und Weise waren. Das heißt Priesterkönige so gefühlt. ägyptische Pharaonen und ähnliche Leute, die gesagt haben, ich bin der Gott in physischer Person. Und da war der Mensch, der hatte keinen direkten Kontakt mehr zu seinen geistigen Oberen, sondern nur noch zu dem Mittelsmann. Und in diesen Zeiten, wo dann auch der Städtebau sich bildete, da fing der Mensch an, Realitätsbewusstsein aufzubauen. Das heißt, da interessierte ihn, was ist mit den Pflanzen, was ist mit den Tieren und Wie geht das alles? Und man muss auch in die Zeit und in die Zukunft planen. Früher musste man nicht in die Zukunft planen. Als Jäger und Sammler geht man dann los, wenn man Hunger hat. Aber man plant nicht für das nächste Jahr. Das tut man nicht. Man lebt im Hier und Jetzt wie ein naives Kind und macht sich keine Gedanken über seine Rentenversicherung oder ob man im Beruf anerkannt wird oder eine Beförderung bekommt. Das alles existierte früher.
Uwe
Deshalb sind ja auch Menschen anthropologisch entstanden in der Äquatorzone, wo halt klimatisch im Prinzip immer dieselben Bedingungen herrschen, weil da musste man für einen Winter nie vorsorgen. Da war jeder Tag wie der vorangegangene und jeder nächste, konnte man sich sicher sein, wäre mehr oder weniger genauso. Also klar, plus minus, daher kommt man Wind auf, vielleicht mal Regen oder sowas, aber man musste nicht vorsorgen und das Leben war simpler, sodass es sich dort entwickeln konnte, oder? Ja.
Gast
Genau, also natürlich ist das Leben eben in den warmen Klimazonen besonders gut gedient, das wissen wir historisch. Aber ich will darauf hinaus, dass also ganz am Anfang der menschlichen Kultur es diesen horizontalen Dualismus gar nicht gab. Es gab nur diesen vertikalen Dualismus und der war noch nicht mal sonderlich dual. Und dann wurde das aber immer dualer, es wurde immer gespannter. Dann kamen eben die Priesterkönige und später gab es dann nur noch die Priester und dann spaltete sich das auf. Dann gab es die Könige auf der einen Seite, die Priester auf der anderen Seite. Und letztendlich führte das dann, das wissen wir in vielen Kulturen, zu einem Dogmatismus im Religiösen. Das heißt, die Menschen hatten ihren spirituellen Rückbezug verloren und bedurften jetzt der Vermittler, die ihnen sagten, was sie zu glauben, zu denken und zu fühlen hatten. So und dann... Speziell in Europa gab es eine Zeit, nämlich die Neuzeit, wo sich alles änderte. Wir hatten fast 1000 Jahre lang einen religiösen Dogmatismus ersten Grades, der wissenschaftsfeindlich war, wie man sich das gar nicht vorstellen kann. Und dann auf einmal kam wie aus dem Nichts. Man kann es nicht an einzelnen Personen festmachen. Man kann nicht sagen, da ist jemand, das ist der Begründer. der Neuzeit oder so. Nein, das waren viele Leute. Es war ein Zeitgeist. Und in diesem Zeitgeist tauchte auf einmal der Gedanke auf, oh, wir haben noch ein Gehirn, wir haben noch einen Verstand, wir können noch selber denken. Diese Tatsache, wir können ja selbst denken, das war ja tausend Jahre keinem aufgefallen. Denn tausend Jahre lang hieß es, du denkst nur das, was dein Stadtfürst dir sagt, dein Ritter, oder aber was dir der Papst sagt. Alles andere hast du nicht zu denken. So und jetzt auf einmal kamen wir auf den Gedanken, ja man kann doch selber denken. So und in dem Moment, wo man anfing zu denken, sagt man ja, worüber denke ich denn nach? So und dann fing man auf einmal an, in die Welt zu gucken, in die Natur und fing an, die Natur zu erforschen. Und dann wurde die Naturwissenschaft auf einmal ein unheimlich großes Experimentier- und Forschungsfeld. Und gleichzeitig, so wie man draußen die Natur erforschte, fing man an, den Menschen zu erforschen. Was ist die Seele? Was sind Gefühle? Was sind Gedanken? Wie funktioniert das Denken? Und diese parallele Entwicklung der modernen Wissenschaft, Naturerforschung bis ins Extrem, soweit es die damaligen Techniken ermöglichten, und gleichzeitig Erforschung des Wesens, der psychologischen Faktoren des Menschen ins andere Extrem. Die zweite Richtung gipfelte im deutschen Idealismus vor ungefähr 200 Jahren oder 250 Jahren, wo man dann feststellte, dass der Mensch eigentlich nur eine Art von Bewusstsein ist und man sich nur noch die Frage stellte, was hat denn die Außenwelt eigentlich mit diesem Bewusstsein für eine Beziehung?
Uwe
Warte, warte, warte. Das heißt, man kommt jetzt in eine Sphäre, wo der Mensch eben nicht mehr einfach nur, ja klar, subjektiv die Höhle, Platon und so weiter, ja, seine Welt wahrnimmt, sondern man sagt, das koexistiert praktisch gar nicht. Das Gehirn, mein eigenes Verständnis, hat fast nichts mehr damit zu tun mit der Welt, auf der ich mich bewege.
