Carl von Clausewitz - Vom Kriege: Das Leben des berühmtesten Militärstrategen aller Zeiten22.04.2022
Abschrift
Abschrift des Videos vom 22.04.202223 Abschnitte
Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.
Hallo liebe Zuschauer, willkommen auf meinem Kanal, die Welt klar sehen. Heute möchte ich Sie mit einem, ja ich sag mal, doch gewissermaßen zeitgenössischen Thema freuen oder zumindest informieren. Und zwar geht es ja darum, was denn eigentlich der Krieg ist und wie er funktioniert. Und da gibt es einen Menschen, der hat eines der tollsten Bücher zu dem Thema geschrieben. Deswegen heißt er eben auch der erfolgreichste oder einer der berühmtesten Militärstrategen aller Zeiten. Und das ist der Herr Carl von Clausewitz. Und bevor wir in dessen dickes Buch, das sind so 600, 800 Seiten. Da wollen wir natürlich nicht ganz einsteigen, aber ich möchte Ihnen in mehreren verschiedenen kleinen Videos die Grundzüge des militärisch-strategischen Denkens erläutern, so wie Herr Clausewitz sie seinerzeit erkannt hat. Aber damit wir uns eine Vorstellung davon verschaffen können, warum der Mann dafür kompetent ist und warum auch viele andere ihn immer noch für kompetent dafür halten, dafür möchte ich mit Ihnen heute in der ersten Etappe seine Biografie mal kurz durchgehen, damit wir sehen, wie er dazu gekommen ist. Also freuen Sie sich, bis gleich!
Ja, fangen wir also einfach mal an und zwar mit dem ersten Teil, nämlich wer war eigentlich der gute Herr von Clausewitz? Und Herr Clausewitz ist schon einige Zeit lang tot. Er hat nämlich gelebt von 1780 bis 1831. Das sind also gerade mal 51 Jahre. Es war ein Deutscher, der in der Nähe von Magdeburg geboren ist. So, und wir sehen, dass er hier offensichtlich militärische Ehrenabzeichen hat. Und vielleicht erfahren wir ja gleich mal, wie es dazu kam. Warum ist der Clausewitz so bekannt? Ja, schlichtweg, weil er einfach ein dickes Buch geschrieben hat. Und dieses Buch wird jetzt von dem Verlag angekündigt als das bedeutendste Werk über Kriegsführung, das je verfasst wurde. Ja, natürlich hat es auch schon andere Bücher gegeben, die sich mit dem Krieg beschäftigt haben. Da sind ja viele Namen bekannt, zum Beispiel einer der ersten ist der Herr Sun Tzu, ein alter chinesischer Stratege. Aber mein Clausewitz ist doch noch etwas anderes, denn der Clausewitz ist quasi der erste Mensch in der Geschichte,
der versucht hat, den Krieg wissenschaftlich zu erforschen. Das heißt, was der Krieg in seinem Wesen ist und nicht einfach nur das eine oder andere zu beschreiben, sondern er wollte wissen, was ist der Krieg an sich sozusagen. Tatsache ist, dass eben seine Erkenntnisse bis in die Vergangenheit, sogar in die Gegenwart stark nachgewirkt haben. Wenn wir mal schauen, seine Theorien wurden später sogar umgesetzt, zumindest in Teilen. Einmal von Marx und Engels in ihren Theorien zum Partisanen-Krieg. Dann hat der General Moltke im Ersten Weltkrieg einiges von Clausewitz übernommen. Auch Herr Lenin hat sich an Clausewitz'schen Theorien orientiert, genauso wie der General Ludendorff im Zweiten Weltkrieg. Adolf Hitler, auch wenn die nicht immer einer Meinung waren, wie er Clausewitz-Theorien zu interpretieren seien. Nach dem Kriege hat es eigentlich eine richtige Renaissance gegeben, insbesondere in englischsprachigen Ländern, speziell in Großbritannien, da wurde das also auch wissenschaftlich und militärgeschichtlich ausgearbeitet und bis heute werden Clausewitsche
