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Mut zur Vernunft: Die Kraft der Aufklärung | Die Essenz der Weisheit von Immanuel Kant18.02.2022

BEWUSST DENKEN

Abschrift

Abschrift des Videos vom 18.02.202223 Abschnitte

Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.

Hallo liebe Zuschauer, willkommen auf meinem Kanal, die Welt klar sehen. Heute geht es ja um ein spezielles Thema, nämlich warum die Erkenntnis der Wahrheit so schwierig ist. Dieses Thema ist eigentlich eine Fortführung des ersten Teils meines kleinen Selbstdenker-Programmes, das ich schon vor längerer Zeit mal gemacht habe, nämlich warum wir es lieben, selbstbewussten Blendern blind zu folgen. Da ging es ja um das Märchen von Hans Christian Andersen des Kaisers Neue Kleider und dass wir uns dazu neigen, eben von Autoritäten blenden zu lassen, selbst wenn die überhaupt gar keine Kleider anhaben. Und die Frage ist, warum ist das so und wie können wir dahin kommen, dass wir uns von dieser Art von Blendung befreien? Ja, und das wollen wir uns mal genauer angucken. Klar sehen, clever denken, frei handeln.

Das Thema Erkenntnis und Wahrheit ist ja nicht neu. Das gab es eigentlich schon früher in der griechischen Kultur. Und dann wurde es später von den Römern übernommen. Wenn wir jetzt hier zum Beispiel mal gucken, da gab es ja sogar Göttin vor. Da gab es bei den Griechen die Athene und bei den Römern die Minerva. Und da ging es immer darum, dass eben aus der geistigen Welt sozusagen das Licht der Erkenntnis gespendet wird. Und hier in einer Illustration von Chodowiecki, Da geht es eben darum, dass die Religionen der Welt zusammenfinden, denn jeder glaubt ja an was anderes und die Frage ist, was richtig ist und gibt es da vielleicht einen Konsens. Und wenn wir dann eben schauen, was wir heutzutage jetzt unter Aufklärung oder Erkenntnis verstehen, dann ist das eben der Begriff der Aufklärung als solches. Der hat aber viele verschiedene Schattierungen und in einer dieser Schattierungen bezeichnet er eben eine Die Zeitepoche, die knapp vor 1700 losging in Europa und Amerika und da ging es darum, dass die Vernunft, die Ratio herrschen sollte. Da gab es auch so eine Art Glaubensfanatismus, die Vernunft kann alles erklären.

Und das war eine Folge der wissenschaftlichen Entdeckung, die man vorher in der Neuzeit gemacht hat. Und jetzt wollte man diese Art des wissenschaftlichen Denkens eigentlich auch auf andere Lebensbereiche, auf die Gesellschaft als solche übertragen. Insofern ist das ja auch letztendlich gelungen. Im Grunde genommen ist diese Zeitepoche, die knapp 150 Jahre gedauert hat, die ist ja die Voraussetzung für unser ganzes modernes politisches Leben und für die Organisationen. Das heißt, was damals gedacht wurde, was damals erkannt wurde, war ja die Grundlage für das, was wir dann später ja als unsere Realität und Normalität zu verstehen gelernt haben. Und dann gibt es so eine ganz interessante Geschichte, nämlich, dass obwohl es seit 1650 schon gang und gäbe war, von Aufklärung mehr oder minder zu reden, ist aber der Begriff selber nie genau definiert worden. Und da hat man viel geredet. In Frankreich gab es so Cafés, wo man sich getroffen hat. In Deutschland hat man über Fachjournale quasi korrespondiert öffentlich.

