Carl von Clausewitz - Vom Kriege: Zweck und Mittel im Krieg15.06.2022
Abschrift
Abschrift des Videos vom 15.06.202223 Abschnitte
Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.
Hallo liebe Zuschauer, willkommen auf meinem Kanal, die Welt klar sehen. Heute geht es wieder bei Clausewitz weiter in seinem Buch vom Kriege. Wir hatten zuletzt behandelt das Thema Krieg ist ein politisches Mittel. Heute geht es um das Thema, welche Mittel und Zwecke die Politik im Krieg ein bisschen konkreter hat, um ihre Ziele auch zu erreichen. Klar sehen, clever denken. Bevor wir uns Gedanken machen, wie es inhaltlich weitergeht, kleine Orientierung. Wir sind immer noch im ersten von acht Büchern und diesmal im zweiten Kapitel. Dieses zweite Kapitel ist relativ kurz, so dass wir das in einer einzigen Behandlung, also in diesem Video, abhandeln können. Ja, und dann schauen wir mal, was wir in diesem Kapitel tatsächlich denn haben. Grundsätzlich geht es hier auch um die Erinnerung, was der Krieg eigentlich ist, nämlich, dass man den Gegner niederwerfen soll, um ihn dauerhaft wehrlos zu machen. Das kann aber auf drei verschiedene Weisen passieren. Das heißt, es gibt drei verschiedene Hauptziele, laut Clausewitz, wie man
im Krieg zielstrebig vorgehen kann. Entweder man vernichtet die Streitkräfte, man erobert das Land oder man bezwingt den Willen der anderen Partei durch einen Friedensvertrag, nämlich dann, wenn sie sich Verhandlungen einlässt oder wenn sie sich nicht einlässt, indem man sie einfach unterwirft. Das Ergebnis ist dann auf jeden Fall, Kriegsende und Kriegsende heißt für Clausewitz Frieden. Das heißt, hier haben wir ganz klar eine negative Definition des Friedensbegriffes. Frieden ist also nicht etwas ganz Konkretes, sondern es ist die Abwesenheit von Krieg. Das ist also eine andere Vorstellung, als wir denken. üblicherweise so denken. So, wenn wir uns jetzt fragen, in welcher Reihenfolge sind denn die beiden Sachen, die rein militärisch zu erreichen sind, nämlich die Streitkräfte zu vernichten oder das Land zu erobern, wie geht das? So sagt Clausewitz, die stehen in einer natürlichen Wechselwirkung, weil die Vernichtung von Streitkräften
automatisch dazu führt, dass eben auch Land gewonnen wird. Das heißt, der Verlierende verliert eben auch Land und umgekehrt, wenn man Landgewinne macht, führt das in der Regel auch dazu, dass die Streitkräfte geschwächt werden, weil sie an der Position eben nicht mehr aktiv sein können. Aber es gibt natürlich auch den Ausnahmefall, dass der Schwächere oder die angegriffene Partei freiwillig Land dem Angreifer übergibt, indem sie sich einfach zurückzieht. So wie weit sie sich zurückzieht, ob nur bis hinter den nächsten Berg, in die nächste Provinz oder gar ins nächste Land zu Verbündeten, das ist mal eine andere Frage. Aber eine solche Rückzugstaktik, die ist natürlich grundsätzlich vorstellbar. Clausewitz sagt, dass zwar er... wir eine klare Vorstellung nun vom Prinzip des Krieges haben, aber das ist ja eben doch relativ theoretisch. Das hatten wir schon im ersten Teil, nämlich dass ja eigentlich die Kriegssituationen durch Wahrscheinlichkeitskalküle und durch Zufall wesentlich mitbestimmt werden und natürlich auch vom rein Menschlichen, von Wut, Hass, Motivation und auch Mut.
Selbstverständlich eine der hervorragendsten Eigenschaften des Kriegers. Und jetzt geht er ein bisschen weiter in den praktischen Bereich und sagt, okay, wenn doch das Hauptziel das Wehrlosmachen des Gegners ist, auf welche Weise, welche Hauptarten gibt es den Gegner wehrlos zu machen? Und er sagt, das eine ist das rein militärische, also kämpfen. Das andere ist Friedensschlüssel und das dritte ist, dass eben verzichtet wird, den Krieg überhaupt auszuüben. So, und das kann man sich gut vorstellen, wenn zwei sehr ungleiche Kräfte da sind, also ungleich starke, dann wird der Schwächere womöglich darauf verzichten zu kämpfen, weil er sonst Gefahr läuft, komplett vernichtet zu werden. Und es gibt natürlich weitere Motive oder man kann das noch ein bisschen weiter eingrenzen nach Clausewitz, wie man den Feind wehrlos machen kann und den Krieg beenden kann, bevor der Gegner physisch besiegt ist. Nämlich entweder, dass eine oder beide Parteien eine schwache Motivation haben.
