Aufwachen....JETZT !!! | Wie wir die Freiheit verschlafen12.12.2025
Abschrift
Abschrift des Videos vom 12.12.202531 Abschnitte
Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.
Heute geht es um ein Thema, eine Eigenart der Deutschen, nämlich den deutschen Michel. Sie wissen nicht, was ich meine. Den meine ich hier, diesen etwas gemütlichen, schlafmützigen Menschen. Das ist der deutsche Michel. Ja, wo kommt der her? Warum gibt es ihn überhaupt? Was soll er sagen? Vor allen Dingen gilt er heute noch? Sind wir heute noch Deutsche, Michael? Und was bedeutet das für die Zukunft? Diese Fragen werde ich in diesem Video eindeutig beantworten. Klar sehen, clever denken, frei handeln, die Welt klar sehen. Ja, der deutsche Michael. Also nochmal, dass wir uns ihm mal richtig vergegenwärtigen. So sieht er aus. Die Frage ist nur, was bedeutet es? Was soll es genau eigentlich uns sagen? Also Faktum ist, dass es eigentlich... mit diesem Bildchen schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts so seine Bewandtnis hat. Nämlich speziell bei der deutschen Revolution 1848 hatten viele sogenannte Karikaturisten, das ist also eine besondere Art von sehr populären Journalisten damals gewesen, die haben den Deutschen so charakterisiert, nämlich als ein Symbol,
in diesem deutschen Michel oft, nicht immer, mit Schlafmütze dargestellt, um zu zeigen, dass der Deutsche gutgläubig ist, aber auch naiv und vor allen Dingen politisch träge. Das war eine Form von liebevoller Selbstkritik. Man muss fairerweise sagen, manche meinen, das ist aber eine Minderheit, die glauben, dass in Wirklichkeit der deutsche Michael jemand ganz anders ist, nämlich der Erzengel Michael. Dass also der deutsche Michael quasi eine verkindlichte, verniedlichte, vermaterialisierte Form einer hohen geistigen Wesenheit ist, nämlich eines Erzengels mit dem Namen Michael aus der christlichen Mythologie. Und wenn wir uns hier mal diesen Statuen befinden, die Bilder anschauen, was dort passiert. Dort ist also der Erzengel Michael aufrecht stehend mit dem Schwert in der Hand und dem Fuß auf den Kopf dieses dunklen Menschen, der den Satan darstellen soll.
In anderen Darstellungen wird der Satan dann nicht als böser Mensch dargestellt, der besiegt wurde, sondern als die Schlange der Satan, so wie wir ihn auch aus dem Testament kennen. Dass der Teufel und der Satan oftmals als selbe Person betrachtet werden und dass man eben das als die Schlange bezeichnet, die den Menschen verführt und Unheil bringt. Speziell diese Interpretation, dass der Deutsche Michael eigentlich eine abgeminderte Form des Erzengel Michaels ist, ist ein anthroposophisches Gedankengut, also derjenigen Lehre, die der Rudolf Steiner erfunden und begründet hat. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, was der Michael als Erzengel so getrieben hat aus Sicht der Anthroposophie, dann gehen Sie mal auf den Kanal von Axel Burkhardt. Der hat dort einige Videos zu diesem Thema gemacht. Das könnte durchaus ganz informativ sein.
Und wenn man dieser Lesart nämlich folgt, dann ist der deutsche Michel eben keine Schlafmütze, sondern er ist eigentlich ein geistiges Prinzip, das für Mut, für Wahrheit und für Kampf steht, und zwar wegen das Böse. Also er ist in Wirklichkeit ein Held. Ist das jetzt ein Widerspruch? Könnte ja sein, dass der Erzengel, als er auf die Erde gestiegen ist und der deutsche Michel wurde, einfach sein Selbstbewusstsein verloren hat, eingeschlafen ist und jetzt als, ja ich sag mal, schlafmützender, tragender Michel herumrennt. Könnte also, das wäre jetzt mal so eine spekulative Lesart, er könnte natürlich auch wieder erwachen werden. Können Sie sich natürlich fragen, wieso redet der Lose jetzt vom Michel oder vom Erzengel 1848, das ist schon alles lange her. Und die deutsche Gesellschaft ist doch ganz anders geworden und hat doch mit dieser Schlafmützigkeit gar nichts mehr zu tun. Ist das so?