Und immer spielte auch die Religion mit rein, nämlich woran sollen wir glauben, was ist richtig, was ist die Verantwortung der Priester gegenüber der Wahrheit und und und. So, was kann man wissen, gibt es Gott ja oder nein? Und da hatte dann mal im Jahr 1783 ein Pfarrer in so einer Monatszeitschrift in Deutschland geschrieben, Dann die Frage stellt, ja was ist denn Aufklärung eigentlich? Und schon ein Jahr später kriegt er eine Antwort in einer der späteren Ausgaben, nämlich von dem berühmten Philosophen Immanuel Kant. Und der hat erklärt, was nach seiner Meinung Aufklärung ist. Und er sagte, Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus einer selbstverschuldeten Unmündigkeit. Ja, und der Kant sagt ja, dass das ja quasi selbst verschuldet sei. Und wenn wir jetzt also schauen,

Die Unmündigkeit, die definiert er jetzt erstmal in einem nächsten Schritt und er sagt, Unmündigkeit ist die Unfähigkeit, seinen Verstand zu benutzen, ohne dass ein anderer einen dazu anleitet. Das heißt, wir würden sagen, das ist die Unfähigkeit, selbstständig zu denken. Also wer nicht selbstständig denken kann, der ist unmündig und der braucht einen anderen, der ihm sagt, was er zu denken hat und dann denkt man das dann eben. So, und selbstverschuldet, das ist jetzt sein nächstes Argument, ist es deswegen, weil da gibt es jetzt zwei Fälle, die unterscheiden. Fall eins ist, man hat vielleicht einen mangelhaften Verstand, da kann man ja nicht besser, da muss man ja eben den eigenen Verstand geleitet bekommen. Kennen wir ja Menschen, die irgendwie organisch oder psychologisch behindert sind und eben einfach nicht schlau genug sind, um selber zu denken und deswegen eben der Betreuung und der Beratschlagung und so weiter bedürfen. Aber wenn das nicht der Fall ist, dann liegt es an der Entschließung und des Mutes. Das heißt, an dem Entschluss, ja, ich könnte doch eigentlich selber denken,

Aber ich will es ja gar nicht. Und selbst wenn ich dann mal darüber nachdenke, ich wollte es vielleicht, ich habe ja keinen Mut. Denn wenn ich selber denke, dann bin ich auch für die Ergebnisse meines Denkens selbst verantwortlich. Und da könnten ja Probleme rauskommen. Ich könnte mich ja irren. Und das möchte ich ja nicht, nachher noch Verantwortung für die Folgen meiner eigenen Gedanken zu übernehmen. Das heißt also, Kant sagt, Faulheit und Feigheit sind die Ursachen und das völlig unnötig, weil die meisten Menschen längst die Möglichkeit haben, durch die Natur, das heißt, es ist ja schon in unserer Biologie drin, selbstständig zu denken, dennoch will ein großer Teil der Menschen gerne zeitlebensunmündig bleiben, Und weil die das wollen, machen sie es anderen, nämlich diejenigen, die ihnen helfen, ihren Verstand zu lenken, so leicht ihre Führer zu werden. Das heißt, hier kommen wir jetzt also an den Punkt, der Kaiser ohne Kleider, dass eben die Leute, die möchten sehen, dass er Kleider anhat, die möchten Anweisungen bekommen, sie möchten gar nicht selbstständig denken.

Und wenn wir jetzt mal gucken, warum denken die so? Ja, erstens ist es ja schwer, selbstständig zu denken. Und zweitens ist es auch gefährlich. Also zumindest glaubt man, dass es gefährlich ist. Und dieser Irrglaube wird eben gemäß Kant auch von den Führern, von den menschlichen Vordenkern genannt. dass sie sagen, oh, weil ihr das ja alles nicht könnt und weil alles so gefährlich ist, weil ihr alle keine Fachleute seid, deswegen überlasst uns das mal, wir machen das schon, denn wenn ihr das macht, dann kann ja nur Unfug dabei rauskommen. Und die Methode, mit der sie das machen, ist, so sagt es Kant, nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben, das heißt, unsere Vorbilder machen uns Menschen dumm, Und dann verhindern sie, dass wir keinen Schritt aus dem Gedankengefängnis machen dürfen, wenn sie es machen wollten. Wenn also irgendjemand mal den Mut hat, sagen sie gleich, oh, pass mal auf, wenn du das machst, dann kann dir das und das passieren, mach es bloß nicht. Das heißt also, wir werden aktiv nach Kant davon abgehalten, selbstständig zu denken.