Lehren an Militärschulen weltweit nach wie vor im Unterricht für die angehenden Offiziere gelehrt. Und nicht nur das, es hat auch in dem Managementbereich schon seit Jahrzehnten Einzug gehalten. Zum Beispiel an der Harvard University ist das ein Bestandteil des Betriebswirtschaftsstudiums. Und Boston Consulting ist jetzt nur eine der größeren Consulting-Gruppen weltweit. die ebenfalls ihren Unternehmern, die sie beraten, mit Clausewitzschen Theorien durchs Leben helfen wollen. Nun kann man sich fragen, was hat denn jetzt eigentlich Wirtschaft mit Krieg zu tun? Ja, da gibt es Leute, die sagen, Krieg, Liebe und Wirtschaft, das ist alle ein und dasselbe. Da ist nämlich alles erlaubt und das Grundprinzip ist immer dasselbe. Na, wollen wir mal gucken? Ja, und wer war denn der Herr Clausewitz nun eigentlich? Also sein Vater ist ein Steuereinnehmer gewesen und war angabegemäß ein Adliger aus Oberschlesien und er hat sogar im Siebenjährigen Krieg mitgekämpft, ist dann aber entlassen worden, weil man ihm das nicht abgekauft hat, dass er adlig ist. Und zu damaliger Zeit im Königreich Preußen waren eben die Offiziersränge ausschließlich von adligen Offizieren.
Und nachdem es dazu gekommen ist, dem Vater anzuzweifeln, dass er ein Adliger sei, hat man ihn schlichtweg entlassen. Das hat den guten Mann offensichtlich sehr gefuchst. Aber dazu kommen wir noch. Der Herr Clausewitz, von dem wir jetzt reden, der hat sogar noch zwei ältere Brüder gehabt. Also Jahrgang 1871 und 1773 sind die geboren. Während er selber ist ja 1780, also der Jüngste. Die anderen sind sieben beziehungsweise neun Jahre älter. Und wir sehen, dass auch diese beiden in ihrem späteren Leben eine militärische Laufbahn gemacht haben und höhere Ränge bekleidet haben. Ich vermute mal, dass der Vater, nachdem er sieben Jahre lang als Offizier gedient hat und dann quasi rausgeschmissen wurde, weil er nicht adlig war, es ihn einfach gefuchst hat und er dafür gesorgt hat, dass seine drei Söhne jetzt alle erst recht eine militärische Laufbahn machen. Na, aber schauen wir mal weiter. So, wie ging es denn mit unserem Carl weiter, mit dem Clausewitz?
Ja, er hatte erstmal keine militärische Positionierung, sondern kam in die örtliche Lateinschule, wo man eigentlich sich fürs Priesterkollegium vorbereitete und für alte Sprachen, speziell Latein. Aber mit zwölf Jahren, also kleine Anmerkung, Sie werden immer hier zu den Jahreszahlen dann in rot eine andere Zahl finden. Das ist dann in seinem zwölften Lebensjahr. Und mit dem zwölften Lebensjahr kam er dann nach Neuruppin in das Infanterieregiment 24. Und da möchte ich mal so kurz einwerfen, das waren doch irgendwie andere Zeiten. Also mit zwölf Jahren geht der jetzt zum Heer, zur Armee und läuft Gefahr, dass er dort Ja, mit Gerätschaften zu tun hat, die tödlich sind, dass er vielleicht in Kriege kommt, wo er getötet werden könnte. Heutzutage, ja ich sag mal über 200 Jahre später, da sieht es ja eher so aus, dass man mit zwölf Jahren man gerade froh ist, wenn man seinen Kindersitz nicht mehr im Auto anziehen muss. Das heißt, wir haben ja heute mit Zwölfjährigen ein ganz anderes Verhältnis. Damals waren das ja quasi schon Männer, zumindest Jungmänner.
