Basisdemokratie - weltfremde Utopie - Warum es sie nie gab, nicht gibt und niemals geben wird15.11.2022
Abschrift
Abschrift des Videos vom 15.11.202213 Abschnitte
Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.
Hallo liebe Zuschauer, willkommen auf meinem Kanal die Welt klar sehen. Kürzlich hatte ich ja versucht zu erklären, was die historischen Hintergründe der Basisdemokratie sind. So und heute möchte ich mal einen Schritt weiter gehen und erklären, warum ich der Meinung bin, dass Basisdemokratie noch nie funktioniert hat, in dieser Welt nicht funktionieren wird und auch in einer zukünftigen Welt niemals funktionieren kann. dass es im Grunde genommen ein Märchenschloss für Phantasten ist, die sich etwas vorstellen, was aber niemals Realität werden kann, weil es den psychologischen Gesetzen, wie Menschen funktionieren, diametral gegenübersteht. Lassen Sie sich überraschen, wie ich zu meiner Meinung komme und diese begründe. Klar sehen, clever denken, frei handeln. Wenn man mal so um den Globus schaut, wo gibt es das überhaupt? Und da stellt man fest, da gibt es eigentlich so gut wie nichts. Es wird immer angeführt, die Schweiz, die Schweiz, die Schweiz. Aber wenn man da mal schaut, wie viele von den mehreren hundert Entscheidungen, die da pro Jahr gefällt werden, dann basisdemokratisch gefällt werden.
Ja, da ist das aber ein so kleiner Bruchteil, dass man sagen kann, naja, also diese allein schon von dem Verhältnis her kann das ja keine Basisdemokratie, eigentlich eine parlamentarische Demokratie, wo ein Teil eben basisdemokratisch geregelt wird. Und die Frage ist, warum konnte sich das basisdemokratische Prinzip bisher nicht weltweit durchsetzen, wenn es doch so toll ist? Warum gibt es das nirgendswo? Und ich glaube, dass es einfach ähnlich wie das zinsfreie Geld ein strukturelles Problem gibt mit dem Begriff der Basisdemokratie. Nicht nur ein Problem, sondern gleich mehrere. So bekannt ist, dass es schon mit der Stimmenberechtigung anfängt. Alle sind gleichberechtigt, alle Menschen. Aber wer entscheidet jetzt, wer überhaupt zu bestimmten Dingen entscheiden darf? Darf mir zum Beispiel ein dreijähriges Kind entscheiden? Nein, sagen sie. Andere sagen ja, warum denn nicht? Ist doch auch ein Mensch. Ja, ist ja noch nicht wahlberechtigt. Wer bestimmt denn, ab wann jemand wahlberechtigt ist? Und ist jemand, nur weil er ein Alter für die Wahlberechtigung hat, deswegen auch vernünftig genug, um eine Wahl durchzuführen? Oder kommt es darauf gar nicht an? Reicht es aus, dass man alt ist, dass man ein Idiot ist? Darf man trotzdem wählen?
Das heißt, diese Fragen der Stimmenberechtigung ist schon mal ein Thema, was in Basisdemokratie nicht ganz so leicht geklärt werden kann. Gilt aber auch für andere politische Systeme. Dann hat man das Thema mit Problem 2. Man will ja meinen Konsens. Aber Konsens heißt, dass jeder gehört werden soll und Entscheidungen lange dauern. Gut, es kann nachher eine sehr gute, fundierte Entscheidung kommen, aber es braucht seine Zeit. Und die Zeit läuft. Tick-Tack, Tick-Tack, Tick-Tack. Und es gibt aber Situationen, da kann man nicht so lange warten. Da müssen schneller Entscheidungen gefällt werden. Ich nehme mal zum Beispiel so Naturkatastrophen an, wie sie gerade erst in Deutschland im Ahrtal hatten. Da müssen doch Entscheidungen gefällt werden. Da kann ja nicht erst Wochen und Monate lang Konsens gefunden werden. Das muss zack, zack, zack gehen. Aber wenn man das nicht darf, weil ja kein Konsens gefunden ist, passiert eben nichts. Das heißt also, konsensorientierte politische Systeme führen unter Umständen zu einer effektiven Handlungsunfähigkeit.
