Carl von Clausewitz - Vom Kriege: Krieg ist erweiterter Zweikampf25.04.2022
Abschrift
Abschrift des Videos vom 25.04.202230 Abschnitte
Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.
Hallo liebe Zuschauer, willkommen in meinem Kanal, die Welt klar sehen. Ich hatte ja neulich angefangen mit Teil 1, der Biografie von Herrn Clausewitz. Aber nun wollen wir mal so ein bisschen einsteigen in das, was er geschrieben hat. Und dazu möchte ich mich auf sein Buch beziehen, auf das Buch vom Kriege. Da werde ich nachher noch was zu sagen. Aber wir werden das, was ich jetzt mitteilen möchte, in zwei kleinen Etappen machen. Nämlich einmal in dem ersten Teil, da geht es darum, was die Natur des Krieges ist. Genau genommen quasi über das Wesen des Krieges. Und im zweiten Teil wird das noch ein bisschen weiter ausgeführt. Aber das ist natürlich noch nicht alles. Das heißt, wir sind jetzt hier bei der Einführung in die Grundbegriffe. Und dann schauen wir mal gleich, wie es losgeht. Bis gleich. Klar sehen, clever denken. Ja, also die Grundlage von all dem, was ich mit Ihnen besprechen möchte, ist eben das Buch von Kriege. Das hatte ich ja schon mal kurz erwähnt, sodass es eben ein bedeutendes Kriegswerk ist und dass es um das Wesen des Krieges geht und dass das Buch eben ja doch eine gewisse Wichtigkeit auch außerhalb des Militärischen bekommen hat. Und worum geht es da im Detail im Buch?
Wenn wir da jetzt mal reinschauen, dann stellen wir fest, dass es einige hundert Seiten sind. Wie viele ist jetzt nicht so wichtig. Und dass dieses Buch selber erst mal anfängt, wie jedes andere Wort auch, mit irgendwelchen Vorreden. Und dann gibt es in diesem Buch wiederum acht Unterbücher. Buch 1 bis 8. Wobei man sagen muss, die ersten, also am besten ausgearbeitet ist quasi das erste Buch. Dann wird es so langsam ein bisschen schlechter und im siebten und in achten Buch, da geht es ja nur noch Skizzen. Und das sind quasi also Ideen, die der Herr Clausewitz hatte, aber im Grunde genommen nicht richtig spruchreif ausgearbeitet hat. Wir wollen uns natürlich jetzt nicht mit allen acht Büchern beschäftigen. Wir wollen ja keine Militärstrategen werden. Das sollen die gefälligst an ihren clausewitzschen Militärakademien machen. Sondern wir wollen uns mal so ein bisschen Grundgedanken machen. Und dazu möchte ich ja anfangen am Anfang. Das ist ja durchaus nicht unüblich, dass wir vorne anfangen bei Adam und bei Eva, bevor wir zur Z kommen.
Und dieses erste Buch von 8, das hat wiederum verschiedene Unterkapitel und was wir heute und im nächsten Abschnitt dann behandeln werden, ist nur die erste Hälfte vom ersten Kapitel, nämlich was der Krieg ist. drei Teile oder vier sein, vielleicht, das werden wir mal schauen. Und dann haben wir als Laien eine gewisse Vorstellung davon, was der Krieg ist und ob man dann tatsächlich noch weitergehen will, das sei mal dahingestellt. Vielleicht reicht es ja auch, wenn die so einen kleinen Appetizer haben und sagen, oh, das ist für mich interessant, vielleicht gucke ich mal selber in das Buch rein oder interessiere mich überhaupt mal dafür. strategisches, militärisches Denken. Aber wir wollen ja nicht hier eine Führungsakademie für YouTuber machen. Das könnte ich auch gar nicht. Bin ich ja gar nicht qualifiziert für. Also schauen wir mal. Ja, er fängt damit an, dass er sagt Einleitung und die Einleitung, da steht quasi nichts drin. Das ist für uns uninteressant.
