DWKS-Kompass-SiegelDie Welt Klar Sehen

Embryo Status | Ab wann beginnt Menschsein? | Grenze Leben20.07.2025

ZWISCHEN WELTEN

Abschrift

Abschrift des Videos vom 20.07.202599 Abschnitte

Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.

Willkommen auf meinem Kanal, Die Welt Klar Sehen. Mein Name ist Uwe Loose. Ich begrüße Sie ganz herzlich nach mehreren Monaten Abstinenz, denn mein letztes eigene Video war ja Mitte März. Zwischendurch war ich nur mal ein paar Mal Gast bei anderen Plattformen zu Besuch, bei anderen Kanälen. Doch heute mal ein eigenes Thema. Anlässlich dafür ist eigentlich ein Gespräch, was ich vor einigen Tagen im Community-Bereich von Löwenherz Eliathe geführt habe. aber nämlich anlässlich dieser Sendung, nämlich Was ist Leben oder Wann beginnt Leben?

Da hatten wir darüber gesprochen über, ich sag mal, Wegen der Richterinnenwahl, die ja abgeblasen wurde für das Bundesverfassungsgericht mit den zwei Damen, die von der SPD vorgeschlagen waren und eine davon, die Professorin Frauke Brosius-Gersdorf, hat ja doch so einige Thesen in den Raum gestellt, unter anderem eben auch, auch um Möglichkeiten für die Veränderung der Einstellung zum Schwangerschaftsabbruch etc. Und da haben wir dann eben bei ETVC darüber debattiert und natürlich auch die politischen Implikationen drin gehabt.

Das Thema wurde aber von mir dort ja nicht tiefgreifend behandelt. Das möchte ich jetzt hier mit dieser Sendung nachholen. Das heißt, so wie hier oben ja schon stand, ja, Analyse. Das hier ist ein analytisches Video, ein Vortrag sozusagen, ein Fachvortrag zu diesem speziellen Thema. Und alle diejenigen, die jetzt möchten, Entertainment und eine einfache, schnelle Antwort, kann ich nur sagen, gehen Sie da mal die Tür raus, dann ist diese Sendung nichts für Sie.

Aber diejenigen, die dazu in der Lage sind, ihre Gedanken mal für eine halbe Stunde, Stunde oder vielleicht auch anderthalb aufrechtzuerhalten und konzentriert zuzuhören, ohne irgendwo hin abzuschweifen, die werden einen Vorteil aus dieser Sendung haben, weil sie nämlich dann einen umfassenden Überblick bekommen, wie über dieses Thema in unserer westlichen Kultur gedacht wird. um was es da für verschiedene Möglichkeiten gibt.

Ja, also insofern lassen Sie uns einfach mal anfangen. Klarsehen, clever denken, frei handeln, Die Welt Klar Sehen. Ja, fangen wir denn mal an. Ja, worum geht es? Ja, es geht darum, was ist Leben und wann beginnt es eigentlich? Eigentlich doch eine ganz simple Frage. Und jeder glaubt doch, das kann man schnell beantworten. Ja, ganz so einfach ist es leider nicht. Denn es gibt mindestens vier verschiedene Perspektiven, von denen man das aussehen kann. Das ist zum einen natürlich die Biologie, quasi die Wissenschaft vom Leben. Dann haben sich die Religionen dazu geäußert. Es gibt aber auch ja denkerische Überlegungen und ethische Überlegungen in der Philosophie und Kulturwissenschaften.

Und natürlich, was ja eigentlich der Anlass für dieses Video auch war, nämlich das, was in Deutschland die Juristen denken. Und da stellt sich natürlich die Frage, wie fangen wir denn an? Wenn ich Ihnen die Frage stellen würde, was glauben Sie, was ein Biologe sagen würde auf die Frage, was Leben ist und wann es denn anfängt, würden Sie erwarten, dass es dann mehr als eine Definition gibt? Schreiben Sie es mal unten in die Kommentare rein, was Sie glauben.

Ich lasse Ihnen mal fünf Sekunden Zeit, ganz schnell Ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen. Ja, dann schauen wir aber einfach mal weiter, was denn die biologische Perspektive tatsächlich so bringt. Und da muss man eins feststellen, in der Biologie gibt es so etwas gar nicht, wie eine allgemein anerkannte Definition von Leben, sondern was es gibt, es gibt Modelle. das heißt also verschiedene Meinungen, und zwar ungefähr 40 bis 50. Damit haben sie jetzt nicht

gerechnet. Hätten sie vielleicht gedacht 1 oder 2. 40 oder 50 in einer Fachwissenschaft? Das heißt, die Biologie, die sich mit dem Leben beschäftigt, hat 40 bis 50 verschiedene Meinungen. Man könnte auch sagen, dann wissen die doch eigentlich gar nicht, wovon sie reden, oder? Ja, diese 40 bis 50 verschiedenen Meinungen, die lassen sich in sechs verschiedene Hauptgruppen klassifizieren und die gucken wir uns mal ganz grob an, da wollen wir jetzt nicht ins Detail einsteigen.

Das sind also einmal diejenigen, die jetzt von irgendwelchen besonderen Merkmalen ausgehen, wie Reproduktion oder von Stoffwechsel, das sind so die typisch streng naturwissenschaftlichen Gedankengänge, die dann ja ich sag mal eben von der Raumfahrt von der NASA vertreten werden, weil die erforschen ja Leben auf anderen Planeten, da müssen die also auch eine Definition haben und was so in Biologie-Lehrbüchern drinsteht. Dann gibt es aber auch eine ganz andere Meinung, die sagen, ja, das hat was

mit der ganzen Energie zu tun und inwiefern die Energie im Gleichgewicht ist und mit der Entropie, dass alles sich dann auf einem M-Level, dann Kundtut und, und, und. Und dann gibt es diejenigen, die ein bisschen mehr lebenspraktisch sind und sagen, ja, das hat alles, was ich selbst erhalten kann und selbst erschaffen kann, das ist Leben. Ja, und dann gibt es diejenigen, die mehr neuzeitlich denken und sagen, ja, was Informationen verarbeiten kann, was irgendwelche Gene hat, die wir steuern, das ist Leben. Und wieder andere sagen, nein, das ist im Grunde genommen viel zu eng gefasst,

sondern jedes System, was sich irgendwie an seine Umwelt anpassen kann, das ist Leben. Und dann gibt es noch diejenigen, die sagen, das, was sich evolutionär weiterentwickeln kann, was nicht nur sich anpasst, sondern sich eben quasi selbst erneuern kann im weitesten Sinne, an die äußeren Umweltprozesse, das ist Leben. Ja, das heißt also, im Grunde genommen haben wir doch sehr verschiedene Meinungen. Man könnte das hier nochmal ein bisschen kurz fassen bei den wichtigsten vier, fünf. Dass man sagt, okay, entweder ist es nur ein chemisches System, was sich selbst erhält oder etwas, was sich gegen den allgemeinen Zerstörungstrend alles zu nivellieren, im Universum zu wehrsitzen kann.