Und obwohl offiziell oder objektiv meint Kant, da gibt es gar kein großes Problem. Natürlich macht man Fehler, wenn man denkt und irrt sich, aber dadurch lernt man ja auch. Wenn ich aber keine Fehler mache, dann kann ich ja auch nicht lernen. Und dann zeigen eben unsere Führer dem Volk, gucke, der hat mal was selber gedacht und ist in die Hose gegangen. Und also alle anderen, ihr bitte nicht, weil das ist ja viel zu riskant. Also auch hier nochmal die Verstärkung, wir werden aktiv mit Angstmachern davon abgehalten, selbstständig zu denken. Die Folge davon ist, dass wir als einzelne Menschen es quasi kaum möglich ist, dass wir, nachdem wir quasi durch Erziehung und Vergesellschaftung in einer solchen Denkkultur leben, es ist kaum möglich, sich aus diesem Gedankenkorsett zu befreien, weil dazu müsste man ja sehr entschlusskräftig sein und natürlich auch sehr mutig.

Und das wiederum bedeutet, dass der Mensch, weil eben das ja viel zu schwierig ist, also er wirklich auch unfähig wird. Das heißt, selbst wenn er es wollte, er kann es gar nicht mehr, weil er nie gelernt hat, mit seinem Verstand selbstständig umzugehen. Man hat ihn gar nicht gelassen. Es fehlt ihm die praktische Erfahrung. Wodurch wird jetzt der Verstand konkret eingeschränkt? Was ist das Instrument, mit dem... Unsere Führer schaffen uns ja Gedankenfesseln oder er sagt hier Fußschellen für eine immerwährende Unmündigkeit zu verpassen. Das sind Satzungen und Formeln, also Gesetze und Regeln. Das sind mechanische Werkzeuge und diese Werkzeuge führen zu einer Art von automatischen Denken. Das heißt, in Staaten, wo besonders viel Gesetze sind, Dort ist das selbstständige Denken besonders schwach. Weil für alles gibt es ja eine Regel. Jeder hat nur noch zu gucken, wo genau steht die Regel, in welchem Gesetzbuch, in welcher Vorschrift. Und dann befolgt man diese Regel, weil man davon ausgeht, der, der die Regel geschrieben hat, der wird sich ja schon was bei gedacht hat. Was wir uns aber nicht fragen ist,

Ist denn die Regel überhaupt sinnvoll? Brauchen wir die überhaupt? Ist die vielleicht falsch oder nicht mehr angemessen? Würde jemand tatsächlich diese Fußschellen abwerfen? dann wäre er trotzdem noch so schüchtern, dass selbst wenn er nur einen kleinen Schritt geht, er im Grunde genommen immer noch Angst hat, weil er es einfach nicht gewohnt ist. Das heißt, hier haben wir nochmal die Wiederholung von dem, was wir vorhin hatten, dass also das Ganze ein bisschen schwierig ist. Die Folge davon ist, dass es kaum jemanden gibt, der selbstständig denken kann, nämlich nur wenige, denen es gelungen ist, aus sich selbst heraus ihren Geist zu entwickeln und sich von der Unmündigkeit selbst zu befreien. Also nur wenige sind berufen, sozusagen. Andererseits glaubt Herr Kant, dass... Menschengruppen, die können das. Das Publikum nennt er das. Das Publikum kann sich selbst aufklären. Das ist eher möglich, als dass jeder Einzelne sich aufklärt. Und im Grunde genommen ist es nach seiner Meinung beinahe unausweichlich, wenn man dem Publikum nur die Möglichkeit bietet. Ja, und das kennen wir ja. Wir wissen ja, dass wenn mehrere Menschen zusammen sind und über etwas nachdenken, immer der ein oder andere was beizutragen hat.