Und heutzutage wohnt man ja noch mit 30 bei seiner Mutter und lässt sich die Wäsche waschen. Also das ist schon eine andere Zeit gewesen. Ja, tatsächlich kaum, dass er eingetreten war. Im Jahr 1793 geht es gleich im nächsten Jahr los mit dem Einsatz. Das muss man sich mal vorstellen. Der hat mal gerade seine Grundausbildung und schon ist er mit dabei bei der Belagerung von Mainz. Und da haben also verschiedene Parteien gekämpft. Die stehen hier rechts. Das sind die, die gegen Frankreich gekämpft haben. Und es war ja quasi die Zeit der Napoleonischen Kriege im weitesten Sinne, oder zumindest die Vorbereitung. Und wir haben hier also dann zwar einen Sieg. Und was hat jetzt der Clausewitz dort gemacht? Der war als junger Mann natürlich noch nicht voll einsatzfähig. Sprich, der wird natürlich Botengänge gemacht haben, Kuriergänge und ähnliche Sachen gemacht.
So, dann ist er da gerade fertig mit Mainz. Ja, dann geht es ja schon gleich weiter für die nächsten zwei Jahre, nämlich er nimmt gleich an zwei Feldzügen teil, nämlich am Feldzug vom Rhein, der dann auch mit einem Frieden endet und dann auch noch am ersten Koalitionskrieg. Und wir sehen auch hier, da kämpft wieder Frankreich, diesmal gegen Preußen, Österreich, Großbritannien, Niederlande, Spanien. Also ich möchte mal sagen, man sieht ja schon an der Menge der Kriegsparteien, das ist ja schon eine Art, ja mindestens europäischer Krieg. Weltkrieg würde ich vielleicht nicht sagen, aber europäisch auf jeden Fall. Ja, dann ist erstmal, wenn wir jetzt auch mal zurückgucken, 1795 war dann seine letzte Einsatzzeit, da war er zwischen 13 und 15 Jahren alt und dann geht es aber erst weiter. 1805, 1806. Da ist er schon 25, 26 Jahre. Das heißt, er hat jetzt zehn Jahre quasi Pause gehabt. Da gab es jetzt mal keinen Krieg, sondern er hat dann eben in seiner Kaserne seine Arbeiten gemacht und ist mittlerweile aufgestiegen zum Stabskapitän und Adjutanten. Das ist also so eine Hilfe eines entsprechenden Offiziersgrades. Aber dann
geht es eben wieder in einen Krieg, in einen von, ich glaube, sechs oder sieben Koalitionskriegen, wo immer Frankreich gegen irgendwen kämpft und diesmal ist Frankreich mit jemandem verbündet. Und auf der anderen Seite stehen Preußen und Russland. Das heißt, mit 25 Jahren ist der gute Mann also schon vier Jahre lang sozusagen im Krieg gewesen. So, letztendlich endet dieser Krieg aber mit dem Sieg Napoleons und wir sehen, dass Napoleon dann in Berlin einzieht und der Clausewitz war tatsächlich ja in Gefangenschaft geraten und hat in dieser Gefangenschaft sich darüber Gedanken gemacht, wieso haben die eigentlich die Schlachten dort verloren, wieso konnte Napoleon siegen. Und diese Gedanken hat er in Briefen eben formuliert und diese Briefe, die waren offensichtlich so interessant, dass kurze Zeit später, nämlich schon 1809, also wenn wir nochmal zurückschauen,
1727 zieht Napoleon ein und da schreibt Clausewitz seine Briefe und 1809 mit 29 Jahren ruft ihn der General In quasi in den Generalstab ein als Mitarbeiter. Das heißt, da hat also der Herr Clausewitz etwas geschrieben als mit 20er Soldat, das so clever war, dass eben ein General der Meinung war, ja, den brauchen wir und zwar an einer Stelle, die wichtig ist. Denn der Scharnhorst war jemand, der zu den Reformern im preußischen Heer gehört. Und er sagte, ja, wenn wir schon verloren haben, dann ist ja irgendwas falsch im Staat Preußen. Dann muss ja irgendwas mit dem Tier anders gemacht werden. Und da waren also die Ideen, die der junge Mann Clausewitz gemacht hat, genau das, was er haben wollte. Und nicht nur, dass er irgendein Mitarbeiter war, sondern wie es heißt, er war ein wichtiger Mitarbeiter.
