Carl von Clausewitz - Vom Kriege: Zufall und Mut02.05.2022
Abschrift
Abschrift des Videos vom 02.05.202214 Abschnitte
Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.
Hallo liebe Zuschauer, willkommen auf meinem Kanal, die Welt klar sehen. Heute geht es weiter mit dem angekündigten nächsten Teil, nämlich Zufall und Mut. Freuen Sie sich, gleich wird es wieder spannend. Klar sehen, clever denken, frei handeln. Ja, wie geht es nun weiter? Wir waren ja bis Punkt 19 vorgedrungen und da ging es ja darum, dass das Wahrscheinlichkeitskalkül ja deswegen besonders stark ist, wenn gerade Krisenzeiten sind. Und nun stellt sich die Frage, Ja, was bedeutet das? Und da sagt der Clausewitz, naja, das ist schon so viel Wahrscheinlichkeit drin, da brauchen wir bloß noch den Zufall und dann wird das Ganze zum Glücksspiel. Und er schreibt in seinem dritten Teilsatz, und dessen entbehrt er, also... der Krieg am wenigsten. Das heißt Zufälligkeit, dass also irgendetwas passiert, mit dem keiner gerechnet hat, das sagt Clausewitz, das ist eigentlich im Krieg ganz häufig so. Denn er sagt konkret, er legt sich fest, es gibt keine menschliche Tätigkeit, welche mit dem Zufall so beständig und so allgemein in Berührungsstände als der Krieg
Ja, und ich glaube, da kann man ihm beipflichten. Also wir kennen ja keinen Krieg mehr persönlich seit Jahrzehnten und kennen das also nur, wenn wir mit Beruf damit zu tun haben oder eben aus Erzählungen, Berichten, Reportagen und ähnlichen. Und da wissen wir, dass also in so Kriegsszenarien, da passieren die merkwürdigsten Sachen. Da liegen Autos auf einmal rum, da kommen marodierende Horden, die irgendetwas wollen, da gibt es Verrückte, die da rumrennen und Markuseen von irgendwelchen Landminen, auf die man treten kann und Handgranaten und sonst nicht was. Und all das ist unvorhersehbar. Und selbst Manchmal im Feld scheint es so zu sein, dass Aufklärer und Späher, die zurückkommen, von ihren eigenen Leuten beschossen werden. Damit hatten die ja nicht gerechnet, war ja eigentlich nicht so vorgesehen. Jedenfalls da können wir schon glauben, dass das zutreffend ist. Dann sagt er weiter, mit dem Zufall nimmt das ungefähr und mit ihm das Glück einen großen Platz im Krieg ein.
Ja, großer Platz im Krieg. Hier stellt sich natürlich die Frage, was versteht er jetzt unter großer Platz? Das möchte er jetzt ein bisschen weiter ausführen unter Satz 21, nämlich wie durch seine objektive Natur, so wird der Krieg auch durch seine subjektive zum Spiel. Also das Objektive, das haben wir jetzt gerade gehabt, nämlich der Zufall. Und die Frage ist, was meint er jetzt mit subjektiv? Und da sagt er ja, das Element, mit dem wir am meisten zu tun haben im Krieg, ist eben die Gefahr. Das ist sicherlich unbestritten. Und wenn man in einer riskanten, gefährlichen Situation ist, welche Kompetenz braucht man eigentlich am meisten? Ja, und das ist offensichtlich für ihn die vornehmste aller Seelenkräfte, nämlich der Mut. Und jetzt wird er sicherlich uns gleich erklären, was er sich mit dem Mut vorstellt. Er sagt, der Mut ist so ein bisschen was anderes als die kluge Berechnung, denn bisher sind wir dabei, dass wir