Heutzutage nennen wir das dann teilweise Schwarmintelligenz, sei mal dahingestellt, was das tatsächlich ist. Aber zumindest kann die Gruppe, wenn sie ernsthaft an Gedanken und Problemlösungen interessiert ist, im Team mehr leisten als der Einzelne, weil eben jeder für bestimmte Dinge gut ist, bestimmte Dinge besonders kann. Das heißt, Kant ist also der Meinung, dass im Grunde genommen zwischen diesen beiden Gruppen, die wenigen einzelnen, die es schaffen, sich selbst vom Joch der Unmündigkeit zu befreien, das sind quasi die Multiplikatoren, die Selbstdenker. Und die können also ihren eigenen Wert, nämlich ich weiß, wer ich bin, ich kann selber denken und das ist meine ureigenste Tätigkeit, nämlich der Beruf jedes Menschen, selbst zu denken. Das ist der Beruf. Der Mensch ist definiert dadurch, dass er ein Selbstdenker ist. Und weil es diese Einzelnen gibt, die den Mut hatten, sich aus der Unmündigkeit zu befreien, verbreiten die um sich herum einen Geist des freien Denkens. Das heißt, hier sehen wir, dass im Grunde genommen da auch ein pädagogisches Instrument drin ist.

Wenn man andere Leute belehren will, nützt es nichts, denen die Wahrheiten, die man hat, vor den Kopf zu knallen und zu sagen, das ist die Wahrheit, das ist die Wahrheit. Und warum bist du so dumm und verstehst das nicht? Nein, die Leute sind ja nicht bereit. Die Leute haben ja Angst. Das heißt, diese Wahrheiten wollen sie oftmals nicht hören. Vielleicht dauerhaft oder auch nur temporär nicht. Und man muss also auf diese Ängstlichkeit eingehen. Das heißt, man kann nur mit einigen Leuten Klartext reden und alle anderen müssen die Wahrheit so beigebracht bekommen, dass sie akzeptabel ist. So, aber mal hingesagt, du bist ja dumm, du bist ja dumm. Dann ist das pädagogisch sicherlich nicht der schlauste Weg. Dementsprechend ist die Schlussfolgerung, Das Publikum kann nur langsam zur Aufklärung gelangen. Also auch das muss man sich mal zu Gemüte führen. Es kann nicht schnell gehen. Selbst der Einzelne, bei dem ging es ja auch nicht schnell. Der muss sich doch mal daran erinnern.

wie viele Tage, Wochen, Monate und Jahre er gebraucht hat, auf dem Verständnisgrad zu sein, den er heute hat. Und von dem anderen meint er, das sag ich dir jetzt und jetzt musst du das auch akzeptieren können. Nein, der braucht doch genauso lange. Und wenn er gar nicht so mutig ist wie man selbst, braucht er vielleicht noch viel, viel länger. Also wir müssen auch Verständnis haben. Das impliziert nach meiner Meinung Kant, dass Menschen eben langsam lernen und nicht schnell. Ja, nun kann man sich natürlich die Frage stellen, gibt es nicht doch einen schnellen Weg? Die Revolution, gerade im politischen Bereich. Was ist, wenn wir politische Führer haben, die eben ein unfreies Denken propagieren und nicht möchten, dass das Volk sich aufklärt? Dann könnte man doch einfach Revolution machen. Zack, zack und dann ist alles weg. Dann sagt Kant, nein, man kann zwar den einen Despoten und Herrschsüchtigen loswerden, aber dadurch ändert sich die Art des Denkens nicht, sondern dann wird ein neuer Despot, eine neue Regierung eingesetzt und die hat dann auch wieder irgendwelche Glaubenssätze, die dann genauso funktionieren wie die alten Glaubenssätze. Das heißt, man kommt im Grunde genommen vom Regen in die Traufe und ändert gar nichts.

