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Israel-Palästina | Jahrhundert-Konflikt 🗝️ entschlüsselt | der dunkle Anteil der Briten | Teil 122.10.2023

IRAN-Krieg

Abschrift

Abschrift des Videos vom 22.10.202395 Abschnitte

Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.

Einen nahen Osten hat es nie gegeben. Der nahe Osten ist eine westliche Erfindung und hat nur den Zweck, westliche Kolonialaktivitäten zu rechtfertigen. Churchill soll gesagt haben, er habe Transjordanien an einem Sonntagnachmittag erfunden. Der Staat Israel und Palästina sind neu. Vor dem Völkerbundsmandat waren das keine Nationalstaaten. Es wurden künstliche Grenzen gezogen, die nicht zur Bevölkerung und der Geografie des Gebiets passten.

Sie sorgten für einen der längsten Konflikte der Menschheitsgeschichte. Ein Jahrhundert nach Beginn des israelisch-palästinensischen Konflikts weiß kaum noch jemand, wie er einst anfing. Beide Seiten kennen die Vorgeschichte nicht mehr wirklich. Die Menschen sind mit den Wurzeln und Ursachen des Konflikts nicht mehr vertraut. Die Briten herrschten von 1918 bis 1948 über diese Region. Und nicht die Juden und Araber.

Der größte Fehler in Bezug auf das Völkerbundsmandat ist die Behauptung, es habe keine Rolle gespielt.

Die Briten haben den Begriff Palästina nicht erfunden. Aber sie haben ihn neu definiert. Sie wollten so ihre Gewinne steigern und gewisse andere Ziele erreichen. Die Zionisten glaubten, die Briten würden die Araber begünstigen. Und die Araber glaubten, die Briten würden die Zionisten begünstigen. Tatsächlich haben nur die Briten selbst profitiert. Dank neuster Forschungsergebnisse und anhand seltener Interviews mit Zeitzeugen werfen wir ein neues Licht auf den jahrzehntealten Nahostkonflikt.

Und erst kürzlich veröffentlichte Geheimdokumente beantworten die Frage, wie und wann der Konflikt begann. Im Konflikt zwischen Juden und Arabern sind beide Seiten nur Nebenakteure, die die Spielregeln nicht selbst bestimmen. Beide Parteien haben in der Vergangenheit verloren und sie verlieren bis zum heutigen Tag.

Der israelisch-palästinensische Konflikt ist vielschichtig. Und ein Dokument, das für dessen Verständnis wichtig ist, lag 80 Jahre lang versteckt im britischen Nationalarchiv. Historiker Stephen Wagner hat es wiederentdeckt. Um die Ursprünge dieses Konflikts zu begreifen, muss man sich mit der Idee befassen, Palästina zwischen Juden und Arabern aufzuteilen. Dieser Vorschlag wurde 1937 von der Peel-Kommission gemacht.

Viel Beweismaterial wurde noch nie gesichtet. Die Dokumente sollten während des laufenden Verfahrens vor der Öffentlichkeit geheim gehalten werden. Die Peel-Kommission befragte Regierungsmitglieder, Mitglieder der palästinensischen Führung und Zionisten. Der Bericht der Peel-Kommission ist sehr umfassend. Er hat über 400 Seiten.

Die Kommission befasst sich darin mit der bis zu Abraham zurückreichenden Geschichte. Sie versucht, den Konflikt in einen breiten Kontext einzubetten und zu erläutern. Über 60 Zeugen wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit angehört. Der Sekretär der Kommission wurde angewiesen, diese Geheimprotokolle zu vernichten. Doch er widersetzte sich diesem Auftrag und bewahrte sie auf. Wir haben großes Glück, dass es dieses Material gibt.

Am Anfang ist eine Erklärung von John Martin zu lesen, dem Sekretär der Kommission, in der er beschreibt, warum er diese Unterlagen aufbewahrt hat. Diese Zeugenaussagen wurden unter der Bedingung gemacht, dass sie nur für die Mitglieder der Kommission und ihre Mitarbeiter bestimmt sind. Diese Mitschriften sind aktuell nutzlos, aber sie enthalten Informationen über das jüdische Volk, die für zukünftige Historiker von großem Wert sein werden. Es kommt nicht oft vor, dass wir auf eine persönliche Notiz stoßen, die uns mitteilt, dass die Unterlagen für uns hilfreich sind.

Ich nehme an, dass nichts hiervon an die Öffentlichkeit gelangt? Ich kann ganz offen sprechen? Richtig, Ihre Aussage ist vertraulich. Einige dieser Zeugenaussagen waren öffentlich, andere waren vertraulich. Da stellt sich natürlich die Frage, warum man Sitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit abhält. Man geht davon aus, dass Menschen offener sprechen, wenn sie nicht befürchten müssen, dass das Gesagte veröffentlicht wird.

Diese geheimen Gespräche zeigen, dass auf Seiten der britischen Beamten ein gewisser Zynismus hinsichtlich des Konfliktes herrscht. Dass er unlösbar ist und die Missachtung verschiedener Vereinbarungen erfordern wird. Die Briten haben das Land zwei verschiedenen Völkern versprochen, und dieses Problem müssen sie nun lösen.

Wir haben dasselbe Pferd an zwei Interessenten verkauft. Das ist nicht zu leugnen. Wenn man einen Fehler gemacht hat, wie wir es damals getan haben, muss man sich korrigieren. Die geheimen Aussagen gaben uns Aufschluss darüber, was diese Menschen wirklich denken und was sie als Lösung in Betracht ziehen. Sie verändern unser Verständnis für diesen wichtigen Moment in der Geschichte Palästinas.