Und dann kommt er zu einer Definition, nämlich zu der Definition, die ja auch hier Titel im Video war, nämlich Krieg ist nichts als erweiterter Zweikampf. Darum haben sie hier auch zwei Boxer, weil das ist ja für uns so die typische Situation, die wir als moderner Mensch kennen, ein Zweikampf. Und da möchte ich an der Stelle direkt mal nachhaken, ist denn dieser Gedanke überhaupt logisch? Ich persönlich würde mal so angehen, also wenn man irgendein Thema untersucht, dann fragt man sich doch zunächst einmal nicht nur, wie geht das insgesamt, sondern man muss es doch zerlegen, man muss es ja analysieren. Und worauf kann man es zerlegen? Auf die kleinsten Teile. Die kleinsten Teile, die Elemente, die Grundstrukturen, die Atome, die stellt sich bei der Frage, was ist der kleinste Krieg, der denkbar ist? Ja, also man muss ja mindestens zwei Personen haben, außer man bekriegt sich selbst. Das wäre dann aber vielleicht eher ein innerer Krieg oder Masochismus. Aber wenn man sich nicht selbst bekriegt, dann muss man ja mit jemand anderem Krieg führen. Und dieses Krieg führen ist dann eben der Zweikampf. Das heißt, zwei Personen sind die kleinste Einheit, die es in einem Krieg geben kann. Und insofern hat ja...
Der Herr Clausewitz völlig recht. Also eigentlich fängt es mit zwei Leuten an und noch mal zwei und noch mal zwei und noch mal zwei. Und nachher stellt man auf einmal fest, das sind ja ganz viele. Aber das Grundprinzip, dass eine Seite gegen die andere Seite ist, das ist da natürlich erhalten. Es ist eben nur vergrößert. Und was ist eben der Sinn, der Zweck eines solchen Zweikampfes? Dass jeder den anderen durch physische Gewalt zur Erfüllung seines Willens zu zwingen. Das muss man sich mal auf der Zunge zu gehen lassen. Man will den anderen zwingen. Also nicht überzeugen, nicht diskutieren, keine Argumente liefern, auch nicht abstimmen. Nein, man will ihn zwingen. Und wozu? Dass er das tut, was man selber will. Das heißt, wir sehen also in dieser Grunddefinition, dass der Krieg in seinem Grundelement etwas extrem Zwanghaftes hat. Nämlich, ich zwinge dir meinen Willen auf, du hast gefälligst das zu tun, was ich von dir verlange. Und zwar wie? Durch physische Gewalt.
Nicht durch E-Mails, nicht durch Briefe schreiben, nicht durch politische Abstimmung, sondern durch Gewalt, rohe physische Gewalt. Also diese Grunddefinition zeigt uns schon, dass ein Zweikampf kein Zuckerschlecken ist. Da geht es nicht darum, nett zu sein. Aber schauen wir mal, wie Herr Clausewitz das weiter ausinterpretiert. Was ist der Zweck? Also erstmal will ich einem den Willen aufzwingen. Und dann sagt der Clausewitz, der nächste Zweck ist, den Gegner niederzuwerfen und ihn dadurch zu jedem fernen Widerstand unfähig zu machen. Also das kennen wir doch im Zweikampf, im Ringkampf. K.O. hauen, dann kann er sich nicht mehr wehren. Im Ringkampf, in so Fässern, an Armen und Beinen, dass er sich nicht mehr bewegen kann.
ihn irgendwie zu inhaftieren, dass er nicht dahin gehen kann, wo er hingehen will. In Einkässern. Also Demonstranten, die haben das ja in manchen Ländern, wo Polizei nicht möchte, dass Demonstranten demonstrieren. Da gibt es ja sowas, da werden Demonstranten eingekesselt. Das heißt also, kämpfen bedeutet, den Willen aufzuzwingen, aber in welcher Form? Nämlich dadurch, dass man den Gegner physisch niederwirft. und ihn zu jedem fernen Widerstand unfähig macht. Das heißt also, man möchte nicht, dass er jetzt im Moment etwas nicht tut, sondern dass er dauerhaft gar nicht mehr dazu in der Lage ist, jemals wieder etwas zu tun. Und dieser Gedankengang, dass man quasi den Widerstand auch den zukünftigen ein für alle Mal abschaffen will, ist der Sinn des Krieges. So jedenfalls laut der Clausewitz. Und dazu brauche ich was? Dazu brauche ich die physische Gewalt. Ohne physische Gewalt macht der nicht, was ich will, der scheint. So und jetzt schreibt der Clausewitz einschränkend, denn eine moralische Gewalt gibt es außer dem Begriff des Staates und des Gesetzes nicht. Was heißt denn das?