So, dann ist das Problem mit der Kommunikation. Problem Nummer 3. Schon im normalen Menschenleben gilt, dass Menschen völlig verschieden sind, was ihre kommunikative Kompetenz betrifft. Der eine redet schnell, der andere langsam, der eine ist schlau, der andere ist dumm, der eine hat gute Argumente, der andere hat schlechte Argumente. Das bedeutet, die, die gut reden können, Die sind auch dazu in der Lage, andere Menschen oder sogar viele Menschen zu überzeugen, selbst wenn das, was sie sagen, objektiver Unsinn ist. Aber weil die so sympathisch sind, weil die so glaubwürdig sind, rennt man denen hinterher. Das heißt, sie manipulieren die Willensbildung der anderen Menschen in ihrem eigenen Interesse als Demagogen. Und das Gleiche gilt auch für die Medien. Es gibt ja Länder, in denen die Medien ganz maßgeblich auf die Meinungsbildung der Bürger einwirken. Aber wie kommen die Medien zu ihren Meinungen? Wer kontrolliert die Medien? Wie wahr ist das, was die Medien sagen? Oder haben die ihre eigenen Interessen?
Wie heißt es? Bad news are good news. Nach dem Motto, je mehr ich aufrege und Probleme und Angst und Panik und Kriege und Katastrophen berichte, desto mehr Aufmerksamkeit habe ich. Ist aber Aufmerksamkeit zu bekommen das Ziel einer neutralen politischen Information? Ich meine eher nicht. Dann kommt das Problem Nummer 4. Wenn also schon jeder Bürger über alles entscheiden soll, das wäre ja heute mit EDV und Apps wäre das ja alles möglich. Da muss er aber auch sich informieren, so wie man sich mal vorstellt, was jetzt in einem Gemeinwesen von 83 Millionen Menschen in 16 Bundesländern, in tausenden von Gemeinden und in einem Bundesparlament tagtäglich an Entscheidungen gefällt wird. Wie soll das gehen? Die Menschen arbeiten von 8 bis um 17 Uhr, einmal so gesagt, und dann sollen sie sich zusätzlich zu ihrem normalen Lebensablauf noch so stark in die politischen Themen einarbeiten, dass sie kompetent eine politische Willensbildung vornehmen kann? Das halte ich für völlig unrealistisch.
Das führt auch direkt zu Punkt 5 nach meiner Meinung, nämlich die fehlende politische Kompetenz für die Entscheidung der Bürger. Wenn wir mal überlegen, wie die Gesellschaft sich entwickelt hat, was die treibenden Motoren waren, die uns von der Urgesellschaft bis heute gebracht haben, war einer der Aspekte die Erfindung der Arbeitsteilung. Das heißt, man hat gelernt, dass es besser ist und effektiver ist, wenn man sich auf bestimmte Sachen spezialisiert, die man sehr gut kann. Und dadurch wird man da besser und produziert bessere Güter und Dienstleistungen, hat aber gleichzeitig nicht mehr die Zeit, sich um andere Sachen zu kümmern. Das heißt, es geht mit einem Kompetenzverlust auf der anderen Seite her. Derjenige, der gut Automotoren reparieren kann, ist vielleicht überhaupt gar nicht gut darin, wirtschaftliche Formeln zu entwickeln. Da hat er keine Zeit für, er muss sich ja ständig mit Automotoren beschäftigen. Und dementsprechend hat die moderne Gesellschaft sich so entwickelt, dass immer mehr Spezialisten immer mehr von immer weniger wissen, was bedeutet, dass sie das meiste, was in der Welt passiert, gar nicht verstehen oder gar keine Zeit und Lust haben, sich damit intensiv zu beschäftigen.