Gast
Ja, also zum Beispiel der letzte in der Aufklärung, der Herr Immanuel Kant, einer der größten historischen Philosophen, der hat die sogenannten Kategorien des Verstandes entdeckt und zwar zwölf Stück an der Zahl. So, der hat festgestellt, dass wir bestimmte Dinge gar nicht unter unserem Willen stehen, weil die uns quasi wie einprogrammiert vorkommen. Wir können zum Beispiel die Außenwelt nicht wahrnehmen ohne die Kategorie des Raumes oder die Kategorie der Zeit oder die Kategorie des Objektes. Wir können logisch denken nur auf eine bestimmte Art und Weise. Nun kann man sich natürlich die Frage stellen, wie kommt das in den Menschen rein? Das konnte Herr Kant auch nicht beantworten. Aber ich möchte eine Anekdote, die kolportiert wird zu Herrn Kant erzählen. sagen, da stand er mal. Herr Kant war ein sehr, sehr trockener Mensch. Also wie trocken, möchte ich mal an dem Beispiel sagen, als er heiraten wollte oder sich verloben wollte, hat er nicht sich gefragt, wie fühle ich und liebe ich die Frau? Nein, der hat eine Checkliste angelegt. Auf der einen Seite alle Gründe, die für eine Verbindung sprechen und alle Gründe, die dagegen sprechen. Und da, wo mehr Gründe drauf standen, die Entscheidung hat er dann gefällt.
Uwe
Ich habe auch mal Philosophie angefangen zu studieren und die Grundlage zur Metaphysik der Sitten ist ungelogen, wahrscheinlich noch neben Harry Potter, nee, nicht Harry Potter, sondern Herr der Ringe und dem anderen, den ich neulich verrissen habe, Fifty Shades of Grey, noch schlimmere Literatur, aber vom Inhalt her sehr wertvoll.
Gast
Ja, und jedenfalls, also es war ein unheimlich trockener Mensch. Und das gebe ich jetzt nur mal als Vorabgeschichte. Und von dem wird kolportiert, dass er irgendwann einmal draußen stand. Er lebte in Königsberg, das war so eine Hansestadt, also da quasi in Russland damals. Und da stand er draußen und dann gab es einen Sternenklaren Himmel. Und dann sagt er, der bestirnte Himmel über mir. Und es muss man mit Kant verstehen, was er damit meint. Er meint damit, wenn ich jetzt in den Himmel gucke, dann sehe ich die Millionen von Sterne und wir wissen, dass die unendlich weit weg sind. Das bedeutet, das Universum ist so riesig groß und ich bin ein so kleines Würstchen. Was bedeutet meine Existenz? Das ist der erste Satz, der bestirnte Himmel über mir. Und dann kommt der zweite Satz, da heißt es, Aber das moralische Gesetz in mir, was meint er damit? Er meint damit, ich, Immanuel Kant, bin mir bewusst, dass dieses riesengroße Universum, was da draußen ist, nur deswegen von mir wahrgenommen werden kann, weil es in meinem Kopf die Verstandeskategorien dazu gibt. Das wollte ich gerade sagen. Ohne meinen Kopf. Wüsste ich von diesem ganzen Universum gar nichts.
Uwe
Und umgekehrt, ich würde sogar noch weitergehen, das Universum würde nicht existieren, wenn es nicht jemanden gäbe, der das beobachten könnte. Also das Universum schuldet uns genauso viel dafür, dass wir es überhaupt erkennen und würdigen können, wie umgekehrt, weil wir es halt explorieren können.
Gast
Das ist der sogenannte Solipsismus in der Philosophie nach dem Motto, was ich nicht sehe, das gibt es nicht. Diese Philosophie ist aber nicht tragfähig, denn auch ein Glühwürmchen oder ich sage mal ein Regenwurm, der nur eindimensional gucken kann, der kann sich zwar einbilden, dass es die Fläche und den Raum nicht gäbe, aber trotzdem wissen wir, dass es die gibt. Aber wir gehen erstmal noch weiter.
Uwe
Ja, ja, ja, entschuldige, ich will noch ganz kurz unterbrechen, aber wir wissen ja zum Beispiel, dass es Paralleluniversen gibt, für die wir nicht die Sinne haben, sie zu erkennen, aber wir wissen, dass sie da sind.
Gast
Naja, wir wissen das nicht, sondern aus den Theorien, dass sie sein könnten und letztendlich sind diese Theorien aus meiner Sicht ein bisschen kinderhaft, weil es ist das uralte Problem der Kinder, was ist vor dem Anfang, der andere Anfang und noch ein Anfang und noch ein Anfang. Also wenn ich sage, neben dem Universum gibt es noch ein Universum und noch ein Universum, heißt es nur, es gibt ein Oberuniversum. Und wenn ich dann sage, es gibt ein Oberuniversum, dann gibt es noch ein oberes Universum. Also das ist der sogenannte unendliche Regress, der führt einen nicht weiter. Das ist eine logische Figur, die zu einer Selbsttäuschung führt, nach meiner Meinung.
Uwe
Gut, gut, gut.