Das heißt, wenn irgendjemand sagt, er soll doch nicht gewalttätig sein. Ja, in welchem Rahmen hat denn diese Aussage Gültigkeit? Sie hat innerhalb eines gesetzlichen Rahmens Gültigkeit. Man sagt ja, man soll das machen und das machen und die Polizei, die darf bestimmte Gewalt ausüben, der Zoll darf bestimmte Gewalt ausüben, ein Gericht darf Gewalt ausüben und der darf Bußgelder erstellen. Das sind also abgestufte Formen von Gewalt. die durch Gesetze geregelt werden. Aber wenn die nicht im Gesetz geregelt sind, werden die denn dann geregelt? Ja, in der Moral. Das heißt, man sollte das nicht tun. Das ist ja das Moralische, was man tun sollte und was man nicht tun sollte. Und dann sagt der eine, das soll man nicht tun. Und der andere sagt, ja und? Ich tue es aber trotzdem. Das heißt, wenn also die Gewalt nicht im Gesetz geregelt ist, und wir wissen, unterschiedliche Länder haben völlig verschiedene Vorstellungen von dem, was im Gesetz zu regeln ist, dann gibt es keine Regeln.
Und diese Regeln führen, wenn sie nicht da sind, dazu, dass letztendlich, vielleicht sogar ursächlich, eben physische Gewalt ausgeübt wird. Denn bevor es irgendein Gesetz gibt, wo etwas steht ja im Gesetz, wo steht, du darfst nicht schneller als 120 fahren oder 50 in der Innenstadt. Ja, aber wenn das da nicht stünde, wie wollte man mich daran hindern, mich als Autofahrer 150 in der Stadt zu fahren? Doch nur durch physische Gewalt, durch Aufbau einer Barrikade, durch Schikanen in der Straße, dass ich da nicht mehr so schnell fahren kann, durch Bodenpoller. Das heißt, Nur durch physische Macht könnte man mich daran hindern. Oder man stellt sich mit Polizisten auf die Straße und hat eine Pistole im Anschlag. Und sobald ich in die Kurve komme, wird das Feuer eröffnet. Also ohne Gesetz gibt es nur die physische Gewalt. Ja, also was muss man, wenn man den Gegner wehrlos, äh, wenn man den Feind wehrlos machen will?
Oder um ihm den Willen aufzuziehen, man muss ihn wehrlos machen. Das ist das eigentliche Ziel. Ihn entwaffnen, ihn so zu bedrängen, so einzuschränken, dass er handlungsunfähig ist. Also wenn jetzt irgendjemand sagt, ja, aber man muss doch ein bisschen nett sein, muss ich dem wirklich die ganze Luft abschnüren? Ja, natürlich, im Sinne von Clausewitscher Definition, denn wenn ich das nicht tue, dann könnte der doch wieder aufstehen und könnte doch wieder gegen mich antreten. Und vielleicht erinnern Sie sich, es gibt doch diese Gangsterfilme, Mafia und solche Sachen. Und da haben wir es doch auch immer so, oder auch bei irgendwelchen Diktatoren, wenn die Feinde haben, die bestrafen ja nicht nur den, der sie angegriffen hat, sondern die rotten ja gleich die ganze Familie aus. Die rotten das ganze Dorf aus, weil die sagen, wenn ich nur den Vater umbringe, Der hat noch drei Söhne und sei es, dass die alle noch kleiner als ein Jahr sind, dann weiß ich doch, in 20 Jahren, wenn die volljährig sind, dann fragen die sich, wo ist mein Vater? Und dann sagt die Mutter, ja, die wurde von dem und dem umgebracht. Und dann sagt der Sohn, ich schwöre Rache.
Das heißt also, im Sinne der reinen Machtpolitik ist es ja ganz zweckmäßig zu sagen, ich muss das im Keim ersticken. Das heißt, da darf gar keiner übrig bleiben. Und das ist natürlich jetzt für uns als humanistische, moderne Menschen nicht so eine schöne Vorstellung. Aber die Frage ist ja nicht, was ist schön, sondern was ist das Wesen des Krieges? Und da werden wir vielleicht später noch an anderen Stellen zu kommen, diesen moralischen Zwiespalt genauer zu betrachten. Es geht darum, dass der Krieg per Definition eine physische Gewaltanwendung ist und dass es immer darum geht, Und maximale Gewalt anzuwenden. Ich habe jetzt hier mal so eine Grafik nach dem Motto, könnte man nicht auch mit dem Herzchen auf einen zeigen oder auch die Boxhandschuhe drauf machen, könnte man nicht weich zuschlagen, muss man denn so gewalttätig sein.