Denken Sie mal daran, was der Deutsche über seine Zeit im Dritten Reich gedacht hat, dass er im Nachhinein der Meinung war, oh, da hatte ich ja ganz verschlafen, dass das gar nicht so toll war. Da hätte ich ja eigentlich gar nicht mitmachen wollen. Aber ich habe es gar nicht gemerkt und habe dann doch mitgemacht. Aber Gott sei Dank, das mache ich nie, nie, nie wieder. Und dann, dann kam auf einmal die DDR. Gerade wo man noch sagte, das mache ich nie, nie, nie wieder. Schon wieder in der Diktatur drin und macht fleißig mit. Nun ist die DDR vorbei. Jetzt haben wir ein geeinigtes Deutschland. Und manche meinen, dass wir schon wieder auf ein Reich zentraler Art zu wandern. Ein viertes Reich in Deutschland. Eine EU-DSSR in Europa. »Der Deutsche? Was denkt der?« »Alles. Fashion. Theorien.« »Noch gar nicht sein. Wüsste ich doch von. Ich lebe doch selbst im Besten aller Länder. Als stärkste Wirtschaftsnation. Demokratie. Meinungsfreiheit. Gut, es ist eigentlich manches nicht so toll. Aber...« »Überhaupt gar nicht sein?«
Also stellt sich die Frage, ob es tatsächlich mit dem schlafmützigen deutschen Michel, ist das wirklich seit 150 Jahren vorbei? Ich habe die Befürchtung, dass dem nicht so ist. Aber wenn wir mal an die Anfangsstory zurückgehen, 1848, das war ja das Ende von der Anfangsstory. Angefangen hat er alles mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches rund um das Jahr 1800 herum. Und das dann eben sein Ende nahm formal 1806, kurz nachdem Napoleon eben der allmächtige Sieger auf diesem Kontinent war. Und damit dann das Heilige Römische Reich deutscher Nation, was ja eh schon aus vielen Einzelstaaten, Bündlern bestand, war ja kein Zentralstaat. Dann blieb dann für den deutschen Bereich ein Flickenteppich von 30 Fürstentümern, Herzogtümern, Kleinstaaten und so weiter zurück. Die waren alle überhaupt gar nicht zentral organisiert. Es war sozusagen ein richtiger Sauhaufen. Dann hat man eben mit einem Anteil davon den Deutschen Bund gegründet, 1815. Das sah dann im Grunde genommen etwa so aus.
So aus. Da hat man dann eben gelassen und hat sich dann eben gesagt, wir müssen uns wieder zusammenschließen. Und das Ergebnis war dann eben ein doch mehrere Jahrzehnte dauerndes Bündnis von 1815 bis 1866. Also sprich doch über 50 Jahre. Und dann gehörte das dazu, was heutzutage eben auch als Deutschland bekannt ist, aber eben auch ganz Preußen, Westpreußen, Ostpreußen, Schlesien, Böhmen, Mähren, Weimar, Kärnten, Tirol und noch so manches mehr. Das heißt, das war also doch schon ein gar nicht so kleines Gebietchen. Aber insgesamt hatte man angefangen mit 38 Mitgliedstaaten, 34 Fürstentümer, vier freie Städte. Dann kamen später noch ein paar dazu und so kurz vor Ende wurde es dann wieder weniger. Und das war es dann eigentlich für diese Konglomeration des Deutschen Staatenbundes. Und dann kam ja kurze Zeit danach eben das Deutsche Kaiserreich.
Man muss sich vorstellen, wie die Stimmung damals eben war, dass eben nach diesem Wiener Kongress 1815, da war man eigentlich der Meinung, jetzt würde endlich alles besser werden. Und Tatsache war, es wurde aber nicht besser. denn die europäischen Monarchen wollten ihre alten Machtpositionen wieder haben. Und schon kurz nach diesem Kongress fing man also an, die Meinungsfreiheit einzuschränken, Zeitungen zu verbieten, Vereine, bestimmte politische Betätigung. Und es wurde eine regelrechte Art von Überwachungsgesellschaft für unerwünschte Meinungen eingeführt. Da kommt mir irgendwie Ich weiß nicht, woran mich das jetzt erinnert. 1815, 1819 und danach. An welche Zeit könnte man das noch assoziieren? Weiß ich jetzt nicht. Aber auf jeden Fall muss man sagen, dass in dieser Zeit, wo man eigentlich dachte, es wird besser, wurde es eben schlechter. Und zwar insbesondere für das sogenannte Bürgertum.