Einige Jahre später, nicht einige Jahre, sondern schon ein Jahr später, mit 30 Jahren, wird er also bei dem Scharnhorst einmal befördert zum Major und er wird auch dessen Büroschef. Das heißt, er ist jetzt schon fast ganz oben angelangt mit 30 Jahren. und wird in der Allgemeinen Kriegsschule zu Berlin Lehrer für den Generalstabsdienst und für Taktik. Das heißt, wir haben also jemanden, der mit 30 Jahren Generalstabstäplern Militärtaktik beibringt. Der ist selber aber noch kein General. Das heißt, er ist offensichtlich von Herrn Scharnhorst als so eine Art in gewisser Weise militärische Genie angesehen worden oder zumindest besser als alle anderen. Außerdem hatte er eigentlich auch schon vorher immer Kontakt zum Königshaus und war dann nebenbei noch Hauslehrer für preußische Prinzen, insbesondere auch für den Kronprinz. Das heißt, das war derjenige,
der später Kaiser Wilhelm I. wurde. Also wir sehen, dass der Clausewitz mit jungen Jahren wirklich schon an ganz zentralen Stellen der Macht zumindestens im Staat Preußen ist. Und ja, was haben die dort gemacht in dieser Militärschule? Also diese Kriegsschule ist im Grunde genommen eine Art von Akademie. Das ist jetzt keine Erfindung von Herrn Clausewitz, das gab es schon bei Friedrich I., also schon viele Jahrzehnte zuvor. Aber jetzt wurde eben das alles optimiert, weil man eben wollte, dass die... dass die Offiziere besser gebildet sind als ihre Soldaten. Man darf ja nicht vergessen, es war ja nicht jeder des Lesens und Schreibens kundig und so musste man natürlich für eine gewisse Grundbildung sorgen und ein Grundverständnis. Und das bezog sich jetzt nicht nur auf rein militärische Angelegenheiten, also Militärwissenschaften, sondern eben auch auf Naturwissenschaften, soweit sie damals bekannt waren. wie Mathematik, Chemie, Physik und natürlich auch bestimmte Sprachen. Die Ausbildung ging drei Jahre lang und in diesen drei Jahren hat man neun Monate an der Universität oder an dieser Heereschule gelernt und drei Monate war man dann wieder in der Truppe bei der Praxis. Da muss man dazu sagen,
Dieses Prinzip mit diesen Heereschulen, mit diesen Zentralen, das gibt es heute noch. Und die Clausewitsch-Prägung, die war so erfolgreich, dass man auch im Dritten Reich, hat man auch so eine Heereschule gehabt. Und man sagt, das Dritte Reich, dem wollen wir nichts zu tun haben. Das kann man so sehen, aber man darf nicht vergessen, auch heute, haben wir Führungsakademien, die Führungsakademien der Bundeswehr, die stammen direkt von dieser Heereschule in Berlin ab. Das heißt, wir haben in Deutschland heutzutage eine ganz klare historische Linie, die direkt zu Clausewitz und seinen taktischen und strategischen Lehren führt. Das darf man nicht außer Acht lassen. 1812 wollte also jetzt Napoleon, der ja die Preußen besiegt hatte, wollte jetzt mit seinen unterlegenen Truppen, nämlich den Preußen, gegen Russland kämpfen.