Den Einwand hat der Clausewitz auch schon wohl in seiner Laufbahn gehört. Er sagte, man könnte ja leicht denken, es gäbe dieses den Feind niederwerfen, ohne zu viel Wunden zu verursachen. Und genau das, das sei die wahre Tendenz der Kriegskunst. Nach dem Motto, der Gentleman Krieger, der mit wenigen Trickschen den Gegner niederwirft und der ist dann nicht verletzt und gibt dann eben auf und dann Beglückt wünscht er den siegreichen Gentleman, sagt, danke, dass du mich niedergeworfen hast, ohne mich viel zu verletzen. Also so eine Art James Bond, nur noch ein bisschen netter. Was hält denn der Clausewitz davon? Der sagt, nee. so sehe ich das gar nicht. Denn natürlich kann man cleverer sein, intelligentere Methoden anwenden, aber man muss ja davon ausgehen, also ich lese den Satz mal vor, da der Gebrauch der physischen Gewalt die Mitwirkung der Intelligenz auf keine Weise ausschließt,
Unterbreche ich direkt mal. Das heißt also, Intelligenz alleine ist nach Clausewitz überhaupt gar kein Beleg dafür, dass man gewaltloser wäre. Ich denke, wir können dem historisch zustimmen, denn wir sind ja viel intelligenter als vor 250 Jahren. Zu Clausewitz-Zeiten haben wir viel intelligentere Waffen. Aber sind wir deswegen weniger gewalttätig geworden? Nein, ganz im Gegenteil. Unsere Waffen wurden noch viel effizienter. Wir denken an Atomkriege, an Weltkriege. Das war ja früher in der Form gar nicht möglich. Also unsere Intelligenz hat uns ermöglicht, viel gewalttätiger zu sein, als es ohne die Intelligenz vorher möglich war. Der Clausewitz damals auch schon erkannt und sagt dann also, die Intelligenz hat damit gar nichts zu tun, sondern ganz im Gegenteil. So muss der, welcher sich dieser Gewalt rücksichtslos, ohne Schonung des Blutes bedient, ein Übergewicht bekommen, wenn der Gegner es nicht tut. Meint er damit. Sagt im Grunde genommen...
Wenn zwei Leute gleichermaßen intelligent Krieg führen und gegeneinander kämpfen, hat der einen Vorteil, der rücksichtsloser ist, der mehr Gewalt anwendet. Also sprich, die Intelligenz ist sicherlich von Vorteil, wenn ein intelligenter gegen einen weniger intelligenten kämpft, dann kann er seine Technik, seine Militärstrategie, die kann er dann geschickt und feinfühlig einsetzen und den anderen, der dümmer ist, quasi austricksen. Sind die aber beide gleich intelligent, Dann nützt es nichts, wenn beide so tun, als ob sie jetzt wohl geboren sind. Nee, dann geht es hart auf hart. Die Intelligenz äußert sich dann in den intelligenten Waffen und in den intelligenten Strategien, die gegeneinander hauen. Und derjenige, der, wir sind ja immer bei gleich intelligenter als Voraussetzung, der eben mehr Gewalt ausübt, der hat den Handlungsvorteil.
So und warum ist das so? Warum sind die Menschen nicht Brüder? Warum wollen sie nicht Brüder werden im Krieg? Im Kampfsport kennen wir das ja beim Judo, beim Boxen, man haut sich die Schädel ein und nachher sagt man, war ein toller Kampf. Macht man das im Krieg auch so? Wohl eher nicht. Denn, so erklärt ja Clausewitz, der Kampf zwischen Menschen besteht aus dem feindseligen Gefühl und der feindseligen Absicht. Das heißt also... Und man ärgert sich über den anderen, nicht nur das, man hasst ihn, das ist das feindselige Gefühl, du bist der Feind, ich bin der Gute, du bist der Feind. Aber dabei bleibt es nicht, man redet nicht nur, sondern man will dem anderen noch was Böses, man will dem anderen was Schlechtes. Das heißt, wir sehen also, dass dieser Kampf im Sinne von Clausewitscher Definition von vornherein eine negative emotionale Gesinnung und einen negativen Willen, nämlich dem anderen zu schaden, beinhaltet. Das sind die beiden Grundelemente in der Psyche der Kämpfenden.