Das heißt also, wenn man Basisdemokratie jetzt so versteht, als ob man von dem Bürger erwarten würde, dass er auch nur intellektuell dazu in der Lage wäre, sich mit allen möglichen Sachentscheidungen der Politik kompetent zu informieren, dann geht das ganz, ganz weit von der gesellschaftlichen Realität weg. Denn der Bürger ist nach meiner Meinung ganz anders. Und das ist schon seit dem Beginn des Ackerbaus, sprich seit Beginn der Sesshaftigkeit, hat diese Entwicklung angefangen. Und wenn man jetzt sagt, er soll das aber trotzdem machen, dann reden wir davon, dass Basisdemokratie in dem Aspekt bedeutet, dass wir quasi in einen Zeitraum kulturell zurückfallen wollen, der vor der Arbeitsteilung war. Und genauso problematisch ist Punkt 6 auf meiner Liste, nämlich das Verstoß, dass die Basisdemokratie gegen das Gesetz der Denk- und Handlungsökonomie verstößt. Was meine ich damit? Man hat in den modernen Wissenschaften der Bewusstseinsphilosophie, der Bewusstseinspsychologie, der Gehirnphysiologie nachweisen können, dass das Gehirn auf Effizienz orientiert ist.
Also die Denkprozesse, die wir Menschen haben, die streben danach, alles leichter, kürzer, schneller zu machen. Das heißt, auch der Mensch möchte schon durch seine physische Organisation, die er in seinem Nervensystem hat, möchte er sein Leben einfacher und bequemer gestalten und zwar in jeglicher Hinsicht. Und das bedeutet praktisch jetzt für die gesellschaftliche Organisation, dass man diejenigen Sachen, die man selbst nicht sehr gut durchführen kann, die übergibt man gerne jemandem, der das besser kann, der, weil er es gelernt hat, es schneller macht und letztendlich effizienter und sogar preiswerter. Das heißt, eigentlich ist der Mensch von seiner Physiologie schon darauf ausgelegt, Dinge zu delegieren, also an die Fachleute entweder abzugeben, die ihm unterstehen oder auf dem gleichen horizontalen Level sind, oder aber sich die Leistung gegen Geld einzukaufen. Und das wiederum bedeutet jetzt in der politischen Interpretation nach meiner Meinung, dass Menschen im Allgemeinen, bei Einzelnen mag das vielleicht anders sein, aber in der Masse haben die Menschen überhaupt gar kein Interesse darin, sich für Aktionen einzusetzen, die nach deren Meinung von eigentlich von Fachleuten, von besser qualifizierten Menschen viel schneller, besser und preiswerter erledigt werden können.
Für die Politik heißt es also, dass die Mehrheit der Menschen ja überhaupt gar kein Interesse an Basisdemokratie hat und auch zukünftig nicht haben wird, sondern wunderbar zufrieden damit ist, weil es im Prinzip der Handlungsökonomie entspricht, sich dem politischen Willen durch geeignete Repräsentanten vertreten zu lassen. Das bedeutet, und jetzt komme ich mal zu dem Fazit meiner kleinen Analyse, dass ich glaube, dass die Basisdemokratie zwar ein Konzept ist, was das Ideal einer herrschaftsfreien Gesellschaft vorstellt, nur an dem Wohl der Bürger orientiert ist, aber in Wirklichkeit werden die tatsächlichen Interessenlagen, die bei den meisten Menschen vorhanden sind, real und psychologisch vollständig ignoriert. Man hat so eine Art Menschenbild, was man propagiert, den basisdemokratischen Menschen, Aber den hat es doch noch nie gegeben. In der ganzen Geschichte, seitdem wir Menschen sind, hat es das noch nie gegeben. Es gab mal Zeiten des Matriarchats, dann gab es Zeiten des Patriarchats, dann gab es Zeiten des Königstums, dann gab es Zeiten der Republik. Aber noch nie hat es irgendwo flächendeckend Basisdemokratie gegeben.