Bürgertum waren alle, die gebildet waren, Lehrer, Juristen, Professoren, aber auch die ganzen Wirtschaftsleute, also die Kaufleute, die dachten ja, wir tragen aktiv zum Bruttosozialprodukt bei und da möchten wir auch mitbestimmen. Aber nee, durften die nicht. Die wurden im Grunde genommen ausgeblendet. Sie durften sich politisch nicht beteiligen, obwohl sie ja erheblich zum Gelingen des Staates beitrugen. Das heißt, alle Hoffnung auf Reformen nach 1815 wurden faktisch enttäuscht. Und in diesem Zeitraum, da kam dann jetzt eben bei den Karikaturisten, eben diesen populären Journalisten, die Mode auf, den Deutschen eben zu typisieren. So, und hat man eben gesagt, ja der Deutsche, der ist irgendwie so eine Art von Schläfer. Also er kriegt irgendwie die Realität nicht so ganz mit. So jahrzehntelang hat der Deutsche zugeschaut, wie ihm die Freiheit, die Einheit, politische Mitbestimmung ja entzogen wurde. Und er hat nichts gemacht, obwohl er die Bildung hatte, also das Wissen. Er hatte die Mittel, er hätte was tun können. Die Bevölkerung wollte es, aber es passierte nichts. Absolut nichts.
Und das sieht man eben jetzt hier in einem solchen Beispiel. Also einmal hier jetzt in dieser Collage links, da sehen wir eben die Einschränkung der Meinungsfreiheit, dass dem liberalen Journalisten von Amts wegen eben die Zeitung weggenommen wird. Dann sehen wir die Akademiker, die zwar viel reden, aber nichts tun. Und dann sehen wir das darbende Volk, weil es mit der Wirtschaft eben nicht ganz so doll war zu dem Zeitpunkt. Und wenn man sich fragt, was genau haben denn die Deutschen da? Aus Sicht der zeitgenössischen Kritiker, sie haben verschlafen, sich einen nationalen Staat zu schaffen, eine nationale Einigung, so wie das eben Frankreich, Italien und andere Länder in Europa dann doch geschafft haben nach der Abschaffung der Monarchien. Sie haben sich nicht genügend um die Pressefreiheit und um andere demokratische Reformen gekümmert. Sie hatten keine vernünftige Volksvertretung. Die Gewaltenteilung wurde ewig unterdrückt. Und es gab keinen nennenswerten Widerstand.
Dann gab es auch soziale Gerechtigkeitsprobleme, das heißt wachsende Armut, insbesondere in der Landbevölkerung und führte das zu Revolutionen, sondern zu Resignationen nach dem Motto, dann ist das eben so, da können wir ja nichts machen. Und die, die ein bisschen aktiver waren, die wanderten dann aus, bevorzugt in die USA. Und die Intellektuellen, haben geredet, in Redezirkeln. Das heißt, sie haben im Kreise geredet, untereinander. Das blieb dann aber alles theoretisch, akademisch verwöhnt. Ich würde sagen, das war Kopfwichserei. Und entweder passierte da gar nichts und sobald mal irgendetwas ernsthafter wurde, wurde es sowieso politisch unterdrückt. Das heißt, der deutsche Michel war als dem Zeitpunkt ganz berechtigt eine Schlafmütze, die gutmütig war, Steuern zahlte, vielleicht ein bisschen meckerte, wehrte sich nicht, vertraute den Obrigkeiten und war einfach naiv, kümmerte sich nicht um Politik und verstand die auch gar nicht.
