Russland ./. Ukraine - Was war wirklich auf dem Schlachtfeld los? - Die 4 Phasen seit Kriegsbeginn17.01.2023
Abschrift
Abschrift des Videos vom 17.01.202379 Abschnitte
Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.
Wurde auf beiden Seiten ein sehr hoher Blutzoll in Kauf genommen, nämlich von der Angreifer der Seiten, man spricht von 100.000 verwundeten oder toten Soldaten auf russischer Seite, aber auch 100.000 verwundeten und toten Soldaten auf ukrainischer Seite, die dabei gestorben sind, verwundet wurden, ihr Staatsgebiet. Wir hören von einem ausgewiesenen Militärexperten, der die wichtigsten Phasen des militärischen Streitens zwischen der Ukraine und Russland zusammenfasst, sodass wir als Nichtsoldaten das auch verstehen können und uns unsere ganz eigene, vielleicht auch objektivere Meinung bilden können, als wenn wir die vielen Infos aus den Tagesnachrichten versuchen zu sortieren. Also bis gleich.
Klar sehen, clever denken, frei handeln.
Nämlich in das Jahr 2022 und möchte mir mal den Vortrag anhören von einem ausgewiesenen Militärexperten, der die wichtigsten Phasen des militärischen Streitens zwischen der Ukraine und Russland zusammenfasst, so dass wir als Nichtsoldaten das auch verstehen können. Ja, also es geht hier konkret um den Obersten des Generalstabes, Berthold Sandner.
Und was ist das für einer? Das ist auf jeden Fall jemand, der aus Österreich stammt, nämlich aus dem Institut für höhere militärische Führung und das Video werden wir uns gleich mal genauer anschauen. Das heißt 300 Tage Krieg in der Ukraine und wurde am 21. oder 22. Dezember veröffentlicht und da wollen wir mal schauen, was der Herr Sandner uns tatsächlich erzählen kann.
Bevor wir uns mit dem Herrn Sandner genauer beschäftigen, um mal so ein bisschen Charakterprofil von ihm zu erarbeiten, sollten wir mal schauen, wo ist er denn eingebunden. Also er ist ja jetzt Österreicher und als Österreicher vertritt er natürlich auch die österreichische Denkart. Und dazu müssen wir mal gucken, wie ist denn Österreich jetzt in dieser ganzen weltpolitischen Situation eigentlich positioniert. Also Österreich ist ja eine Republik und wir sehen, dass es ja mitten in Europa liegt, in der Europäischen Union. So weit, so gut. Aber die Frage ist, ist denn Österreich eigentlich auch NATO-Mitglied?
So, und da muss man sagen, nein, also direkt eben nicht, sondern Österreich hat ja eine Zusammenarbeitungspartnerschaft eben mit der NATO und ja, ein Euro-Atlantischen Partnerschaftsrat, da sind sie also auch mit drin. das heißt seit 1995 und 1998 versuchen sich quasi der NATO so ein bisschen anzunähern, so aber eigentlich sind sie ja rein theoretisch jedenfalls neutral. Und der Herr Sandner der ist
ja eben beim Bundesheer und beim Bundesheer, da gucken wir jetzt nur mal ganz grob rein, also Österreich hat eben ein Heer und wir wollen uns da jetzt nicht im Detail mit beschäftigen, Aber wie viele sind da überhaupt? Es sind 14.000 Berufssoldaten und weitere 25.000 Soldaten in der Miliz. Dazu kommen noch mal 8.000 Zivilbedienstete. Da haben wir 18.000 Grundwehrdiener und 8.000 Fahrzeuge, davon 700 Ketten- und Radpanzer sowie gepanzerte Fahrzeuge, 110 Luftfahrzeuge und mindestens 80 Wasserfahrzeuge.
Ja, wir sehen also Österreich, ein kleines Land, hat eben auch eine kleine Armee. Ja, und da stellt sich natürlich die Frage, was genau, wo ist da der Sandner und was qualifiziert ihn, jetzt einen solchen Jahresrückblick zu machen. Ja, wer ist nun der gute Herr Berthold Sandner? Also er ist Oberst des Generalstabsdienstes, also Generalstab ist ja immer die höchste Ebene in einem Militärapparat. So, er ist dort der aktuelle Referatsleiter, Hauptlehroffizier und Forscher der Führungslehre. Also Führungslehre ist eigentlich ja die Kunst, Offizieren die militärische Führung beizubringen. So, wo ist das Ganze? In Wien, an dem Institut für höhere militärische Führung.
Und was ist mit seiner Herkunft, mit seiner Laufbahn? Wie hat er sich entwickelt? Also er war 1992 ist er angefangen und hat dann eine Ausbildung zum Offizier gemacht an der Militärakademie. Das war 1996. Dann hat er Verwendung auf Ebene Zug und Kompanie im Stabsbataillon 3 gehabt. Das ist vielleicht für uns ganz von Interesse, denn daraus erfahren wir, dass er praktischen Umgang mit Panzern hat. Es gibt ja viele verschiedene Bereiche im Militär. Das heißt, er kennt sich also mit Kampfpanzern aus, wie Kampfpanzer zu führen sind.
Das weiß er auf jeden Fall und das auch im kleinen Raum im Reich, wie er es eben in der Offiziersausbildung hatte, nämlich im Zug und in der Kompanie. Also das sind jetzt kleine Einheiten, da wollen wir jetzt nicht näher drauf eingehen. Dann hat er von 2003 bis 2006 eine Generalstabsausbildung gemacht und ein individuelles Diplomstudium mit dem Thema Landesverteidigung, höhere Führung. Also er strebt es auch nach höheren, sprich er wollte eben die Kunst der militärischen Führung erlernen und sich erarbeiten. Seine Diplomarbeit ist was? Nämlich die Etablierung der Militärwissenschaften als eigener Wissensweich in Österreich und die Konsequenzen für die Einrichtung einer Militäruniversität sowie die Akademisierung der Offiziersausbildung.
Das heißt, was wir hier haben, ist ja eins zu eins das, was der gute Herr Klausewitz, das hat der ja schon vor 200 Jahren gemacht, da ging es auch darum, eben eine Militäruniversität einzurichten und die Offiziere zu akademisieren. Ja, wen das interessiert, was der Herr Klausewitz für einer ist und was der eigentlich für tolle neue Erkenntnisse für die Militärwissenschaft gebracht hat, der sollte sich einfach mal dieses Video auf meinem Kanal angucken.