Gast
Gut, also jedenfalls Herr Kant hat eben erkannt, dass das riesige Universum ohne ihn gar keine Bedeutung hätte und dass es gar nicht darauf ankommt, dass es groß ist, sondern dass es einzig in seinem Leben darauf ankommt, was er tut. Deswegen, tun heißt ja nach moralischen Gesetzen handeln. Was ich tue, mein moralisches Gesetz bestimmt, was mein Leben wert ist, nicht wie weit, wie viele Sterne es gibt. So, das heißt, wir können also... feststellen, dass ungefähr vor 250 Jahren in der deutschen Philosophie, die war damals die weltweit vorrangigst geschrittene Philosophie auf dem ganzen Planeten. Das Land der Dichter und Denker, klar. Das Land der Dichter und Denker, genau. Und der damals selbstständige Mensch war also auf zwei Ebenen tätig, in der Beherrschung der Natur und in der Entdeckung des Geistes. Und dann auf einmal, quasi wie aus dem Nichts, änderte sich alles. So und das war im Grunde genommen eine Gegenreaktion auf diese übertriebene idealistische Haltung der deutschen Philosophie, kam auf einmal der Marxismus, Leninismus, der alles komplett in die Materie verbannte. Der Geist ist nichts, wir müssen die Welt auf den Kopf stellen und es zählt nur noch die Materie. Und es dauerte gar nicht lange, nur ein paar Jahrzehnte später, dann kam dann in Amerika durch die Entdeckung des Erdöls der amerikanische, ich sag mal, Raubtierkapitalismus dazu. Und diese beiden Kombinationen, der streng materialistische Kommunismus, der sagt, außer der Materie gibt es nichts und das Leben ist eh quasi linear vorbestimmt, am Ende siegt der Weltkommunismus. Das ist eine ganz merkwürdige Philosophie, aber haben eben sehr viele Menschen geglaubt und glauben das ja heute noch. Das heißt, in beiden Denkarten ist eins gewiss, dass der Mensch als Individuum, so wie er in der europäischen Geisteskultur sich über zweieinhalb tausend Jahre entwickelt hat und dem deutschen Idealismus seinen Höhepunkt gefunden hat, wurde auf einmal ausgeixt. Von da an, das heißt Mitte des 19. Jahrhunderts und bis heute, gibt es das Bestreben, das Individuum als feindlich zu betrachten gegenüber den Interessen der herrschenden Klasse. So, und woran sieht man das? Man sieht das daran, dass also plötzlich Massenbewegungen auftauchen. Der Sozialismus, der Kommunismus, das Kollektiv muss herrschen. Wir sind, wir, wir, das ist das große Wort wir, wir sind in der Gemeinschaft stark. Ein Idealist würde niemals wir sagen. Er würde sagen, ich bin stark, aber nicht wir sind stark. Eine Gemeinschaft von Leuten, die alle Ich sind, die stark sind, ist viel stärker als eine Gemeinschaft von Leuten, die alle wir sagen, von denen jeder einzelne schwach ist.
Uwe
Sag den Satz nochmal, weil das ist wichtig. Du sagst das so nebenbei, aber das ist die Essenz eigentlich von ganz vielem, was du uns nachher noch erzählen wirst.
Gast
Also ich will sagen, wenn wir glauben, dass wir nur stark in der Gemeinschaft sind, ist das gleichzeitig... Ein Eingeständnis, das wir uns selbst für schwach halten. Jemand, der selber stark ist, muss sich nicht in der Gemeinschaft verstecken. Wenn wir in der Kulturgeschichte gucken, egal wo, ob das Technik ist, ob das Kunst ist, ob das Militär ist, ob das Wissenschaft ist. Alle wichtigen Erfindungen wurden von Einzelnen gemacht, von Individuen. Sie haben sich zwar teilweise der Arbeitsgruppen bedient, haben teilweise das Geld von Menschenmassen gebraucht, aber die Ideen kamen immer von Einzelnen. Es hat niemals... wage ich eine Wette darauf einzugehen, es hat niemals in der gesamten Geschichte der Menschheit irgendeine Innovation gegeben, die von einem Kollektiv geschaffen wurde. Niemals. Das heißt, die kreative Energie auf diesem Planeten kommt aus einzelnen Menschen und einzelne Menschen übertragen ihre kreative Impulsenergie auf andere, die nicht so viel Impulskraft haben. Aber nur weil ein Einzelner es schafft, zum Beispiel ein Herr Gandhi, dass er Millionen von Indern motiviert, friedlich zu demonstrieren, folgt daraus nicht, dass diese Millionen Inder dieselbe Anschauung und dasselbe Empfinden hätten wie Herr Gandhi. Nein, das sind nur Leute, die ihm hinterherrennen und die seinen Anweisungen folgen. Aber von sich alleine würden sie das nicht machen. Und ich will nur darauf hinaus, historisch gesehen hat also der Materialismus seinen realen Ursprung quasi im Mitte des 19. Jahrhunderts. Von da an hat man alles versucht, immer wieder von allen Seiten, sowohl von Seiten der Sozialisten und Kommunisten, von Seiten der Faschisten, als auch von Seiten des Kapitals, das Individuum vorzunehmen. Man hat versucht, das Individuum zu normieren, zum Beispiel mit Hilfe der Einführung von Staatsschulen. Es gibt wunderschöne Untersuchungen darüber, die zeigen, dass zum Beispiel in Deutschland die Einführung der Staatsschulen zu einem Zeitpunkt erfolgte, wo schon 70 Prozent der Menschen in Schulen waren, nämlich in Privatschulen. Und dass das Bildungsniveau nach der Einführung der Staatsschulen schlechter wurde. Das Gleiche gilt für viele andere Sachen auch. Dann haben wir zum Beispiel, dass das innere Erleben von Glücklichsein, was früher dem Individuum geschuldet war. Was sagte doch letztens der Thilo mit seiner Mutter oder Großmutter, die da verstarb und ihre Enkelin dann sah für drei Minuten, das war mir ein so wichtiges Erlebnis. das wurde uns aberzogen so seit jahrzehnten wenn nicht gar schon seit 200 jahren wird uns beigebracht dass wir nur glücklich sein können wenn wir in der außenwelt etwas bewirken wenn wir erfolgreich im beruf sind wenn wir eine frau heiraten die toll ist wenn wir drei kinder haben wenn wir dieses jenes haben zum beispiel ein erfolgreiches studium absolvieren das heißt es wird uns beigebracht du kannst nur glücklich sein wenn du im Außen etwas tust. Und das ist schon sehr erstaunlich. Das heißt, dadurch zwingt man, kann man jetzt das Glücklichsein an äußere Bedingungen knüpfen. Der Staat kann zum Beispiel sagen, ich erhöhe jetzt die Prüfungsanordnung für dein Medizinstudium. Statt 3,0 musst du jetzt 1,0 machen. Also habe ich jetzt als Medizinstudent oder Anwärter ein großes Problem. Jetzt möchte ich ja mein Numerus Clausus von 1,0 erreichen. Ja, früher, als man noch keinen Numerus Clausus hatte, da sagte man, okay, ich möchte Arzt werden, ich liebe Menschen, ich möchte Menschen heilen. Wo kann ich hingehen, wer kann mir das beibringen? Heute muss ich ein umfangreiches Prüfungsprogramm absolvieren und habe aber überhaupt keine Ahnung, wie Menschen funktionieren. So, dann hat man den nächsten Aspekt, dass auch die Mächtigkeit, die dem Individuum nach meiner Meinung naturgemäß inne wohnt, die hat man ihm systematisch genommen.