Das heißt, wenn die verteidigende Partei keine Lust auf Krieg hat, gibt sie auf. Wenn die Angreifende es nicht so ernst meinte, hört sie irgendwann mal auf mit dem Angreifen. Andererseits kann es auch sein, dass die Kosten des Krieges zu hoch sind, weil man sich unsicher ist, ob man es überhaupt schaffen wird, den anderen zu bewegen. Und dann ist eben die Wahrscheinlichkeit... thematik trennen dann kann es eben sein dass man zwar schon sicher ist dass man das schafft aber der aufwand sehr hoch ist und zwar im verhältnis zu den politischen nutzen so und da müssen wir natürlich immer uns daran erinnern dass krieg eben kein selbstzweck ist sondern ein instrument der politik das heißt wenn die politik meinen dass sie jetzt zu viel tun muss, um ihren Krieg zu gewinnen, dann entscheidet die Politik anders und beauftragt ihre Militärs entsprechend zu Friedensschlüssen oder zu einem Rückzug. Und die politischen Motive, das wissen wir aus der Tagespresse, die wechseln ja manchmal von Tag zu Tag. Das heißt, das ist ja unvorhersehbar, was dort tatsächlich passieren könnte. Wenn man jetzt aber sagt, okay, das Ganze ist ja eine Wahrscheinlichkeitsrechnung,
Was kann denn jetzt eigentlich eine kriegsführende Partei machen, um die Wahrscheinlichkeit auf ihre Seite zu ziehen, sprich eben die Maßnahmen, die die Erfolgsfähigkeit erhöhen? Das ist natürlich bei den beiden Hauptrubriken Streitkräfte vernichten und Land erobern ein bisschen verschieden. Das heißt, bei den Streitkräften ist die Frage, was ist das Ziel? Geht es darum, eine komplette Vernichtung zu machen? Und zwar mit einem Großangriff, also denken wir jetzt zum Beispiel an den Atomschlag. Früher hatte man das ja nicht zu Clausewitz-Zeiten, da hätte man gesagt, okay, wir müssen eine ganze Menge von Angriffen machen, nämlich von der Grenze bis zur Hauptstadt müssen die Truppen vernichtet werden, ein Marsch bis zur Hauptstadt. So und dann müssen ja noch wichtige Zentren besiegt werden, das heißt eine komplette Angriffsserie mit dem Ziel die Hauptkampftruppen eben wehrlos zu machen. So oder aber will man mehr so die Nadelstichtaktik machen und hier mal angreifen, da mal angreifen, da mal angreifen.
um dem Gegner zu sagen, du findest niemals Ruhe, du bist niemals sicher, du weißt nicht, wo ich als nächstes angreife. Und das führt natürlich auch dazu, dass der seine Streitkräfte ständig in Alarmbereitschaft halten muss und sie dann Schritt für Schritt dann vielleicht sich doch dezimieren. So, bei der Landeroberung, das ist ja die zweite Hauptdisziplin, das zweite Hauptziel im Krieg, Da ist natürlich der Punkt, wenn man Land quasi geschenkt bekommt, weil der Gegner sich zurückzieht, dann ist das gar nicht automatisch wünschenswert, denn die Armee des Gegners ist ja immer noch da. Das heißt, er kann ja jederzeit wiederkommen und mich dann, wo ich in dem Land bin, was ich gerade erobert habe, angreifen, um sich sein Land wieder zurückzuholen. Das heißt, in vielen Fällen ist das nach Clausewitz lediglich ein notwendiges Übel. Das heißt, ja, ich kann das Land ja nicht da brach liegen lassen, wenn der andere sich zurückgezogen hat. Will ich ihn vernichten, muss ich ihm ja hinterher rennen. Ich muss also das Land in Besitz nehmen.