Das finde ich ganz interessant, denn wir sehen ja immer wieder, auch in modernen Gesellschaften, dass wenn Menschen oder Teile der Bevölkerung nicht zufrieden sind mit Regierungsmaßnahmen, dass sie dann eben Revolution, Revolution, alles muss weg oder alles muss neu. Die Menschen haben, wenn man jetzt Kant folgt, nicht zu Ende gedacht. Dadurch, dass man Personen ersetzt und dadurch, dass man Institutionen ersetzt, wird die Denkart, mit der diese funktionieren, die wird eben nicht ersetzen. Aber man kann eben auf die Aufklärung setzen und Aufklärung bedeutet für ihn hier die Freiheit, von seiner Vernunft öffentlichen Gebrauch zu machen. Das heißt, die freie Rede, die freie öffentliche Diskussion, das ist das, was Kant meint. Er unterscheidet aber... zwischen dem öffentlichen Gebrauch der Vernunft und dem Privatgebrauch. Also er sagt jetzt nicht, jeder soll immer die Wahrheit sagen, das sagt er nicht. Er sagt, in der öffentlichen Umgebung, da kann jemand die Wahrheit sagen. Aber als Privatgebrauch, Privatgebrauch heißt, wenn er zum Beispiel Mitarbeiter einer Firma ist,

Wenn er Mitarbeiter eines Staates ist, zum Beispiel Polizei oder Minister oder was auch sonst immer, oder heutzutage ein Pflegedienst, dann muss er im Rahmen der Funktionsfähigkeit dieser Organisation sich den Richtlinien dieser Organisation unterwerfen. Dort hat er sie zu gefolgen, so meint jedenfalls Kant. Und dort ist dann eben seine Freiheit des Denkens und Redens natürlich erheblich eingeschränkt, aber da er ja das Recht hat und die Möglichkeit, öffentlich seine alternative Meinung zu äußern, stört das ja nicht. In seiner Firma passt er sich an und ist dann eben so wie alle anderen auch, aber in seiner Freizeit, da schreibt er Bücher, da macht er Filme, da redet er mit Leuten so, wie er öffentlich reden will. Im Grunde genommen ist Kant ja fast schon am Ende mit seinem kurzen Essay und stellt sich dann 1784 die Frage, ja und wie ist denn jetzt unser Status quo? Wir haben jetzt 150 Jahre Aufklärung fast und leben wir nun in einem aufgeklärten Zeitalter? Er sagt nein. Also nach 150 Jahren oder 135 Jahren der Aufklärung ist das Ergebnis, das Zeitalter ist noch nicht aufgeklärt.

So jetzt sind wir 235 Jahre oder 237 Jahre weiter. Und wenn wir uns die Frage stellen, Leben wir denn jetzt in einem Zeitalter der Aufklärung? Die Frage können wir uns ja beantworten, wenn wir heutzutage sehen, wie auf der ganzen Welt Medien und Politik, ich sag mal, Glaubenssätze verkünden, Wahrheiten, Gesetze und Teile der Bevölkerung das ganz anders sehen. Also selbst jetzt im Grunde genommen, da ja die Aufklärung 1650 angefangen hat, sind wir ja 350 Jahre später und wir sind immer noch nicht aufgeklärt, sondern wie Kant sagt, nein, wir sind zwar nicht in einem aufgeklärten Zeitalter, aber wir leben in einem Zeitalter der Aufklärung. Das heißt, der Prozess der Aufklärung ist noch in vollem Gange. Nun ist aber die Frage, wenn man sich jetzt vergegenwärtigt, dass ja eben unsere geistigen Führer, das waren früher eben die Priester und natürlich auch