Im Grunde genommen waren die Journalisten, die waren ja nicht nur Kritiker, sondern eigentlich auch noch Motivatoren nach dem Motto, Michel, wach doch endlich auf. Wenn du nicht aufwachst, dann wirst du von anderen bestimmt werden. Versuch doch dein Leben mal in eigener Regie zu leben. Ja, aber tatsächlich waren diese Weckrufe nicht ganz wirkungslos. Denn es gab ja dann eben 1848 gab es ja revolutionäre Bestrebungen. Da gingen die Leute auf die Straße. Es wurde ja teilweise gewalttätig. Die einen wanderten aus, die anderen vandalierten. Und zu guter Letzt gab es dann eben die Frankfurter Nationalversammlung, wo man dann eben hoffte, dass jetzt aber endlich alles viel besser wird. Wurde es dann besser? Ja, es gab zwar Aufstände in mehreren deutschen Städten, Wien, Berlin, Frankfurt, also Wien ist natürlich nicht in Deutschland, wo man forderte, Verfassung, Pressefreiheit, nationale Einheit, Mitbestimmung und, und, und. Ja, aber am Ende ist dann doch alles wieder gescheitert, weil nämlich die Mächtigen es einfach gewaltsam niedergeknüppelt haben.
Das heißt, was wir hier also am Anfangsbild sehen, hat sich dann 1848 genau so dargestellt. Der Michel ist zwar für Freiheit und für Einheit, aber sobald die Ordnungsmacht kommt und sagt, geh mal wieder auf dein Feld zum Arbeiten, dann knickt da ein der dumme Bauer, sag ich jetzt mal, geht zurück auf sein Feld und sagt, so, dann kann ich da ja wohl nichts machen. Ja, das heißt also, im Grunde genommen war man damals der Meinung, die Deutschen als Volk leben in so einer Art Dämmerzustand. Sie sind nicht ganz schlafend, aber auch nicht wach, sondern irgendwie träumen sie. Und in dieser Zeit sagte der berühmte Dichter Heinrich Heine folgendes. Deutschland ist ein schönes Land zum Träumen. Doch wehe, wenn es einmal aufwacht. Deutschland ist ein schönes Land zum Träumen. Doch wehe, wenn es einmal aufwacht. Ja, es träumt. Wovon träumt es? Es träumt von Freiheit, von Frieden, von Einigkeit. Aber es bleibt ein Traum. Es passiert nicht.
Und eine meint aber, aber wehe, wenn es einmal aufwacht, dann kommt die Revolution. Gut, das hat der 1835 gesagt, ein Jahr später war es soweit. Aber wie wir dann historisch exakt wissen, blieb es denn auch dabei, da kam eben nichts bei rum. Das heißt, es war nicht genügend Kraft im Aufwachen, weil eben mit der Macht des Staates wurde dieser Aufwachimpuls niedergeknüppelt. Und dieses Niederknüppeln, das hatte dann auch schon ein paar Jahre früher ein anderer Literat kundgetan, nämlich Ludwig Boerne, der sagte, es kann auch das Volk sein eigener Tyrann sein und ist es oft gewesen. Was meint er damit? Meint er, dass das Volk von Tyrannen unterdrückt wird? Oder meint er, dadurch, dass das Volk so schlafmützig ist, ersklavt es sich im Grunde genommen selbst, begibt sich freiwillig in die Hände der Mächtigen, ohne dass dafür überhaupt eine Notwendigkeit bestünde?
Und in dieser Zeit, also von 1800 bis 1830 ungefähr, also noch vor Boerne, der das ja 1829 in seinen Aphorismen verfasst hat, da geisterte so bei den Literaten in den Köpfen herum ein bestimmtes Bild vom Deutschen. Er träumt von der Freiheit, denkt jedoch ans Bier. Also ich kann mir das gut vorstellen. Da sitzt der deutsche Mann in der Gastronomie draußen schön im deutschen Lande, hat sein Maß Bier in der Hand und schwabelt so vor sich hin. Oh, wenn wir die Freiheit hätten, dann würden wir das machen und dann würden wir das machen und dann würden wir das machen und das wäre ja so toll. Anstatt aber dann für die Freiheit zu kämpfen, bestellt er noch eine zweite Runde Bier und eine dritte Runde Bier. Und dann geht er nach Hause und dann träumt er weiter von der Freiheit, während er schön in seinem Bett liegt. Ja, der Deutsche ist ein Träumer. Und dass er ein Träumer ist, das hat er auch schon erlebt.