Also quasi das Leben gegen den Tod des Kosmos. Oder weil es eben ein Organismus hat oder weil es sich selbst erhalten kann oder weil es einfach schlichtweg nicht rechnerisch und mechanisch nachgebaut werden kann. Ist ja auch eine ganz interessante Information, was man nicht nachbauen kann. Das ist Leben. Gut, so denken vielleicht Leute, die mit Robotern gerne spielen. Also, summa summarum, wir haben im Grunde genommen über 40 ernsthafte Definitionen, was Leben im biologischen Sinne ist.

Sechs Hauptklassen, je nachdem von welcher theoretischen Seite man auf das Leben drauf guckt. Und keine von denen ist irgendwie rechtsverbindlich, sondern die sind alle immer aus einer bestimmten Perspektive gedacht. Und insofern muss man sagen, Leben ist das, wie ich gerade so brauche. Und das finde ich persönlich ist doch schon mal eine ganz überraschende Erkenntnis. Hätten Sie damit gerechnet? Hätten Sie ernsthaft geglaubt, dass es sowas sein kann, dass also von den 40, 50 Lehrmeinungen man sich nicht auf eine einigen kann, weil die immer sagen, ja kommt drauf an, wo ich gerade hingucken will, kommt drauf an, was ich bezwecken will und das definiere ich dann mal als Leben.

Ja, das ist natürlich schon ganz interessant. Und ich persönlich finde das jetzt unbefriedigend. Ich habe selber in der Schule Naturwissenschaften gehabt, als Leistungskurse Mathematik und Physik. und hätte jetzt nicht gedacht, ohne mich jetzt in dieses Thema intensiv reinzuvertiefen, dass es tatsächlich so ein Wirrwarr von biologisch-naturwissenschaftlichen Meinungen gibt zu einer einfachen Sache, was ist Leben?

Zu der Frage, was menschliches Leben ist, oh mein Gott, das ist ja damit noch gar nicht beantwortet. So, das ist ja eher das Thema, was dann die Religionen betrifft. Und dann haben wir ja im Prinzip fünf Hauptreligionen auf diesem Planeten. Ich beschränke mich mal auf die drei, die für unseren Kulturkreis hier im Westen maßgeblich sind. Also die sogenannten drei abrahamitischen Religionen, das heißt diejenigen Religionen, die von Abra, sich ableiten von dem biblischen, also da sind eben das Judentum, das Christentum und der Islam.

Also fangen wir einfach mal mit dem Christentum an. Das Christentum selber hat ja auch noch zwei Unterabteilungen, zwei hauptsächliche. Nämlich die römisch-katholische Kirche, die wir mal für uns jetzt hier im Westen bekannt nehmen. Von der Ostkirche nehme ich jetzt mal Abstand. Und dann haben wir natürlich doch das ganze Evangelische. So gucken wir uns mal die römisch-katholische Kirche an. Was lehrt die? Das menschliche Leben beginnt mit der Befruchtung. Bedeutet also, wenn die männliche Samenzelle sich mit dem weiblichen Ei verschmilzt, dann ist die Befruchtung erfolgt und der römisch-katholische Gedankengang ist eben, dass das Kind ab diesem Moment die volle Würde und das Recht auf Leben besitzt.

Das bedeutet aber, wenn wir uns das mal vorstellen, wir reden jetzt davon, dass eine einzelne Zelle, die ist jetzt ein vollwertiger Mensch. Das ist die Position der römisch-katholischen Kirchen. Und jetzt kann man sagen, okay, wie kommen sie denn eigentlich darauf? Da muss man sagen, gut, da haben sie natürlich bestimmte Katechismen, die das genau klären. Also hier der Katechismus 22, 70 bis 73, wo eben ganz klar gesagt wird, dass eben das Leben ab der Empfängnis zu achten ist.

So, dann gibt es von Johannes Paul II. ja eine Enzyklika Evangelium Vitae. So, dort ist die Kernaussage, dass der Embryo von Beginn an eine Person ist. Also Person ist ja noch was anderes als Leben. Und dann gibt es natürlich die Bibelstellen, insbesondere im Alten Testament von Jeremia und im Psalm 139, wo es sinngemäß heißt, du, also Gott, hast mich im Mutterleib geformt.

Und dann haben wir noch die theoretische Grundlage. Also für diejenigen, die sich ein bisschen Kirchengeschichte und Theorie auskennen, die wissen ja, dass die Kleriker im Mittelalter hoch gebildet waren und sehr theoretisch gedacht haben. Und einer der wichtigsten und größten Denker war Thomas von Aquin. Und der hat eben auch gesagt, dass die Seele quasi ab dem Moment der Befruchtung, ab der Konzeption eben verfügbar ist. Das heißt, diese eine Zelle, die da befruchtet ist, die hat also schon die Seele. Und da haben wir doch den ganz interessanten Punkt, dass also anders als in der Biologie, wo natürlich urscherweise erstmal die Befruchtung als einziges Element da ist, also männliches und weibliches, wenn man von dem Gesichtspunkt ausgeht, haben wir dann in der katholischen Lehre eben noch einen dritten Teil.

Da muss nämlich noch von oben, von Gott, muss dann noch die Seele dazukommen. Und dann könnte man sich jetzt als kritischer Denker die Frage stellen, was ist denn jetzt, wenn andere Lebewesen eine Eizelle befruchten, also andere Säugetiere, die keine Menschen sind, was ist denn da mit der Seele? Und wie kommt es dann, dass ausgerechnet beim Menschen dann die Säde gleich mit dabei ist im Moment der Befruchtung und bei den anderen nicht?

Gut, aber das ist wahrscheinlich ein Wunder im Göttlichen, was wir jetzt hier an der Stelle nicht genauer belegen oder analysieren wollen. Wir schauen nur, was da für Konsequenzen daraus kommen. Was können wir also aus dem Katholizismus römisch-katholischer Art lernen, sondern dass sie im Grunde genommen doch ja eigentlich die moderne Biologie, sprich Embryologie befolgt und sagt, jawohl, die befruchtete Eizelle, die ist quasi eigenständig, weil sie ein eigenes Genom hat

und es beginnt ein eigener, aus sich selbst organisierter Entwicklungsprozess. Und das ist eben ein starker Hinweis darauf, dass jetzt etwas Neues begönnt, nämlich ein individuelles Leben. Aus diesem Grunddogma folgen jetzt natürlich bestimmte Konsequenzen. Nämlich, dass die katholische Kirche mit dieser Denkart sagt, jegliche Form der Abtreibung, also egal zu welchem Zeitpunkt, verstößt gegen das Lebensrecht des Kindes.