Für mich als Historikerin für britische Imperialgeschichte sind diese Aussagen höchst brisant. Ich lese darin, dass britische Beamte das Versagen des Völkerbundsmandats eingestehen. Der Nahe Osten, wie wir ihn heute kennen, ist ein Ergebnis der Angst des britischen Empire, seine Macht in der Welt zu verlieren. Im Jahr 1916 findet der Konflikt seinen Anfang.

Der Erste Weltkrieg ist entbrannt und fordert auf Seiten der Briten samt ihrer Alliierten als auch auf Seiten der Deutschen und ihrer Verbündeten Millionen Todesopfer. Eine der schlimmsten Befürchtungen der Briten wird zur Realität, als das Osmanische Reich im Nahen Osten britische Streitkräfte am Suezkanal angreift.

Die Kontrolle über den Kanal ist für die Briten wichtig, da sie sonst den Zugang zu ihrer indischen Kolonie verlieren und damit auch zu Soldaten und Ressourcen. Die Briten engagieren sich so stark im Osmanischen Reich, weil ihnen die Sicherung der Handelswege nach Indien ein Anliegen ist. Das ist der Teil der Welt, der ihnen am meisten am Herzen liegt. Und die osmanischen Gebiete sind die Verbindung dorthin. Die Briten hätten den Ersten Weltkrieg sicher nicht ohne den Suezkanal gewonnen.

Und sie hätten ihn nicht ohne die indischen Soldaten gewonnen. Auch der zu Kriegszeiten amtierende britische Premierminister thematisiert in seiner nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Aussage vor der Peel-Kommission die Sorge vor einer möglichen britischen Niederlage. Wir betrachten den Krieg heute vor dem Hintergrund eines triumphalen Endes. Damals waren wir davon überzeugt, dass wir siegreich sein werden, aber die Deutschen waren das gleichermaßen.

Sie hatten auch allen Grund zu dieser Annahme. Schließlich hatten sie die Rumänen geschlagen. Die russische Armee war durch zahlreiche Niederlagen völlig demoralisiert und auch die französische Armee war erschöpft. Es war Teil unserer Propagandastrategie, alle Kräfte in der ganzen Welt zu mobilisieren, um den Feind zu schwächen und die Chancen der Alliierten zu verbessern. Die Briten suchen vor Ort nach Verbündeten im Kampf gegen einen gemeinsamen Feind.

Ihre Wahl fällt auf die Hashemiten, die in dem Gebiet leben, das heute als Saudi-Arabien bekannt ist. Sie wollten sich von der osmanischen Herrschaft befreien. Wenn wir von den Hashemiten sprechen, muss man wissen, dass auch der Prophet Mohammed ein Hashemit war. Es handelt sich um eine in der arabischen Welt hoch angesehene Dynastie mit starken Verbindungen im ganzen Land.

Sie hatten die Kontrolle über Mekka. Die Hashemiten profitieren von der Lage der Briten. Auch wenn das Empire die stärkste Weltmacht ist, kämpft es doch an allen Fronten mit Problemen. Und als die Osmanen den Dschihad gegen die Briten ausrufen, ist die Angst, den Suezkanal zu verlieren, so groß und real wie nie zuvor. Als die Briten während des Ersten Weltkriegs einen Verbündeten im Kampf gegen die osmanische Herrschaft suchten, setzten sie ihre Hoffnung auf die Hashemiten.

Großscherif Hussein würde in der Lage sein, einen Aufstand gegen das Osmanische Reich anzuführen und gleichzeitig die breite Masse der Muslime im Nahen Osten dafür zu begeistern. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine einzelnen Staaten. Es gab nur ein osmanisches Territorium, das von Istanbul bis zum Jemen reichte. Die Menschen im Osmanischen Reich definierten sich in erster Linie über ihren Glauben. Es gab verschiedene ethnische Gruppen mit eigenen Sprachen und Bräuchen, aber über allem stand die Herrscherfamilie.

Die Araber sind keine Türken und fühlen sich deshalb, wie auch andere Völker, nicht als Teil der osmanischen Herrschaft. Im Osmanischen Reich gab es verschiedene Gruppen von Muslimen, die Sunniten und die Schiiten. Darüber hinaus lebten dort Christen verschiedener ethnischer Gruppen und Juden. Den Briten war es egal, wen sie für ihre Zwecke einspannten, ob es der Zionistenführer Chaim Weizmann war oder die Hashemiten.

Wer auch immer in diesem Gebiet zur Durchsetzung ihrer Interessen beitragen oder zur aktiven Kriegspartei werden konnte, war willkommen. Die Briten stellen den Kontakt zu den Hashemiten über den ägyptischen Hochkommissar Henry McMahon her. Die Hashemiten zeigen Interesse an einer Kooperation, aber nicht ohne Gegenleistung. Um die britischen Interessen zu wahren, kommt es im Austausch zwischen Magmoun und Großscherif Hussein zu einem ersten Versprechen bezüglich der Zukunft des Nahen Ostens.

Großscherif Hussein stellte zwei wichtige Forderungen. Eine davon war, Kalif zu werden, das heißt zu regieren. Die Briten sicherten ihm das zu. Seine zweite Forderung war problematischer, denn er verlangte die Gründung eines arabischen Staates. Die Haschimiten sehen in der britischen Notlage eine Gelegenheit, sich von der osmanischen Besatzung zu befreien. Und sie wittern eine Chance, sich einen jahrhundertealten Traum zu erfüllen. Die Rückkehr in ein großes arabisches Königreich.

Das ist das ursprüngliche Syrien. Es reicht von Antiochia einschließlich des Iraks und Libanons bis nach Jordanien. McMahon antwortet im Auftrag der Briten, dass die Forderungen von Groß-Sherif Hussein akzeptiert werden. Zu diesem Zeitpunkt wollen die Briten den Krieg um jeden Preis gewinnen. Prinz Faisal, der Sohn des Groß-Sherifs, wird zum Anführer des arabischen Aufstands gegen die Osmanen.