davon ausgehen, dass Krieg was mit Strategie zu tun hat. Nun haben wir auf einmal Zufall, wir haben ein Glücksspiel drin. Nun haben wir auf einmal die subjektive Komponente des Mutes. Und er sagt, ja, eigentlich ist es möglich, dass Mut und Berechnung miteinander zusammen sind, aber in Wirklichkeit geht es um Dinge von völlig verschiedener Art, die gar nichts miteinander zu tun haben. Und hört jetzt Beispiele an, die Ausdrucksformen des Mutes sind, nämlich etwas wagen, auf das Glück vertrauen, Kühnheit, Verwegenheit. So, und was ist das Gemeinsame? Nämlich, er sagt, alle diese Richtungen suchen das Ungefähre, weil es ihr Element ist. Also, etwas riskieren, wagen, Vertrauen auf Glück wird schon gut gehen, Kühnheit, wir probieren das mal, Verwegenheit, das wird schon klappen. Das alles sind also Aussagen, die ja nur im Ungefähren stattfinden können. Das heißt, ob diese Aussagen in der Realität sich tatsächlich als erfolgreich erweisen, das weiß ja gar keiner. Und insofern stellt sich natürlich die Frage,
Welchen Einfluss haben jetzt diese Ausdrucksformen des Mutes? In welcher Beziehung stehen die zu der eigentlich doch objektiven Natur des Krieges? Inwieweit können die darauf einwirken? Und er stellt also fest, dass also das Berechenbare, vor allem lest man den Satz vor, er sagt, wir sehen also wie von Hause aus das Absolute, das sogenannte Mathematische, in den Berechnungen der Kriegskunst nirgends einen festen Grund findet. Also alles bleibt Wahrscheinlichkeit, alles bleibt unscharf, alles bleibt im Ungefähren. Und das gleich von vornherein. Ein Spiel von Möglichkeiten, Wahrscheinlichkeiten, Glück und Unglück. Und diese Art von Beschaffenheit, Glück, Unglück, Risiko, Chance, das veranlasst Clausewitz dazu, den Krieg.
dem Kartenspiel am nächsten zu stellen. Ja, das muss man sich mal vorstellen. Also wenn wir mal überlegen, wir kennen ja auch Kriegssituationen, wo die Angreifer wie die Verteidiger alle immer gute Gründe für den Krieg haben. Und alle sind immer ganz zuversichtlich, dass sie mit den Maßnahmen das schon hinkriegen. Und dann wissen wir, es skaliert, wenn das nicht klappt, nächste Maßnahme, noch eine Stufe höher, noch eine Stufe höher. Aber Clausewitz wagt es tatsächlich zu behaupten, dass Krieg ein Kartenspiel ist. Und ich denke, Kartenspiel ist eigentlich ein guter Begriff. Denn denken Sie mal daran, wie Kartenspiel geht. Kartenspiel ist ja anders als Würfeln oder Roulette. Beim Würfeln, ne beim Roulette, da dreht ein Croupier, dreht die Kugel im Kreis, das heißt nur den einen Wurf und dann dreht sich die Kugel wie sie sich dreht. So und keiner weiß was daraus wird. Aber beim Würfeln, da würfelt man ja zumindest nochmal selber, aber dann weiß auch keiner, wenn die Würfel gefallen sind, was daraus wird. Und beim Kartenspiel, da sieht es ja anders aus. Wir haben die Karten, das Blatt in unserer Hand.
Und welche Karten wir aufnehmen vom Stapel und welche wir abwerfen, das entscheiden wir selbst. Also ich meine, ob wir was aufnehmen, aber wir wissen natürlich nicht, welche Karte wir aufnehmen. Das heißt, in der Regel ist das Kartenspiel also eine Mischung aus eigenen strategischen Überlegungen, ein Wahrscheinlichkeitskalkül, Aber die Rahmenbedingungen werden zu einem nicht unwesentlichen Teil durch das Verteilen der Karten am Anfang und natürlich durch das Mischen des Stapels eben vorgegeben. Und natürlich auch durch die Strategien, die die anderen Kartenspieler haben. Also insofern, ja, Kartenspiel ist gut, finde ich jedenfalls, weil Logik, Strategie und Glück und Zufall da gleichermaßen drin berücksichtigt sind. Tja, wie dies dem menschlichen Geist im Allgemeinen zusagt. Hoppla. Das soll dem menschlichen Geist im Allgemeinen am meisten zusagen. Was sehen wir jetzt hier? Das ist jetzt so eine achtteilige Notpack-Rationierung für, wenn mal was Schlimmes kommt. Nach dem Motto, ich habe hier meinen Schlafsack und mein Zelt und noch nicht was. Dann bin ich darauf vorbereitet und mehr brauche ich nicht.