Und da war der Herr Clausewitz mittlerweile schon Oberstleutnant, also noch eine Etage höher gestiegen, war aber davon gar nicht begeistert, weil er wollte ja nicht mit dem Feind, den er vorher jahrelang bekämpft hat in mehreren Kriegen, sich für den einsetzen, um den nächsten niederzumachen. Also hat er sich dagegen verwehrt und hat gleichzeitig aber weitere Reformen gefordert im Militär und in der Verwaltung und verlässt aber die Armee. Jetzt darf man eins nicht vergessen. Warum verlässt er jetzt die Armee? Was soll das? Ist das jetzt ein Fahnenflüchtiger? Und warum konnte er da keine Unterstützung finden in der bisherigen Truppe? Ja, weil ja... Bisher war es ja so gewesen, dass ursprünglich die Offiziere immer nur Adlige waren. Die mussten aber nicht unbedingt die Schlauesten sein. Wenn jetzt aber zu der Reform gehört, dass nur diejenigen, die an der Heereschule einen vernünftigen Abschluss haben, auch Offiziere sein dürfen und nicht die, die aus einem Adelsgeschlecht stammen,
Ist klar, dass es da einige gibt, die sagen, das kann ich ja nicht machen. Wenn ich dieser Reform zustimme, dann kann mein dummer Sohn, der ist zwar adelig, hat aber keine Ahnung, dann kann der ja nicht Offizier werden. Und dementsprechend gab es da offensichtlich Widerstand. Also er hat Widerstand an zwei Fronten gehabt. Die Reform konnte er wohl nicht durchsetzen. Und außerdem war er mit dem, sich dem Napoleon unterzuordnen, auch nicht einverstanden. Also was macht er? Er geht zu den Russen und lässt sich dort einsetzen. Die haben ihn offensichtlich mit Kusshand genommen, denn prompt wurde er bei verschiedenen Schlachten getötet. eingesetzt und hat überall teilgenommen und war sogar bei einem der wichtigen Waffenstillstände einer der Hauptvermittler. Also die Russen wussten seine Kompetenz zu schätzen. Dann gab es schließlich die Befreiungskriege, das ist dann noch ein Jahr später und da ist er schon 33 und 35 Jahre alt und ist aber immer noch bei den Russen, Stabschiff eines russischen Korps und kriecht dann später, da ist er schon längst wieder zurück in Preußen, also bis 1815 ist er bei den Russen und 1819, also vier Jahre später, verleihen ihm die Russen ein Ehrenzeichen für Tapferkeit.
Also wir sehen hier, dass dieser Mann offensichtlich nicht nur kriegserfahren ist durch viel Praxis, nicht nur, dass er militärisch belesen und analytisch und strategisch gut ist, sondern er scheint auch in den Schlachten tapfer zu sein, sonst würde man ihm ja keine Tapferkeitsmedaille, Postum sozusagen verleihen. Ja, er bemüht sich dann mit 34 Jahren also dann zurück in die Armee einzutreten. Wieder in die Preußische, hat da wohl einige Widerstände gehabt, weil manche haben das wohl nicht so gut gefunden. Vielleicht weil sie dachten, dass er eben ein Fahnenflüchtiger ist, weil er nicht die Befehle befeuchtet, mit Napoleon gegen Russland zu kämpfen. Vielleicht auch, weil sie Angst hatten, dass er wieder mit den Heeresreformen anfängt und das dann unbequem sein könnte. So, dann nimmt er zum Schluss noch beim Feldzug gegen Napoleon teil und hier jetzt auch im Rang als Oberst und als Stabschef einer bestimmten größeren militärischen Einheit und wird dann anschließend sogar Chef des Stabes im Generalkommando bei einem berühmten General Herrn Gneisenau, der aber auch
zu den Reformern zählte und insofern war er da genau an der richtigen Stelle. Das heißt, der Reformer hat sich bei einem höheren Reformer wieder einfinden können und dementsprechend weitermachen können. Tatsächlich wurde er zwei Jahre später Dann jüngster Generalmajor, zwischenzeitlich war ja die Kriegsschule geschlossen worden und jetzt ist sie wieder eröffnet worden. Und jetzt ist er der jüngste General, den es je in Preußen gegeben hat, mit nur 38 Jahren, wird Direktor der Heeresschule, hat aber keine Lehrbefugnis. So und warum das so ist, habe ich nicht so genau ergründet, aber Faktum ist jedenfalls, dass er offensichtlich die Qualitätsanforderungen dieser Ausbildung nochmal angehoben hat. Denn jetzt durften nur noch 55 Teilnehmer teilnehmen und die Schule hat den Status in Preußen gehabt wie bei einer Universität. Also es war quasi das, was vergleichbar oder ein Vorläufer von dem, was wir heute die Bundeswehrhochschule nennen.