Die Briten sahen in Faisal einen charismatischen Mann mit Führungsqualitäten. Deshalb sollte er den Aufstand gemeinsam mit Lawrence von Arabien anführen. Lawrence ist ein Verbindungsoffizier. Seine Aufgabe ist es, Prinz Faisal an der Macht zu halten und die Briten über alle Ereignisse zu informieren. Die Hashemiten konnten zügig und ohne großes Aufsehen Truppen mobilisieren, um die Osmanen aus dem Hinterhalt anzugreifen.

Gleichzeitig wurden sie zu Verbündeten für die Nachkriegszeit. Für die Anhänger der arabischen Nationalbewegung hat der von Prinz Faisal und Lorenz von Arabien angeführte Aufstand mehr als nur ein Symbolcharakter. Zum ersten Mal begehrten sie mit nationalen Bestrebungen auf. Mit dem britischen Versprechen in der Hinterhand, dass sie vom Osmanischen Reich unabhängig werden und ihr eigenes Land bekommen.

Das Ziel des Aufstandes ist, nach Norden vorzurücken. Über Mekka, nach Medina und Aqaba, durch Transjordanien und schließlich nach Damaskus. Nach zwei Jahren erbitterter Kämpfe geht der Krieg im Nahen Osten zu Ende. Die Briten können die osmanischen Truppen zurückdrängen und Palästina erobern. Schließlich gelingt ihnen der Einmarsch in Damaskus.

Im Oktober 1918 zog Faisal in Damaskus ein. Der Einmarsch Faisals mit seiner Armee in Damaskus ist symbolträchtig. Die Armee der Arabischen Revolution hat Damaskus als Hauptstadt des arabischen Nationalismus vom osmanischen Regime befreit. Die Briten arrangierten für Faisal eine Siegesparade und er stieg zum wichtigsten arabischen Führer der Region auf.

Kurze Zeit später wurde er zum König von Syrien proklamiert. Die Idee eines Königreichs Großsyrien verbreitet sich schnell im Nahen Osten und begeistert auch die palästinensischen Araber. Palästinensische Vertreter unterstützten Faisal und nannten dieses Land sogar Südsyrien. Sie betrachteten es als Teil des Königreichs, das er hier in der Region errichten würde. Faisal war die Figur, auf die die Araber einschließlich der Palästinenser ihre Hoffnungen gesetzt hatten.

Zu dieser Zeit entstand auch die palästinensische Flagge. Die Unterstützung, die Faisal im Gebiet des heutigen Israel erhielt, war echt. Sie wollten, dass Palästina ein Teil von Großsyrien wird. Der Krieg endet mit dem Sieg Großbritanniens und seiner Verbündeten über die Osmanen. Gleichzeitig ist damit der Moment gekommen, auf den die Araber gewartet haben. Die Einlösung des britischen Versprechens, unabhängig zu werden und Großsyrien gründen zu dürfen.

Aber die Briten sind während des Krieges zweigleisig gefahren. Aus Angst vor einer Niederlage haben sie einer weiteren Gruppe mit nationalen Bestrebungen das Gebiet versprochen. Das arabische Aufblühen weckt in einem anderen Volk den uralten Traum, in Israel eine Heimat zu finden. Das jüdische Volk wurde vor 2000 Jahren aus diesem Gebiet vertrieben und ist über die ganze Welt verteilt.

Der moderne Nationalismus hat die Idee vorangetrieben, dass auch ethnische Gruppen das Recht haben, unabhängige Staaten zu werden. Frankreich gehört einem französischsprachigen Volk und sie nennen ihr Land Frankreich, genauso wie die Deutschen ihr Land Deutschland nennen. Trotz ihrer religiösen Verbundenheit mit dem Land Israel bezeichnen sich viele europäische Juden dennoch als Franzosen, Deutsche oder Briten und kämpfen sogar für diese Länder.

Während des Ersten Weltkriegs und mit der Gründung der europäischen Nationalstaaten sind die Juden jedoch immer weniger willkommen. Sie werden aus der Gesellschaft ausgeschlossen und müssen Europa verlassen. Der Zionismus ist das Ergebnis der tiefen Enttäuschung der Juden über diesen neuen Nationalismus. Das Problem Antisemitismus wurde nicht gelöst, sondern auf eine andere Art neu entflammt. Juden waren in keinem Bereich der Arbeitswelt und auch nicht an den Universitäten akzeptiert.

Dadurch gelangten sie zu der Erkenntnis, in Europa keine Zukunft zu haben. Es boten sich drei Möglichkeiten an. Sie konnten in die demokratischen, liberalen USA emigrieren, die sozialistische Revolution zur Veränderung Europas nutzen oder eben der Zionismus. Die zionistische Bewegung wird Ende des 19. Jahrhunderts von Theodor Herzl gegründet.

Sie sollte nach 2000 Jahren im Exil die Rückkehr des jüdischen Volkes in das Land Israel fördern. Nach dem Tod Herzls im Jahr 1904 wird Dr. Chaim Weizmann einer der bedeutendsten Führer der Bewegung. Vor der Peel-Kommission erklärt er, warum eine nationale Heimat für das jüdische Volk so wichtig ist. Ich möchte Ihnen das jüdische Problem kurz aus heutiger Perspektive erläutern. Es geht um die Heimatlosigkeit eines Volkes.

Es gibt in diesem Teil der Welt sechs Millionen Menschen, die dazu verdammt sind, sich an Orten aufzuhalten, an denen sie nicht erwünscht sind. Für sie ist die Welt in Orte aufgeteilt, an denen sie nicht leben können und in Orte, die sie nicht betreten dürfen. Weizmann hat diese Erfahrung selbst gemacht. Er drückte damit eine ernsthafte Not aus, die viele Juden in Europa spürten. Und die sich mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust noch verschlimmern sollte.