Es gibt da eine separate Playlist und die beginnt eben mit diesem Video, der berühmteste Militärstratege und da wird seine Biografie von mir besprochen und dann gibt es noch ein paar Videos hinterher, die in die wichtigsten Grundbegriffe des militärischen Denkens einführen. Er hat schon ein bisschen Ähnlichkeiten mit dem Clausewitz, so aber eben 200 Jahre später. Nach seiner Ausbildung hatte er also dann verschiedene Verwendungen, das heißt verschiedene Einsätze oder betriebliche Art,
nämlich militärische Gesamtplanung, österreichische Militärvertretung, Militärstab der EU in Brüssel und anschließend in verschiedenen österreichischen Abteilungen, Militärstrategie, Generalstaatsabteilung, Programmplanung und Transformation des Bundesministeriums für Landesverteidigung. Ja, Transformation ist ja ein moderner Begriff, also hier geht es um eine Heeresreform. So, dann war er ferner Auslandseinsatz als Chef des Stabes eines multinationalen Verbandes im Kosovo
sowie Einteilung als Kommandant des Aufklärungs- und Artilleriebataillons und so weiter. So, seit 2019 ist er Referatsleiter, Hauptlehroffizier, Forscher und so weiter an der Landesverteidigungsakademie. So, Forschung, Schwergewicht, Führung in vernetzten Umfeldern. So, das heißt, wir haben hier also was? Wir haben ja eine Person, die eben ja sehr wohl einen hohen akademischen Ausbildungsgrad hat, speziell im Führen und Erkennen von strategischen Fragen, eben von ihrer Expertise hat. Wir sehen aber auch, dass sie eben sehr westlich orientiert ist, eben in die NATO eingebunden ist, logischerweise, weil es ja eben dem österreichischen Heer gemäß ist.
Ja, und waren ja eben auch in Kosovo, hat eine führende Rolle gespielt, zumindest teilweise. Das heißt, wir können also aus diesem Zusammenhang schon eine gewisse Positionierung des Herrn Sandner erkennen, wie er über einen solchen Konflikt wohl denken kann. Und das zu wissen, bedeutet natürlich auch, dass wir eine Möglichkeit haben, eben seine Perspektive auf diesen Konflikt besser zu verstehen. Ja, und wer noch genauer sich einen Eindruck von dem persönlichen Charakter von Herrn Sandner machen will, der kann natürlich auch mal auf sein Twitter-Account gehen, Bernd Berthold Sandner. Dort hat er ja seit einiger Zeit eben den Kanal eröffnet.
Er hat dort 178 Tweets, die wollen wir uns jetzt hier natürlich nicht angucken, aber man kann auf jeden Fall aus diesen Beiträgen und den Antworten, die er auf Kommentare schreibt, schon sehen, dass er doch nicht so ganz der kühle strategische Denker ist, der er von seinem Berufsbild her eigentlich sein wollte oder sollte, sondern dass er sehr wohl auch eine persönliche Meinung hat. Und dass diese Meinung ganz eindeutig, ich sag mal, auch emotional geprägt ist. Er redet irgendwann von teuflischen Aktionen der Russen, sowas in der Art. Das kommt zwar nur vereinzelt, aber es demonstriert doch, dass er eine gewisse Positionierung hat.
Ja, das alles sollten wir vielleicht mal so im Vorwege zu dieser Person, dieses Oberst Sandner haben und dann schauen wir uns mal an, was er uns denn mitzuteilen hat. Mein Name ist Bertolt Sandner. Ich lehre und forsche an der Landesverteidigungsakademie des österreichischen Bundesheeres, genau am Institut für höhere militärische Führung. Wie Sie hier an dieser Karte gut sehen können, sind es in etwa 17 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets, das durch russische Kräfte besetzt ist. Die Front von Kharkiv bis Kherson hat eine Länge von etwa 1000 Kilometern.
Das entspricht in etwa, damit Sie sich das vorstellen können, der Entfernung von Wien nach Paris. um das zu erfüllen um das zu erreichen wurde auf beiden seiten ein sehr hoher blutzoll in kauf genommen nämlich von der angreifer der seiten man spricht von 100.000 verwundeten oder toten soldaten auf russischer seite aber auch 100.000 verwundeten und toten soldaten auf ukrainischer seite die dabei gestorben sind verwundet wurden ihr staatsgebiet zu verteidigen gleichzeitig ist aber auch der zivile blutzoll extrem hoch bis zu 16.000 tote zivilisten und 14 millionen vertriebene
Aus dem gesamten Staatsgebiet. Die Infrastrukturschäden werden auf 600 Milliarden Euro geschätzt. Begleiteffekte sind Inflation, Nahrungsmittelknappheit, Sie kennen das mit den Exporten von Weizen beispielsweise oder gestiegene Energiepreise. Ja, also hier sehen wir, dass dieser Krieg tatsächlich Dimensionen erreicht, die wir bisher in der Form, ja zumindest in unserem Breitengrad, hier in Nord-, Mittel- und Osteuropa in den letzten Jahren ja nicht hatten.
Also der Oberst Sandner war ja seinerzeit selber im Kosovo als Einsatzleiter für eine bestimmte Zeit lang tätig. Aber das war doch nicht diese Dimension, die wir jetzt in diesem Russland-Ukraine-Krieg haben. Ja, 100.000 Tote auf jeder Seite werden geschätzt, also 200.000 Menschen, die ihr Leben geben mussten von Material- und Infrastrukturschäden mal ganz abgesehen. Also das ist schon ein ganz besonders wichtiges und unerhörtes Ereignis und wir wollen mal schauen, wie er das jetzt interpretiert.
Gehen wir jetzt ein wenig in die Zielsetzungen. Warum gibt es diesen Konflikt und warum hat Wladimir Putin am 24. Februar den Krieg begonnen? Eigentlich hat dieser Krieg ja bereits 2014 begonnen, als seitens Russland die Krim annektiert wurde und wesentliche Teile des östlichen Dombas ebenfalls annektiert wurden. Was waren jetzt die Zielsetzungen? Die Zielsetzung, wenn wir auf die russische Seite gehen, war ganz klar, die Demokratisierungsbestrebungen in der Ukraine, das Annähern an NATO, das Annähern an EU zu verhindern.