Ja, und weil er ja eben keine Lehrbefugnis hatte, also was hat er denn gemacht? Er konnte ja dann also nur Personal einstellen und die Lehrpläne machen, aber selber eben nicht lehren, hat er, das ist meine Spekulation, wohl ein bisschen Langeweile gehabt und hat dann angefangen, an seinem Werk vom Kriege zu arbeiten. Tatsache ist, dass er nebenbei dann noch, während er daran arbeitet und Mitglied im Generalstab ist, auch noch weitere Analysen macht über die Schlacht bei Jena-Auerstedt 1806 und darüber ein eigenes Buch sozusagen verfasst. Da ist er dann aber schon 43, 44 Jahre alt und dann passiert erstmal die nächsten Jahre lang nichts. Und schließlich geht es im Zuge der bestimmten Befreiungskämpfe, die die Polen gegen Russland haben, wird er nach Breslau versetzt und soll jetzt quasi die Polen unterstützen gegen Russland.
Und dann ist er eben unter seinem Vorgesetzten Gneisenau und jetzt wird es ein bisschen dramatisch. Gneisenau stirbt an der Cholera. Man vermutet oder einige vermuten, dass eben die Russen die Cholera quasi mit in den Krieg gebracht haben. Naja, ist ja vielleicht auch nicht erstaunlich, denn das Wetter ist da aufregend. Im Osten nicht ganz so schön und mit der Hygiene ist das ja auch mal so eine Frage bei kämpfenden Truppen, zumindest in früheren Zeiten. So, Gneisenau stirbt und Clausewitz kriegt die Befehlsgewalt über alle preußischen Truppen an der Front. Das heißt, jetzt ist er zum ersten Mal, also mit knapp, was haben wir hier, mit 50 Jahren, ist er endlich ja ganz, wirklich ganz oben. Er ist jetzt der oberste Befehlshaber der preußischen Truppen. Und das in Anbetracht dessen, dass sein Vater ja aus der Armee rausgeschmissen wurde. Also er ist ja auch nicht adelig. Gut, er hat zwischenzeitlich mal eine Frau geheiratet, die aus dem Adelsgeschlecht stammte.
Aber das hatte ja mit seinen besonderen Fähigkeiten in der Strategie und Taktik, Kunst und der Tapferkeit natürlich eher wenig zu tun. Es ist aber so, dass er genauso wie Gneisenau an der Cholera erkrankt und dann nach Breslau, wo ja sein Einsatzort war, zurückkehrt und kurz danach stirbt, im Jahr 1831. Man vermutet ebenfalls durch Cholera, aber da sind sich die Biografen wohl auch nicht so ganz einig. Und seine Ehefrau Marie von Clausewitz, das ist also tatsächlich eine Adlige gewesen, die hat dann nach seinem Tode seine Schriften auf ihre eigenen Kosten herausgegeben. Dazu muss man sagen, dass Herr Clausewitz selbst das ausdrücklich so wollte. Also er hat seine Frau angewiesen, seine Schriften nicht zu seinen Lebzeiten zu veröffentlichen, sondern erst wenn er verstorben ist.