Und so führt er dann auch weiter aus. Finden wir also, dass gebildete Völker den Gefangenen nicht den Tod geben, Stadt und Land nicht zerstören. Kennen wir ja alles, Kriegsvölkerrecht, man soll die Zivilbevölkerung schützen und und und. Das gab es übrigens zur Zeit von Clausewitz noch gar nicht. Das sind ja erst neuere Erfindungen, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der Form gebildet haben. Also, wenn das alles so ist, dass man quasi zivilisiert Krieg führt, So geschieht dies, weil sich die Intelligenz mehr in die Kriegsführung mischt und sie wirksamere Mittel zur Anwendung der Gewalt gelehrt hat, als diese rohen Äußerungsinstinktes. Ja, und wenn Sie mal zum Beispiel daran denken... dass seit 70 Jahren es Geoengineering gibt. Da haben also westliche Länder gesagt, bevor wir ein Land angreifen, versuchen wir die mit irgendwelchen Beeinflussungen des Wetters, mit der Injektion von Wolken, dass es bei denen dann Starkregen gibt und die Ernte vernichtet wird. Solche Sachen versuchen wir mal. Weil wenn ich dafür sorge, dass das Volk hungert,
Dann revoltieren die doch von ganz alleine gegen ihren Herrscher. Dann brauche ich denen doch gar nicht erst angreifen. Sprich, das Volk führt den Krieg gegen den für mich ungewünschten Feind. Aber ich selber, ich bin ja ganz intelligent, ich stehe nur außen vor. Ach, die haben eine Hungersnot. Ja, das tut mir aber leid. Ich würde ihnen ja gerne helfen, habe aber leider gerade keine Kapazitäten frei. Sehen Sie mal zu, wie sie klarkommen. Oder man schickt denen irgendwelche Kleinigkeiten, mit denen sie eigentlich nichts anfangen können, aber nach außen, wir haben ja viel getan. Und insofern sehen wir also, dass wenn der Krieg dann ein netteres Gesicht zeigt, so Clausewitz, dann nur, weil die Intelligenz die Gewalt geschickter versteckt. So, und nun kommen wir zu einem Punkt, der ist für einen pazifistisch und humanistisch denkenden Menschen schwer zu verstehen. Denn gut, dass der Krieg ein Akt der Gewalt ist, das ist mal das eine. Aber jetzt sagt der Clausewitz, jetzt doch ernsthaft. Es gibt in der Anwendung dieser selben Gewalt keine Grenzen.
Und diese These, dass quasi die Gewalt immer größer wird, sich immer weiter ausdehnt, dass es immer gewalttätiger wird, dafür hat er drei sogenannte Wechselwirkungen definiert, die wir kurz besprechen wollen, wo es dann immer zu einem Äußersten geht. Also es geht bis zum Maximum. Das heißt, er sagt jetzt, weil es ja keine Grenzen gibt, ist quasi sein zweites Axiom. So gibt es eine Wechselwirkung zwischen den beiden. Also gebe ich dir eine Ohrfeige, gibst du mir eine Ohrfeige. Weil es aber zu Leaks führt, gibt es einen Faustschlag. Da schlägt der andere zurück mit gleichen Mitteln. Hat aber auch nichts geführt. Also nehme ich einen Stock und haue ihm den auf den Kopf. Wie, das schlägt der auch mit dem Stock zurück? Funktioniert auch nicht. Alle sind immer noch gleich stark. Ja, dann muss man mal was stärkeres rausholen. Wie wär's denn mal zum Beispiel mit einem Messer? Dann holt man ein Messer raus, dann macht der andere auch einen schon. Wenn wir beim Messerkampf, reicht das nicht aus, dann kommen die Pistolen, reichen die nicht aus, kommt das und das. Das heißt, wenn also dieses Kämpfen hin und her pendelt auf einem bestimmten Level und es weder dem einen noch dem anderen gelingt,
den Gegner niederzuwerfen, denn darum geht es ja im Krieg, dann muss er härtere Mittel anführen. Nun kann man sagen, okay, im Sinne der Kriegsökonomie sollte man nur die Mittel anwenden, die nötig sind. Wir kennen das ja im Volksmund. Man soll, wie heißt es hier, nicht mit großen Klappen auf Fliegen hauen oder so. Aber nichtsdestotrotz, man hat ja diese Klappe immer in der Hinterhand. Also wenn das nicht ausreicht, wenn die Fliege nicht von alleine verschwindet, die Mücke, dann hole ich mir eben so ein Mücken-Totmach-Spray. Und wenn das auch nicht ausreicht, dann vielleicht wieder was anderes. Irgendetwas, wo die Mücken gar nicht erst in mein Haus kommen. Das meint er jetzt. Dieses Kämpfen geht hin und her und das ist eben eine Wechselwirkung und die kann nach seiner Definition eben gar nicht aufhören. Die hört erst dann auf, wenn einer niedergeworfen ist. Also jeder muss immer neue Machtmittel aus der Tasche ziehen, um den anderen bezwingen zu wollen, bevor das jemals ein Ende nimmt.