Ende des 18. Jahrhunderts ein Schwager von Goethe mal erkannt im Jahre 1783, nämlich der Johann Georg Schlosser und er sagte, der Deutsche redet viel von Freiheit, aber er liebt sie nicht. Er will ruhig sein, auch wenn es unter dem Joch ist. Deutsche redet viel von Freiheit, also er ist ein Laberkopf. Aber er liebt sie nicht, denn was man liebt, dafür tut man ja auch was. Sondern was liebt er? Die Ruhe. Er will ruhig sein, er will seine Ruhe haben. Auch wenn es unter dem Joch ist. Das heißt, der Deutsche, labert von der Freiheit und bevorzugt die Bequemlichkeit, selbst wenn es ihm unbequem wird, selbst wenn er darunter leidet. Das ist ihm immer noch genehmer als etwas für die Freiheit. Und dieser Begriff des Michels, der dann eben in den 1830er, 1840er Jahren aufkam, war dort gar nicht erfunden worden. Sondern den gab es eben schon im letzten Drittelviertel des 17. Jahrhunderts. Und da war das ja eigentlich von den Franzosen erfunden. Das war der Bonhomme, der gute Michel, der gute Mann. Also nach dem Motto.
Das war jetzt nicht positiv gemeint, sondern spöttisch. Das ist ein guter Mann. Und damit meinte man den deutschen Bauern oder den deutschen Kleinbürgern. Und das ist dann so ein Synonym geworden für den Deutschen, so wie dann eben auch Uncle Sam für den Amerikaner oder der John Bull für den Engländer. Und die ersten Anzeichen dafür, dass es den deutschen Michel gab, als Name, das ist schon im Jahre 1720 gewesen. Da hat man schon gesagt, dass der Deutsche ein bestimmtes Menschenbild repräsentiert, was die anderen Europäer nicht so toll fanden und deswegen eher als kritisch oder spöttisch bewerteten. Nur der durchgängige Tenor im Ausland war eigentlich dass der deutsche oder der deutsche Mann bestimmte Eigenschaften hat, nämlich er hat positive Eigenschaften, er ist pflichterfüllt, er ist gottesfürchtig, er ist arbeitssam. Das Negative, er ist anpassungsbereit, er ist unpolitisch und er ist leicht manipulierbar. Also er tut seine Pflicht, er fürchtet Gott, er malocht.
Aber ansonsten fügt er sich, kümmert sich um nichts und lässt sich hin und herschieben. Das ist der deutsche Mann im 17. und 18. Jahrhundert. Aber man muss sagen, die Deutschen selber, die haben das damals gar nicht so gesehen. Also nicht so wie dann im 19. Jahrhundert, wo dann die Intellektuellen, die Literaten sagten, oh, der deutsche Michael, der müssen wir jetzt mal auffahren. Nein, damals im 17. Jahrhundert, da waren die Deutschen selber der Meinung, dass sie Eben tolle Ideale verkörpern, sie sind arbeitsam, sie sind fleißig, sie kümmern sich um nichts, sie überlassen alles in Oberen, das ist doch super. Das ist ein idealer Staatsdiener sozusagen. Und dieses Ideal des trommen, tummen, einfachen Menschen, der fleißig seine Pflichten tut, Und ansonsten sich ein Scheißdreck um alle andere kümmert. Das war eben dieser Michel oder dieser Bonhomme, den man dann als Bauern aus französischer Sicht so darstellte, beziehungsweise als Kleinbürger.
So, aber auch schon ungefähr 50 Jahre vorher war es nicht viel anders. Also hier jetzt Anfang des 17. Jahrhunderts, nee Anfang des 18. Jahrhunderts kam eben der Name auf, aber man hatte die deutsche Art auch schon vorher erkannt, nämlich in einem berühmten Werk von Herrn Grimmelshausen, der die Geschichte von dem abenteuerlichen Simplicissimus erzählt. Das ist übrigens ein sehr interessantes Buch, müsst ihr mal reingucken. Da schreibt er unter anderem, des Teutschen Art ist, dass er leiden kann viel Übels, Bis er endlich merkt, dass es nicht mehr zu tragen ist. Also nochmal, des Deutschen Art ist, dass er leiden kann viel Übels. Also der Deutsche ist sehr leidensfähig. Und zwar so lange, bis er merkt, dass er es nicht mehr tragen kann. Denn nur was passiert dann, wenn er es nicht mehr tragen kann? Wir wissen, dass die späteren Jahrzehnte sagt, nichts. Passiert nichts.