Uwe
Was ist die Mächtigkeit? Das ist ein Wort, das hört man nicht so oft.
Gast
Die Mächtigkeit meine ich jetzt in Form von gesellschaftlicher Macht. Dass man früher, als man zum Beispiel noch in dörflichen Gemeinden lebte, da musste sich jeder um sich selbst kümmern. Da konnte man nicht sagen, ich gehe jetzt mal in die Stadt und dann möchten die bitte meinen Antrag bearbeiten. Nein, wenn man ein Problem hatte, musste man es selber lösen. Heutzutage in den modernen Gesellschaften, hat man den Leuten beigebracht, du alleine kannst ja schon mal gar nichts. Dafür gibt es ja einen Fachmann, der macht das. Es gibt einen Arzt, der heilt dich. Es gibt einen Lehrer, der bringt deinen Kindern das Wissen bei. Es gibt jemanden, der dir das Geld gibt. Also, werd bloß nicht selbstständig. Das ist viel zu gefährlich. Sei froh, wenn du eine Rente kriegst. Sei froh, wenn du eine Beamtenpension kriegst. Aber auf keinen Fall geh ein Risiko ein. Und was politische Sachen betrifft... Kümmer dich um deine eigenen Sachen. Gib uns mal eine Vollmacht. Die gilt dann für vier Jahre. Und wir machen dann schon in deinem Sinne, was richtig ist. Und wenn ich dann nach vier Jahren frage, ja, aber jetzt habt ihr was gemacht, was für mich nicht so toll ist. Dann sagen die, ja, wir sind ja freie Abgeordnete. Wir handeln nach unserem Gewissen. Ja, aber es ist doch nicht das, wofür ich dich gewählt habe. Ja, hast du Pech gehabt. Ja. Das heißt, also auch im staatsbürgerlichen Sinne ist alleine durch die Einführung eines demokratischen Systems, wo man nur alle vier Jahre etwas in die Urne, also Urne ist ja etwas, wo eigentlich die Asche reinkommt und dann vergaben wird. Das ist ja der eigentliche Begriff der Urne. Das heißt, ich gebe eine Stimme ab, die quasi tot ist und vergraben wird, um es mal so ein bisschen plakativ zu sagen. Und genau so ist es auch. Das heißt, ich wähle und dann habe ich meine Pflicht getan. Und dann kann ich nur noch warten, wie so ein Schaf, dass meine Stimme auch irgendetwas vielleicht bewirkt. Die bloße Tatsache, dass diese Art von politischer Konstruktion quasi... willentlich oder unwillentlich, ich will es keinem eine böse Absicht unterstellen, eine Entmachtung des Bürgers darstellt, das wird einem ja gar nicht so bewusst, sondern wir glauben ja, dass wir in einem der bestmöglichen Systeme sind, wenn wir alle vier Jahre mal ein Kreuzchen machen dürfen. So, das heißt, wir haben also letztendlich als Summe der letzten 150, wenn nicht gar 250 Jahre der kulturellen Entwicklung das Ergebnis, dass die Menschen völlig vergessen haben, verlernt haben, es wurde ihnen abtrainiert, wer sie eigentlich sind. Ihr Denken und Fühlen wird schon vom Kindergarten an über die Schule bis durch die Berufserbildung vom Staat geformt. Der Erfinder des freien Schulsystems in Deutschland, ich komme jetzt nicht auf seinen Namen, Herr Helmholtz glaube ich war es, der hat gesagt, wehe Deutschland, wenn der Staat die Bildung erhält. Und das war der, der die Schulen erfunden hat. Warum? Weil der Staat ein Interesse hat an der Bildung, nämlich aus dem Bürger, aus dem Schulkind einen staatstreuen Bürger zu machen. Das heißt, er bringt dem Kind nur das bei, was aus Sicht des Staates dem Kind beigebracht werden muss, aber nicht was aus Sicht des Kindes für das Kindgut wäre. Das heißt, da wir alle in unseren modernen Industriestaaten diese Schulbildung durchlaufen haben, kennen wir nichts anderes und deswegen halten wir es für normal und können uns auch gar nichts anderes vorstellen. Und dann haben wir eben den Aspekt, dass das, was wir früher hatten, die Glücksgefühle, die in naturbelassenen Gesellschaften durch die vertikale Dualität entstanden, durch den Rückbezug zu den Geistern, zu den Göttern, zu Gott in den Hochreligionen, die sind bei uns völlig abgeschnitten. Das heißt, da gibt es einen Cut. Und stattdessen haben wir eine Unzufriedenheit. In den modernen Industriestaaten ist die Anzahl von Selbstmorden und psychischen Krankheiten ständig wachsend. Das heißt, obwohl alles äußerlich so toll ist, ist es irgendwie doch nicht so toll. Aber keiner weiß, woran es liegt. Angeblich. Ich meine, es liegt daran, dass wir die Wurzeln zu unseren inneren Persönlichkeitsaspekten abgeschnitten haben, kulturell bedingt. Und diese Unzufriedenheit, die dadurch entsteht, wir sind ja unglücklich, aber wie kriegen wir Glück? Die versuchen wir dadurch zu sublimieren, sprich zu ersetzen oder zu kompensieren. indem wir äußerliche Glücksmomente uns suchen. Wir gehen zum Sport, wir suchen Freunde, wir gucken Fernsehen, wir versuchen Geld zu verdienen, wir machen Urlaub. Alle diese Dinge. Das heißt, letztendlich, weil wir für alle diese Dinge Zeit und Geld opfern müssen, wir kaufen