Das heißt, wir haben eine ganz klare Aussage, dass die Gewalt in ihrer Wechselwirkung automatisch eskaliert. Das Ziel war ja, den Feind wehrlos zu machen. Das hatten wir ja schon gehabt. Und wenn wir nochmal schauen, was definiert jetzt Clausewitz für Wehrlosigkeit? Er sagt... Wehrlosigkeit ist, wenn wir den Gegner, der soll ja unseren Willen erfüllen, und das tun wir dann, wenn wir ihn in eine Lage versetzen, die nachteiliger ist als das Opfer, welches wir von ihm fordern. Hört sich ein bisschen akademisch an, was meint er denn? Er meint, dass wir im Grunde genommen unter Druck sitzen. Das ist dieses Wenn-Dann. Wenn du nicht das tust, was ich will, dann tue ich dir das und das an. Das kennen wir doch. Wenn Sie nicht unseren Regeln folgen, dann gibt es ein Bußgeld von 20 Euro. Wenn Sie nicht unserem Strafgesetz folgen, dann gibt es eine Gefängnisstrafe von ein bis drei Jahren.
Das heißt, das ist, wie jemand seinen Willen ausübt. Und im Krieg sind es dann eben nicht die Gesetzbücher, weil da sind wir in der gesetzlosen Phase, da gibt es ja keine Moral. Da reden wir also von der physischen Gewalt. Also wenn du das machst, dann mache ich das. Wenn du auch das machst, dann mache ich das. Und wenn du auch das machst, dann mache ich das. Und das hängt jetzt also quasi davon ab, wie der andere auf die Drohung reagiert, die man ihm jetzt mit physischer Gewalt vor die Nase hält. Und wenn er für sich jetzt beurteilt, dass... dass es für ihn schlecht wäre, dann macht er ja das, was wir wollen. Ob er deswegen jetzt zu Boden geworfen ist und nie wieder aufsteht, wie es ja auch ein Axiom ist, das ist jetzt noch eine andere Frage. Aber auf jeden Fall muss er Nachteile sehen und diese Nachteile, die muss die andere Partei, in dem Fall wir, ihm quasi aufs Auge drücken.
Und der Punkt ist, dass es hier eben auch noch nicht ein Ende hat, denn wenn er nicht abschließend niedergeworfen ist, könnte der ja immer noch mal wieder aufstehen. Und das kennen wir doch. Das kennen wir aus der Beobachtung von Zweikämpfen im Fernsehen, beim Boxen, beim Ringen. Manchmal ist Der eine Gegner schon so stark angeschlagen und angezählt, dass der Ringrichter den schon aus dem Ring nehmen will. Und dann in der nächsten Pause aber rafft er sich auf, weil der Trainer ihm irgendein geheimes Kotwort ins Ohr flüstert. Und dann steht er auf und haut den anderen K.O. Das heißt also, solange nicht der eine den absoluten Sieg hat, ist immer das Risiko da, dass der, der im Moment im Vorteil ist, auf einmal den Krieg doch noch verliert. Und das ist natürlich nicht so schön. Dass diese Abhängigkeit vom Gegner besteht, gibt es ein zweites Gesetz, die zweite Wechselwirkung. Clausewitz formuliert das so. Ich bin also nicht mehr Herr meiner selbst, sondern er, also der Gegner, der gibt mir das Gesetz, wie ich es ihm gebe. Also fange ich einmal an mit der Kriegerei.
dann sind wir wie in so einer Art Zwangshaltung. Ich kann nicht aufhören, ohne zu verlieren. Vielleicht verliere ich nicht nur physisch, dann kriege ich sogar mein Gesicht. Das ist ja für manche Leute viel schlimmer, sich zu blamieren, zu sagen, ich habe verloren. Und dadurch, dass beide in derselben Position sind, dass sie Angst haben, dass sie doch noch verlieren könnten, dadurch geht es weiter. Weiter und weiter und weiter. Und deswegen ist das nach Clausewitz die zweite Wechselwirkung, die zum Äußersten führt, sprich die zweite Art der Eskalation oder die zweite Kraft, die im Kriege zu einer automatischen Eskalation führt. Ja, und dann ist ja der Punkt... Welche Kräfte werden denn nun genau eingesetzt? Und dann sagt jetzt der Clausewitz, wollen wir den Gegner niederwerfen, so müssen wir unsere Anstrengungen nach seiner Willenskraft abmessen. Die Größe der vorhandenen Mittel und die Stärke der Willenskraft.