Role Model für das, wie man sich von russischer Seite die Ukraine wünscht, ist Belarus, also eine Belarusifizierung der Ukraine. Ein geneigtes Regime, ein von Russland abhängiges Regime, Streitkräfte ohne Offensivkapazitäten und auf jeden Fall die Anerkennung der besetzten Gebiete. Auf ukrainischer Seite könnte man sagen, das strategische Ziel ist klar, überleben. Überleben um jeden Preis, aber wie Volodymyr Zelensky das klar macht, nicht zu jedem Preis. Die Ukraine, Präsident Zelensky sagt, unser Ziel ist eine unabhängige Ukraine als Teil der westlichen Wertegemeinschaft und auf jeden Fall mit einer vollkommenen Integrität des Staatsgebietes. Diese Ziele sind es, die wir immer im Hinterkopf haben sollten, wenn wir beobachten, wenn wir evaluieren, wie lang dieser Krieg noch dauern könnte, weil ein Krieg endet normalerweise dann, wenn eine der beiden Seiten ihre Ziele erfüllt.
Und in dem nächsten Schaubild wollen wir jetzt...
Bei der Krim Schluss gemacht. Warum hat Russland denn nicht gleich weitergemacht und es gleich bis nach Kiew durchmarschiert? Also wenn ich mich erinnere, jetzt von anderen Darstellungen, vielleicht später hier in dieser Serie zum Thema Russland-Ukraine-Krieg noch genauer untersuchen, ist es doch nicht unberechtigt zu vermuten, dass die Regierung, die 2014-15 in die Ukraine gewechselt hat,
bzw. installiert wurde, ein Marionettenregime war, nur eben kein russisches, sondern ein amerikanisches und europäisches. Das heißt, hier sehen wir also, dass der Herr Sandner, ja ich sag mal, schon eine einseitige Positionierung hat, nämlich ganz eindeutig, wenn der Westen ein Marionettenregime einsetzt, dann ist das in Ordnung, dann dient das der Bestrebung, den Demokratismus zu stärken, aber wenn die Sowjetunion oder Russland das macht, Sowjetunion ist ja nicht mehr, dann ist das aber nicht so wünschenswert.
Und vor allen Dingen, was genau ist denn jetzt daran schlimm, dass Russland Wert darauf gelegt hätte, damals wie auch jetzt, dass die Ukraine neutral ist. Also man muss das doch mal von der geografischen Lage aus angucken. Überall sind NATO-Länder und die Ukraine ist weder Mitglied der EU noch der NATO. Also es ist doch, wenn man sich in den Kopf nach Russland versetzt, wer möchte denn, dass da jetzt so ein Pufferland wie die Ukraine plötzlich auf einmal zu einem anderen Militärblock dazuzählt. Das will doch keiner.
Also insofern denke ich, ist hier die Interpretation von dem Sandner relativ einseitig und das gefällt mir eigentlich nicht. Also da hätte ich jetzt von einem Chefstrategen ein bisschen mehr Neutralität erwartet. hat. In den Februar, hineinsteigend genau in den 24. Februar, als dieser Krieg begann. Startschuss dazu war eigentlich der 22. Februar, als Wladimir Putin die beiden abtrünnigen Provinzen im Osten, die Oblasten, Luhansk und Donetsk, als unabhängige Republiken anerkannte. Und schließlich am 24.
Februar fiel der Startschuss zur russischen Offensive. Es waren rund um die Ukraine in in etwa 120.000 bis 150.000 russische Soldaten seit dem Herbst 2021 in Stellung gebracht wurden und am 24. Februar erfolgte schlussendlich der Angriff. Wie hat man sich das von russischer Seite vorgestellt? Jedenfalls ganz anders, als es dann ausgegangen ist. Erster Teil des Plans war ein ganz rascher Enthauptungsschlag in Kiew. Einsatz von Spezialeinsatzkräften, Marineinfanterie, Fallschirmjägern. Man ist davon ausgegangen, man bekommt Kiew schnell in die eigene Hand.
Präsident Zelenskyy verlässt das Land, die Regierung stürzt und das ukrainische Militär wird den Widerstand aufgeben. Ein zweiter Teil dieser Operationsplanung war es, den Großteil der Operationen zu verhindern.
Dass das nicht funktioniert hat, das war ja ein Schuss in den Ofen, also rein militärisch gesehen. Und da stelle ich mir natürlich die Frage, wie kann sowas passieren? Also Russland baut da seit einem Jahr an den Grenzen Armeen auf, wobei es auch verschwiegen hat, was die NATO in der Zeit getan hat. Dass also die NATO auch nicht nur geschlafen hat, sie haben ja viele Manöver gemacht und und und. Also sprich, das war ein gegenseitiges Wettrüsten, aber da kommen wir später vielleicht noch zu. Und dass dann natürlich sich die Frage stellt, warum konnte also Russland zu dieser eklatanten Fehleinschätzung kommen?
Also ich weiß noch, als ich die Berichte im Fernsehen gesehen habe und sah, wie dann da vor Kiew die Panzer und Schützenpanzer nicht in Reihe, sondern eben in Linie standen hintereinander, dachte ich zu mir, ja wie können die denn da zu dieser Jahreszeit bei feuchtem Grund und Boden überhaupt mit Panzern angreifen? Das ist ein völliger Unfug. Die können sich doch gar nicht bewegen, die können doch gar nicht mobil sein. Und dann noch eine Millionenstadt anzugreifen, wo man noch eine mehrfache personelle Überlegenheit braucht, um da tatsächlich im Städtekampf was zu bewerkstelligen.
Also diese ganze Aktion, die fand ich zwar einerseits spektakulär, aber ich fand sie auch jetzt ziemlich uneinsichtig. Also das hätte man noch eigentlich vorhersehen können. Und was ich mich auch frage, warum hat man das überhaupt militärisch gemacht? Also da spricht erstmal ganz klar zu Lasten der mangelnden Kompetenz auf der sowjetischen Seite. Warum hat man Präsidenten, wenn es doch an dem nur lag, wenn der eine Marionette war und warum hat man den nicht durch einen Attentat versucht zu beseitigen? Warum hat man den nicht vergiftet? Warum hat man den nicht erpresst und unter Druck gesetzt? Warum bedurfte es einer militärischen Operation?