Andererseits kann es auch sein, dass die Kriegszielsetzung gar nicht unbedingt das absolute Niederwerfen ist, sondern andere Zwecke damit erreichen möchte. Das heißt, es geht vielleicht gar nicht darum, eine bestimmte Armeeeinheit zu vernichten, sondern sie einfach nur beschäftigt zu halten. Könnte man sagen, okay, da wird an der und der Stelle werden die beschäftigt gehalten, damit hinten andere Gruppen, andere Truppen, andere Maßnahmen treffen können. Und dann natürlich, wenn der Gegner komplett zu schwach ist und das Land freiwillig aufgibt, dann ist es natürlich ein Selbstgänger. Es gibt aber noch eine dritte Hauptgruppe, die mit dem rein Militärischen gar nichts zu tun hat. Und das nennt der Clausewitz eben Unternehmungen mit unmittelbaren politischen Folgen. Da geht es also darum, was eigentlich rein in der Politik stattfindet. Nun haben ja beide Parteien Bündnisse.
Der Angegriffene, der hat Bündnisse mit anderen Ländern oder anderen Parteien und da kann man jetzt versuchen, als Einzielsetzung diese Bündnisse zu zerschlagen oder sie zumindest zu neutralisieren. Und selber kann man versuchen... Sie versuchen, neue Bundesgenossen zu gewinnen, um sich mit Bündnispartnern zu stärken und vielleicht die andere Partei mehr zu beeindrucken oder auch mehr Waffen und Finanzmittel zu erhalten. Es gehört auch die politische Einflussflussnahme dazu. Er nennt das politische Funktionen aufregen. Das heißt, ich verstehe das mal so. dass er in die Landespolitik des Vereines eingreifen will und dort Agenten, also Politiker und ich sag mal Unruhestifter in Gang setzt, die die Meinungsmache zugunsten seiner eigenen Partei erzeugen.
Marketing, Propaganda, solche Dinge fallen da meines Erachtens rein. Und da die ja eben zur Meinungsbildung auch im politischen Bereich zählen, kann es sein, dass solche Vorgehensweisen auf einmal das Meinungsbild der Bevölkerung und auch vielleicht der Politiker beim Gegner ändern. Der sagt, ja, dann ändere ich auch meine kriegerischen Maßnahmen. Wichtig ist, dass Clausewitz darauf hinweist, dass Krieg auch was mit Kosten zu tun hat, im weitesten Sinne. Nämlich, Krieg kostet einen selbst was, kostet aber auch die andere Partei etwas. Und wenn man schon den anderen nicht direkt und schnell besiegen kann, dann ist es schon auch eine wichtige Strategie, den Aufwand, den Kostenaufwand beim Feind zu erhöhen. So Möglichkeiten bietet Clausewitz gleich fünf verschiedene Grundmöglichkeiten. Möglichkeiten an, nämlich einmal Streitkräfte zu verbrauchen, das heißt zu vernichten. Logisch, die müssen ja ersetzt werden. Streitkräfte sind Personal, Soldaten, das ist natürlich Waffen, das ist Logistik, alles was zur Erhaltung und Förderung der militärischen Kräfte gehört. Wenn es weg ist, kostet das nun mal, kann nicht so ohne weiteres ersetzt werden.
Dann eben Gebietsverluste, er nennt das Provinzen, Verlust von Provinzen. Und dann jetzt was Neues, die Invasion. Und Invasion heißt, dass man in ein Gebiet eindringt, aber nicht um es dauerhaft zu halten, sondern... um dem Feind einen Schaden zuzufügen. Zum Beispiel, dass man Steuern erhebt. Kann sein, dass man selber diese Steuern gar nicht mehr nötigt, weil es viel zu wenig ist, aber den Feind ärgert das, weil in dem Moment, wo jetzt die Bürger dort Steuern zahlen müssen, Vielleicht in einer großen Höhe haben sie ja gar keine Möglichkeit mehr, die Steuern an ihren eigentlichen Staat zu zahlen. Das heißt, dem Feind gehen ja Steuereinnahmen dann verloren. Und selbst wenn die nicht verloren gehen, ist also eine Unruhe unter der Bevölkerung, dass sie nun mehr Steuern zahlen müssen, weil ja Krieg ist. Und die andere Variante bei der Invasion ist eben die reine Verwüstung. Das heißt, da fährt man hin wie ein Berserker und zerstört alles, was zu zerstören ist, bloß damit der andere es nicht nutzen kann. Und das kann man sich gut vorstellen, dass man eben zum Beispiel irgendwelche Infrastrukturen stört, die für den Feind wichtig sind, das Land besitzt hält für einen Moment, um
Industrieanlagen zu vernichten, um dort Städte zu vernichten. So denken wir zum Beispiel mal vor 200 Jahren beim Russland-Feldzug von Napoleon. Da ist Moskau in Brand gesetzt worden und drei Viertel der Stadt ist abgebrannt und Napoleon war mit seinen Truppen dort. Das heißt, er konnte ja dort gar nicht überwintern, weil wo drin? In abgebrannten Häusern? Geht ja nicht. Und Das heißt, bei der Invasion haben wir also eben die gezielte Landnahme mit diesen beiden Schwerpunkten. Aber es gibt eben noch einen vierten Punkt, die Sabotage. Das heißt Maßnahmen, die konkret sich auf Projekte richten und den Feind schädigen. Es kann da also alles Mögliche sein, dass man Bahnlinien sprengt, dass man Kraftwerke außer Gefecht setzt, dass man Straßen und Brücken zerstört, solche Dinge. Und dann eben das Ermüden. Und mit Ermüden meint er die Kampfkraft ermüden. Und das versteht er als reinen Widerstand und sieht da einen Prozess drin, nämlich in der Verlängerung des Kampfes. Logisch, beim Kämpfen wird ja Aufwand getrieben mit Personal und Material.