Als das britische Empire während des Ersten Weltkriegs ins Wanken gerät, sieht Weizmann darin die Gelegenheit, den zionistischen Traum zu verwirklichen. Dafür knüpft er zahlreiche Kontakte mit britischen Vertretern. Die stärkste Macht der Welt nimmt diese kleine Bewegung als Vertreterin der jüdischen Interessen ernst. Chaim Weizmann ist in vielerlei Hinsicht die wichtigste Persönlichkeit in der Geschichte des Zionismus.

Er war Chemiker, aber seine große Leidenschaft galt im Zionismus. Weizmann durchschaut die politische Weltordnung. Für die Juden scheint es das Beste, sich die Unterstützung des britischen Empire zu sichern, um in ihr Heimatland zurückkehren zu können. Weizmann wusste, mit wem er es zu tun hatte. Er drehte den Spieß um. Das britische Empire hatte den Juden gesagt, dass es sich für sie lohnen würde.

Weizmann hat erklärt, dass es sich für die Briten lohnen würde. Er ging bei der Balfour-Deklaration sogar so weit zu sagen, die Balfour-Deklaration ist kein zionistisches Interesse, sie ist ein britisches Interesse. Und das hat funktioniert. Weizmann sorgt sich um das Schicksal des jüdischen Volkes. Durch diplomatische Anstrengungen gelingt es ihm 1917, die Briten zu einer Absichtserklärung zu bewegen.

Darin bestätigen sie, dem jüdischen Volk bei der Rückkehr in ihr Heimatland zu helfen. Es gibt ein offizielles Schreiben des britischen Außenministers Arthur James Belfer vom 2. November 1917. Diese Deklaration ist eine förmliche Ankündigung der britischen Regierung, der Gründung einer jüdischen Heimstadt in Palästina positiv gegenüberzustehen.

Im Jahr 1917 ist allerdings unklar, wo in Palästina. Für das jüdische Volk ist dies ein historischer Moment. Das israelische Staatsfernsehen produziert 1981 sogar eine Dokumentarreihe über die Geschichte des jüdischen Volkes. Hierin kommen Juden, Araber und britische Beamte zu Wort, die während des britischen Mandats tätig waren.

Einer von ihnen ist Max Newrock. Er war vor Ort dabei, als die Balfour-Deklaration vorgestellt wurde. Damals war ich Offizier beim britischen Militär, obwohl ich irischer Jude bin. Dr. Weizmann sorgte dafür, dass ich eine Einladung zur feierlichen Verkündung der Balfour-Deklaration erhielt. Also hörte ich mir all die schönen Reden über die Deklaration an.

Ich dachte in diesem Moment nicht an Israel, sondern nur daran, dass das gut für das jüdische Volk ist. Diese Verpflichtung war das Ergebnis der verschiedenen britischen Interessen Ende 1917. Und dann kam Chaim Weizmann und machte die Balfour-Deklaration zu dem, was sie am Ende war. Dieses britische Schriftstück wurde später zu einem wichtigen internationalen Dokument.

Es ist schwer zu verstehen, warum die größte Macht der damaligen Zeit, einer vergleichsweise kleinen nationalen Bewegung, diese Form von Zusicherung gab. Eine der Aussagen vor der Peel-Kommission stammt vom damaligen amtierenden britischen Premierminister David Lloyd George. Er verrät, warum das Empire dem jüdischen Volk dieses Versprechen gab.

Das jüdische Volk sollte uns im Krieg unterstützen. Verschiedene Berichte, vor allem aus geheimen Quellen, ließen uns zu dem Schluss kommen, dass die Juden uns entweder behindern oder uns entscheidend helfen könnten. Das jüdische Volk ist überall auf der Welt vernetzt. Und es ist gefährlich, sich mit ihnen anzulegen. Das haben wir bereits selbst erlebt. Besser also, man verbündet sich mit ihnen.

Es war also eine strategische Entscheidung, die Erklärung zu diesem Zeitpunkt abzugeben. Lord Lloyd Georges Aussage spiegelt die allgemeine Stimmung gegenüber den Juden in der damaligen Zeit wieder. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde das antisemitische Buch Protokolle der Weisen von Zion veröffentlicht, in dem es heißt, Juden würden durch einen Geheimrat die Politik und die Finanzwelt kontrollieren.

Lord Lloyd Georges Aussage enthüllt außerdem, wie die Briten fieberhaft versuchen, die Balfour-Deklaration unter der jüdischen Bevölkerung zu verbreiten. Millionen von Flugblättern wurden weltweit in Städten und Gemeinden verteilt, in denen bekanntermaßen Juden lebten. Sie wurden in deutschen und österreichischen Städten aus der Luft abgeworfen und auch in Russland und Polen verteilt. Zur damaligen Zeit hofften die Briten, die große jüdische Gemeinde in den USA auf ihre Seite ziehen zu können.

Sie hielten viele der russischen Revolutionäre für Juden und versuchten mit der Befürwortung der Gründung eines jüdischen Staates, Russland dazu zu bewegen, Kriegspartei zu bleiben. Die Befürchtungen der Briten unterschieden sich nicht von denen vieler anderer Europäer. Sie fürchteten sich vor einer jüdischen Macht. Chaim Weizmann hatte die Fähigkeit, antisemitischen Vorstellungen etwas Positives abzugewinnen.