Also diese Frage spricht ganz klar für mich zu Lasten von Russland, und zwar hinsichtlich entweder deren Motivation, was sie überhaupt wollten, beziehungsweise hinsichtlich ihrer Beurteilungsfähigkeit, was sie hätten erreichen können mit der Aktion. Also das war für mich, würde ich sagen, ein Armutszeugnis russischer militärischer Intelligenz. Aber schauen wir mal weiter. Die ukrainischen Streitkräfte, die in dem Gebiet eingesetzt wurden, wo seit 2014 dieser gefrorene Konflikt war, einzukesseln, zu zernieren
und damit nicht für die weitere Kriegsführung zur Verfügung zu haben von ukrainischer Seite. Und sozusagen der dritte Frontabschnitt aus dem Süden heraus, aus der schon im Jahr 2014 besetzten Krim, ein Stoß nach Norden, um mit dem Stoß von Norden gemeinsam die Ukraine in zwei Hälften zu trennen. Und wenn das Ganze gut verläuft, vielleicht sogar ein weiterer Stoß bis nach Moldawien in den dort abtrünnigen Bereich Transnistrien. Funktioniert hat das Ganze nicht, wie wir jetzt in der Retrospektive gesehen haben.
Und eigentlich könnte man sagen, nach zwei Wochen war diese Art des Krieges für Russland verloren. Warum war das so? Man ist von russischer Seite ganz eindeutig von ganz anderen strategischen Vorhersagungen ausgegangen. Man ist davon ausgegangen, Präsident Zelensky wird fliehen. Man ist davon ausgegangen, das ukrainische Militär wird keinen Widerstand leisten. Und man ist davon ausgegangen, dass man, wenn man schon nicht begrüßt wird an der ukrainischen Bevölkerung, sondern zumindest nicht abgelehnt wurde. Das heißt, mit Mitte März war diese Art des Krieges für Russland verloren und man musste in eine neue Art der Kriegsführung gehen.
Ja, also das muss man wirklich sich auf der Zunge zergehen lassen. Also Russland wusste nicht, dass die Ukrainer sie nicht willkommen heißen würden. Das finde ich insofern erstaunlich, weil natürlich ist die Ukraine ein gespaltenes Land. Wir haben ja diesen großen Fluss, den Dierpa, und wir wissen, dass die Ukraine historisch gesehen eigentlich erst seit dem Ende der Sowjetunion ein wirklich eigenständiges Land ist. In all die Zeit, wo der Name Ukraine verwendet war, und das ist schon fast 1000 Jahre, da sind die im Grunde genommen immer von irgendwem besetzt und erobert worden.
Also insofern von einer rein ukrainischen Nationalität im engeren Sinne kann man erst seit Ende des Zusammenbruchs der Sowjetunion reden. Das ist jedenfalls meine Interpretation. Und dann stellt sich die Frage, wie ist die Bevölkerung zusammengesetzt? Und durch diesen Fluss haben wir immer unterschiedliche Einflüsse gehabt an Kultur. Also das, was östlich des Flusses ist, das war immer Russland, mehr russisch orientiert und das, was westlich war, war polnisch und europäisch orientiert. Das hat sich historisch seit fast 1000 Jahren so ergeben.
Und dementsprechend ist, man muss auch sagen, durch die Zeit innerhalb der Sowjetunion und des insgesamt slawischen Bevölkerungszusammenhangs oder überwiegend slawischen Bevölkerungszusammenhangs ist klar, dass sie miteinander kulturell verflochten sind. Denn alles ist jetzt nicht so, dass die Ukrainer die einen sind und die Russen sind die anderen, sondern da sind schon sehr eng miteinander verwandt, so wie Deutsche und Österreicher auch nicht so ganz voneinander getrennt sind, auch wenn sie eigene Nationalstaaten haben.
Naja, und da denke ich, dass hier es erstaunlich ist, dass die Russen nicht erkannt haben, dass westlich des Nippa, dass dort eine Mentalität ist, die für sie nicht so gut ist. Die haben noch keine Agenten, die sprechen noch die Sprache Russisch und Ukrainisch, ist nicht sehr verschieden. Das ist also schon äußerst befremdlich. Ich habe es schon gesagt, diese Aussage, die der Obersandler macht, die ist einfach nicht plausibel. Es ist unverständlich, dass Russland einerseits über Hochtechnologie verfügt, Raketen mit Überschallgeschwindigkeit, die kaum jemand abwehren kann.
so gleichzeitig bauen sie der in der riesige angriffsarmee auf an den grenzen und sind kulturell mit den ukrainern seit jahrhunderten verbunden und dann wissen sie nicht wie die ukrainer westlich das in japan denken also ganz ehrlich das kauft ihnen doch keine ab das ist doch eine propaganda ja aber das heißt wir müssen doch in diesem sachverhalt ein bisschen anders darstellen wir müssen noch eher sagen okay die russen wussten sehr wohl worauf es ankommt so
aber sie wollten eben ein enthauptungs schlag machen sind sich aber nicht darüber im klaren gewesen wie sie es richtig machen das heißt es eine rein militärische operative problematik dass der einsatzleiter der dort war nicht dazu qualifiziert war diesen befehl ordnungsgemäß auszuführen. Aber es hat doch nichts damit zu tun, dass man nicht wusste, wie die Westukrainer über Russland. Ganz interessant zu betrachten sind, wie wurde auf internationaler Ebene reagiert darauf.