Also eine befruchtete Zelle, wenn die jetzt abgetrieben wird, ist das also schon ein Verstoß. Natürlich geht es auch bei der Präimplantationsdiagnostik um Selektion und Vernichtung von Leben. Also auch das wird nicht akzeptiert. Künstliche Befruchtung ist ja quasi unheilig, weil die Zeugung und der Eheakt voneinander getrennt werden. Also In-vitrio-Befruchtungen sind also quasi nicht das, was Gott für den Menschen vorgesehen hat. Und eine Stammzellenforschung mit Embryonen, die kann da schon mal gar nicht akzeptiert werden, weil dort ja auf jeden Fall Embryonen getötet werden, sprich menschliches Leben zu reinen wissenschaftlichen Zwecken benichtet wird.

Aber das gilt auch für Verhütungsmittel wie die Pille danach oder die Spirale und insofern ist da also auf Seiten der Katholiken ja ein grundsätzliches Thema, dass man sagt, weil schon die erste Zelle, die befruchtet ist, ein vollständiger, beseelter Mensch ist. So muss man das absolutiert betrachten und der Embryo ist mit Seele, Würde und Lebensrecht versehen und da geht nichts dran vorbei. Das ist völlig unangreifbar, das darf überhaupt gar nicht hinterfragt werden.

Und alles, was jetzt irgendwie da eingreift vor dem Abschluss der Geburt, also sprich Schwangerschaftsabbruch, vor vollendeter Geburt, das ist moralisch unzulässig oder im theologischen Sinne ist es dann quasi eine Sünde. Ja, was glauben Sie denn, was die andere Kirche, die andere Sektion des christlichen Glaubens im Westen, was die dazu denkt? Sehen die das genauso?

Sind Sie Evangelier, dann wissen Sie es ja vielleicht. Aber wenn Sie Evangelier sind, dann wissen Sie auch, dass es da gar nicht eine einheitliche Meinung gibt, sondern mindestens zwei Hauptgruppen. Und zwar einmal gibt es das, was die Kirchen vertreten, die in der evangelischen Kirche in Deutschland sich vereinigen. Und selbst dort sind zwei Meinungen. Nämlich einmal die Meinung A, dass der Mensch ab der Befruchtung schützenswert ist, ist das quasi die katholische Position.

Und einmal die Position B, nämlich, dass die Schutzwürdigkeit graduell mit der Entwicklung ansteigt. Das heißt, wir haben also den Embryo, der ist ja erstmal nur eine Zelle und dann vermehrt die sich und vermehrt sich und vermehrt sich und dann kommen dann Schritt für Schritt Organsysteme und all solche Sachen hinzu. Und das ist eben diese graduelle Entwicklung und irgendwann mal ist die abgeschlossen, nach einer gewissen, einigen Monaten und dann ist nur noch ein Größen, Wachstum da und anschließend erfolgt dann im regulären Falle die

Geburt. So, es heißt also, dieses graduelle Anwachsen des immer menschenähnlicher Werdens ist also eine Position, die jetzt für die evangelischen Glaubensrichtungen unter Umständen von Bedeutung ist. Es gibt die einen, die sagen, ganz am Anfang und die anderen sagen, nein, nein, das kann auch später sein. So, und jetzt stellt sich natürlich genau die Frage, ab welchem Grad ist es dann nicht mehr zulässig? So, und im Grunde genommen muss man sagen, die evangelische Kirche Deutschland, die hat ja also in sich selber schon die Spaltung und muss versuchen, das Problem ja zu lösen.

So, was haben sie dazu gemacht? Sie haben eben versucht, da einen Ausgleich zwischen diesen doch sehr unterschiedlichen Meinungen zu finden und sagen, ja, ungeborenes Leben ist schützenswert, aber das Selbstbestimmungsrecht der Frau muss respektiert werden. Und Schwangerschaftsabbrüche sind also dann angemessen, wenn man also eine Beratungspflicht einführt und sich beraten lässt. Nach dem Motto, die Frau möchte jetzt gerade nicht das Kind austragen, muss sich aber beraten lassen. Und wenn sich dann das Ergebnis der Beratung ergibt, dass es doch abgetrieben werden soll, dann würde die evangelische Kirche das schon akzeptieren.

Aber das Interessante ist ja eben, dass jetzt hier eine zweite Position reinkommt, die ja ganz anders ist als die katholische, nämlich das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Das heißt, jetzt geht es nicht mehr nur um das Kind, das ja noch im Geburtswerdeprozess sich befindet, um den Embryo, sondern es geht auch um die Interessen der Frau. Und das ist natürlich klar, dass da auch solche Interessen sein können und müssen, denn es gibt ja Schwangerschaftskomplikationen, mindestens könnte also gesundheitliche Indikationen da sein.

Dann taucht ja auch das Thema auf mit den ungewollten Schwangerschaften, die aufgrund von Gewalttaten, also speziell von Gewaltvergewaltigungen entstehen können. Da sind ja auch moralisch-ethische Probleme zu lösen. Was ist der Frau zuzumuten? Ist das jetzt Gottes Wille, dass ein übler Mensch sie vergewaltigt und sie dann ein Kind von einem wildfremden Menschen gebären und aufziehen muss?

Oder ist das vom Teufel? Das sind Fragen, die muss man sich hier dann ernsthaft stellen. Das ist ja die Hauptrichtung, EKD, Evangelische Kirche Deutschlands oder Kirchen Deutschlands. Aber die vertreten ja nicht alle evangelischen Glaubensrichtungen, denn da gibt es ja noch einige andere, als da insbesondere sind. Die evangelischen Freikirchen, die gliedlichen Gemeinden, also die Baptisten, dann gibt es die Evangelische Allianz Deutschland, Pfingstgemeinden, charismatische Gruppen, freie Brüdergemeinden.

Also da gibt es eine ganze Menge verschiedene evangelische Organisationen und die sind aber doch eher auf dem katholischen Ansatz und sagen, nein, das Leben beginnt schon mit der Befruchtung, zumindest das menschliche Leben. Und dementsprechend sind die meisten auch der Meinung, dass Abtreibung eben eine Sünde ist, aber zumindest moralisch verwerflich und beziehen sich eben eher auf die schon vorgenannten Psalmen bzw. das alte Testament Jeremia.

Ja, und wenn wir mal in so einen Psalm mal reingucken, speziell den Vers 13 und 16 in der Luther-Übersetzung, dann können wir mal gucken, wie sich das so für uns jetzt anhört oder anliest und was wir daraus entnehmen können. Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleib. Also du heißt jetzt Gott. Gott, ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.

Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde. Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereit war. Und alle Tage waren in deinem Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war. Ja, ein schöner poetischer Vers, eine Hymne an das Leben, an die Dankbarkeit an Gott, dass Gott eben den Menschen im Mutterleib gebildet hat und geformt hat. Er ist wunderbar gemacht, seine Existenz ist gewollt und gesehen und zwar von Gott, noch bevor sie für Menschen sichtbar wird.