In Moskau, in Paris, in Washington würde Jiddisch gesprochen. Er nutzte die antisemitische Grundhaltung als Argument für den Zionismus. Bei der Belfa-Deklaration stand nicht so sehr die Situation nach dem Krieg im Fokus, sondern die während des Krieges. Während des Ersten Weltkriegs wurden allerhand Versprechungen gemacht. Das ist nicht verwunderlich.

Großbritanniens Priorität war es, die Deutschen an der Westfront zu besiegen. Also machten sie den Arabern Versprechungen, insbesondere im Briefwechsel zwischen Hussein und McMahon, aber auch den Juden mit der Belfer-Deklaration vom November 1917. Damals gab es Stimmen, die es für keine gute Idee hielten, dasselbe Pferd zweimal zu verkaufen, und sie hatten Recht damit. Der Krieg ist vorbei und die Briten haben ein Problem. Sie haben zwei Völkern die Gründung einer Nation in ein und demselben Gebiet versprochen.

Kann das klappen? Kann die Nachbarschaft vielleicht sogar für beide Seiten von Vorteil sein? Mit dem Plan, ihre Macht in der Region zu stärken, schicken die Briten Lawrence von Arabien zu einem ersten Gipfeltreffen mit Prinz Faisal und Dr. Weizmann. Er soll die widersprüchlichen Zusagen klären. Im Prinzip akzeptiert Faisal die Ansprüche des jüdischen Volkes auf das Land Israel oder Palästina,

aber nur unter der Voraussetzung, dass die arabische Nation etwas Ähnliches erhält. Sogar der in Saudi-Arabien regierende Großscherif Hussein gratuliert den Juden in einem 1918 veröffentlichten Brief zur Balfour-Deklaration. Er begrüßt die baldige Rückkehr in ihre historische Heimat. Die Hashemiten stehen für Mäßigkeit und Toleranz. Das war die Basis für einen über 100 Jahre währenden Dialog zwischen den Zionisten und den Hashemiten.

Die Briten glaubten, dass die Juden Regierungen auf der ganzen Welt beeinflussen könnten. Deshalb warben sie bei Faisal um seine Zustimmung zu einem jüdischen Staat im Land Israel. Im Gegenzug würde das jüdische Volk ihm helfen, einen arabischen Staat zu gründen. Er hatte kein Problem mit den Juden in der Region. Das Leben an der Seite des jüdischen Volkes ist Teil der Geschichte der Region.

Aber er wollte dies in einem von ihm regierten arabischen Königreich. Weizmann war der Überzeugung, dass sich Faisal angesichts der internationalen Resolution nicht um die Winzigkeit kümmern würde, die den Juden zugestanden wurde. Faisal habe Damaskus und Bagdad im Blick. Und es würde ihn noch weniger kümmern, wenn die Juden, die er sehr ernst nahm, den Arabern bei der Erfüllung ihrer Wünsche helfen.

Schon bald unterzeichnen Faisal und Weizmann ein Abkommen. Darin werden eine partnerschaftliche Zusammenarbeit und die jüdische Autonomie innerhalb des arabischen Königreichs Großsyrien vereinbart. Dies geschieht unter britischer Schirmherrschaft und der Anerkennung Faisals von Palästina als jüdische Heimat. Mit dem Abkommen erkennt Faisal auf wirklich außergewöhnliche Weise Israel als Land unter zionistischer Herrschaft an.

Im Gegenzug bietet Weizmann die Hilfe der zionistischen Bewegung bei der Förderung und Entwicklung des künftigen arabischen Staates an. Lawrence von Arabien beschreibt in seinen Aufzeichnungen die Idee einer prosperierenden arabischen Welt durch eine jüdisch-arabische Zusammenarbeit. Von den Juden eingeführte technologische Neuheiten sollen die Abhängigkeit der arabischen Welt vom industrialisierten Europa immer mehr verringern.

Auf diese Weise könnte sich eine neue Weltmacht entwickeln. Vermutlich sah Faisal eine ehrliche Chance dafür, dass Juden und Araber für eine gemeinsame, bessere Zukunft kämpften. Aber das war eigentlich nie der Plan. Weizmann hatte nur nie zum Ausdruck gebracht, dass er einen jüdischen Staat anstrebt. Er sagte, dass es Raum für Araber und Juden gab, nebeneinander in Palästina zu leben und sich eine gemeinsame Zukunft zu erarbeiten.

Faisal wollte das Abkommen für sich nutzen. Er wollte sich die Unterstützung der Zionisten und natürlich die der Briten bei seinen Bestrebungen in Bezug auf Großsyrien sichern. Aber er fügte eine Bedingung hinzu, die zeigt, dass er starke Zweifel hatte, diese Unterstützung wirklich zu bekommen. Faisal und Weizmann kommen 1919 zur internationalen Pariser Friedenskonferenz. Hier soll das Abkommen geschlossen werden, das den jüdisch-arabischen Frieden endgültig besiegelt.

Faisal wendet sich mit einem Brief an die Zionisten. Wir, die Araber, empfinden große Sympathie für die Zionisten. Weizmann hat uns sehr geholfen, unsere Ziele zu erreichen und ich hoffe, dass die Araber bald in der Lage sein werden, sich bei den Juden für ihre Gunst zu revanchieren. Wir arbeiten gemeinsam an der Wiederbelebung und Reformierung des Nahen Ostens und unsere beiden Bewegungen ergänzen sich gegenseitig. Der jüdische und der arabische Nationalismus sind keine imperialistischen Bewegungen, schreibt Faisal.

In der Tat wird niemand von uns ohne sein Gegenüber erfolgreich sein. Mein Volk und ich freuen uns auf den Tag, an dem wir zusammenarbeiten und uns gegenseitig helfen werden. Nur so werden die Nationen, die wir schaffen wollen, in der zivilisierten Welt ihren Platz finden. Zu Beginn des Jahres 1919 fand in Paris ein noch nie dagewesenes Ereignis statt. Zur Pariser Friedenskonferenz kamen zahlreiche Menschen zusammen. Auf den ersten Blick waren sie alle gleichberechtigt.

