Neue Ära in der☢️Atomkriegsstrategie? Putins Gedanken zu Atomwaffen und Atomkriegsgefahr13.10.2023
Abschrift
Abschrift des Videos vom 13.10.202313 Abschnitte
Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.
hallo liebe zuschauer willkommen auf meinem kanal die welt klar sehen ich hatte ja vor ein paar tagen die grundsatzrede von wladimir putin auf dem waldai diskussionsclub treffen von 2023 verlesen und kommentiert und im anschluss danach gab es ja eine mehrstündige diskussionsrunde wo sich putin wie jedes jahr den fragen kritischer und weniger kritischer Journalisten stellen. Und hier möchte ich mal einen Teil besprechen, nämlich wo es darum geht, wie denn Putin und Russland über Atomkrieg und Atomwaffen denken. Klar sehen, clever denken, frei handeln. Ja, auch hier werden wir so vorgehen wie beim letzten Mal, nämlich ich verlese den Text und ich würde sagen, wir fangen jetzt einfach mal an. Fragt jetzt der Interviewer, Herr Karaganow. Wladimir Wladimirowitsch, ich bin einer der Veteranen und Gründer des Clubs. Am Tag des 20. Jahrestages bin ich fast glücklich, denn alte Leute sollten eigentlich sagen, dass es bei uns besser war. Es war bei uns nicht besser. Es ist jetzt besser, lustiger, interessanter, heller, bunter. Also vielen Dank auch für Ihre Teilnahme. Meine Frage lautet wie folgt. Putin, was lustiger angeht, so klingt das mutig.
Karaganow, wenn es interessanter ist, dann ist es auch lustiger. Putin, für Sie ist es lustiger, für mich ehrlich gesagt nicht. Gelächter, Entschuldigung. Karaganow, Wladimir Wladimirowitsch, sowohl außerhalb Russlands als auch jetzt im Valdai Club wird eine einfache Frage ganz akut diskutiert. Ich werde sie wie folgt formulieren, natürlich in meinem Namen, nicht im Namen aller. Ist unsere Doktrin über den Einsatz von Atomwaffen überholt? habe den Eindruck, dass sie auf jeden Fall veraltet ist, ja, dass sie sogar leichtfertig erscheint, dass sie in anderen Zeiten und vielleicht in einem anderen Umfeld entstanden ist und sogar alten Theorien folgt. Die Abschreckung funktioniert nicht mehr. Ist es nicht an der Zeit, die Doktrinen des Einsatzes von Atomwaffen in Richtung einer Senkung der nuklearen Schwelle zu ändern und die Leiter der eskalierenden Abschreckung entschlossen, aber doch recht zügig hinaufzusteigen und unsere Partner zu ernüchtern. Sie haben jede Angst verloren. Sie sagen direkt,
weil ihr so eine Doktrin habt, werdet ihr niemals Atomwaffen einsetzen. Und wir erlauben ihnen damit umgewollt, sich auszudehnen und absolut monströse Aggressionen durchzuführen. Ja, da möchte ich direkt mal einschreiten. Also Die Doktrin, soweit jetzt hier im Vorspann, sagt also, dass quasi der Westen es interpretiert, dass sie die doch nicht einsetzen werden. Da haben wir doch aber in den letzten Monaten oder anderthalb Jahren doch ständig in der Presse und im Fernsehen was ganz anderes gehört. Nämlich wie gefährlich die Doktrin ist, dass Putin wahnsinnig ist und die ganze Welt, speziell Europa, mit Atomwaffenschlägen überziehen könnte. Nun hören wir schon in der Frage, dass offensichtlich die Militärstrategen im Westen, zumindest aus der Sicht von dem Interviewer, doch ganz anders denken. Ist das nicht interessant? Das ist die eine Frage und darin liegt die andere. Die Welt wird in den kommenden Jahren, auch wenn wir in oder um die Ukraine herum auf die eine oder andere Weise gewonnen haben, noch sehr schwierige Zeiten durchmachen.