uns unser Seelenheil. Wir kaufen uns unser Glück. Oder andersrum gesagt, unser Glücksempfinden ist ein Konsumgut geworden. Früher war das aber ein alltäglicher Seinszustand. Also das, was früher völlig selbstverständlich war, dass man in Harmonie mit Gott und der Umwelt lebte und dass man glücklich und zufrieden war und morgens aufwacht und sagt, oh, ich bedanke mich, dass ich am Leben bin. Auf den Gedanken wird doch ein moderner Industriemensch gar nicht kommen, der sagt, was muss ich tun? Ich muss für meine Rente arbeiten, ich muss meinen Job machen, ich muss demonstrieren gehen, ich muss den bekämpfen, ich muss den bekämpfen, ich muss den bekämpfen, ich muss die Partei gründen oder ähnliches. Das heißt, wir sind also so weit, dass wir völlig vergessen haben, was uns glücklich macht. Wir glauben, wir können nur noch glücklich sein, wenn wir bestimmte äußere Dinge tun. So, und wenn man sich dann jetzt fragt, ja, was nützt mir diese Art von Erkenntnis? So, und ich würde mal so sagen, wir sind ja hier in einer Corona-Krise und darum geht es ja hier auch in diesem Talk. Wohin wird denn die gegenwärtige Entwicklung führen? Ich meine jetzt nicht so wie am Anfang gesagt, dass die einen sagen, wir wollen das Virus bekämpfen, die anderen sagen, wir wollen das System bekämpfen. Nein, das nicht. Sondern was ist die Struktur dieser globalen, ich sag mal, staatsausdehnenden Kraft? Man mag sie totalitaristisch nennen oder faschistisch. Das ist nur eine Etikettierung. Darauf kommt es mir nicht an. Sondern ich möchte darauf hin, was... ist die zielrichtung dieser kraft ja worauf wirkt sie so diese kraft wird strebt darauf an, die Freiheiten des Individuums einzuengen, es immer kleiner zu machen, bis es nachher kein Individuum mehr ist, sondern es ist dann nur noch eine Biomasse, es ist ein Bürger, ein Objekt, ein Bioroboter, der, wie auch moderne Gehirnphysiologen und Philosophen meinen, Wo die Gehirnprozesse vollautomatisch ablaufen und wenn man sagt, ja ich fühle mich doch als Individuum, sagen die, nee, nee, das bildest du dir nur ein, das ist nur ein Ausdruck deiner Gehirndrüse, aber in Wirklichkeit bist du kein Individuum. Aber in dem Moment, wo man den Menschen zum Objekt macht, Dann gibt es keinen Grund, mit dem Leid von Menschen Mitgefühl zu haben. Es gibt keinen Grund, auf die Klagen von Menschen Rücksicht zu nehmen, weil das sind ja nur Klagen von Biorobotern. Das sind wie plärrende Puppen. Ob die nun plärren oder ob sie nicht plärren, bedeutet gar nichts. Und man hat das Recht, und zwar das moralisch gute Recht. Mit diesen Bio-Robotern das zu machen, was man für richtig hält, das sind Dinge, das sind Objekte und ich sage, gehe nach links oder gehe nach rechts oder springe vor den Balkon. Das ist das, was ich mit diesen Objekten tun kann, wenn ich Menschen zu Objekten mache. Und da geht es nach meiner Meinung hin. Und weil wir als Menschen kulturell seit 200 Jahren in diese Richtung reingeprägt werden, verstehen wir nicht, dass wir eigentlich ganz anders sind. Wir haben nur so ein gewisses Unwohlsein. Und bei den einen führt dieses Unwohlsein in der Corona-Krise dazu, dass sie sagen, dann passe ich mich mal eben an, wird schon besser werden. Und die anderen, die ein bisschen sensibler sind, die sagen, das stimmt fast nicht, da muss ich was dagegen tun. das heißt diese sogenannten erwachten sind zwar insofern schon auf einem anderen bewusstseinszustand aber noch nicht auf dem bewusstseinszustand den sie nach meiner meinung benötigen würden um das problem wirklich lösen zu können so und was man tun muss ist auf jeden fall sich über diese horizontale dualität zu erheben und zu erkennen was man als mensch überhaupt für ein ding ist so wenn irgendjemand sagt Wenn ich jemanden frage, wer sind Sie? Dann sagt er, ja, mein Name ist Uwe Loose, ich bin Sachverständiger für Immobilienbewertung, ich bin so und so alt und ich bin verheiratet und bla bla bla. Da kann ich nur laut lachen. Denn das ist eine Beschreibung seiner Persona, lateinisch die Maske. Etwas, was man vor sich trägt, aber das wahre Wesen ist dahinter. Und wenn ich sage, wie fühlst du und wie denkst du, dann erzählt er mir das. Ich habe den und den, die und die Eigenarten. Dann sage ich, ja, das ist dein Charakter. Das ist das Geprägte, was durch deine Lebensumstände aus deinem Ich bestimmte Gestaltung gemacht hat. Aber wer bist du denn eigentlich? Wer bist du? So, wenn ich zum Beispiel sage, ich bin Uwe Loose. Und jemand sagt, ja was meinst du mit Uwe Loose? Ja, das hier, das ist Uwe Loose, sage ich, okay. Und wenn mir jetzt die Hand abfällt, weil ich beim Rasenmähen meine Hand unter dem Rasenmäher halte, bin ich dann nicht mehr Uwe Loose? Doch, also auch ohne Hand bin ich