Also andersrum gesagt, Herr Grimmelshausen hatte erkannt, dass der Deutsche leidensfähig ist, aber ihm war noch nicht klar, ob der Deutsche sich mal wehren würde. Während dann die nachfolgenden Zeiten sagten, nee, eigentlich wehrt der Deutsche sich nicht und er leidet so lange, bis er eben zusammenbricht. Das ist die deutsche Art. Ja, schauen wir mal, wenn wir dann im 17. Jahrhundert noch ein bisschen eher gucken, Anfang, so die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts, zur Zeit des 30-jährigen Krieges. Wie hat man damals gedacht? Da hat man gesagt, der Deutsche ist ein braver Christ. Er nimmt alles hin, er muckt nicht auf und er denkt nicht politisch. Ein braver Christ nimmt alles hin und muckt nicht auf, denkt nicht politisch. Also wir haben immer wieder die selber wiederkehrenden Beschreibungsmuster und das ist schon über zwei Jahrhunderte her.
doch eigentlich ganz interessant. Dass wir hier schon den Deutschen Anfang des 17. Jahrhunderts als treuen Untertanen haben, der besonders leidensfähig und duldsam und passiv ist, sodass er als frommer Knecht gesehen wird. Und in dieser Zeit, da entwickelte sich auch im deutschen Volk selber das Wahrnehmungsbild, ich kann ja gar nichts tun. Ich bin ein Opfer von Mächten, die ich nicht beeinflussen kann. Also insofern, was soll ich denn machen? Das geht doch gar nicht. So, und wenn wir jetzt mal noch weiter in die Vergangenheit zurückgehen, ja, und Anfang des 16. Jahrhunderts gab es dann auch jemanden, der was gesagt hat, nämlich der Herr Luther, und der hat Folgendes zum Besten gegeben. Die Deutschen sind ein Volk, das man schinden und plagen kann, wie man will. Sie lassen sich alles gefallen, wie die armen Schafe.
Die Deutschen sind ein Volk, das man schinden und plagen kann, wie man will. Also stellen Sie sich das mal vor. Man kann alles mit ihnen machen, die sind völlig willenlose Opfer. Die lassen sich alles gefallen, wie die armen Schafe. Ja, das sagt einer der weisesten Menschen der deutschen Geschichte. Und wenn wir dann noch weiter zurückgehen, dann kommen wir ins Jahr 1494. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, da hat mal ein Herr Sebastian Brant ein berühmtes Buch geschrieben, das Narrenschiff, 1494. Und in diesem Narrenschiff, da geht es darum... dass auf ein Schiff gehen 100 Menschen, die alle Narren sind. Also 100 Narren wollen eine Seereise machen. Und wohin wollen sie? Nach Narretanien, also ins Narrenland. Und Herr Brant bildet jetzt die einzelnen Narreteien dieser 100 Narren, um sie zu charakterisieren. Und zu den Deutschen, da sagt er folgendes.