Ja gut, da würden wir im Westen jetzt vielleicht das noch nicht so sehen, dass man ihn oder um die Ukraine gewonnen hat. Neue Zentner stehen, neue Schwierigkeiten werden auftauchen. Wir müssen die Sicherung, die nukleare Abschreckung war und die die Welt 70 Jahre lang abgeschreckt hat, wieder einbauen. Jetzt versucht der Westen, der die Geschichte und die Angst vergessen hat, diese Sicherung zu liquidieren. Sollten wir unsere Politik in diesem Bereich nicht verändern? Ja, das ist natürlich eine interessante Frage, weil man sieht, dass also hier der Fragesteller offensichtlich von Angst getrieben ist, nämlich, dass die Abschreckung jetzt aus russischer Sicht für die westliche Kräfte, sprich die NATO, zu gering ist, dass man doch eigentlich sich da verstärken müsste. Mal schauen, was Putin dazu zu sagen hat. Putin antwortet, Ich kenne Ihren Standpunkt, ich habe einige Ihrer Dokumente, Artikel und Notizen gelesen und ich verstehe Ihre Gefühle. Ich erinnere Sie daran, dass es in der russischen Militärdoktrin zwei Gründe für den möglichen Einsatz von Atomwaffen durch Russland gibt. Der erste ist der Einsatz von Atomwaffen gegen uns. Das heißt, es handelt sich um einen sogenannten Vergeltungsschlag.
Aber was bedeutet das in der Praxis? Die Raketen werden abgefeuert, unser System erkennt sie und lässt uns wissen, dass das Ziel das Territorium der russischen Föderation ist. Damit das jeder versteht, all das geschieht in Sekundenschnelle und schon verstehen wir, da wir die Information kennen, dass Russland angegriffen wird und wir reagieren auf diese Aggressionen. Ich möchte allen versichern, dass die Antwort heute für jeden potentiellen Aggressor absolut inakzeptabel ist, denn von dem Moment an, in dem der Abschuss von Raketen festgestellt wird, egal von woher er kommt, von irgendeinem der Weltmeere oder von irgendeinem Territorium, dann erscheinen als Antwort auf einen Gegenschlag so viele, viele hundert unserer Raketen in der Luft und zwar in mehreren Richtungen gleichzeitig, dass kein Feind eine Überlebenschance hat. Das ist eben genau dieses Vernichtungsszenario, was ja auch immer wieder beschworen wird oder befürchtet wird, nämlich der gegenseitigen Vergeltungsschlag und am Ende bleibt nur noch atomar verseuchte Erde übrig.
Der zweite Grund für den Einsatz dieser Waffen ist eine Bedrohung der Existenz des russischen Staates, wenn sogar konventionelle Waffen gegen Russland eingesetzt werden, aber die Existenz Russlands als Staat selbst bedroht ist. Das sind die zwei möglichen Gründe für den Einsatz der von Ihnen genannten Waffen. Müssen wir das ändern? Wozu? Man kann alles ändern. Ich sehe nur keine Notwendigkeit dazu. Es gibt keine Situation, in der heute etwa die russische Staatlichkeit und die Existenz des russischen Staates bedroht sein würde. Ich denke, dass kein Mensch, der bei klarem Verstand und klarem Gedächtnis ist, auf die Idee käme, Atomwaffen gegen Russland einzusetzen. Ja, also das heißt, hier sehen wir schon in der ersten Teilantwort von Putin, dass er dem Bestreben von seinem Interviewpartner, doch die Grenze, die Einsatzgrenze für Atomwaffen runterzusetzen, beziehungsweise die Abschreckung höher, dass er dem nicht entsprechen will, weil er die Gefahr eines Atomkrieges nicht sieht. Er sagt, so dumm kann ja keiner sein.