Uwe Loose. Auch wenn mir beide Beine abgehakt werden, bin ich immer noch Uwe Loose. Und selbst wenn mir Arme und Beine abgehakt werden, bin ich immer noch Uwe Loose. Das heißt, ich bin schon mal nicht meine Gliedmaßen. So, und ich bin auch nicht mein Beruf, denn Berufe wechseln wir wie Sand am Meer heutzutage. So, und ich bin auch nicht derjenige, der vor 50 Jahren in der Sandkiste gespielt hat. Das heißt, ich bin auch nicht meine Biografie. So, und das muss man sich mal klar sein. Wenn ich das alles nicht bin, weil diese Dinge verändern sich und ich sage immer ich zu mir, wer bin ich denn dann? Dann bin ich doch jemand... der nicht mit diesen veränderlichen Dingen identifiziert ist. Ich bin nicht der Ehemann, denn wenn meine Frau tot umfällt, dann bin ich auf einmal der Witwer. Ich bin doch trotzdem immer noch derselbe, nur ohne Ehefrau. Das heißt, alle diese äußeren Dinge, selbst wenn sie mich selbst betreffen, haben rein nichts. mit mir zu tun das sind äußere andockungen an mein inneres wesen aber die sind nicht mein inneres wesen so und mein inneres wesen ist von diesen ich sag mal spezifikation völlig unabhängig so ich bin sozusagen ein einzigartiges individuum mit einem einzigartigen körper einzigartigen fühlen und denken und selbst dahinter da ist noch ein kern und dieser kern Das nennen wir in Deutschland die Menschenwürde, also jetzt staatsrechtlich gesehen. Und da kann man sagen, ja wieso, weil jetzt kommen wir von der Psychologie zur Menschenwürde. Ja, da muss man mal, verweise ich mal auf meine beiden Vorträge zur Menschenwürde, die ich gemacht habe oder reden im Juni und im Juli, da habe ich das Thema behandelt.
Uwe
Die kann man sehen auf Uwes Kanal, die Welt klar sehen.
Gast
So und wenn man mal die Geschichte der Entwicklung des Begriffes der Menschenwürde sich anguckt, dann war dann ja unser großes Vorbild die UN-Menschenrechtscharta 1947. Und da haben alle die UN-Staaten darum gerungen, wie sie nun die Gräuel des Zweiten Weltkrieges irgendwie verhindern könnten für die Zukunft, nach dem Motto, wir müssen irgendwie so eine allgemeine internationale Norm haben. So, und da kamen dann eben die UN-Menschenrechte raus und da ging es unter anderem eben auch, was der Mensch ist. So, und da hatte man eigentlich... Für den Menschen, die Menschenwürde, die gab es dann noch gar nicht, sondern auf Wunsch von Brasilien hätte man für das Wesentliche des Menschen den Gott benennen müssen. Warum? Weil in Brasilien sind sie alle katholisch und deswegen war das für die ganz logisch. Und dann haben aber die Länder, die nicht christlicher Art sind, also die muslimischen Länder und die buddhistischen und hinduistischen Länder, die haben gesagt, mit Gott wollen wir da nichts zu tun haben. Das entspricht nicht unserer Religion. Und dann hat man dann gesagt, okay, dann nennen wir das eben die Menschenwürde. Aber das bedeutet implizit, obwohl es ein politischer Konsens war, dass sich alle beteiligten Länder damals darüber im Klaren waren, dass das Was wir für das Höchste im bürgerlichen Menschen halten, eigentlich das ist, was man in früheren Zeiten Gott genannt hat. Der Gott im Menschen. Für Buddhisten ist es natürlich nicht der Gott, da ist es dann das Nirvana, die Lehre, wie auch immer. Für den Moslem gelten da andere Begriffsstrukturen. Aber alle konnten sich damit anfreunden. Und das bedeutet, dass also selbst unsere politischen Vordenker sehr wohl eine klare Vorstellung davon hatten, dass im Menschen im Innersten mehr drin ist, als nur ein Biocomputer. Und dann kann man sich die nächste Frage stellen, wie arbeitet denn dieser angebliche Biocomputer? Da kommen wir auch zu deiner Frage zurück. Nämlich, was machen wir eigentlich aus der unendlichen Welt? So, wenn wir mal schauen, wir haben ein paar Sinnesorgane, sehen, hören, schmecken, Körpergefühle und so weiter. Und welche Frequenzbereiche von dem, was im Universum ist, decken diese Sinne ab? Das ist so gut wie nichts. Also allein im optischen Bereich, das was wir sehen, ist nur ein Bruchteil von allen Frequenzen, die es gibt. Das heißt, unsere Sinnesorgane sind schon von der Kapazität her, decken sie nur einen minimalen Teil dessen ab, was an Sinnesreizen überhaupt denkbar wäre. Und nun kommen diese Reize, die schon nur ein Bruchteil der Realität sind, über unsere Nervenleitung ins Gehirn. Und was passiert dort? Dort werden sie verarbeitet. Aber diese Verarbeitung erfolgt auf eine Weise, die bis heute noch kein Wissenschaftler in der Welt genau erkunden konnte. Niemand kann feststellen, warum Nervenimpulse, die rein elektrische Art sind, warum das, was aus dem Ohr kommt, auf einmal als Ton erscheint und was aus dem Auge kommt, als Bild erscheint. Das kann keiner erklären.