Es gibt insgesamt drei Resolutionen der UN-Generalversammlung zum Russland-Ukraine-Krieg. Das war die erste dazu. Gleich Anfang März, wo es darum gegangen ist, wird der Einmarsch Russlands in der Ukraine verurteilt. Gleichzeitig wurde gefordert die Rücknahme der Anerkennung dieser beiden Provinzen Luhansk und Donetsk im Osten und ein Herausgehen aus der Ukraine. Und man sieht hier doch eine ganz klare Spaltung der Welt. Während Europa, Nord- und Südamerika ganz klar für diese Resolution waren, gibt es in Asien ein sehr klares Bild, hier natürlich
Russland, das die Resolution ablehnt. Aber sehr viele asiatische Staaten, der Großteil, Teil, die sich hier der Stimme enthalten haben, ein ähnliches Bild in Afrika. Also die Weltgemeinschaft ist sich nicht einig gewesen und ist sich nach wie vor nicht einig dabei, den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu verurteilen. Ja, und das ist natürlich ganz interessant, weil damit die große Tatsache, dass die Weltgemeinschaft sich nicht einig ist, folgt daraus, dass auch die moralische
verurteilung nämlich das ist ein angriffskrieg und er ist nicht zulässig oder was auch immer man jetzt dazu denken mag das ist eben nicht so klar sondern das ist eben die meinung derjenigen die eben diese meinung vertreten und die anderen haben dazu entweder gar keine meinung oder sie haben sogar eine gegenteilige meinung so also zu dem zeitpunkt jetzt im märz 22 wo eben die erste der UN-Resolution war, waren 141 Länder. Davon haben sich fünf gegen, haben sich fünf für oder
gegen die Resolution entschieden und 35 dagegen und 141 dafür. Das heißt also von eben den rund 180, 190 Ländern waren ungefähr ein Viertel, die keine Meinung oder eine andere Meinung hatte. Das Das heißt, es ist drei Viertel der Länder waren dafür, aber ein Viertel eben nicht. Und jetzt ist die Frage, wonach man in demokratischen Verhältnissen, dafür kämpfen wir ja im Westen, in der westlichen Wertegemeinschaft, wonach geht es dann? Geht es dann nach der Mehrheit oder nach der Wahrheit?
Also würden wir jetzt nach der Mehrheit gehen, müsste man sagen, jawohl, die Mehrheit ist der Meinung, dass es eben eine UNO-Resolution bedarf. Und wenn wir nach der Wahrheit gehen, müsste man sagen, kann man so sehen, kann man aber auch anders sehen. Jetzt wollen wir uns kurz mit den fünf Phasen dieses Krieges in den 300 Tagen beschäftigen. Die erste Phase hatten wir schon besprochen. Im Wesentlichen war diese Phase im März vorbei und die Russen mussten einsehen, dass dieser schnelle Enthauptung, der schnelle Enthauptungsschlag Kiew,
das Besetzen der Ukraine, das Fliehen der Regierung, das Einsetzen einer russlandgeneigten Regierung einfach nicht funktioniert hatte. Es gab dann eine Evolierung offensichtlich im Kreml der Kriegsziele und Wladimir Putin gab eine neue Devise aus, nämlich die Befreiung des Donbass, also der beiden Provinzen im Osten, Luhansk und Donetsk, als neues Kriegsziel. In dieser zweiten Phase, wo wir von einer sogenannten operativen Pause sprachen, Sie sehen das hier an dieser Grafik des Instituts for the Study of War ganz gut,
zogen sich die Russen eigentlich innerhalb weniger Tage, sieben bis zehn Tage, aus der kompletten Nordukraine zurück. Das heißt aus den Bereichen Kiew und Sumi. Formierten die Kräfte neu, um sie dann in einer weiteren Phase, die im Juni und August hauptsächlich war, im Donbass zum Einsatz zu bringen. In dieser Phase Juni, August tobte dann wirklich der Krieg in dem Bereich, den wir als den Donbass bezeichnen, genau in diesen beiden östlichen Provinzen, um das neue Kriegsziel von Wladimir Putin zumindest Luhansk und Donetsk zu befreien, zu erfüllen.
Ja, da möchte ich nochmal reinspringen. Also diese Geschichte mit dem Befreien von Republiken oder Teilflächen oder Provinzen, wie auch immer sie da heißen mögen, das ist ja auch eine Sache, die hier bei uns in der Presse überhaupt gar nicht diskutiert wird. Denn natürlich sind Angriffskriege verboten, das verbietet die UN-Charta ja, aber es ist wohl mittlerweile auch erlaubt, Ländern, die eben um Hilfe bitten und die ihre Selbstständigkeit haben wollen, sich aus einem Staatenverbund lösen wollen, sprich ihre Souveränität zu erlangen, das sei angeblich zulässig.
Und das ist auch eine Argumentation, das werden wir später irgendwann mal nochmal hören, die von Russland auch vorgetragen wird. Das heißt, diese Ausnahmesituation, dass also ein Land einen nachher Rettung ruft und sagt, ich möchte mich ja von meinem Staatenverbund befreien, ich möchte nicht mehr eine Ukraine sein, ich möchte eine eigenständige Republik sein und mich dann freiwillig zum Beispiel Russland anschließen, ist kriegsvölkerrechtlich wohl eine zulässige Angelegenheit, zumindest scheint es so. Das heißt, das wird leider in der Form überhaupt gar nicht diskutiert, sondern wir kennen nur die Hauptvariante, die Standardvariante, nämlich Angriffskriege sind verboten.
So, ob die zweite Variante hier zulässig wäre, ob sie überhaupt eine denkbare realistische Möglichkeit ist oder ob sie nur ein Vorwand von Russland war, das sei mal noch dahingestellt. Und den Russen gelang es auch anfänglich hier recht große Erfolge zu erzielen und am 4. Juli, das ist eigentlich der einzige operativ-militärische Erfolg, den die Russen während dieser ganzen Kampagne hatten, gelang es wirklich den gesamten Bezirk Luhansk in eigene Hand zu bringen.
Es fielen da die beiden Zwillingstädte Severodonetsk und Lusitschansk am 4. Juli und Luhansk war komplett in russischer Hand und die Offensive wurde in die Tiefe des Donbass in die Provinz, in die Oblast Donetsk fortgesetzt, wo sie sich aber begann, spätestens im August festzufressen und in einen beginnenden Stellungskrieg zu verwandeln. Ja, aber damit stellt sich doch die Frage nach dem, was denn die Russen jetzt an der Stelle wollten. Ja, nur denn, wenn sie sich jetzt im Donbass jetzt eingraben, dann doch eigentlich deswegen, damit sie das auch halten können.
Also wir haben noch immer gehört, wie die Russen die Nachbarländer noch überfallen wollen, wie sie womöglich noch in Deutschland einmarschieren werden, wie sie mit einem Atomerstschlag die ganze Welt vernichten. Und was machen sie? Sie graben sich ein. Also sich eingraben ist eine Verteidigungsaktion, um sich vor einem Angriff zu schützen. Das heißt, hier haben die Russen jetzt also Gebiete erobert und die wollen sie nicht wieder rausgeben. Das ist aber, nachdem sie sie erobert haben, aber dennoch eine passive verteidigende Haltung.