Und daraus folgt eben, dass aus diesem Vers interpretiert wird, dass das Leben schon vor der Geburt eine Bedeutung hat und nicht erst mit der Geburt bzw. nach der Geburt. Und den Jeremia, den hatten wir ja auch schon zweimal jetzt als Zitatenquelle, aber was steht denn da genau? In Jeremia 1,5 Ja, das bedeutet, dass man Gott hier eben zu Jeremia spricht, der ja ein großer Prophet des Alten Testaments war.

Und das geht ja deutlich daraus hervor, dass Gott den Jeremia schon kannte, bevor er überhaupt geboren wurde. Und daraus wird dann natürlich theologisch verallgemeinert, dass jeder Mensch von Gott gewollt und von Gott berufen ist, noch bevor er für andere Menschen sichtbar ist. Das heißt also, wenn man diesen Standpunkt vertritt, dann ist jede Abtreibungsmaßnahme im Grunde genommen eine Ablehnung von Gottes Willen, quasi eine Sünde und man versündigt sich an dem Willen Gottes.

Ja, dann gibt es aber auch noch kleinere sektiererische Gruppen und die haben in der Regel, sind die auch der Meinung, dass es eben mit der Befruchtung losgeht und manche sogar, dass es sogar vor der Zeugung das Leben schon beginnt. Nämlich in dem Moment, wo Gott überhaupt den Willen hat, dass ein Mensch geboren werden möge. Wenn also die Zeugung ein Resultat des göttlichen Willens ist und nicht nur ein biologischer, chemischer oder sonstiger Akt,

dann muss ja zuerst Gottes Wille sein und dann erfolgt die Zeugung. Das heißt, die Seele muss ja schon da sein, denn das haben wir ja beim Katholischen gehabt. Die Seele kommt im Moment der Geburt, im Moment der Zeugung in diese kleine Zelle rein, da ist die Seele dann schon drin, von Gott sozusagen eingepflanzt, in dem Moment der Verschmelzung von Samenzelle und von Ei. Und dementsprechend ist dann, wenn sogar schon die Verschmelzung von Samenzellen und Ei ein Resultat des göttlichen Willens ist, dann kann man sagen, dann ist also im Grunde genommen das Leben schon vorgeplant von Gott und deswegen ist es eigentlich schon die Seele.

Die ist jetzt nur noch nicht im Körper drin. Und dementsprechend sehen dann solche Gruppierungen Abtreibung ja grundsätzlich eher auch als Mord an, selbst wenn es eben um kriminalistische Schwangerschaften geht, also eben um Vergewaltigung oder aber wenn es irgendwelchen medizinischen Probleme geht, das heißt um das Leben der Mutter. Und dementsprechend, muss man sagen, schon eine relativ radikale Ausrichtung, das muss man klipp und klar sagen. Aber wir sehen, wir haben quasi innerhalb des Evangelischen zwei bis drei verschiedene Hauptrichtungen.

Und je nachdem kann man da auch ganz unterschiedlicher Meinung sein, ob man eben eine Sünde begeht oder aber ob man sich doch beraten lassen kann oder ob die Interessen der Frau von Bedeutung sind, ob eben Vergewaltigungsopfer besonders zu behandeln sind oder nicht und so weiter und so weiter. Das heißt also, wir sehen, im christlichen Glauben ist ja auch so ein Potpourri, zwar mit der Tendenz, es ist doch mehr so an den Anfang zu legen, aber auch nicht so ganz. Das heißt also auch hier sehen wir, eigentlich ist ja die Religion dafür da, dem Menschen Sicherheit zu geben. Diese Sicherheit in dem Sinne haben wir denn nicht.

Denn wer will denn jetzt objektiv unterscheiden, dass die Position der katholischen Kirche die richtige ist oder die der evangelischen oder die der Freikirchen? Was meinen Sie? Schreiben Sie das mal unten rein. Gibt es da ein Kriterium für oder ist das würfel? Was ist es? Ja, das heißt, wir haben also eine extrem große Spannweite und damit unterscheidet sich das eigentlich gar nicht so sehr von dem, was wir bei den Naturwissenschaftlern haben.

Das heißt, in der Kulturwissenschaft haben wir ein Potterie, ein Strauß von sechs Hauptrichtungen mit 40 bis 50 Unterarten. Im Christlichen haben wir drei Hauptrichtungen, Katholizismus und dann noch mehrere Unterarten innerhalb des Evangelischen. Und alle sind sich nicht ganz einig. Vielleicht sollten wir da mal eine Religion weitergehen.

Vielleicht wissen die es ja besser. nämlich die Juden. Im Judentum ist ja ein bisschen älter als das Christentum. Da ist man ja streng hochgläubig. Und da gibt es ja die Bibel, die Thora. Und was steht denn da eigentlich? Und da gibt es also allenfalls nichts Konkretes, außer in der Schöpfungsgeschichte. In Kapitel 2, Vers 7 Da heißt es, und Gott blies den Lebensodem in seine Nase und der Mensch wurde eine lebendige Seele.

Ja, also das ist jetzt so ein bisschen schwierig. Also er hat schon eine Nase, aber erst wenn Gott eben den Atem des Lebens dort reinbläst, also wenn die Atmung beginnt, dann wird er erst eine lebendige Seele. Also das würde ja bedeuten, dass man aus dieser Sicht, wann Mensch wird, mit dem ersten Atemzug, also das heißt nach der Geburt, nach dem Durchtrennen der Nabelschnur und wenn das Kind den ersten Atemzug macht.

Wenn das Kind jetzt zum Beispiel irgendwelche gesundheitlichen Probleme hat und vielleicht erstmal in irgendeine Atemmaschine angeschlossen werden muss und erstmal zwangsbeatmet werden muss, kann sich das unter Umständen sogar noch ein Weilchen hinziehen. Und das finde ich ja ganz interessant, denn den Gedanken hatten wir bisher bei den anderen Theorien noch nicht, bei den anderen Perspektiven, dass also das Leben erst nach der Geburt beginnt, also das menschliche Leben. Ja, es gibt natürlich eben außer dem Alten Testament im Jüdischen auch noch den Talmud, wo eben mündliche Lehren schriftlich mal aufgeschrieben wurden.

Da gibt es verschiedene Hauptwerke, eben einmal so Rechtwechungsthemen und auch Diskussionen und Analysen. Die Mischner und der Gemara wollen wir jetzt im Detail nicht darauf eingehen. Meistens, auch selbst beim Talmud, gibt es eben zwei Hauptrichtungen und in der Regel nimmt man dann den babylonischen statt den jerusalemischen. Das brauchen wir jetzt als Europäer und als Christen jetzt im Detail nicht zu unterscheiden. Und dann die Frage ist, was steht da drin?