Also ihm war an dem Ruhm als Schriftsteller oder Autor offensichtlich nicht gelegen. Es wusste außer ihm auch niemand, dass er überhaupt an einem solchen Buch arbeitet. Und offensichtlich hat er befürchtet, dass er dadurch irgendwelche Probleme haben könnte oder Unruhe erzeugen könnte. Und deswegen erst nach seinem Tode. Das geschah dann natürlich auch. Und die Witwe hatte dann auch noch ein schönes Vorwort geschrieben, in dem sie sehr schön darstellt, dass sie beide also in harmonischer Weise gelebt haben und sie quasi in seine Gedanken mit eingebunden war und dass er eben sehr intensiv an diesen Schriften gearbeitet hat. Ja, und dieses Buch... Ja, ist dann eben das, wo wir dann beim nächsten Mal ein, zwei, drei Sachen besprechen wollen. Und Sie haben jetzt mal einen Eindruck gewonnen, wer der Clausewitz ist. Also wenn ich das mal zusammenfassen möchte, dann würde ich sagen, der Clausewitz ist jemand, der, ja,
offensichtlich ein geborener Stratege ist, vielleicht weil es eben familiär schon vorbedingt war, vielleicht weil es die Zeit war, weil eben das normal war, beim Militär eine Karriere zu machen. Es war zu der Zeit auch normal, dass im Grunde genommen alle paar Jahre Krieg war und Krieg war ja eben Auch damals schon kein schönes Geschäft, aber es war eben eine Berufsausbildung. Es war etwas, was für die Leute ganz normal war. Da gab es sowas wie Pazifismus oder Humanismus, das kannte man da noch nicht. Und insofern dürfen wir das nicht aus der heutigen Sicht betrachten nach dem Motto, ja wie kann man denn zur Bundeswehr gehen? Na gut, wenn wir heute in die Tagespresse gucken, dann... gibt es ja schon manche Leute, die sagen, lieber mehr Krieg als weniger Krieg, lieber mehr Waffen als weniger Waffen, weil wenn der andere was will, was uns nicht gefällt, dann müssen wir ja schließlich was dafür tun, entweder mit Gelden oder mit Taten. Also insofern hat sich die Mentalität gegenüber von vor 250 Jahren nicht so wirklich geändert, sondern
Da sind wir schon in gewisser Weise noch gleich. Aber was wir dann beim nächsten Mal besprechen werden, schauen wir mal die ersten paar Grundzüge. Und ich verspreche Ihnen, es wird interessant sein, weil vielleicht wird Ihnen das eine oder andere Auge aufgehen und Sie den Krieg als Instrument, als Handlungsform von menschlichen Wesen ganz anders betrachten. Also bis dann. Ich freue mich, wenn Sie wieder einschalten. Und Tschüss. Clever Denken 300
Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Carl von Clausewitz - Vom Kriege: Das Leben des berühmtesten Militärstrategen aller Zeiten“, Die Welt Klar Sehen, 22.04.2022.
iWas dabei übertragen wird
Erst der Klick startet das Video und baut dabei eine Verbindung zu YouTube auf. Bis dahin wird nichts von dort geladen — auch dieses Vorschaubild liegt auf dem Server von dieweltklarsehen.de. Einzelheiten in der Datenschutzerklärung
Auch als Podcast: Spotify ·
Apple Podcasts ·
Amazon Music · Deezer ·
podcast.de · Podcast Index
Biografischer Auftakt einer Reihe zu Carl von Clausewitz und seinem Hauptwerk Vom Kriege. Uwe Loose zeichnet den Lebensweg des preußischen Strategen nach und ordnet seine bis heute an Militärakademien und in der Wirtschaft gelehrten Erkenntnisse ein (Säule 1: Welt & Macht).