Also wie kann man in der Presse und in unserer Politik an der Stelle dann von weitergehenden weltweiten Brandgefahr von Herrn Putin ausgehen, dass er die ganze Welt vernichtet sozusagen, wo er doch ganz deutlich militärisch zeigt, dass er nur seinen Donbass zumindest zu dem Zeitpunkt sichern will. Nun kann man natürlich sagen, man kann ja spekulieren, dass er, wenn er das dann erstmal gesichert hat, dann eine Offensive macht und dann noch weiter geht. Ja, aber das ist ja erstmal Spekulation. Bis zu dem Zeitpunkt gibt es ja gar keinen objektiven Grund, eine solche Spekulation zu machen.
Und die faktische Feststellung ist, er gräbt sich ein. Seine Truppen versuchen diese Stellung, die sie erobert haben, so kampffest zu machen, dass sie sie nicht wieder hergeben müssen. Das ist doch ein bisschen was anderes, als wir hier normalerweise hören. Damit kommen wir schon in die vierte Phase des Krieges. September, November. Wodurch war diese vierte Phase gekennzeichnet? Diese vierte Phase war durch zwei prägende Aspekte gekennzeichnet. Einerseits die ukrainischen Offensiven und andererseits die neue Art der Kriegsführung Russlands, als man erkannte, am Gefechtsfeld keine Erfolge mehr erzielen zu können und den strategischen Hebel über die Bevölkerung suchte, nämlich den Einsatz von Drohnen, Raketen, Marschflugkörpern auf die ukrainische kritische Infrastruktur.
Was gelang hier im September? Im September gelang es, im Norden, im Bereich Kharkiv, ganz tiefe Einbrüche in die russische Front zu machen, bis zu 70 Kilometer, mehrere tausend Quadratkilometer zu erobern. Und Mitte November mussten sich auch schließlich die Russen im Süden, in Kherson, wo sie in einem großen Brückenkopf mit 20.000 Soldaten noch nördlich des Dnieperer waren, auf die Südseite des Dnieperer zurückziehen. Sehr große Erfolge für die ukrainische Führung. Am 10. Oktober allerdings, hier war der erste dieser Einsätze, begann auf russischer Seite eben diese neue Art der Kriegsführung, die wir bis jetzt kennen, wo sich sozusagen das Schwergewicht von der operativen Einsatzführung am Gefechtsfeld auf die strategische Ebene verlagert und man über den Hebel der Bevölkerung versucht,
versucht einerseits die ukrainische Regierung zu beeinflussen, nachzugeben, aber auch Europa möglicherweise zu spalten, indem man Flüchtlingsströme auszulösen versucht. Und diese Einsatzführung ist nach wie vor relativ erfolgreich. Der Ukraine gelingt es zwar 60 bis 70 Prozent dieser Drohnen, Marschflugkörper und Raketen abzuschießen, aber es finden immer noch genug ihr Ziel und in so einer Wellenbewegung etwa alle zehn Tage Erfolgen diese sehr, sehr schwerwiegenden Schläge auf die ukrainische kritische Infrastruktur, die dazu führen, dass Millionen von Bürgern in der Ukraine Tage oder Wochen lang keine Heizung, keinen Strom und kein Trinkwasser haben.
Ja, also diese dramatischen Fixale, die sich daraus ergeben, dass Infrastruktur beschädigt wird durch einen militärischen Feind, so dass Menschen eben kein Licht haben, kein Wasser, keine Entsorgung, vielleicht auch keine Kanalisation haben, weil eben die Wasserspülung nicht geht, dass sie Nahrungsprobleme haben, Hunger leiden müssen. Das ist schrecklich und grausam. Die
Frage ist, von dem humanitären Aspekt abgesehen, ist es jetzt militärisch legitim? Und natürlich haben wir ein Kriegsvölkerrecht, wonach bestimmte Dinge nicht zulässig sind. Andererseits muss man Und auch sagen, Krieg wurde immer geführt und die Regeln, den Krieg zu befrieden und sanfter zu machen, die kamen immer erst später.
Und diejenigen, die Kraft und Macht hatten, haben sich nur an die Regeln gehalten, solange es zu ihren Gunsten war. Und sobald die Regeln ihnen nicht mehr passten, haben sie sie einfach in den Wind geschossen. Der Moral von der Geschichte, eigentlich war es schon immer so, dass das Wesen einer militärischen Kriegsdrohung darin besteht, Schaden an der Zivilbevölkerung anzudrohen. Und wenn diese Drohung militärisch direkt auf dem Gefechtsfeld nicht funktioniert, dann ist ein Weg, die Bevölkerung direkt anzugreifen, dadurch, dass man sie in ihren Infrastruktureinrichtungen schädigt und dadurch wiederum die Bevölkerung dazu bringt, dass sie vielleicht negativ gegenüber den eigenen Militär sich stellt.
nach dem Motto, wir wollen keinen Krieg, wir wollen lieber Frieden. Das sind also durchaus, ich sage mal, nachvollziehbare Gründe. Ich sage jetzt nicht, dass das richtig oder wünschenswert wäre. Das möchte jetzt nicht falsch verstanden werden. Ich sage, es hat eine militärische Logik, diesen Weg zu gehen. Und wir wissen, dass andere Länder überhaupt gar keine Probleme haben. In In kleineren Ländern militärische Aktionen zu machen, geheimdienstliche Aktionen zu machen, die Bevölkerung zu beeinflussen, Staatsumstürze anzuleiten, da äußert sich auch die Weltgemeinschaft durchaus nicht.
Im Sinne von, das ist ja alles nicht humanitär. Und insofern denke ich, rein von der humanistischen Seite muss man sagen, das ist ja alles schrecklich und grausam. Von der militärisch-pragmatischen muss man sagen, ja, es ist ein Instrument im Werkzeugkasten einer kriegsführenden Partei. Es ist zwar grausam, aber es ist ein Werkzeug. Wollen wir nun zur Phase 5 gehen. Dezember bis wie lange sie auch dauern wird. Ich habe diese Phase als verlustreicher Stillstand bezeichnet. Was jetzt zu erkennen ist, dass es an der Front vor allem im Süden, in der Mitte hier und auch im Norden zu einem Stillstand gekommen ist.