Und da heißt es zum Beispiel in Talmud, Jevamut 69b, bis zum 40. Tag ist es wie Wasser. Das heißt, es ist noch gar nicht fest, es ist überhaupt nichts Substantielles, was heißt bis dahin, bis zum 40. Tag. Der 40. Tag ist also quasi Ende der 6. Woche, 6 mal 7 Tage sind 42. Da besitzt der Embryo keinen eigenen Personenstatus, also da ist ja noch kein Mensch. Und im Mishnah Walut 7.6. heißt es,

der Fötus darf bis zum Austritt des Kopfes geopfert werden, um das Leben der Mutter zu retten. Bis zum Austritt des Kopfes. Das heißt was? Bis zu dem Moment, wo der Geburtsvorgang schon eingesetzt hat und der Kopf schon das Licht der Welt erblickt hat. Der atmet dort zwar vielleicht noch nicht selber, aber es ist schon nicht mehr in dem schützenden Gebärmutter-Bauchraum der Mutter,

sondern ist schon mit dem Kopf in der Welt. Und solange das noch nicht passiert ist, solange darf der Fötus geopfert werden, um das Leben der Mutter zu retten. Ist ja auf jeden Fall doch schon mal eine ganz interessante Sichtweise, die wir hier haben, dass also quasi Abtreibung bis zum Moment der Geburt im Grunde genommen zulässig wäre nach dieser Lehre. Fassen wir das also mal kurz in einer Tabelle zusammen,

dann gibt es also im Grunde genommen mehrere Möglichkeiten. Entweder es sind die 40-Tage-Regelungen, also vor den 40 Tagen grundsätzlich. Tatsächlich, ja, wenn man das eben begründen kann, weil es ja eben noch nichts Echtes ist, so 40 Tage bis vor der Geburt. Ja, wenn die Mutter in Gefahr ist während der Geburt, ja, unter Umständen ja, je nachdem, welche Position man betreibt. Das heißt, wenn die Mutter in Lebensgefahr ist, dann schon, sonst aber nicht.

Und nach der Geburt im Prinzip ja nicht. Also sprich, wenn die Geburt komplett vollzogen ist, dann eben nicht mehr. Ja, und das sind natürlich die alten Lehren. Und die neuen Lehren, die orientieren sich aber daran, haben aber ähnlich wie bei uns in den evangelischen Lehren, gibt es da verschiedene Richtungen, orthodox, konservativ, Reformjuden, reformkonstruktionistisch. Die alle ja unterschiedliche Meinungen haben, Moral von der Geschichte, auch die Juden wissen es nicht. Und damit sind wir ja doch wieder einen Schritt weiter und müssen feststellen, der Rätselslösung sind wir jetzt schon bei der zweiten Religion nicht wirklich näher gekommen.

Ja, also fassen wir einfach nochmal ganz kurz zusammen beim Judentum. Was haben wir? Im Prinzip gibt es da eine pragmatische Abstufung, wo man sagt, ja eigentlich fängt die Person schon mit der Geburt an, erst mit der Geburt an und mit dem ersten Atemzug. Und der Fötus ist im Grunde genommen, also sprich der Embryo ist, solange er noch nicht geboren ist, ist im Grunde genommen juristisch gesehen ein Teil des mütterlichen Körpers und keine vollwertige Person. Und der darf dann auch abgetrieben werden, insbesondere zur Rettung oder zum Schutz der Mutter.

Ja, die dritte abrahamitische Religion ist der Islam. Und vom Islam wissen ja die meisten Europäer am wenigsten. Und ich möchte aber doch im Rahmen dieses kleinen Seminars oder dieses Vortrages auch ein bisschen darauf eingehen, wie dort gedacht wird. Dann haben wir natürlich einmal den Koran und der Koran, der sagt, dass es doch eine embryonale Entwicklung in mehreren Stufen gibt, aber da gibt es keinen genauen Beginn.

Das heißt, in der Suche 23, Verse 12 bis 14, da heißt es, und wir erschufen den Menschen aus einem Auszug aus Leben, dann machten wir ihn zu einem Samentropfen, dann zu einem Anhängsel, dann zu einem Embryo, dann zu Knochen, dann bekleideten wir die Knochen mit Fleisch und dann bildeten wir ihn zu einer anderen Schöpfung. Also ein ganz klares, graduelles Stufensystem. Aber es wird nicht gesagt, wann genau auf welcher Stufe es anfängt. Diese Frage wird dann aber später beantwortet in den prophetischen Überlieferungen, den Hadith.

Und da gibt es also einen wichtigen, auf den viel zitiert wird, nämlich, dass es dann die 40-Tages-Regel gibt. Also in 40 Tagen ist es ein Tropfen, weitere 40 Tage ein Anhängsel und weitere 40 Tage ein Klümpchen. Und erst danach wird die Seele eingehaucht durch einen Engel. Das heißt, das wird so verstanden, dass die Seele nach 120 Tagen eingehaucht wird. Also 120 Tage heißt nach vier Monaten.

Und auch hier haben wir ähnlich wie im Jüdischen, die Seele wird eingehaucht. Aber anders als im Katholischen, wo die Seele schon bei der Befruchtung da ist. Jetzt aber ist sie erst nach 120 Tagen da, zumindest nach dieser Lesart. Diese Lesart ist aber durchaus auch nicht so allgemein verbindlich, denn wir dürfen nicht vergessen, auch im Islam gibt es keine zentrale Rechtsschule oder Glaubensschule, sondern auch dort gibt es unterschiedliche Meinungen.

Und je nachdem, ob man nun ein Hanafit, ein Shafit, ein Malikit oder ein Hanbalit ist, kann man sich den Zeitpunkt der Beselung entweder nach 120 Tagen vorstellen oder auch ab der Befruchtung oder irgendwann zwischen den 40 oder 120 Tagen. Und dementsprechend ist es ja auch mit der Abtreibung, die dann von dieser Art von Definition dann abhängig ist, ob man abtreiben darf oder nicht. Also die Hanafiten, die sagen ja, nach 120 Tagen wird die Seele eingehaucht,

ja dann darf da auch nicht mehr abgetrieben werden. Die Schafiiten sind überwiegend auch der Meinung, die Malikiten sind ja dann eben ein bisschen radikaler, ähnlich wie die Katholiken und sagen, nein, ist ja schon ab der Befruchtung, also grundsätzlich Abtreibung verboten. Und die Hanbaliten, je nachdem welchem System und Tagen sie dann anhängen. Also auch dort haben wir, ich sage mal, keine expliziten Aussagen zum Beginn des menschlichen Lebens und allenfalls eben die 120 Tage und was vor 120 Tagen, also innerhalb der ersten 120 Tage passiert, das ist im weitesten Sinne Ermessenssache, je nach Glaubensinterpretation.

Aber nach den 120 Tagen könnte man sagen, da sind sich dann die meisten doch einig, das wollen sie dann eher nicht. Also auch beim Islam derselbe Kuddelmuddel, dieselbe Ahnungslosigkeit. Wobei ich jetzt mal zu mich sagen muss, es gibt drei Religionen und alle Religionen sind ja der Meinung, dass sie einen guten Draht zu Gott haben. Der Draht ist so gut, dass sie noch nicht mal sich darüber einig sind, wann das Leben beginnt.