Und ist das tatsächlich so? Sagt es dem menschlichen Geiste, also dem Gefühl oder dem Gedanken im Menschen am meisten zu, eben Karten zu spielen, sprich sich dem Zufall und dem Glück aneinzugeben? Ist das so? Und sich dann aber gleichzeitig einzubilden, dass man tolle Strategien hätte? So, Clausewitz gibt eine Begründung für seine Behauptung, nämlich er sagt, okay, obgleich sich unser Verstand immer zu Klarheit und Gewissheit hingedrängt fühlt, also der Verstand möchte Klarheit und Gewissheit haben, so fühlt sich doch unser Geist oft von der Ungewissheit angezogen. Unser Geist fühlt sich oft von der Ungewissheit angezogen. Ja, natürlich, das kennen wir doch. Warum? Warum gehen wir in die Achterbahn? Warum gehen wir in Kinos? Warum lesen wir Bücher? Weil wir das Ungewisse in uns aufnehmen. Warum fahren wir in Urlaub? Weil wir das Risiko eingehen wollen, was Neues kennenzulernen. Das heißt, dieses Streben nach Ungewissheit ist eigentlich, ja, das hört sich erstmal so negativ an, möchte ich im Ungewissen handeln.
Nein, das ist das, was wir als Menschen ja als vitalisierend, als belebend empfinden. Neue Reize, neue Informationen. Und natürlich kommt es oft genug vor, dass uns die Information nicht gefällt. Aber das Risiko gehen wir ein. Wir sind bereit, lieber dieses Risiko zu ertragen, dass etwas Ungewünschtes passiert, als dass immer wieder dasselbe passiert. Immer wieder die alte Leier. Also insofern, ja, der Meinung kann man nach meiner Meinung auch zustimmen. Also zusammengebracht sagt Clausewitz, statt sich mit dem Verstand auf dem Pfad logischer Schlussfolgerung durchzuwinden, weilt er lieber mit der Einbildungskraft im Reich der Zufälle und des Glücks. Haha. Ja, logisch. Der Verstand, der muss ja aktiv betätigt werden. Man muss die Außenwelt beobachten, man muss sie analysieren, man muss logisch Schluss folgern und das ist Arbeit, das ist mühsam. So, wenn ich aber einfach
nur hoffe, glaube, wünsche, spekuliere, frei assoziiere, was mir so gerade in den Sinn kommt. Ja, das ist eben ganz leicht. Also rumschwimmen ist immer leichter, als sich ernsthaft Gedanken zu machen. Ja, Clausewitz wird sogar noch ein bisschen schärfer und sagt, er schwelgt hier im Reichtum von Möglichkeiten, begeistert davon, also von diesen Möglichkeiten beflügelt sich der Mut, So wird Wagnis und Gefahr das Element, in welches er sich wirft, wie der mutige Schwimmer in den Strom. Also ich finde ich eine nette Aussage. Der Reichtum von Möglichkeiten, begeistert davon beflügelt sich der Mut. Ja, und das kennen wir doch. Wir wissen doch, dass gerade diejenigen, die schlecht im Denken sind, oftmals sehr mutig sind, weil sie auch so darüber nachdenken, ich mach das mal einfach so, wird schon gut gehen. Und wenn man das im Krieg macht, wo der ja nun gefährlich ist und wo ja vieles eben riskant ist, weil es nicht berechenbar ist, da braucht man solche Menschen. Da braucht man solche Menschen, die sagen, wir machen das mal, es wird schon klappen. Und außerdem, uns kann ja nichts passieren, wir waren ja bisher schon immer erfolgreich, dann werden wir da eben auch erfolgreich sein.