Aber das war Augenwischerei. Klar war, dass die Siegermächte hier das Sagen hatten. Die Briten, die Amerikaner und die Franzosen. Als Faisal und Weizmann erfahren, dass ihr Traum geplatzt ist, sind sie schockiert. Die siegreichen europäischen Nationen haben für die Aufteilung des Nahen Ostens andere Pläne. Dass Juden und Araber ein historisches Friedensabkommen geschlossen haben, ist für sie nicht relevant.

1919 konnte sich noch niemand vorstellen, dass die Franzosen im Libanon und in Syrien anlanden und die Hashemiten mit Gewalt aus Damaskus vertreiben würden. Das Königreich Großsyrien existiert nur ein Jahr und acht Monate. Bis zu dem Tag, als Frankreich einmarschiert und sich die gesamte Situation erneut ändert. Die Grundlage hierfür bildet ein geheimes Abkommen zwischen Großbritannien und Frankreich. Ein Verrat an Juden und Arabern gleichermaßen.

Zur gleichen Zeit, als Großbritannien den Juden und Arabern Versprechungen macht, führt es streng geheime Gespräche mit Frankreich über die Aufteilung des Nahen Ostens in der Nachkriegszeit. Die Vertreter der beiden Nationen, Mark Sykes und François-Georges Picot, teilen den Nahen Osten zwischen den beiden Imperien auf, ohne Rücksicht auf die dort lebenden Menschen. Das Sykes-Picot-Abkommen wird getroffen und schon bald wird klar, dass alle anderen Versprechen nicht mehr gelten.

Das Sykes-Picot-Abkommen hatte für die folgenden 100 Jahre immense Auswirkungen auf den gesamten Nahen Osten. Die neu festgelegten Grenzen schufen künstliche Staaten, die sich dann zu realen Staaten entwickelten. Tatsächlich war das eine radikale Teilung des Nahen Ostens. Das Sykes-Picot-Abkommen wurde streng geheim geschlossen. Die Araber sollten nicht wissen, was die Briten vorhatten. Und schon gar nicht die Feinde Großbritanniens, nämlich die Osmanen und die Deutschen.

Die hatten nämlich ganz andere Pläne. Das im Mai 1916 unterzeichnete Sykes-Picot-Abkommen ist ein Abkommen zwischen den Briten und den Franzosen über die Aufteilung der großen arabischen Gebiete des Osmanischen Reiches. Es sollte die britischen Interessen, vor allem in Bezug auf Indien, und den Einfluss im gesamten Nahen Osten sichern. Den Franzosen ging es um ihre finanziellen Interessen in Syrien und dem Libanon.

Aber auch die Briten verfolgen finanzielle Interessen. Sie brauchen das Territorium am Suezkanal, um die Handelswege nach Indien zu schützen. Außerdem planen sie eine Ölpipeline vom Irak in die Bucht von Haifa. Die Briten müssen aber auch ihren französischen Verbündeten etwas anbieten und sagen ihnen daher die Gebiete Syriens und des Libanon zu. Damit machen sie den Traum von Großsyrien zunichte und zerstören die Chance auf einen historisch einmaligen jüdisch-arabischen Friedensvertrag im Nahen Osten.

Die Allianz zwischen Großbritannien und Frankreich hatte für die Briten oberste Priorität. Sie war viel wichtiger als jedes Bündnis im Nahen Osten. Daher haben die Briten den Franzosen aus rein strategischen Gründen zahlreiche Zugeständnisse gemacht. Auf Kosten der Hashemiten und anderer Akteure. Für die Araber stellt das Sykes-Picot-Abkommen eine schwere Verletzung dessen dar, was ihnen in der McMahon-Hussein-Korrespondenz versprochen wurde.

Die Briten konnten über Israel herrschen und im Gegenzug überließen sie den Franzosen die Herrschaft in Syrien und Libanon. Damit ließen sie Faisal regelrecht im Stich. Für die arabische Nationalbewegung der Nachkriegszeit war das Sykes-Picot-Abkommen mit einem Verrat gleichzusetzen. Zu der Frage, warum die Briten keinen Kontakt mit den Arabern in Palästina aufgenommen haben, nimmt der britische Premier, Lord Lloyd George, in seiner vertraulichen Aussage vor der Peel-Kommission Stellung.

Was ist mit der Lage der Araber in Palästina? Wir hielten Kontakt zu den arabischen Führern, König Hussein und seinem Sohn Faisal. Aber die palästinensischen Araber kämpften gegen uns. Als die Pläne der europäischen Mächte bekannt werden, kommt es im gesamten Nahen Osten zu gewalttätigen Aufständen der Araber gegen den europäischen Kolonialismus. 1920 flammt einer dieser Proteste während des Nabi Musa-Festes auf.

Die Enttäuschung wirkte sich auf die gesamte Region aus und führte zu einem Ausbruch von Emotionen und zu den Nabi Musa-Unruhen. Das Nabi Musa-Fest wurde nach der Rückeroberung Jerusalems durch Saladin eingeführt. Saladin wollte damit verhindern, dass Kreuzzüge die jährliche Osterweilfahrt nach Jerusalem ausnutzen würden, um den Muslimen die heilige Stadt wieder zu entreißen.

1920 war ein Jahr der Unruhen in der Region. Es war ein Jahr, das von Gewalt geprägt war. Es gab nicht nur die Nabi Musa-Unruhen in Israel, sondern auch Aufstände in Syrien, im Libanon und in Transjordanien. Die Palästinenser hielten die Idee des gemeinsamen Ostens für eine Utopie. Was blieb ihnen noch, nachdem der Plan eines Großsyrien gescheitert war? Sie wollten ein Palästina für Palästinenser.