Jetzt kommt die Kriegsökonomie rein. Also dass man einen kleinen Gegner nur mit kleinen Mitteln besiegen braucht und nicht die großen, die mich selber viel Zeit und Geld kosten oder viel unnötige Gewaltanwendung. Warum soll ich die einsetzen, wenn es doch einfacher geht? Dieses Prinzip. Der Effektivität, also welchen Effekt will ich erzielen, den Feinden niederzuwerfen und ihn dauerhaft am Widerstand zu hindern. Und der Effizienz, nämlich wie kann ich das mit dem geringsten Aufwand erreichen. Nicht wie kann ich mit viel Aufwand wenig erreichen, sondern wie kann ich mit einem minimalen Aufwand das Maximum erreichen. Das heißt also, das ist das Streben nach dem Optimum. So und da sehen wir auch die Beziehung zum Wirtschaftsleben, denn da geht es doch auch darum optimal zu handeln. Maximalen Ertrag bei minimalen Produktionskosten. Ja, nun kann man sagen, okay, es sind ja zwei Sachen, die ich jetzt vom Gegner habe, nämlich welche Mittel hat er eigentlich? Also bei unserem modernen Krieg, wie viel Personal hat er? Wo sind seine Stellungen? Welche Panzer hat er? Welche Flugzeuge hat er? Welche nachrichtendienstlichen Kompetenzen hat er?
Das alles sagt Clausewitz, ja, das kann man schon recherchieren. Also dafür belauern wir uns ja gegenseitig, dass wir ungefähr wissen, was der andere kann und was er zur Verfügung hat. Aber die Stärke des Willens, also Der eine, der angreifen will, der Verteidiger, woher weiß der, wie stark der Wille des Angreifers ist und ob nicht dessen Wille auf einmal nachlässt. Der steht vielleicht vor der Burg, die er erobern will und dringt dann nicht ein, weil er sagt, ach naja, bescheren wollte ich ja aber weiter nicht. Oder irgendetwas passiert. Das weiß man nicht. Jedenfalls nicht so ohne weiteres. Und das gleiche gilt ja auch für den Angreifer. Der weiß doch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit, wie stark der Verteidigungswille des anderen ist, des Verteidigers. Und jetzt sagt der Clausewitz ja, diese Willenskraft lässt sich nur ungefähr abschätzen, nämlich nach der Stärke des Motivs. Und Motiv heißt ja, was ist mein Ziel? Was will ich eigentlich erreichen?
Und wenn man das jetzt machen kann, dann kann man ungefähr einschätzen, wie hoch die Widerstandskraft des Gegners ist. Das gilt jetzt aber für beide Seiten, sowohl aus der Sicht des Verteidigers als auch aus der Sicht des Angreifers. Und dann kann man natürlich sagen, okay, jetzt versuche ich Überhand zu gewinnen, damit der andere... in eine schlechtere Position kommt als ich. Jetzt ist aber das Dumme, der denkt es ja genauso. Das heißt, die spirschen, die sich quasi umeinander herum und versuchen gegenseitig abzuschätzen, nicht nur was der andere will, sondern auch wie intensiv er das will. Und dadurch, dass beide dann die Erfahrung machen, entweder es klappt oder es klappt nicht, ich habe mich nicht richtig eingeschätzt, ich muss doch noch eins drauflegen, das ist dann eben Die dritte Wechselwirkung, es wird also nochmal quasi ein neues Argument eingeführt, warum Kriege eskalieren.