Da entstehen Verluste und je länger man durchhält, desto mehr wachsen die Verluste an. Und derjenige, der die besseren Reserven hat, der gewinnt natürlich am Ende. Und Clausewitz sagt klar, es ist sogar möglich, einen Krieg mit reinem Widerstand zu gewinnen. Also hier muss man mit reinem Widerstand natürlich den rein militärische Perspektive betrachten, Widerstand von bewaffneten Truppen. Es geht hier nicht um Widerstand von unzufriedenen Soldaten. Bürgern gegenüber ihrer Regierung. Also Protest und Demonstrationen und passiver Widerstand, das hat mit diesem Widerstandsbegriff nichts zu tun. Sondern hier versteht Clausewitz eben Widerstand, zwei Parteien kämpfen und die eine drückt so ein bisschen und die andere rennt aber nicht weg. lässt sich das nicht bloß gefallen oder er sagt kein bloßes Erleiden oder Dulden. Aber die Motivation ist eine andere. Der Angreifende hat ein konkretes Ziel, der möchte etwas bestimmtes erreichen. Und die widerstehende Partei, die hat kein konkretes Ziel, sondern die will
etwas verhindern, nämlich dass ihr Gegner sein Ziel erreicht. Das ist ihr Ziel. Also sie hat kein eigenes Ziel, sondern ein passives Ziel, ein negatives Ziel. Und hier kommt ein ganz wichtiger Punkt zur Definition von Widerstand. Er sagt, wenn der Widerstand das Übergewicht ausgleicht, dann muss der Gegner mit der Zeit aufgeben. Ja, was genau meint er denn damit? Ich verstehe das mal so. Nehmen wir mal an, es wären das jetzt 5000 Soldaten. Die greifen an. Und die andere Partei hat 4000 Soldaten. Die stehen jetzt gegeneinander. In welche Richtung geht das jetzt? Wenn die gleich stark sind, eigentlich von der Kampfkraft her, ist es klar, die 5 wird die 4 immer weiter in diese Richtung reindrängen. Da geht gar kein Weg dran vorbei, aber eben langsam. So stehen die fünf aber nur eine und vielleicht sogar nur ein halber über, jetzt dargestellt durch meinen kleinen Finger, dann sieht das natürlich anders aus. Das heißt, ein solcher stark unterlegener Widerstand ist ein Widerstand, der eigentlich Gefahr läuft, total vernichtet zu werden und der für den Angreifer eigentlich kein Risiko darstellt, weil er in einer so starken Übermacht ist.