Was sagt mir das jetzt über die Qualität der Telefonverbindung zu Gott? Gott. Bleiben Sie es mal unten in die Kommentare. Wie Sie das finden, dass diejenigen, die so sicher sind, wie das genau funktioniert, dass die Seele in den Körper eintritt, dass Gott den Hauch durch die Nase gibt, darüber sind Sie sich ganz sicher. Aber Sie sind nicht dazu in der Lage zu sagen, wann genau das erfolgt. Sie sind nicht dazu in der Lage,

sich zu einigen. Gott ist nicht dazu in der Lage, die Schriften so zu veranlassen, dass es nur eine Schrift gibt, die ganz eindeutig ist. Das ist also schon, finde ich, mal schlicht gesagt, ein Armutszeugnis. Meine ich. Sehen Sie das auch so? Oder sagen Sie, naja, Herr Zolz, ist mir doch wurscht. Ja, wen kann man noch befragen? Und

diejenigen, die sich dann von der Religion mental losgelöst haben, Das sind ja dann die Denker, die Philosophen, die Schriftsteller, die Kulturtreibenden, die nicht mehr religiös orientiert sind, die philosophisch-ethisch denken und die dann, die auch nicht immer so wissenschaftlich denken, die sind mehr so Moral und Ethik. Und da muss man sagen, diese Diskussion ist auch vielfältig, da gibt es nämlich drei Hauptmodelle und das ist das sogenannte Potentialitätsargument, das Bewusstseinsargument und die sogenannte gradualistische Position.

Wir sehen, wir treten in den Bereich der Kopfsexeien, dementsprechend werden die Begriffe schon ein bisschen theoretisch schwieriger. Aber ich denke, wir können uns dem doch ganz gut annähern, wenn wir uns weiter konzentrieren. Also das Potentialitätsargument beruht auf der Kernthese, dass ein Embryo zwar noch kein vollentwickelter Mensch ist, aber er hat das Potential, einer zu werden. Er könnte es werden. Und weil er das werden könnte, deswegen ist er im Grunde genommen schon ein Mensch.

Und insofern ist das ja quasi die katholische These, nur eben jetzt ohne Gott. Und ob da jetzt außer Samenzelle und Einzelle noch eine Seele benötigt wird, das ist jetzt hier erstmal noch gar nicht drin. Hier geht es nur darum, dass im Grunde genommen der Moment der Befruchtung das Potenzial enthält, dass dieses Potenzial ein Mensch werden könnte und dann ist es im Grunde genommen aus dieser Sichtweise auch ein Mensch. Das heißt, die Würde ergibt sich daraus, wie manche Autoren sagen, ergibt sich aus dem Sein, nicht aus dem Können. Also weil es das ja schon in sich hat, obwohl es es noch nicht verwirklicht hat, deswegen gilt das.

Und würde man jetzt ein solches Wesen abtreiben, dann nimmt man ihm seine Zukunft. Man nimmt ihm quasi sein zukünftiges Leben. Und tatsächlich müsste man also eben sein Wesen, das dieses Potenzial inne hat, das muss man so schützen, dass es sein Potenzial auch ausüben kann. So, und das finde ich ist ja durchaus eine nachvollziehbare Argumentation, aber ist im Grunde genommen ja die radikale Anfangsthese, die wir bei den anderen Bereichen in den Religionen teilweise ja auch schon hatten.

Die zweite Sichtweise ist das Bewusstseinsargument. Ein Wesen muss bewusst sein. Das hat jetzt bestimmte Nebenbedingungen. Es muss bewusst sein, es muss empfindungsfähig sein und es muss dazu fähig sein, bestimmte Interessen haben zu können. Das heißt, es muss wollen können, es muss Bedürfnisse haben. Also etwas, was nur er finden kann, aber keine Bedürfnisse hat oder was noch nicht einmal bewusst ist, das ist dann eben ein Mensch.

Und das hat dann auch aus dieser Sicht kein Lebensrecht. Das heißt, nur bewusste Wesen haben ein Lebensrecht und der Wert des Lebens allgemein hängt eben von der Fähigkeit zur Präferenzbildung ab. Und mit Präferenz ist eben dieser innere Vorgang gemeint, dass jemand für sich entscheidet, dass er bestimmte Wünsche hat, die er gerne erfüllt haben will. Und wenn er also einen eigenen Willen hat, dann hat er eine eigene Präferenz gebildet.

Und das ist eine der Voraussetzungen, die manche Philosophen meinen, die ein Mensch haben muss, um Mensch zu werden. Und auch moralische Ansprüche, was man tun sollte, was man nicht tun sollte, auch das können nur empfindende Wesen besitzen und nur die sind dann quasi entsprechend Menschen. So, und daraus folgt, dass wir hier, ich möchte nochmal das genauer differenzieren, dass wir aber hier jetzt den Begriff des Lebens quasi mit einem anderen unbekannten Begriff ersetzt sehen, nämlich dem des Bewusstseins.

eins, was genau ist denn jetzt Empfindung? Was genau ist denn jetzt eine Präferenzbildung? Woran mache ich das denn fest? Was gilt denn tatsächlich als eine valide, anerkennenswerte Empfindung? Das heißt, wir bewegen uns jetzt hier in einen zweiten obskuren Begriff hinein und ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn wir jetzt die Frage stellen werden, Was ist denn Bewusstsein? Wir wahrscheinlich auch 40 bis 50 verschiedene Meinungen bekommen würden, wenn wir das genau untersuchen. Insofern ist diese Bewusstseinsposition nicht so überzeugend, finde ich.

Und dann haben wir aber noch die dritte These innerhalb des philosophisch-ethischen Rahmens, nämlich die sogenannte gradualistische Position. Und was will die? Die sagt, dass es eben stufenweise mit der Entwicklung des Embryos vorangeht und danach dann eben zu entscheiden ist, ob er schon menschlich ist oder auch nicht. Aber da gibt es eben keine scharfe Grenze, sondern die Moralität, also was man tun darf und was man nicht tun darf, das ist dann eben Schritt für Schritt von der Entwicklungsstufe abhängig. Und jetzt könnte man sagen, ja, aber welche Stufen gibt es denn da?

Ja, so und diese Stufen, die hat man abgebildet, ja und das sind dann 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, nämlich also einmal die Befruchtung, ja, also das ist quasi das Kleinste, da fängt das Leben an, so dann, wo sich das Ei eben einnistet, ja, so dann ist das schon ein gewisser Mehrschutz, dann eben diese 40-Tage-Regelung, die man aus der jüdisch-islamischen Tradition dann wohlgenommen hat, Dann eben mit dem Beginn des ersten Herzschlages, dann mit dem Aktivieren des Gehirns, damit meint man eben die Empfindungsfähigkeit dann definieren zu wollen und dann eben die Eigenlebensfähigkeit.