Die Staatsoberhäupter, also heute sind es Staatsoberhäupter, Wissenschaftler und Unternehmen. Wenn also jemand ja als Staatsoberhaupt selber schon auf Aufklärung eingestellt ist, zumindest in Teilen, dann hat er eigentlich auch nichts dagegen, dass seine Bürger selbstständig denken und dass sie sogar Kritik äußern. Dass sie also tatsächlich... Verbesserungsvorschläge machen und erzählen, was alles mit den Gesetzen nicht so in Ordnung ist. Und warum muss das für ihn kein Problem sein? Weil das Ergebnis dieser Kritik ist ja eine Verbesserung des Staatswesens. Und warum sollte jemand Angst davor haben, dass das Staatswesen besser wird? Also im Grunde genommen muss man sagen, der gute Herr Kant sagt ja, wir brauchen schon die Rahmenbedingungen, dass die Staaten das freie Denken ermöglichen und dann müssen eben die Massen öffentlich debattieren, angeleitet durch einige Vordenker, die schon ein bisschen weiter vorangeschritten sind in der Befreiung ihres Denkens. Und wenn ich jetzt mal zur Zusammenfassung komme, dann möchte ich sagen, okay, was haben wir? Wir haben 150 Jahre Epoche der Aufklärung, wo es darum ging, eben die Ratio-

und den Glauben zu ersetzen. Wir haben die Definition von Kant, dass im Grunde genommen der Mensch durch die Aufklärung, durch das Denken mündig wird, aber dass er es nicht ist. ist seine eigene Schuld, nämlich weil er sich nicht entscheiden kann, selbstständig zu denken und weil ihm der Mut fehlt und weil er zu faul ist. Dann kommt eben noch ungünstigerweise hinzu, dass die Gesellschaft durch ihre Autoritäten aktiv verhindert, dass Menschen selbstständig denken und dadurch, dass sie das über einen längeren Zeitraum machen, verlernen die Menschen überhaupt, selbstständig zu denken. Und der Trick, Ihnen das beizubringen, man sagt ja nicht, du darfst nicht denken, ist eben alles zu formalisieren in Gesetzen und Vorschriften und Formeln aller Arten. Und die haben den Nachteil, dass man nicht mehr denkt, sondern gedacht wird, weil man nur noch abliest, was in Vorschriften steht. drinsteht. Um sich daraus zu befreien, braucht man im Grunde genommen die einzelnen Vordenker, die es schaffen, sich von alleine zu erheben aus der Blindheit. Und die verbreiten um sich herum den Geist des freien Denkens, aber eben nur bei den Leuten, die so ähnlich denken. Das heißt, sagt ihr ausdrücklich Revolution? Nein, danke. Das heißt, alle Gewalttätigkeit gegenüber dem Staat

aber auch gegenüber Menschen, die Angst haben. So nach dem Motto, ich mache dir jetzt Angst, wenn du nicht auf mich hörst. Und der Staat macht etwas, was schlimm ist, ich beweise dir das. Der Staat ist aber ganz böse, verhält sich der Aufklärer genauso demagogisch, genauso manipulativ wie der Staat selber, weil er dem anderen Denkschablon vorgibt, sagt, das musst du denken. So, und das ist sicherlich nicht das, was Kant möchte. Also wir brauchen schon nach Kant eben freie Rede und Kritikmöglichkeiten, aber wir sollten das nicht überstrapazieren, so sagt er, sondern innerhalb von Organisationen. Muss man schlichtweg Regeln befolgen und das gilt auch für den Staat. Das führt im Text dann noch weiter aus, dass bestimmte Dinge eben gemacht werden müssen, damit der Staat als solcher funktioniert. Man kann nicht über alles jederzeit debattieren. Ja, und wenn ich jetzt mich frage, was passiert?

Was bedeutet das für Menschen, die sich selber für aufgeklärt halten? Das erste ist, dass man verstehen muss, dass wer unmündig ist, Angst hat. Und dass diese Angst eben eine Interessenlage der politischen und gesellschaftlichen Führungskräfte ist. Die möchten gerne, dass Menschen Angst haben. Und weil das so ist, kann Aufklärung nur sehr langsam funktionieren und jeder, der meint, das muss alles ganz schnell gehen und ich lege jedoch den Beweis vor, der hat dann eben im Sinne Kants überhaupt nicht verstanden, wie Menschen funktionieren. Das heißt, sein Projekt, die Menschen gegen ihren Willen aufzuklären, indem er ihnen hunderte von Seiten Beweise vorlegt, das kann nicht funktionieren, das ist psychologischer Unsinn. Im Grunde genommen setzt es also viel höher an, nämlich an den Rahmenbedingungen. Das ist meine Meinung, Schlussfolgerung. Nämlich man muss gucken, Revolutionen bringen nichts, weil sie eben nur von einer Zwangsmaßkultur zur nächsten führen.