Ich seh allweg den Teutschen Mann, der töricht lebt und gar nichts kann. Er denkt, er sei der Weisheit voll und sitzt doch nur im Narrenscholl. Ich seh allweg, also ich seh überall den Teutschen, den deutschen Mann. der töricht, lebt und gar nichts kann. Das heißt, er macht nichts Vernünftiges und kann auch gar nichts, aber er denkt, er sei der Weisheit voll. Also eine völlige Selbstverblendung. Er hält sich für schlauer, als er ist. Das kommt mir irgendwie bekannt vor, dass es Menschen gibt, die glauben, sie seien ganz schlau und in Wirklichkeit sind sie Idioten. Und so sagt dann auch der Herr Brant, und sitzt doch nur im Narrenscholl. Im Narrenscholl heißt, da sind noch andere Narren, also erst von Narren umgeben und alle zusammen glauben, dass sie aber ganz schlau sind, dass sie genau das Richtige tun, während sie in Wirklichkeit voll Idioten ersten Grades sind und mit dem Narrenschiff über das Meer fahren nach Narretanien. Wenn es das denn überhaupt gibt, vielleicht fahren sie ja auch nur
bis zum Ende der Erdscheibe. Und wenn Sie das dann überschreiten, dann plopft das Schiff einfach in die Finsternis des unendlichen Kosmos. Im Spätmittelalter, also der Zeit vom 13. bis 15. Jahrhundert, da galt in Europa der Deutsche als treu, als ehrlich, als fleißig, aber auch als naiv, schwerfällig und obrigkeitshörig. treu, ehrlich, fleißig, naiv, schwerfällig, obrigkeitshörig. Also das bedeutet, das was wir in dem Michelbild von 1848 haben, ist schon über 500 Jahre vorher im Kern genauso formuliert gewesen. Wir müssen also objektiv feststellen, dass der Geist des Michels, diese Passivität, diese Treuheit, diese Duldens- und Leidensfähigkeit und was da noch so alles an Tugenden und Untugenden ist, das ist ein Bestandteil der deutschen Geisteskultur. Das kann man beklagen. Man kann sich wünschen, dass es anders sei. Man kann vielleicht daran arbeiten, dass es anders wird.
Aber es ist eine Realität. Und ich denke, zum Aufwachen gehört auch dazu, die Realität zu erkennen, was man nicht ändern kann und was langgeprägte, jahrhundertelange Merkmale eines Volksgeistes sind. Ja, wir sehen also, dass es mit dem deutschen Michel doch so seine Bewandtnis hat. Und dass das, was wir ganz am Anfang gesehen haben, dass er eben doch ein schlafmütziger Typ ist, der für Freiheit und Einigkeit und sonst nicht was eintritt, aber sich ja doch letztendlich der Obrigkeit mehr oder minder willig fügt, alles Leiden auf sich nimmt. Ja, und das war es dann. Nur da stellt sich natürlich die grundlegende Frage, ob denn eben wir heutzutage auch noch solche Michel sind. Und wenn ich jetzt mal daran denke, dass also Deutsche auch nach 1848 doch die eine oder andere Gelegenheit hatte, Nein zu sagen, sich zu behaupten, das Richtige zu tun, zum Beispiel im Dritten Reich nicht mitzumachen, statt dann nachher zu sagen,
Dabei habe ich mitgemacht. Das ist ja schlimm. Das hätte ich ja gar nicht mitmachen wollen. Das mache ich nie, nie, nie wieder. Ja, und kaum dass er das gesagt hat, der Krieg vorbei ist, wir zwei Deutschlands haben, entsteht im Osten von Deutschland eine Diktatur. Und wer macht damit? Der deutsche Bürger, der deutsche Mann, der gerade erst kurz vorher erklärt hat, da mache ich nie, nie, nie wieder mit. Ja, und dann macht er das 40 Jahre lang mit. Und wie ich ja zusammen mit Eli gezeigt habe, er hätte es noch viel weiter mitgemacht, wenn nicht die Russen da die Reißleine gezogen hätten und die deutsche Einheit erzwungen hätten. Wobei sich der Deutsche dann träumerisch einbildet. Wir haben die Revolution gemacht, die friedliche Revolution. typisch deutsch, sich was einzubilden, was man nicht kann, und davon zu träumen, von der Freiheit. Ja, und dann vergeht die Zeit. Wir leben im Westen aller Deutschlands. Dann kommen neue Zeiten seit den 20er Jahren, des 21. Jahrhunderts, und der Deutsche geht wieder auf die Straße. Frieden, Freiheit, Demokratie.
Frieden, Freiheit, Demokratie, haben wir das nicht? Wieso müssen wir dafür demonstrieren? Manche meinen, es seien repressive Zeiten, es würde ein neues Viertes Reich entstehen in Deutschland oder gar eine EU-DSSR in ganz Europa. Und alle anderen sagen, nein, nicht bei uns. Da wüsste ich davon. Ich bin doch ein Bürger. Wir leben doch in einem der besten Länder der Welt. Eine der reichsten, die drittstärkste Weltwirtschaftskraft. Wir haben Demokratie. Wir haben Meinungsfreiheit. Bei uns kann jeder tun und lassen, was er will. Ja. Und ähm... Dann gibt es aber doch die Gallier. Also Frankreich hießen die Gallier, uns heißen die neue Bundesländer. Also diese komischen Leute, die 40 Jahre lang bei der Diktatur mitgemacht haben, sich dann eingebildet haben, sie hätten sie beendet.