Uwe
Wir können es nicht erklären, genau.
Gast
Und diese Reize, das heißt auf dem Wege von dem Sinnesorgan bis zum Gehirn geht ja einiges verloren, mal abgesehen davon, dass manche Sinnesorgane ja gar nicht gut funktionieren. Also wenn ich die Brille absetze, sieht meine optische Wahrnehmung schon mal anders aus als mit Brille. Ich habe auch noch zwei Hörgeräte, wenn ich die absetze, bin ich ja nicht nur halb taub, sondern auch noch halb blind. Das bedeutet, an der Qualität der Sinnesorgane liegt es, an der Nervenleitgeschwindigkeit, an der Übertragungsfähigkeit zwischen den Synapsen. Und dann erst, irgendwann mal, kommt es im Gehirn zu einem weiteren Auswahlprozess. Und dieser Auswahlprozess führt erstaunlicherweise dazu, und darüber sind sich alle modernen Gehirnforscher und Philosophen auch einig, führt dazu, dass aus diesen Minimalinformationen plötzlich ein Weltbild entsteht. So, wir nehmen optisch alleine pro Sekunde, ich glaube 12 Millionen Reize wahr, verarbeitet werden im Gehirn nur 80. Und aus diesen 80 Reizen machen wir unsere optische Welt. Und wenn man sich dann mal vorstellt, was passiert da? Da taucht in unserem Kopf eine Welt aus und in dieser Welt sind zwei Teile. Da sind wir selbst und wir sehen uns nicht selber von der Außenperspektive, sondern von der Innenperspektive und da ist die Außenwelt. Aber wir fragen uns nicht, Wer hat eigentlich diesen Plan gemacht, aus diesen wenigen Sinnesinformationen genau diese Art von Welt zu konstruieren? Das untersuchen wir gar nicht. So in der Gehirnphysiologie macht man das und findet sehr viele Beispiele dafür, wie man die Weltwahrnehmung von Menschen täuschen kann. Und da sind wir wieder bei Kant. Der Kant, der eben sagte, ja, das ist ja mal das eine, was mir da draußen erscheint. Das andere ist, im Grunde genommen erscheint es in meinem Bewusstsein. Und das wiederum bedeutet, selbst wenn wir das wissenschaftlich gar nicht im Detail verstehen müssen, dass unsere Welt, so wie wir sie erleben, zu einem ganz maßgeblichen Teil davon abhängig ist, wie wir als Individuum unser Denken und Fühlen beeinflussen. Von innen, nicht von außen.
Uwe
Richtig, aber jetzt muss ich einhaken und die Sache zu einem Ende bringen. Ja, weil du hast ja zwischen den dritten Countdown habe ich gar nicht mehr gestartet, weil ich habe gemerkt, das würde alles klar werden. Aber warte mal, ich will dir eine Brücke bauen, weil wir reden von cleverem Widerstand. Wir haben davon gesprochen, dass wir praktikable Ansätze den Leuten in die Hand geben möchten. Praktischer als Kilo wird es nicht. Das war schon mal gut.
Gast
Nein, praktischer wird es sicherlich nicht. Insofern wichtig ist zu erkennen, dass der wesentliche Punkt ist, dass wir nicht nur bei der horizontalen Objektspaltung verbleiben müssen, sondern dass wir selber etwas tun können. Und dass dieses Tun zunächst einmal darin besteht, unsere eigene Einstellung zu ändern. Das heißt, unser Denken zu ändern. Und zwar in der Art, dass wir fragen, warum denke ich so, wie ich denke? Das heißt, ich muss erst einmal meine eigenen Denk- und Gefühlsprozesse beobachten und nicht für selbstverständlich hinnehmen. Das ist wie bei der Kunst. Dem einen gefällt es, dem anderen gefällt es nicht. Das Bild ist aber immer dasselbe. Und erst dann, wenn ich anfange, mir eine Rechenschaft abzugeben, warum ich dieses denke und warum ich jenes fühle, erst dann kann ich anfangen, mein Innenleben selbst zu steuern. Und wenn ich auf bestimmte Reize immer nur auf eine bestimmte Weise reagiere, zum Beispiel wenn irgendjemand etwas tut, fühle ich mich grundsätzlich schlecht. Ja, aber egal was der tut, die Reaktion darauf liegt alleine bei mir. Wenn jemand vor meiner Burg steht und ruft, also so als Ritter zu Ritterszeiten ruft, komm raus, ich will mit dir kämpfen, dann habe ich mehrere Möglichkeiten. Ich kann rausgehen und mit ihm kämpfen. Ich kann mit ihm verhandeln von der Burgeszinne aus oder ich kann ihn ignorieren. Diese drei Möglichkeiten habe ich. Ich muss nicht kämpfen. Ich kann frei entscheiden, wie ich auf das Angebot eingehe. So, und was wir machen, wir reagieren nur. Das hatte ich ganz am Anfang festgestellt und in gewisser Weise auch kritisiert. Und in dem Moment, wo wir aufhören zu reagieren und uns Gedanken machen, wer wir sind und was unsere Möglichkeiten sind, können wir aus der Problemebene aussteigen. Das heißt, wir können zum Beispiel sagen, ich stelle fest, dass diese Information, die ich hier halte, mich fürchterlich aufregt. Und es wäre eine sehr vernünftige Reaktion, das ist eine ganz praktische Sache, zu sagen, solange ich das Gefühl von Wut habe, solange ich das Gefühl von Hass habe, solange ich das Gefühl von Verzweiflung habe, So lange treffe ich