Also Widerstand im Sinne von Clausewitz heißt, es müssen zwei annähernd gleichstarke da sein. Und derjenige, der die längere logistische Ausdauer hat, der wird es dann eben schaffen, bei dem anderen die Ermüdung hervorzurufen, weil irgendwann mal fehlt es an dem Nachschub. So stellen Sie sich also jetzt mal vor, da ist ein Verteidiger, der hat vielleicht nur drei Krafteinheiten gegen einen Angreifer, der hat fünf. Aber der mit den drei Krafteinheiten hat sein Mutterland im Rücken und kriegt ständig neue logistischen Nachschub an Soldaten, an Material, an Waffen. Und der andere, der muss vielleicht über 500 oder 1000 Kilometer seine Transportwege bestücken und sichern, um seinen Nachschub herzustellen. zu bringen. Das heißt, er hat einen viel, viel größeren Aufwand und irgendwann mal ist ihm dieser Aufwand vielleicht zu hoch. Und so könnte es also sein, dass eben derjenige, der den besseren Nachschub hat, der kann am längsten durchhalten und der gewinnt. Und das könnte in dem Fall der Verteidiger sein. Die Geschichte ist voll davon. Denken Sie mal an den Afghanistan-Krieg oder die Afghanistan-Kriege, wo also irgendwelche Bergvölker, die
in verwinkelten Bergen sind, die man gar nicht kennen kann als Ausländer, die so viele Schlupflöcher haben, die schwer zu erobern und schwer zu halten sind, wo ganz wenige Leute mit ihrem Partisanenwiderstand es schaffen, ganze Armeen im Laufe von Jahren oder Jahrzehnten zu ermüden, dass die dann nachher quasi freiwillig auf die Besetzung verzichten und wieder nach Hause fahren. Ja, welche Mittel sind im Krieg konkret anwendbar? Das sind natürlich im Wesentlichen die Kämpfer, die Streitkräfte. Aber Streitkräfte ist nicht immer nur der Flugzeugträger, um jetzt mal eines der kompliziertesten Waffensysteme zu nehmen, weil da sind ja nicht nur... Das Flugzeug und die Flugzeuge, die drauf sind, die Kampfflugzeuge, da ist ja noch ein ganzer Korridor von Begleitschiffen, die auch alle noch damit zusammenhängen. Aber alles ist, und da müssen wir uns mal wieder dran zurückerinnern, alles resultiert hier auf dem Zweikampf. Zwar nicht diesen sportlichen Zweikampf, der hier abgebildet ist, sondern den militärischen Zweikampf auf Leben und Tod.
So, der Kampf ist als solches dasjenige, was das Kernelement jedes Krieges ist nach Clausewitz. Ohne Kampf gibt es quasi keinen Krieg. Und in jedem Kampf werden Ursachen gesetzt und in jedem Kampf werden durch diese Ursachen Wirkungen erzwungen oder zumindest resultieren sie dann. So, das heißt alles, was im Krieg geschieht, das ist eben der wichtige Satz, geschieht durch die Streitkräfte. Gut, natürlich werden die Streitkräfte durch politische Maßgaben gelenkt. Aber physisch gesehen, wir sind ja bei der Reinheit des Krieges, nicht bei der politischen Manipulation, da geht es tatsächlich um die Streitkräfte, wie sie eben kämpfen. Und wer kann da kämpfen? Ja, eben die Streitkräfte. Und was ist das Kämpfen? Es ist im Allgemeinen nicht nur die konkrete Auseinandersetzung, sondern jede kriegerische Tätigkeit. Und die kriegerischen Tätigkeiten sind nach Clausewitz eben mehrerlei. Es sind einmal die Erzeugung der Streitkräfte, das heißt der Aufbau von Truppen und von Waffen und von Munitionsschlagern und Fabriken für Kriegsmittel, dann natürlich die Erhaltung von Soldaten und dem ganzen Material, als auch die Verwendung.
Da müssen wir auch wieder rekurrieren auf den politischen Begriff, dass ja Streitkräfte nicht zum Spaß da sind, sondern die sind dazu da, um eingeritzt zu werden. Das heißt, dafür werden die aufgebaut, damit sie irgendwann mal, wenn die Politik meint, dass es nötig ist, verwendet werden können. Und so gilt das ja für andere Einsatztruppen auch. Die Feuerwehr ist auch da, damit sie eingesetzt werden kann, wenn es denn mal brennt. Und nicht, weil man Lust hatte, gerne mit roten Autos rumzufahren. So, und ein solcher Kampf, der wird jetzt wie geführt, sagt Clausewitz, der wird von Einheiten geführt. Und eine Einheit ist eben quasi die kleinste kämpfende Gruppe oder Gliederung. Und die kann jetzt nach verschiedenen Kriterien sortiert werden, entweder nach Subjekt, das heißt nach Menschen. So, dann könnte es ein einzelner Soldat sein, der ist dann ein Kämpfer. Es können aber auch viele Soldaten sein, die in einer bestimmten Gruppe sind und eine Einheit bilden, eine Kompanie, ein Chor.