Das haben wir übrigens auch in der französischen Revolution gehabt. Wie heißt es da so schön? Die Revolution frisst ihre Kinder. Bedeutet also, dass man die Rahmenbedingungen für freies Denken optimieren muss. Und das geht aber nur dann, Wenn man eben auch staatliche Unterstützung hat, das heißt, man braucht auch dort Vordenker, eben freie Menschen oder an Freiheit, freiem Denken, Kritik orientierte Menschen und natürlich man muss diese Apparate abschaffen oder zumindest auf ein entscheidend geringeres Maß zurückbauen, die das automatische Denken eben fördern. Das heißt Redaktion von Gesetzen, Formen, Vorschriften und so weiter. Und was eben interessant ist, das sagt jetzt der Kant so nicht, sondern das ist meine Interpretation, die Staatshäupter, Oberhäupter müssen auch aufgeklärt werden. Denn warum schüren sie denn Angst? Warum wollen sie denn die Menschen in Dunkelheit halten? Weil sie selber Angst haben. Sie glauben, wenn sie freie, selbstständig denkende Bürger hätten, dann würde das für sie zum Nachteil sein. Das heißt, die Aufklärer, die jetzt sagen, der muss weg und der muss weg und der muss verhaftet werden und der muss vor ein Tribunal gezogen werden.

Diese Aufklärer verstehen nicht, wie Menschen psychologisch funktionieren. Sie argumentieren genauso schematisch, genauso formelhaft. Es steht doch im Gesetz. Aber wir sind doch auch Christen in unserer europäischen Kultur. Und da geht es nicht um Vergeltung, sondern um Vergebung. Und das heißt, anstatt also die Führungskräfte, die die Menschen im weitesten Sinne versklaven, zu verdämonisieren, sollte man, das ist meine Empfehlung, auch Verständnis für diese Führungskräfte haben, weil die wissen es nicht besser, die leben selber in Angst. Und wenn es unseren aufgeklärten Menschen in einer Gesellschaft gelingen würde, politische und andere Führungskräfte aufzuklären, dann ändern die doch ihr Verhalten, das sind doch Multiplikatoren, das sind doch diejenigen, die die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen. Also das wäre ein Punkt, wo ich sagen würde, diese Lektion, die müssten wir heute eigentlich noch lernen. Dementsprechend möchte ich schließen mit der Frage, ist das, was Kant vor über 200 Jahren gesagt hat, ist das heute in 2022 noch von Relevanz? Ich meine ja, es ist hochaktuell.

Und es ist ein uralter Text, eben fast 240 Jahre alt. Der gilt genauso. Und was hat erkannt? Damals in seinem Essay, ganz am Anfang, im ersten, zweiten oder dritten Absatz, gesagt, Sapere aude oder Andlerweise. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. In diesem Sinne freue ich mich, wenn Sie sich Ihres eigenen Verstandes bedienen und vielleicht Ihre Meinung unten in den Kommentarbereich mal reinschreiben, was Sie davon halten. Und ob sie auch der Meinung sind, dass es ohne Revolution geht, dass man Menschen nur mit Vernünftigkeit und mit Ruhe überzeugen kann und nicht mit gewalttätiger, aggressiver Argumentation. Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.

Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Mut zur Vernunft: Die Kraft der Aufklärung | Die Essenz der Weisheit von Immanuel Kant“, Die Welt Klar Sehen, 18.02.2022.

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Analyse von Immanuel Kants Aufklärungs-Essay von 1784: Warum Menschen freiwillig unmündig bleiben, wie Autoritäten selbstständiges Denken verhindern und warum Aufklärung ein langsamer Prozess ohne Revolution ist.

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