überhaupt gar keine Entscheidung. sondern lass mich erst mal zur Ruhe kommen, lass mich ein, zwei, drei Tage drüber schlafen, lass mich völlig sachlich und logisch drüber nachdenken und erst dann treffe ich eine Entscheidung. Das ist eine ganz einfache Sache. Das heißt grundsätzlich auf Distanz zu gehen, sich rauszuhalten und nicht sofort zu jedem seinen Senf dazuzugeben. Ja, ich sehe das aber so und du hast sowieso Unrecht und du bist ja von der Fraktion. Das alles ist reaktives Verhalten. Dazu gehört dann auch, dass man nicht nur intellektuell sich beobachtet, sondern auch eine Sensibilität für seine Körperempfindung erlangt. Weil der Körper, das ist das, in dem wir leben. Das ist unser Fahrzeug, mit dem wir von Geburt bis zum Tode fahren. Wenn wir das nicht vernünftig pflegen, dann wird es uns nicht zum Ziel bringen. Das bedeutet, dass wir zum Beispiel heutzutage nicht dazu in der Lage sind, unsere Empfindungen zu beschreiben. Irgendetwas passiert und ich frage jemanden, wie fühlst du dich? Und damit meine ich nicht, was denkst du, sondern wie fühlst du dich? Drückt es dir am Bauch oder am Magen oder zwückt es dich im Knie? Das können die Leute gar nicht mehr sagen. Das heißt, wenn man einen Psychotherapeuten fragt oder einen Psychotherapeuten, Kinesiologen, der sagt, im Körper sind die Gefühle verankert. Das heißt, unsere unterbewussten Gefühle, unsere Probleme stecken in den Muskeln drin, in den Knochen drin, sozusagen. Und wenn ich kein Gefühl dafür habe, wie ich mich körperlich fühle, dann weiß ich ja gar nicht, auf welchem Status ich bin. Dann sage ich mit dem Mund vielleicht, ja, ja, bin ich auch der Meinung, aber mein Körper sagt mir was ganz anderes. Und damit treffe ich Entscheidungen in meinem Leben, die niemals dazu führen können, dass ich subjektiv mich glücklich fühlen kann. Denn wenn ich gegen mein Körpergefühl entscheide, sondern nur nach der reinen Vernunft, die aber meinem Körper widerspricht, in so einem Beispiel, dann wird die Entscheidung, die ich treffe, immer falsch sein. Das ist ein ganz einfaches, zentrales Mittel, mit dem jeder ohne Psychotherapie, ohne Meditation, ohne Yoga, ohne alles, anfangen kann, seine Selbststeuerung zu optimieren. Natürlich kann man... jede Menge Übungen machen. Da wüsste ich auch viele Beispiele zu nennen, aber das ist jetzt nicht der Platz, um für praktische Übungen dieser Art zu machen. Ich möchte nur darauf hinweisen, wir können etwas tun, aber das, was wir tun können, das muss in uns selbst anfangen und es muss darin begründet sein, dass wir verstehen, dass wir keine Grenzen kennen, Von Natur aus, außer die, die wir uns selber machen und die, die wir glauben und annehmen, weil andere sie uns vorgeben.
Uwe
Gut, lieber Uwe, die Grenze, die ich dir jetzt vorgeben muss, hast du auf jeden Fall mehr als erreicht. Ich habe dir sogar Grenzen zurückgezogen, die ich bei Thilo versucht habe, konsequent einzuhalten. Ich danke dir dennoch und kann dir jetzt schon mal sagen, die Leute hier sagen, Chris A. von D-Live sagt alles richtig, was der Mann sagt und dann schickt er dir ein Herzchen hinterher. Von meiner Seite auch ein riesengroßes Dankeschön. Das war jetzt natürlich monumental und ganz, ganz viel, was man verarbeiten muss. Aber ich muss mal ganz ehrlich sagen, so eine So eine in sich geschlossene Argumentationskette, auch wenn es schwierig war, ihr zu folgen, hat sie für mich zu jedem Zeitpunkt Sinn gemacht. Auch wenn ich manchmal Sachen nachfragen musste, habe ich nicht einfach nur gesessen und genickt, sondern bin eigentlich bei dir. Die Frage, inwieweit wir das dann jetzt praktisch in wirklich halt. Sachen, Handlungen, Denkweisen, Muster umformen können. Dass wir halt doch, sag ich mal, nicht reaktiv, sondern proaktiv irgendetwas machen. Gebt die Macht den Machern, wie Clemens Kubi sagt. Das ist die Frage und der Bogen, auf den ich sehr gespannt bin, wie du diese Brücke da schlägst. Aber du hast absolut recht, es beginnt mit uns. Und wir müssen begreifen, wer wir sind und warum wir so sind. Und erst dann können wir entscheidende, richtige, fundierte Maßnahmen Entscheidungen treffen. Deshalb vielen Dank für diesen Exkurs. Klar sehen, clever denken, frei handeln.
Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Alte Fassung - Brainrewiring: Neues Bewusstsein | Warum Ausrichtung zählt | Geist-Reset“, Die Welt Klar Sehen, 28.01.2021.
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Livestream-Ausschnitt vom 28.01.2021: Uwe Loose erklärt im Dialog mit Co-Moderator Eli, warum Probleme auf der dualistischen Problemebene unlösbar bleiben und ein innerer Kurswechsel des Bewusstseins nötig ist. Ein philosophisch-bewusstseinsorientierter Vortrag zur Säule 4 (Souverän handeln).