Also 23. Woche ist ja quasi ungefähr fünfter Monat, vierter Monat, also ungefähr in dem Bereich, wo quasi der Embryo im weitesten Sinne schon ausgebildet ist. Da sagt man ja, dann ist das schon juristisch relevant. Um die Geburt natürlich, dann ist klar, dann hat er einen vollen Rechtsstatus als Mensch.

So, dementsprechend muss man also sagen, jawohl, die Rechte, die dem Embryo zugewiesen werden, sind also zwar von Anfang an da, aber von ganz wenig Rechten bis zu immer mehr Rechten und diese Rechte bestehen, sind an seine biologische Entwicklung quasi angekoppelt und die angekoppelter die sind, je mehr er sich biologisch entwickelt, desto mehr Schutzrechte darf er auch erwarten. Und dementsprechend ist also auch die Ethik, das heißt, ob man den abtreiben darf oder nicht, davon abhängig, wie weit sich der Embryo tatsächlich entwickelt hat.

Und man könnte das auch verkürzt sagen, wenn man die drei Positionen mal genauer vergleichen will. Ich will jetzt gar nicht in die ganze Tabelle reingucken, sondern schauen Sie einfach in die unterste Zeile rein, in diese hier, wo es heißt, wo das quasi in einem Satz kundgetan ist. Beim Potentialitätsargument, da heißt es, es geht darum, was der Embryo oder das befruchtete Dingens werden kann.

Beim Bewusstseinsargument wird die Position auch eingenommen, wie es von innen aus Sicht des Embryos aussieht. Hat der schon ein Erleben, ja oder nein? Und beim gradualistischen Argument, da geht es darum, drum, was ist es denn gerade, unabhängig davon, ob es jetzt bewusst ist oder nicht. Das heißt, dieser Gradualismus bestimmt ja einen Außenmaßstab, wo andere beurteilen, wie weit das entwickelt ist. Also auch hier haben wir durchaus nachvollziehbare Positionen in dieser Frage,

was Leben ist und wann es beginnt, aber auch keine feste Antwort. Das heißt, wir sind ja so schlau als Ja, und das ist im Grunde genommen die Grundvoraussetzung, die jetzt für jeden europäischen, mitteleuropäischen, westlichen, kanadischen, amerikanischen, also nordamerikanischen oder australischen Staat, also was so der westliche Kulturraum ist, die gegeben ist.

Und dann machen die einzelnen Länder natürlich ihre eigenen Gesetze dazu. Das heißt, da ja weder die Biologie noch die jeweils dort geltenden Religionen eine eindeutige Antwort bieten, aber ja doch gesetzlich, dass irgendwie geregelt werden muss, ist eins klar. Es werden in jedem Land völlig andere Gesetze sein. Und da gibt es auch dort natürlich keine universelle Antwort.

Die kann es da gar nicht geben. Aber für uns ist mal interessant, wie ist es denn in Deutschland geregelt? Und da haben wir gleich drei verschiedene Regelungen, nämlich einmal das, was im Grundgesetz steht. Dann haben wir das, was im Zivilrecht zu regeln ist und was im Strafrecht zu regeln ist. Und was haben wir denn da? Oder unser Grundgesetz sagt in Artikel 2, Absatz 2, jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unverwertung. Die Freiheit der Person ist unverletzlich.

Und jetzt ist es aber ganz interessant, gucken Sie genau hin. In diese Rechte darf nur aufgrund eines Gesetzes eingegriffen werden. Das heißt, diese Rechte sind nicht unverletzlich. Also erst heißt es, die Freiheit der Person ist unverletzlich. Und gleich im nächsten Satz heißt es, so unverletzlich ist es ja nicht, denn durch ein Gesetz kann ich da sehr wohl eingreifen. Und zwar in was genau? Nicht nur in das Gesetz auf körperliche Unversehrtheit, sondern auch in das Gesetz des Rechtes auf Leben.

Und das ist doch eigentlich ein Hammer. Haben Sie sich das mal wirklich bewusst gemacht vorher, vor diesem kleinen Vortrag von mir hier, vor dieser Analyse, dass das da so drinsteht, dass das, was wir so hoch und heilig halten, das Recht auf Leben und Recht auf körperliche Unversehrtheit, doch gleich eine Nottür hat. nach dem Motto machen lassen, so ein Gesetz machen, dann werden wir das alles ad absurdum führen.

Und Tatsache ist, es gab ja dann eben auch Probleme mit dem Thema Abtreibung. Und im Jahr 1975 gab es dann eben ein Urteil dazu und das wurde dann 20 Jahre später, 1993, nochmal bestätigt. Das heißt es sinngemäß, das ungeborene menschliche Leben, den vom Zeitpunkt der Befruchtung an unter dem Schutz des Artikels 2 Absatz 2 Satz 1 und Gesetz.

So, was war das nochmal? Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. So, das ist also bestätigt worden. Ja, aber trotz der Bestätigung kann es ja durch Gesetz wieder genommen werden. Also ist ja die Frage, was regeln denn die Gesetze eigentlich? Und da wird ja Bezug genommen auf das Abtreibungsurteil von 1975. Aber da kommen wir erst als übernächstes hin. Ich will zunächst einmal hin, was ja noch im BGB im Zivilrecht steht.

Denn dort heißt es im § 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches, die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung der Geburt. Moment, die Rechtsfähigkeit mit der Vollendung der Geburt. Und was ist vorher? Vorher gilt der Embryo als Naskiturus. Er kann unter Vorbehalt Rechte erwerben. Das Naskiturus kommt vom Lateinischen geboren werden. Also der Naskiturus ist derjenige, der im Prozess des Geborenwerdens drin ist, also eben der Embryo. Also der Embryo, der noch nicht geboren ist, kann unter bestimmten Voraussetzungen Rechte erwerben, zum Beispiel ein Erbrecht und ähnliche Dinge.

Das heißt also, wir haben hier zumindest im Zivilrecht eine ganz klare Aussage, als Embryo hast du beschränkte Rechtsfähigkeit, volle Rechtsfähigkeit hast du, wenn du geboren bist. Und dann kommen wir zurück zu dem Strafgerechtsstrafparagrafen 218, dem Schwangerschaftsabbruch. Da ist die wichtigste Sätze jetzt mal für unseren Wecke hier. Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Auch der Versuch ist strafbar. Also es schon zu versuchen ist nicht erlaubt. Aber wenn es die Schwangere selbst ist, so kann das Gericht von Strafe absehen oder die Strafe mildern kann. Das heißt also, Ermessungssache des Gerichts. Und die Tat ist nicht rechtswidrig, wenn einer der Ausnahmetatbestände aus § 218a ist, die erfüllt wird. Das heißt, hier haben wir also genau den Punkt, der ja schon im Grundgesetz eben drinsteht, nämlich in diese Rechte darf nur aufgrund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Und dieses Gesetz haben wir hier eben, nämlich Paragraf 218 und Paragraf 218a, der Ausnahmen definiert. Und die Ausnahmen sind also, dass man zum Beispiel unter bestimmten Bedingungen, man hat sich beraten lassen, es gibt eine medizinische Indikation, und dann die weiteren Paragrafen, die hier von Bedeutung sind, den Schwangerschaftsabbruch darf also niemand durchführen, der kein Arzt ist. und wenn ein Arzt seine Pflichten nicht ordentlich durchführt,

dann ist das auch unter Strafe stehend. Das heißt, wenn man sich fragt, was sind denn die Ausnahmeregelungen, einmal eben die Beratungsregel, dass man sich beraten lassen muss und drei Tage warten und dann kann der Eingriff durch den Arzt erfolgen, aber nur bis zur zwölften Woche. Wenn aber eine medizinische Indikation vorliegt, Sprich also Gefahr für Leben oder Gesundheit der Mutter, dann gibt es keine Befristung. Es gibt keine Befristung. Also es könnte theoretisch sein, dass bis einen Tag vor der Geburt alles gut läuft und dann aber Gefahr für Leib und Leben sind.