Die Chance auf einen Frieden zwischen Juden und Arabern wird immer geringer. Und so verwandelt sich eine Demonstration durch Extremisten wie Hadsch Amin al-Husseini, dem späteren Mufti von Jerusalem, in ein Pogrom gegen die Juden in Palästina. Sechs Juden werden ermordet und fast 200 verletzt. Für Hadsch Amin war es ein leichtes Widerstandskämpfer zu rekrutieren. Gleichzeitig sollte sich die Bevölkerung durch die Aufmärsche anstecken lassen und so sollte sich eine palästinensische Identität etablieren.

Das palästinensische Volk hatte das Gefühl, von einer anderen Macht erobert worden zu sein. Die osmanische Eroberung wurde durch die britische Eroberung ersetzt. Es kam zu Demonstrationen, als Ausdruck des palästinensischen Nationalgefühls, Des Widerstands gegen die britische Besatzung. Und gegen die jüdische Einwanderung.

In Jerusalem und anderen Gebieten wurden Juden Opfer von Angriffen. Den Briten gelingt es, die gewalttätigen Proteste im gesamten Nahen Osten zu unterdrücken. Gleichzeitig erkennen sie, dass es eine Lösung für den Unmut der Araber geben muss. Daher schicken sie einige Monate später den neuen Kolonialminister Winston Churchill in den Nahen Osten, der die Lage beruhigen soll. Großbritannien und Frankreich fürchten zunehmenden amerikanischen Einfluss nach dem Krieg und den Widerstand gegen den Kolonialismus.

Daher führen sie das Mandatssystem ein, bei dem sie augenscheinlich nicht selbst die Kontrolle haben, sondern den Einheimischen zur Unabhängigkeit verhelfen wollen. Es gab drei Klassen von Mandaten, A, B und C. Während die A-Mandate einer Unabhängigkeit gleichkommen sollten, war diese bei C-Mandaten weit entfernt. Palästina war ein Mandat der Kategorie A, das 1920 an Großbritannien vergeben wurde.

Allerdings interpretierten Großbritannien und Frankreich die Mandate als Fortsetzung des Kolonialismus. Weizmann sah sich in der Annahme bestätigt, dass das Problem nicht von den Arabern ausging. Die Möglichkeiten der Kooperation waren durchaus vorhanden. Aber das politische Geschehen zeigte ihm, dass die großen Entscheidungen weder von Arabern noch von Juden getroffen werden. Sie werden von den Großmächten getroffen.

Ein Königreich Syrien unter Faisal und ein französisches Mandat in Syrien standen gänzlich im Widerspruch zueinander. In diesem Konflikt stellten sich die Briten auf die Seite Frankreichs. Die Franzosen wollten dem arabischen Nationalismus Einhalt gebieten. Sie betrachteten ihn als Bedrohung ihrer Kolonien in Nordafrika. Das war für die Franzosen das Wichtigste. Die Franzosen lehnten die Gründung eines Königreichs durch die Araber in Syrien ab. Das stand in völligem Gegensatz zu ihren eigenen Bestrebungen.

Faisal und seine Truppen versuchen vergeblich, den Einmarsch der französischen Truppen zu verhindern. Entscheidend war die Schlacht von Maisalun im Juli 1920. Dabei wurden die gesamten Hoffnungen des arabischen Volkes zunichte gemacht. Im nationalen arabischen Gedächtnis ist die Schlacht von Maisalun die erste Nakba, also die erste große Katastrophe. Hussein ibn Ali und seine Söhne wurden zu einem Symbol des nationalen arabischen Widerstands

und weckten bei ihrem Volk den patriotischen Wunsch nach einer geeinten arabischen Nation. Das Exil von Faisal aus Syrien ist historisch bedeutsam. Es hat auch Auswirkungen auf die Entwicklung eines politischen Bewusstseins in Israel. In Palästina herrschte tiefe Bestürzung und große Trauer, weil ihre Träume von einer geeinten arabischen Nation

mit Damaskus als Hauptstadt, zerplatzt waren. Den Briten ist daran gelegen, die Lage zu beruhigen und die Unruhen zu unterdrücken. Mit der Übergabe des Königreichs Irak an Faisal sollen die Araber besänftigt werden. Als Faisal später in den Irak ging und ihm da der Thron angeboten wurde, Oder war das vielleicht auf gewisse Weise eine Entschädigung?

Aber das hat nie den Verlust von Damaskus ersetzt. Das kann ich mir nicht vorstellen. Die Araber in Palästina betrachteten sich selbst als Teil von Großsyrien. Faisals Vertreibung eröffnete ihnen die Möglichkeit für eine palästinensische Nationalbewegung. Das heißt eine vom arabischen Nationalismus unabhängige Identität und das ging einher mit der Forderung nach einem palästinensischen Staat, den es bis zu dem Zeitpunkt nicht gab.

1920 war das Jahr, in dem in der Region viele Weichen gestellt wurden. Abdullah trifft als Anführer einer militärischen Truppe in Jordanien ein. Er will seinem in Bedrängnis geratenen Bruder helfen. treffen. Die Briten erkannten, dass sie ein Problem hatten. Abdullah reichte seine Herrschaft über Transjordanien nicht und er marschierte in Richtung Syrien. Deshalb wurde Mitte März 1921 die Konferenz von Kairo unter der Führung von Churchill einberufen. Das Ziel war es,

den Hashemiten eine angemessene Entschädigung zukommen zu lassen. Sie beschlossen, ihre ihre Mandatsgebiete in zwei Gebiete aufzuteilen. Der östliche Abschnitt, also der Irak, war als Entschädigung für Faisal bestimmt. Er sollte das ausgleichen, was ihm 1920 genommen worden war. Abdullah soll Transjordanien für sechs Monate regieren. Wenn sich seine Herrschaft als erfolgreich und im Einklang mit den britischen Interessen erweist,

soll aus den sechs Monaten eine unbefristete Herrschaft werden. Das ist die Gründung von Transjordanien, dem späteren Königreich Jordanien, so wie wir es heute kennen. Das gesamte Mandatssystem hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die Araber im Nahen Osten. Das begann damit, dass man von jetzt an von syrischen Arabern, libanesischen Arabern, Jordaniern, Transjordaniern und Irakern sprach.