Ja, und das ist eigentlich jetzt die reine Theorie. Und jetzt stellt sich die Frage, wenn man das rein theoretisch so betrachtet, nämlich aus dem Begriff des Krieges, dann ist das quasi eine akademische Angelegenheit und sagt, ja, das sind jetzt so die drei Hauptargumente, warum Kriege eigentlich immer automatisch eskalieren müssen. Aber das würde ja dazu führen, dass durch diese Wechselwirkung es quasi ins Extreme geht und nie enden kann. Und kann das denn überhaupt sein? Und er sagt, ja, das würde dann so sein, wenn bestimmte Bedingungen vorausgesetzt würden. Und da müsste man dann prüfen, ob diese Bedingungen überhaupt stimmen. Jetzt schauen wir uns mal diese Bedingungen an. Nämlich er sagt, Bedingung 1 ist, es wäre dann der Fall, wenn der Krieg ein völlig isolierter Angelegenheit wäre, wo nicht Fremdeinflüsse von außen darauf einwirken würden. Fremdeinflüsse von außen sind dann ja zum Beispiel in modernen Gesellschaften, wenn wir von Gesellschaften, die miteinander Krieg führen, eben Politik. Das heißt, wir wissen doch gar nicht, was in einem Land, das gerade Krieg führt,
wie die politischen Verhältnisse sich dort verändern. Aber würden die nicht so sein, würden quasi nur die Generäle untereinander Krieg führen, ohne Rücksicht nehmen zu müssen, was das Volk, aus dem sie stammen, um was die Politik will oder die Priester wollen oder wer da sonst noch was zu sagen hat, zum Beispiel die Kapitalgeber, die Rüstungsindustrie, dann wäre das so. Und vor allen Dingen, wenn der Krieg, das ist die Bedingung 2, eben nur aus einer einzigen Entscheidung stünde oder eben alle mehrere Entscheidungen jeweils in dieselbe Richtung gleichzeitig gehen. Nach dem Motto, wir führen jetzt Krieg und der Krieg wird dann beendet, wenn der Gegner tot ist. Wenn das so wäre, dann würde das eskalieren. Aber dass man zwischenzeitlich neue Entscheidungen hören kann, seine Meinung ändern kann, das ist ja eben auch der Fall. Das heißt also, dieses theoretische Konstrukt, dass aus diesen drei Gründen die Kriege unendlich weit eskalieren, ist eben theoretisch und nicht realistisch.
in der Realität so ohne weiteres zu finden. Und dann kommt ja nicht nur dazu, dass die ursprüngliche Entscheidung, dass der Krieg ja gar nicht für sich alleine existiert, sondern in die Gesellschaft, in vieles mit eingebunden ist, dass innerhalb des Krieges selber Entscheidungen zu treffen sind von den Soldaten, sowohl auf der oberen Ebene als auch im Schützengraben sozusagen. Ja, es sind ja auch noch Dinge, die in der Zukunft liegen, nämlich der politische Zustand, der dem Krieg folgen wirkt, der wirkt durch einen Kalkül, also Wahrscheinlichkeitsrechnung, schon auf ihn zurück. Also wenn Sie sich das mal vorstellen, dass man zum Beispiel sagt, wir führen Krieg gegen ein Land, das für sich zum Beispiel Erdölquellen besetzt hält und seinen Nachbarn überfallen hat. Und dann wollen wir aber, wenn der Krieg zu Ende ist, hätten wir gerne ein bestimmtes politisches Regime dort. Wenn dieses Regime dort wäre, dann würde es ja nach der und der politischen Regelung, so wie wir uns das vorstellen, handeln. Und damit das erreicht werden kann, müssen wir heute schon den Krieg so führen, dass es auch dahin kommt. Das heißt also, die zukünftige Zielsetzung, die dann ziviler Art ist,
Die mischt sich schon in die reine Kriegsführung heute ein und ist da zu beachten. Ja, an dieser Stelle möchte ich den Teil 1 dieser Serie Nummer 2 beenden, damit wir dann mal schauen, wie diese weitere Argumentation von Herrn Clausewitz dann durchgeführt wird. Das heißt, wir haben also jetzt eben die ersten Grundbegriffe bekommen und jetzt wollen wir mal schauen, dass wir außer vom Niederwerfen und von den dreifachen Eskalationswegen, warum der Krieg nicht nur ein theoretisches Konstrukt ist, sondern was in seiner Praxis drin ist. Das aber dann beim nächsten Mal. Also freuen Sie sich. In ein paar Tagen kommt dann Teil 2 von 2 und dann schauen wir weiter. Tschüss.
Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Carl von Clausewitz - Vom Kriege: Krieg ist erweiterter Zweikampf“, Die Welt Klar Sehen, 25.04.2022.
iWas dabei übertragen wird
Erst der Klick startet das Video und baut dabei eine Verbindung zu YouTube auf. Bis dahin wird nichts von dort geladen — auch dieses Vorschaubild liegt auf dem Server von dieweltklarsehen.de. Einzelheiten in der Datenschutzerklärung
Auch als Podcast: Spotify ·
Apple Podcasts ·
Amazon Music · Deezer ·
podcast.de · Podcast Index
Uwe Loose erläutert die Grundbegriffe aus dem ersten Kapitel von Clausewitz' Vom Kriege: Krieg als erweiterter Zweikampf, das Niederwerfen des Gegners und die drei Wechselwirkungen, die zur Eskalation ins Äußerste treiben.