Ja, und dann denken wir mal daran, was zum Beispiel die Kandidatin für das Bundesgerichtshof, Frau Frauke Brosius-Gersdorf, gesagt hat. Genau das hat die ja auch nochmal zur Diskussion gestellt, worüber sich so viele aufgeregt haben. Aber im Grunde genommen ist das ja jetzt schon die Rechtslage immer. Das ist ja nichts Neues. Und dann ist eben noch die kriminologische Indikation, nämlich, dass Schwangerschaften durch Vergewaltigung bis zur zwölften Woche abgetrieben werden dürfen, danach aber nicht mehr.

Ja, dann könnte man sagen, warum rächt man sich dann jetzt auf? Ist doch alles geregelt. Nein, es ist nicht alles geregelt, denn seit ein paar Jahren wird eben diskutiert, dass man diesen Paragrafen irgendwie noch verändern, reformieren sollte oder einfach aus dem Strafgesetzbuch rausnimmt. Und ob man das nicht einfach irgendwie anders regeln kann. Das heißt, vielleicht irgendwie im Zivilrecht. Keine Ahnung, was man sich da vorstellt. Aber auf jeden Fall, das Thema ist weiter in der Diskussion.

Also Moral von der Geschichte. Wir sehen also, dass auch bei uns in Deutschland, obwohl eigentlich Bundgesetz klar sagt, nein, aber dann gleich wieder Türen öffnet und wir dann eben Gesetze haben, die das auch megelnd, aber selbst dieses Gesetz, was wir haben, ist dann auch wieder in Diskussion und wird vielleicht ganz abgeschafft oder grundlegend geändert. Also sprich, da gibt es ja auch gar keine Rechtssicherheit. Jetzt natürlich schon, die geltenden Gesetze gelten, aber es ist ja keine objektive Sicherheit.

So, und wenn wir das mal ganz zusammenfassen, den ganzen Plotpuri, den ich jetzt hier vorgetragen habe, was haben wir denn da eigentlich? Wir haben also verschiedenste Lehren, die sich irgendwie mit dem Thema befassen. In der Biologie gibt es quasi nichts. Da sind sich die völlig uneinig. Im Katholizismus legt man sich ganz klar fest auf die Befruchtung. Im evangelischen Befruchtung oder Graduationstheorie, im Judentum gibt es verschiedene Meinungen, aber das Leben beginnt erst im Grunde genommen mit dem ersten Atemzug. Im Islam ist die 4-Monats-Regel oder 120-Tage-Regel, davor gibt es verschiedene Schutzzonen, in der Philosophie unterschiedliche Meinungen.

Und im deutschen Recht sagen wir, ja, wir haben zwar eigentlich Schutz ab der Geburt, aber im Einzelfall eben doch gar nicht, in Ausnahmefern. Ja, und jetzt stehen wir da und fragen uns, und du, was bedeutet das? Was bedeutet das, dass niemand weiß, wann das Leben anfängt? Niemand. und Sie haben eine ganz feste Meinung

und Sie wissen das, ganz sicher, was alle anderen nicht wissen und dann glauben Sie, dass Sie dann mit anderen darüber diskutieren müssen und die von Ihrer Meinung zu überzeugen oder das an der Glaubensrichtung und im Unrecht sind. Also ich persönlich meine, was wir hier raus lernen können, ist etwas ganz Interessantes, nämlich, dass wir nichts wissen, absolut nichts.

Wir wissen noch nicht mal, was wir sind. Wir können noch nicht einmal sagen, wenn wir sagen, wir leben, was wir damit überhaupt meinen. Der eine meint dies, der andere meint das. Was bedeutet das? Bedeutet das nicht, dass wir in Wirklichkeit gar nichts wissen? Selbst in einer so zentralen Frage, wo so viele Leute daran gearbeitet haben,

wo selbst die Wissenschaftler 40 bis 50 Meinungen haben, wo selbst die Juristen unterschiedliche Meinungen haben, wo selbst die Leute, die mit Gott in persönlicher Verbindung stehen, unterschiedliche Meinungen haben. Aber Sie haben eine klare, feste Meinung, die für alle gelten soll? Ja, also ich glaube, diese Meinungsvielfalt, die uns hier entgegenschlägt zu einem so einfachen Begriff, was ist Leben und wann fängt es an, sollte uns vielleicht ein bisschen mehr bescheiden machen, ein bisschen mehr toleranter machen.

Und zu sagen, ich, weil ich den und den Glauben habe und an die und die Wissenschaft glaube oder an das und das Rechtssystem, deswegen bin ich der Meinung, dass Leben das und das ist. Aber ich bin mir voll bewusst, dass noch viele, viele andere Meinungen möglich sind und dass die genauso berechtigt sind wie meine. Denn ob meine objektiv ist oder lediglich eine Mehrheitsmeinung, die gerade da gilt, wo ich wohne, gerade in der Gegend gilt, wo meine Religion ist, aber 100 Kilometer weiter gilt sie schon nicht mehr, weil dort hat man eine andere Auffassung.

Also vielleicht sollten wir bei diesen Dingen ein bisschen mehr die heiße Luft rauslassen und uns einfach auf die Fakten begrenzen, bescheiden sein und sagen, die bloße Tatsache, dass ich jetzt erkenne, dass ich nichts weiß, ist ein wahrer Erkenntnisgewinn, den ich vielleicht vorher noch gar nicht hatte. In diesem Sinne hoffe ich, wir haben ein bisschen was aus diesem Video mitgenommen.

Bis zum nächsten Mal. Die Welt Klar Sehen. Klar sehen, clever denken, frei handeln. Die Welt Klar Sehen.

Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Embryo Status | Ab wann beginnt Menschsein? | Grenze Leben“, Die Welt Klar Sehen, 20.07.2025.

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Analytischer Fachvortrag zur Frage, ab wann Leben beziehungsweise Menschsein beginnt, aus vier Perspektiven: Biologie, Religion, Philosophie und deutsches Recht. Fazit: Keine der Disziplinen liefert eine eindeutige, allgemeingültige Antwort.

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