Den Russen ist es gelungen, die Front zu stabilisieren. Vor allem ist es ihnen dadurch gelungen, dass sie etwa 100.000 der Soldaten, die im September mobil gemacht wurden, relativ rasch in diese Frontabschnitte gebracht haben, dort ihre Personalzahl erhöht haben und dadurch die Front stabilisieren konnten. Wo tatsächlich der Krieg tobt im Sinne von gegenseitigen Angriffsoperationen, ist im Donbass. Da muss man ein bisschen unterscheiden zwischen dem nördlichen und dem südlichen Donbass. Im nördlichen Donbass sind es nach wie vor die Ukrainer, die versuchen, hier in die Tiefe der russischen Verteidigungsstellungen einzudringen.
Wo ist hier der Hintergrund, die russischen Versorgungslinien, logistischen Linien, die hier herunterlaufen, zu durchbrechen und damit die Logistik für die eingesetzten Kräfte hier abzuschneiden. Auf der anderen Seite im Süden des Donbass, Sie haben alle gehört, Donetsk und Bachmut. Bachmut, eine Kleinstadt, die seit Monaten ganz, ganz intensiv gekämpft wird, wo die Russen versuchen, in die Tiefe des Donbass weiter einzudringen. Momentan sind hier jeden Tag Gefechte zu beobachten. Es gibt jeden Tag viele, viele Tote, aber es ist eingefroren.
Niemand erzielt wirklich manifeste Gebietsgewinne. Es gibt einmal einen Kilometer oder zwei Kilometer Einbrüche hier und dort, aber im Wesentlichen herrscht Stillstand. Wodurch ist das jetzt gekennzeichnet, die Einsatzführung? Einerseits weiterhin durch die massive Zerstörung von Infrastruktur. Die kleine Stadt Bachmut ist mehr oder weniger dem Erdboden gleichgemacht, wie so viele Städte im Donbass. Durch einen Grabenkrieg, wie er im Ersten Weltkrieg das letzte Mal so richtig geführt wird. Es wird ein Stellungskrieg und Sie sehen das an den Bildern, Schlamm, Matsch durch Artillerie, zerfuchtes Gelände, verbrannte Bäume, das sind die Bedingungen unter denen die Soldaten dort kämpfen und weiterhin der strategische Hebel, erst in der letzten Woche wieder der massive Einsatz von Drohnen, Marschflugkörpern und Raketen gegen die kritische ukrainische Infrastruktur.
Hier stehen wir momentan. Und in einem nächsten Bild wollen wir uns anschauen, wie mögliche militärstrategische Zielsetzungen jetzt zum Jahreswechsel und in das Frühjahr hinein auf Russische und Ukraine. Ja, also hier müssen wir nochmal festhalten, bei diesem Stellungskrieg, entweder es dauert jetzt ewig oder es endet dann, wenn einer keinen Nachschub mehr an Material, an Kriegsmaterial und Kriegspersonal hat. Oder aber der eine versucht über den anderen einen Vorteil zu erlangen, nämlich einen Durchbruch durch seine Linien und damit eine neue Dynamik in die Kriegs- oder Paz-Situation hineinzubringen.
Seite aussehen könnten. Hierzu ist es wieder notwendig, sich zwei Räume genauer anzuschauen. Einerseits den Raum des Donbass, den wir gerade besprochen haben, aber andererseits auch sehr wichtig, diese Landverbindung zwischen dem Donbass, hier Donetsk, Mariupol hin zur Krim. Eigentlich die einzige Landverbindung der Russen zur Krim hin. Hier unten gibt es ja noch die Brücke von Kerch und Sie wissen ja genau, wurde durch die Ukraine am 7. Oktober, genauer weil an dem Putins 70. Geburtstag wurde diese Brücke schwer beschädigt und das ist halt eine sehr dünnes Lebensader in die Krim hinein.
Wir wollen hier im Norden beginnen und ich habe zuerst die russische Mobilmachung erwähnt und gesagt, etwa 100.000 Soldaten sind bis jetzt eingesetzt worden, bleiben noch 200.000 über von dieser Mobilmachung. Und wir gehen davon aus, dass diese 200.000 Soldaten in der Tiefe Russlands formiert, ausgebildet und ausgerüstet werden und dass jetzt so mit Mitte, Ende Dezember diese Soldaten einsatzfähig werden. Momentan lasst auch das Gelände und die Witterung größere operative Bewegungen noch nicht zu. Es ist noch nicht gefroren, es ist noch nicht genug gefroren. Auch die Logistik für diese Soldaten lässt noch zu wünschen über.
Aber es wird wahrscheinlich zu einem Einsatz dieser Soldaten kommen, sonst wären sie nicht mobil gemacht worden. Und die logischste Variante wäre, diese Soldaten hier im Donbass einzusetzen, genau über dieses Gebiet, wo auch jetzt schon die russischen Angriffshandlungen sind, im südlichen Donbass, Und genau die Kriegsziele Wladimir Putins, die er dann im März, April genannt hatte, die Befreiung des Donbass, das heißt die komplette Befreiung der Oblasten Luhansk und Donetsk, waren ihm noch ungefähr 40% fehlend zu erreichen. Also ein tiefer Stoß hier in das ukrainische Verteidigungsdispositiv, nicht nur die Provinz Luhansk, sondern auch die Provinz Donetsk komplett zu besetzen und auch die ukrainischen Kräfte hier zwischen dem Norden und der Mitte zu trennen.
Auf der anderen Seite, auf der ukrainischen Seite, wenn wir uns das anschauen, den Raum hier von Saporische, Sie kennen das von dem Kernkraftwerk Saporische, das sich etwa hier befindet, bis zur Krim hinunter, was könnte die ukrainische Absicht sein, nachdem man auch weitere Soldaten ausgebildet hat, zusätzliche Waffenlieferungen, insbesondere auch, wären hier sehr wichtig, Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Schützenpanzer für die Ukrainer, einfach zu versuchen, das russische Dispositiv hier zu durchbrechen und damit zu einer Sache zu führen, nämlich die Isolierung der Krim.