Dennoch, der Standpunkt von Ihnen, von anderen Experten, von Menschen, die patriotisch, die sehr besorgt sind über das, was innerhalb des Landes und um uns herum geschieht, die besorgt sind über das, was an der Kontaktlinie auf der ukrainischen Seite geschieht, Ich verstehe das alles. Wir beobachten aufmerksam und glauben Sie mir. Wir respektieren Ihren Standpunkt, aber ich sehe keine Notwendigkeit, unser Konzept zu ändern. Der potenzielle Gegner weiß alles, er kennt unsere Fähigkeiten. Welche Fähigkeiten sind das jetzt? Russland ist die größte, zumindest nominal, Atommacht der Welt. Was das Arsenal betrifft, es gibt viele Berichte, wonach deren Trägerrakete Kinschal auch für die Amerikaner nicht abfangbar ist. Ob das so ist, keine Ahnung, will ich jetzt nicht beurteilen, aber auf jeden Fall dürfen wir vermutlich davon ausgehen, dass die Atomwaffenwehrkräfte einsatzbereit sind und nicht nur Größen in einer Buchhaltungskladde sind, die in Wirklichkeit nicht existieren.
Etwas anderes ist, dass ich zum Beispiel den Ruf höre, mit Atomwaffentests zu beginnen. Dazu würde ich folgendes sagen. Die USA haben den einschlägigen internationalen Rechtsakt, den Vertrag über das Verbot von Kernwaffentests unterzeichnet und Russland hat ihn ebenfalls unterzeichnet. Russland hat ihn unterzeichnet und ratifiziert, aber die USA haben ihn zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert. Das heißt also, die USA haben also nur eine formelle Unterschrift geleistet, aber das wird eben nicht rechtswirksam. Jetzt haben wir die Arbeit an modernen strategischen Waffen, von der ich gesprochen und die vor einigen Jahren angekündigt habe, praktisch abgeschlossen. Welche Waffen sind das? Der letzte erfolgreiche Test des Burewestnik, eines Marschflugkörpers mit globaler Reichweite und nuklearem Antriebssystem, wurde durchgeführt. Wir haben die Arbeiten an der Sarmat, einer superschweren Rakete, abgeschlossen. Die Frage ist nur, dass wir einige der Verfahren auf rein administrativer und bürokratischer Art
Ebenen abschließen müssen, um dann zur Massenproduktion und in Dienststellung zu übergehen. Wir werden das in naher Zukunft tun. Naja, also waren bürokratische Prozesse noch abgeschlossen und Massenproduktion noch nicht begonnen. Das heißt also, das sind Forschungsprojekte, die bisher noch gar nicht existieren, aber angeblich kurz vor der Produktionsreife stehen. In der Regel sagen Experten, dass es eine neue Waffe ist und wir sicherstellen müssen, dass der spezielle Sprengkopf fehlerfrei funktioniert und dass wir Tests durchführen müssen. Ich bin jetzt nicht bereit zu sagen, ob wir wirklich Tests durchführen müssen oder nicht. Aber um sich in den Beziehungen zu den USA spiegelbildlich zu verhalten, und ich wiederhole noch einmal, wenn die USA unterzeichnet, aber nicht ratifiziert haben und wir unterzeichnet und ratifiziert haben, ist es im Prinzip möglich, sich den USA gegenüber spiegelbildlich zu verhalten. Aber das ist eine Frage für die Mitglieder der Staatsduma. Theoretisch ist es möglich, diese Ratifizierung zurückzuziehen. Wenn wir das tun, ist das völlig ausreichend.
Finde ich doch ganz interessant, dass er sagt, ja, wenn die USA nur auf dem Papier unterzeichnen, aber das nicht politisch umsetzen, dann können wir das ja natürlich genauso machen. Also warum sollen wir quasi, wir jetzt aus Sicht von Putin, Russen in die Vorleistung gehen? Jetzt fragt jemand anders einen Herr Lukjanow, einige im Westen äußern jetzt den Standpunkt, dass diese aktive Unterstützung für die Ukraine darauf zurückzuführen ist, dass Russland in den letzten Jahren nicht überzeugend genug auf die Eskalation von ihrer Seite reagiert hat. Putin antwortet, Ich weiß nicht, ob es überzeugend war oder nicht. Aber jetzt, seit Beginn der sogenannten Gegenoffensive, allein seit dem 4. Juni, das sind die neuesten Daten, haben die ukrainischen Einheiten bereits über 90.000 Mann verloren. Das sind sanitäre und unwiederbringliche Verluste. 557 Panzer, fast 1900 gepanzerte Fahrzeuge verschiedener Klassen. Ist das überzeugend oder nicht?