Ja, und so macht er das dann und wirft sich in den Strom. So, und das bedeutet, dass wenn man das jetzt aufeinander bringt, dass also das Risiko ist im Krieg quasi immer da, sowohl auf der objektiven Seite durch den Zufall, als eben auch auf der Seite der subjektiven Einschätzung, dass man nicht nach der Logik geht, sondern nach seinem Gefühl und nach seinen Spekulationen und den Visionen und Fantasien, wie toll der Erfolg sein wird. Und so sagt er, das muss auch so sein, wie dieses Ungefähr, dieses... Risiko auf der einen Seite steht, muss Mut und Selbstvertrauen auf die andere Seite treten und die Lücke ausfüllen. Mut und Selbstvertrauen sind also dem Krieg ganz wesentliche Prinzipien. Logisch. Also würde man jetzt wie so ein Buchhalter naturell immer da sitzen und sagen, er beweist mir erstmal, dass diese Maßnahme erfolgreich sein wird.
dann wird man wahrscheinlich niemals eine Maßnahme treffen, weil irgendein Risiko, dass es in die Hose geht oder nicht zu 100%ig zutrifft oder nur 83%ig, das wird wahrscheinlich da sein. Das heißt, wenn also die kriegerische Handlung nicht berechenbar ist, dann muss man eben drauf los handeln. Man wird dann schon sehen, was man für Reaktionen bekommt. Und anhand dieser Reaktionen hat man jetzt wieder neue Fakten und kann die in seinen Kalkül wieder einbauen. Insofern denke ich, da hat Herr Clausewitz tatsächlich recht. Mut und Selbstvertrauen sind dort, wo unklare Verhältnisse sind, im Grunde genommen der Weg, damit es überhaupt weitergeht. Ohne das würde man einfach da sitzen und sich nicht mehr raustrauen. Ja, die Theorie soll also welchen Zweck erfüllen? Wozu hat er sie denn überhaupt? Also man muss sich das nochmal, diese Amplosität, ein bisschen durchdenken. Also einerseits redet er davon, dass man strategisch handeln soll und sich alle möglichen Gedanken machen soll. Und jetzt auf einmal haben wir den Zufall und dann haben wir die Fantasien des Mutigen.
Die Leute mit dem überstarken Selbstbewusstsein. Was genau ist denn jetzt die Funktion der Theorie? Dann sagt er, die Theorie, also die Kriegstheorie, die Strategie, sollen nur solche Gesetze aufstellen, in welche sich jene kriegerischen Tugenden, also der Mut und das Selbstvertrauen, frei bewegen können. Also das muss man sich auch klar merken. Sie sollen Gesetze aufstellen innerhalb derer, Mut und Selbstvertrauen sich abspielen. Das heißt also, die Vernunft soll die Rahmenbedingungen aufstellen, sprich das soll quasi die Hauptstrategie sein, das soll die Vernunft machen. Aber wie das dann im Detail umgesetzt wird, im Kleineren, was nicht so genau vorherberechenbar ist, ja, da brauchen wir an den Stellen für das, was unklar ist und unscharf ist, da wird Mut und Selbstvertrauen gebraucht. So, und jetzt könnte man natürlich einwenden, und das werden ja gerade die Mutigen machen, die weniger an der Vernunft interessiert, und sagen, ja, eigentlich ist doch der Mut vorrangig. Wir müssen erst mal mutig sein und was wollen und dahin streben und dann klären wir das schon mit dem Verstand und mit der Vernunft, was zu tun ist. So, da sagt der Clausewitz, der kennt wohl dieses Argument, auch im Wagen, also im etwas riskieren, gibt es noch eine Klugheit.
Und ebenso gut eine Vorsicht. Das heißt also, nur weil man etwas wagt, heißt es nicht, dass man quasi in selbstmörderischer, unvernünftiger Absicht etwas wagt, sondern auch bei dem Eingehen eines Risikos sollte dieses Risiko so kalkuliert sein, dass die möglichen Schäden, die daraus entstehen könnten, ja auch berücksichtigt werden und man nicht vor lauter Mut sich selbst zugrunde richtet. Ja, damit sind wir am Ende dieser kleinen Lektion von Herrn Clausewitz Nummer 16 bis 19. Und ich denke, das war doch ein bisschen überraschend für uns. Aber wir werden demnächst noch mehr von Herrn Clausewitz hören. Also bis dann und denken Sie daran, immer schön abonnieren. Tschüss.
Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Carl von Clausewitz - Vom Kriege: Zufall und Mut“, Die Welt Klar Sehen, 02.05.2022.
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Lesart der Abschnitte 20 bis 22 aus dem ersten Kapitel von Clausewitz' Vom Kriege: warum der Krieg durch Zufall und Mut dem Kartenspiel ähnelt und welche Rolle Vernunft, Mut und Selbstvertrauen darin spielen.