Und die erklären jetzt, dass wir auf eine neue totalitäre Systematik zusteuern und setzen sich dafür ein. Alle anderen Sachen. Kann doch gar nicht sein. Wir leben doch im Westen aller deutschen Länder, die wir je hatten. So gut wie uns geht es doch keinem gut. Könnte besser gehen. Geht doch nicht schlecht. Wir haben doch einen Sozialstaat. Ja, und insofern stellt sich die Frage, ist der deutsche Michel tatsächlich tot? Oder aber ist es vielleicht doch so, wie manch andere denken, dass es doch eine Wiedergeburt gibt. Eine Wiedergeburt eines deutschen Kraft, die einmal in der Geschichte schon mal sich gezeigt hat, nämlich 1848, die aber damals nicht stark genug war. Eine Kraft von höherer Gewalt. Dem Erzengel Michael gleich wird der
Deutsche Michael, wird er aufwachen und wie ein Erzengel das Böse besiegen? Wird er die Schlange zu Boden werfen? Wird er sich für das Gute einsetzen? Wird er den Kampf tatsächlich aufnehmen? Wird er das Schwert und den Stab in die Hand nehmen und sich einmal richtig zur Wehr setzen? Wir wissen es nicht. Aber wir können es nicht ausschließen. Was wir aber mit Sicherheit sagen können, ist, dass der Deutsche auch heute noch träumt von der Freiheit. Er glaubt, er hätte sie. Und manche sagen, nee, was du dir einbildest, das ist nicht Freiheit, das sind die vergoldeten Ketten. Und dann gibt es welche, die glauben, dass man durch Reden den deutschen Michel erwecken könnte. Wenn man ihm nur lange genug alles erklärt, dann begreift er es schon. Dem könnte man entgegenhalten, seit dem 13. Jahrhundert ist der Deutsche nicht aufgeweckt worden. In den Jahren, also in den 700 Jahren,
hat er einmal einen halbherzigen Versuch gemacht. Das zeigt, dass er noch nicht tot ist, noch nicht mumifiziert. Aber es zeigt nicht, dass er lebendig ist. Und deswegen sind all diejenigen, die glauben, das sei doch kein Selbstverständlich, dass man die Leute überzeugen könne mit vernünftigen Argumenten. Die sind leicht selber auf dem Narrenschiff, weil sie sich etwas einbilden, weil sie sich einen Menschen, einen Deutschen erträumen, den es in 700 Jahren noch nie gegeben hat und die einer Illusion hinterherren. Nichtsdestotrotz könnte es sein, dass diese Illusion diesmal leicht wahr wird. Und insofern ist in Deutschland für den deutschen Michael noch nicht Hopfen und Malz verloren. Noch nicht ist die letzte Messe gesungen. Noch nicht ist der letzte Brief verschickt. Schreiben Sie doch mal unten in die Kommentare, ob Sie glauben, ob die Zukunft 2026 und später
die nächsten paar Jahre, vielleicht bis 2030, wird der deutsche Michel erwachen? Wird er gar zu einem erzengelgleichen Sakenkraftwesen? Oder wird er wieder nur so halbherzige Zockungen im Halbschlaf machen wie 1848? Und das war es dann. Und er sagt dann, das ist eben so, da kann man nichts machen. Meinen Sie, Am nächsten Mal die Welt klar sehen. Klar sehen, clever denken, frei handeln. Die Welt klar sehen.
Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Aufwachen....JETZT !!! | Wie wir die Freiheit verschlafen“, Die Welt Klar Sehen, 12.12.2025.
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Kulturhistorische Analyse der Figur des deutschen Michel als Sinnbild politischer Passivität, von 1494 bis in die Gegenwart, und die Frage, ob der Deutsche heute erwacht.