Also möglicherweise ein Stoß, ein größerer operativer Stoß aus dem Norden und dem Süden, um hier die Krim zu isolieren, die russischen Kräfte zu trennen. Möglicherweise gleichzeitig mit einer erneuten Zerstörung der Brücke von Kerch, was dann bedeuten würde, dass es für die russische Seite gar keine Landverbindung mehr zu kriegen kriegt. Das sind mögliche militärstrategische Handlungsoptionen, wie wir sie für den Jänner, Februar, März sehen könnten.
Ja, sehen könnten, vielleicht auch sehen werden. Also dieser Passage von Herrn Sandner hat mir persönlich sehr gut gefallen, weil hier sehen wir, dass er als Stratege sehr gut in der Lage ist, sich in beide Parteien hineinzuversetzen, was sie militärisch für Optionen haben könnten. So natürlich weiß er es auch nicht. Er ist ja kein Hellseher. Und wir wissen, dass eben Krieg eben viele Unbekannte hat und viel Zufall auch mit reinspielt. Aber dass er eben auch überlegt, was wären die Chancen und die Interessen der russischen Seite und was wären die Chancen und Interessen der ukrainischen Seite. Also das finde ich ist eine sehr passable Darstellung.
Natürlich gibt es auch noch andere Optionen, wie diese Kräfte eingesetzt werden könnten. Natürlich wird zur Zeit viel spekuliert, welche Rolle könnte Belarus in diesem Krieg spielen. Der Einsatz belarussischer Kräfte ist bis jetzt nicht erfolgt und wird von uns auch weiterhin als relativ unwahrscheinlich bezeichnet. Dennoch könnten die Russen Belarus wieder als Aufmarschraum nutzen, natürlich einen Teil dieser mobil gemachten Kräfte nach Belarus verschieben und erneut eine Bedrohung für für Kiew darstellen. Davon gehen wir aber mindestens derzeitig nicht aus,
weil wir solche Dispositive zurzeit noch nicht erkennen. Das bringt mich eigentlich schon zum Abschluss dessen. Und was wir gesehen haben, ist, dass dieser Krieg in der Ukraine kein Krieg ist, der nur durch das Militär geführt wird. Wir sprechen von den Machtmitteln des Staates, Daim, Diplomatie, Diplomatie, Politik, Information, Militär, Economy und Wirtschaft. Und was wir hier ganz klar sehen, ist, dass dieser Krieg mit allen Machtmitteln geführt wird. Economy, denken Sie an die Sanktionen gegenüber Russland, aber auch an das, was Russland mit Energieabhängigkeiten, mit Lieferstops und so weiter gegenüber der Ukraine, aber gegenüber auch der ganzen Welt und der Europäischen Union macht.
Das Militär auf beiden Seiten eingesetzt, ein Krieg, der um und mit Information geführt wird und ein Krieg, der auf politischer Ebene natürlich auch geführt wird. Ein klassisches Beispiel der heute für heute angekündigte Besuch des Präsidenten Zelensky bei Präsident Biden in den USA. Ja, diese Darstellung von dem guten Herrn Sandner, Diplomatie, Information, Militärisches und Ökonomie, dass es alles eins ist, das haben wir ja schon an anderer Stelle mal gelernt, wenn Sie aufmerksame Beobachter meines Streams sind.
So, denn wo haben wir das? Das haben wir nämlich in der kleinen Serie über das Buch vom Kriege von Klausowitz, das vor ungefähr 200 Jahren veröffentlicht wurde. Und zwar insbesondere in dem Abschnitt, wo es heißt, Krieg ist ein politisches Mittel. Schauen Sie sich das mal an. Dort wird nämlich dargestellt, dass Krieg nur ein Instrument der Politik ist. Kriege entstehen nicht durch Zufall, sondern weil Politiker das so wollen. Und ja, dass eben das Ganze alles durchdringt, eben Wirtschaft, Information und Diplomatie, das versteht sich von selbst.
Ja, wenn wir aber nochmal zurückkehren zu unserem heutigen Thema, wie ist meine Gesamtwürdigung? Ich denke, der Herr Sandner hat hier eine ganz hervorragende Arbeit abgeliefert. Gut, sie ist in Teilen ein bisschen einseitig, aber das war auch nicht anders zu erwarten. Denn immerhin ist er ja Soldat, er ist ja mit der NATO über sein Land assoziiert. Insofern ist klar, dass er einen Standpunkt einnehmen muss, der eben NATO freundlicher ist, trotz aller Neutralität, die er in seiner Expertise drin hat.
Also da habe ich keinerlei Einwände oder ernsthafte Kritiken. Was mir aber doch so ein bisschen ein Fragezeichen in den Kopf gesetzt hat, ist, woher weiß der Mann das eigentlich alles? Die ganzen Lagebilder und Lagebeurteilung. Österreich ist doch nicht kriegsnehmende Partei. Wie viele Satelliten hat Österreich, um die Militärbewegungen auf dem Schlachtfeld dort festzustellen? Woher wissen die genau, was dort los ist? Das heißt, wie überall im Leben, wie seriös ist eigentlich die Quelle, auf der der Herr Sandner und sein Institut ihre Expertisen aufbauen?
Und vielleicht werden wir im nächsten Video, das wird dann aber erst in der nächsten Woche sein, darauf eingehen, wie valide die Daten sind, die ihm zur Verfügung stehen und ob wir denen blind vertrauen können oder vielleicht nur teilweise. Ja, bis dahin sage ich mal, Die Welt Klar Sehen, schauen Sie wieder ein. Ja, es wird demnächst interessant weitergehen. Klar sehen, clever denken, bei handeln.
Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Russland ./. Ukraine - Was war wirklich auf dem Schlachtfeld los? - Die 4 Phasen seit Kriegsbeginn“, Die Welt Klar Sehen, 17.01.2023.
iWas dabei übertragen wird
Erst der Klick startet das Video und baut dabei eine Verbindung zu YouTube auf. Bis dahin wird nichts von dort geladen — auch dieses Vorschaubild liegt auf dem Server von dieweltklarsehen.de. Einzelheiten in der Datenschutzerklärung
Auch als Podcast: Spotify ·
Apple Podcasts ·
Amazon Music · Deezer ·
podcast.de · Podcast Index
Kommentierte Analyse eines Vortrags des österreichischen Generalstabsobersten Berthold Sandner über die ersten 300 Kriegstage in der Ukraine. Uwe Loose ordnet die fünf Kriegsphasen ein und arbeitet die NATO-nahe Schlagseite der Darstellung heraus.