Eine Division. Es können aber auch völlig selbstständige Einheiten sein, die mit den anderen nichts zu tun haben. Wenn wir jetzt mal an Sondereinheiten denken. Und da kommen wir auch in den Bereich der Objekte. Objekte sind also Ziele, sprich Kampfzwecke, die erreicht werden sollen. Das heißt zum Beispiel, dass man sagt, ja, es soll jetzt diese Gegend dort sein. gewonnen werden oder aber das Ziel soll vernichtet werden oder diese Position soll eingenommen werden. Das alles sind bestimmte Arten von Kampf, die eben von Clausewitz festgestellt wurden. So und die Gefechte, da stellt er sich, sagt, nee, ich muss andersrum sagen, die Gefechte, das sind quasi die Tätigkeiten, wenn jetzt zwei befeindete Einheiten aufeinandertreffen. Also ob das nun ein Mann gegen einen anderen ist und die jetzt im Faustkampf sich auf dem Gefechtsfeld befinden oder ob das ein Flugzeugträger gegen Raketen ist, das sind Gefechte. Und da ein Krieg ja nicht nur aus einem Schlag besteht, sondern aus einer Serie von vielen Gefechten,
Ja, ist es wichtig für alle kriegsführenden Parteien, sich Gedanken zu machen, wann sie wo mit wem welche Gefechte führen und wer wie eingesetzt werden soll. So, natürlich ist auch die Zielsetzung maßgeblich, was denn eigentlich in dem jeweils einzelnen Gefecht das Ziel sein soll. Der gewünschte Zustand, das muss nicht automatisch immer die Vernichtung der anderen Streitkräfte sein, es kann auch was anderes sein. Zeit zu gewinnen, den anderen zu ärgern, Steuern zu erheben, viele mögliche Sachen. Sabotage hatten wir ja auch schon. Und dann ist immer auch zu bedenken, dass bei Gefechten nicht einfach nur hau drauf aus den Kanonen, sondern dass die Streitkräfte ja auch kosten. Das heißt, es muss auch jede kriegsführende Partei eine Kosten-Nutzen-Rechnung machen und sich immer im Bedenken halten, dass die eigenen Streitkräfte wertvoll sind und zu erhalten sind. Und an der Stelle, da sehen wir eigentlich auch, dass eine der wichtigsten Komponenten in der clausewitzschen Partei
Begriffsanalyse des Krieges eben der Wirtschaftsfaktor ist. Wir haben das vorhin gehabt mit den Kosten, mit der Erhaltung und all diesen Dingen. Wir haben natürlich auch gehabt diesen wichtigen politischen Einfluss. Krieg ist ohne Politik quasi gar nichts und das Grundprinzip Krieg ist reine Gewalt. Das heißt, wenn wir uns vorstellen, dass Politik sagt, wir möchten jetzt etwas erreichen, weil wir das diplomatisch nicht können, deswegen machen wir jetzt Krieg. Da muss auch die Politik ganz klar sich vorher die Frage stellen, kann ich mir den Krieg leisten? Das heißt, welche Investitionen muss ich als Land aufwenden? Um diesen Krieg bis zum Ende führen zu können. Und da der Krieg ja viele Unwägbarkeiten hat, ein Wahrscheinlichkeitskalkül, es könnte sein, dass es länger dauert, als ich dachte. Könnte sein, dass es teurer wird, als ich dachte. Man weiß ja nicht, was die andere Partei dann für Maßnahmen begreift.
Und insofern ist Krieg also nicht nur ein rein brutales, unmenschliches Geschäft, was ja mit dem Blutzoll auf beiden Seiten handelt, sondern es ist auch ein ganz materielles Geschäft, wo es um Zahlen geht. Vielleicht nicht um Euro oder Dollar, aber es geht um die Zahlen. Wer hat welche Waffen? Wer hat welche Munition? Wer hat wie viele Soldaten? Und erst danach geht es darum, wo kommt das Geld her? Gut, ich denke, wir haben jetzt einen hinreichenden Eindruck von dem, was die Grundbegriffe der Clausewitzschen Kriegstheorie sind. Beim nächsten Mal möchte ich in Kapitel 3 reingehen und dann werden wir uns mal beschäftigen mit den charakterlichen Anforderungen, die nach Clausewitz der ideale militärische Anführer haben sollte. Also bis zum nächsten Mal. Ich freue mich, wenn Sie bald wieder da sind. Und Tschüss!
Klar sehen, clever denken, frei handeln.
Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Carl von Clausewitz - Vom Kriege: Zweck und Mittel im Krieg“, Die Welt Klar Sehen, 15.06.2022.
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Besprechung von Buch 1, Kapitel 2 aus Clausewitz' Vom Kriege: die drei Hauptziele im Krieg, der negative Friedensbegriff und der Krieg als kostenbehaftetes politisches Instrument. Teil der Säule 1 (Welt & Macht).