Ja, das ist ein gutes Argument. Es werden hier Zahlen genannt. 90.000 Mann seit dem 4. Juni verloren. 557 Panzer, 1900 gepanzerte Fahrzeuge. Ob das wahr ist oder nicht, können wir jetzt nicht überprüfen. Das obliegt dann den militärischen Beobachtern und Fachleuten. Aber wenn dem so wäre, das wäre natürlich für die Ukraine desaströs. Bei dieser hohen Anzahl von Verlusten kann ja auch eine Nachlieferung aus NATO, und den EU-Ländern mit Sicherheit nicht so schnell erfolgen. Wo soll das herkommen? Und alleine, wenn die Verluste der Personen stimmen, 90.000 Personen in drei Monaten, dann sind das ja nach vier Monaten fast 25.000 Leute pro Monat. Oder man könnte auch sagen, ungefähr 1.000 am Tag. Wie lange soll das noch weitergehen? Ja, also weiter geht's. Ist das überzeugend oder nicht? Wir haben unser eigenes Verständnis davon, wie was vorangeht. Wir wissen, wo wir was tun müssen und wo wir was hinzufügen müssen. Wir bewegen uns in aller Ruhe auf unsere Ziele hin und ich bin sicher, dass wir sie erreichen werden, dass wir die Ziele, die wir uns gesetzt haben, verwirklichen werden. Ja, den Satz möchte ich nochmal vorlesen.
Wir bewegen uns, wir wissen, wo wir was tun müssen, wo wir was hinzufügen müssen. Wir bewegen uns in aller Ruhe auf unsere Ziele hin und ich bin sicher, dass wir sie erreichen werden, dass wir die Ziele, die wir uns gesetzt haben, verwirklichen werden. Also ähnlich wie bei der Grundsatzrede sehen wir auch in diesen Antworten, ja, ich würde sagen... Ja, eine Ruhe und Entspanntheit, zwar diesmal ein bisschen energischer vorgetragen, insbesondere wo es darum ging, dass der Vergeltungsschlag ja eben katastrophal sein würde für einen potenziellen Angreifer. Aber ich denke, was das Wichtigste ist, sind drei Informationen, die aus diesem Interview hervorgehen. Erstens, Putin fühlt sich so sicher, dass er keine Veranlassung sieht, an der Jahrzehnte alten Militärdoktrin irgendwas zu ändern. Er sieht das russische Staatsterritorium nicht als bedroht.
Das sollten wir mal überlegen. Er fühlt sich da nicht bedroht. Zweitens ist er der Meinung, dass sein Atomwaffenarsenal stark genug ist und dass sie eben neue Technologien haben, die global Atomraketen verschießen können. Aber Voraussetzung ist ja eben, dass entweder man andere Weise das Staatsgebiet bedroht wird. Und das dritte ist, dass er eben ganz sicher ist und ganz ruhig und entspannt ist, dass er seine Ziele in der Ukraine erreichen wird. Wir sehen also in dieser Antwort ein bisschen Unruhe drin. Wir hören und lesen in den Zeitungen über die Erfolge der Gegenoffensive und wie die russischen Soldaten fliehen, das alles Desorganisiertes. Also ist das alles wahr oder ist Putin ein so gewiefter Kommunikationsexperte, dass ihm zwar die Hosen schlottern, er aber in der Diskussionsrunde ganz entspannt und souverän dasitzt. Was meinen Sie? Schreiben Sie es in die Kommentare. Bis zum nächsten Mal. Die Welt klar sehen.
Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Neue Ära in der☢️Atomkriegsstrategie? Putins Gedanken zu Atomwaffen und Atomkriegsgefahr“, Die Welt Klar Sehen, 13.10.2023.
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Uwe Loose verliest und kommentiert die Antworten Wladimir Putins zur russischen Atomwaffen-Doktrin aus der Diskussionsrunde des 20. Valdai-Treffens 2023. Kernfrage: Soll Russland die nukleare Schwelle senken, oder bleibt die bestehende Abschreckungsdoktrin unverändert?