Und jetzt könnte man sagen, naja, weil die Menschheit entwickelt sich ja weiter, wenn es das jetzt nicht gibt, gibt es ja vielleicht eine Zukunft. Wir fangen heute an und in 50 Jahren sind wir dann soweit. Man muss nur die Menschen durch Argumente überzeugen und ihnen gesellschaftlich die entsprechenden Strukturen bereitstellen. Ich meine, dass wenn man sich mal so mit offenen Augen, jetzt ohne ideologische Scheuklappen auf die Menschen guckt, dann wird man feststellen, dass die meisten Menschen ganz andere Probleme haben. In irgendeiner Weise haben sie mit Beschränkung zu tun, weil sie körperlich nicht so können, wie sie wollen. weil sie emotional sich eingeschränkt fühlen, weil sie intellektuell oder sozial irgendwie begrenzt sind. Und all diese Begrenzungen, das meine ich nicht, dass diese Begrenzungen jetzt krankhaft oder schädlich sind, das sind einfach Begrenzungen, die führen dazu, dass sie ihren Hauptfokus ihrer Weltwahrnehmung auf ihr eigenes, subjektives, egoistisches Leben richten.
Das ist für sie wichtig und danach richten die ihr ganzes Leben aus und nicht nach dem Willen des allgemeinen Wohles. Die Menschen haben also weder aus der äußeren Veranlassung noch aus ihrer subjektiven psychologischen Veranlassung überhaupt ein grundlegendes Interesse dauerhaft. Ihre persönliche Meinung zugunsten eines Gemeinwohlinteresses zurückzustellen, was dann aber andere definieren. Denn wer sagt jetzt, was das Gemeinwohl ist? Was jetzt eine Dorfgemeinde, die beschließt, was das Gemeinwohl ist? Und was ist, wenn einer sagt, ich bin aber nicht dafür? Dann muss er sich dem Gemeinwohl unterwerfen. Ähnlich wie bei Rousseau, der Staat hat dann die Gewalt, die Gemeinde hat die Gewalt. Das heißt also, wir sehen, dass dieses Gemeinwohl stellt das Wohl der Gemeinschaft über das Wohl des Einzelnen. Nur die psychologische Disposition der Menschen ist, ich bin ein Einzelner und erstmal ist mein Interesse und dann kommt das Interesse der Gemeinschaft. Also genau entgegengesetzt. Und insofern ist...
Der Wunsch, die Gesellschaft zu verändern und von einer parlamentarischen oder halbparlamentarischen Demokratie oder halbdirekten Demokratie in eine Basisdemokratie umzuwandeln, der ist zwar durchaus nachvollziehbar, finde ich, aber nach meiner Meinung leugnet der oder besieht wissentlich oder unwissentlich wesentliche Grundmerkmale der menschlichen Beschaffenheit, Insofern halte ich die Theorie der Basisdemokratie nicht für eine realitätsbezogene politische Theorie, sondern lediglich für eine utopische Ideologie, reine Utopie, rein ideologisch. ohne jemals eine Chance zu haben, bei der Masse der Bevölkerung, egal in welchem Land, eine nennenswerte Zustimmung erreichen zu können. Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie auch eine Ansicht zu meiner Interpretation von Basisdemokratie haben und zu meinem Fazit, dann schreiben Sie es einfach unten in die Kommentare rein, egal ob Sie dafür oder dagegen sind. Schauen wir mal, vielleicht gibt es ja tolle, interessante Anregungen. Ich bedanke mich.
Clever Denken 300
Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Basisdemokratie - weltfremde Utopie - Warum es sie nie gab, nicht gibt und niemals geben wird“, Die Welt Klar Sehen, 15.11.2022.
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Analyse, warum Basisdemokratie aus Sicht von Uwe Loose eine reine Utopie ist. Sechs strukturelle Probleme – von Stimmenberechtigung über Demagogie bis zur psychologischen Disposition des Menschen – sprechen gegen ihre Verwirklichung.