Die Grenzen auf der Karte sind keine herrschaftlichen Grenzen. Das ist eine territoriale Einteilung, die die verschiedenen Stämme oder Etnien nicht berücksichtigt. Der Nahe Osten, wie wir ihn heute kennen, entstand in der Zeit von 1917 bis 1922. Die Briten legten die Grenzen von Jordanien und die des Irak fest. Und sie definierten auch die Grenzen von Palästina.

So wurden viele Konflikte im natürlichen Entwicklungsprozess der betroffenen Völker verursacht. Völker, die aus westlicher Sicht betrachtet als Völker des Nahen Ostens bezeichnet werden. Die Grenzen, die Churchill gezogen hat, bestehen bis heute. Sie verursachen bei allen arabischen Völkern Leid. Die Araber leiden bis heute. Er sabotierte ihre nationale Entwicklung.

1922 erhält Großbritannien offiziell das Völkerbundsmandat, das ihm die Kontrolle über weite Gebiete des Nahen Ostens verleiht. Daraus entsteht ein neues Gebiet, das es vorher nicht gab. Israel, Palästina. Churchill hat im Namen der britischen Regierung die Aufteilung der größeren Mandatsgebiete übernommen. Er hat Palästina in Ost und West aufgeteilt. Großbritannien hat das Mandat über das gesamte Gebiet vom Suezkanal bis zum Persischen Golf nicht deshalb erhalten, weil sie irgendjemandem damit einen Gefallen tun wollten.

Ganz und gar nicht. Sie haben es bekommen, weil es sich für sie gelohnt hat. Palästina ist, wie Lord Lloyd George in seiner Aussage vor der Peel-Kommission sagt, ein entscheidendes Gebiet. Seine strategische Lage im Nahen Osten schützt nicht nur den Suezkanal, sondern es ermöglicht auch die Verbindung von Arabien hinunter nach Indien. In den Jahren nach der Aufhebung des Faisal-Weizmann-Abkommens setzen die enttäuschten Anführer der Zionisten ihren diplomatischen Kampf fort.

Ihnen gelingt ein entscheidender Erfolg, als die Briten die Balfour-Erklärung in ihr offizielles Mandatsdokument aufnehmen. Die Balfour-Deklaration wurde wortwörtlich in das Mandatsdokument aufgenommen. Das heißt, sie wurde doppelt legitimiert. Einerseits von der Regierung und andererseits vom britischen Parlament und dem Völkerbund. Das hat einen ganz anderen Stellenwert für die internationale Anerkennung.

Churchill versuchte, eine Realität zu schaffen, die sich als doppeltes Versprechen zusammenfassen lässt. Die Belfer-Deklaration verpflichtet zur Durchsetzung der zionistischen Idee. Gleichzeitig besteht aber auch eine Verpflichtung gegenüber den Palästinensern. Die neuen Grenzen wirken sich auf die Araber vor allem durch ihre Zwangsgemeinschaft mit der zionistischen Bewegung in Israel-Palästina aus.

Aus dem Zusammentreffen von Zionismus und arabischem Nationalismus entstand der einzigartige Konflikt zwischen Arabern und Juden im Land Israel. Israel. Vorher gab es keine jüdische nationale Bewegung. Und auch keine arabische nationale Bewegung. Oder eine arabisch-palästinensische Bewegung. Der damalige Kolonialminister Churchill

hatte die Idee, die Belfa-Deklaration nicht für das Ostjordanland gelten zu lassen. Dessen Grenzen waren bereits vorher festgelegt. Diese Grenzen prägten auch die Identität des palästinensischen Volkes. Sie legten die Grenzen der Region fest und stärkten damit in einem erheblichen Maße die palästinensische Identität. Auch für die Zionisten legten sie sehr klare Grenzen für die Erweiterung ihres Territoriums fest.

Von 1920 bis 1922 konzentrierten sich die Gespräche und der Konflikt auf den neuen Schauplatz, der offiziell als Palästinaland Israel bezeichnet wurde. Ein Konflikt braucht einen Schauplatz. Und die Briten haben mit dieser Aufteilung den Schauplatz für den jüdisch-arabischen Konflikt in Palästina bestimmt.

Der ehemalige britische Kolonialminister Malcolm MacDonald fasst in einem Interview aus dem Jahr 1979 den Ursprung des jüdisch-arabischen Konflikts zusammen. Der Konflikt zwischen den Juden und den Arabern in Palästina war kein Konflikt zwischen Recht und Unrecht, sondern zwischen Recht und Recht. Beide Seiten hatten wirklich sehr gute Argumente, die auf Versprechungen der früheren britischen Regierungen beruhten.

Klar sehen, clever denken, frei handeln.

Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Israel-Palästina | Jahrhundert-Konflikt 🗝️ entschlüsselt | der dunkle Anteil der Briten | Teil 1“, Die Welt Klar Sehen, 22.10.2023.

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Uwe Loose zeigt im ersten Teil einer Reihe eine deutsch vertonte Dokumentation über die Anfänge des Israel-Palästina-Konflikts zwischen 1916 und 1922 und die Rolle Großbritanniens.

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