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Nach MV und Berlin – wer kann Merz stürzen?23.09.2026

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Abschrift des Videos vom 23.09.202610 Abschnitte

Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.

Bei den beiden Wahlen am Sonntag hat in Mecklenburg-Vorpommern die AfD gewonnen und in Berlin die Linke. Und in beiden Ländern gilt seit Montagmorgen derselbe Satz, der Sieger bestimmt nicht, wer regiert. Drei Fragen nehmen wir uns heute vor. Erstens, wie kann eine Partei eine Wahl gewinnen und trotzdem nicht regieren? Zweitens, was passiert mit einer Partei, die knapp an der 5%-Hürde scheitert? Und drittens, um die es mir wirklich heute geht, was macht so ein Wahlsonntag mit dem Kanzler und mit seiner Koalition? Zunächst die Frage, die jetzt völlig zurechtkommt. Die meisten von Ihnen wohnen weder in Schwerin noch in Berlin.

Was geht Sie das also an? Ganz einfach. Was am Sonntag gewählt wurde, verändert den Preis, den diese Bundesregierung für ihre Reformen zahlen muss. Für die Rente, für die Steuer, für die Heizung. nicht die Mehrheit, den Preis. Warum das ein Unterschied ist, zeige ich Ihnen in der zweiten Hälfte. Und dort prüfe ich auch den Satz, der seit Montagmorgen in fast jedem Kommentar steht, dass der Kanzler geschwächt sei.

Fangen wir in Mecklenburg-Vorpommern an, und zwar dort, wo ich am 18. September aufgehört habe. Erinnern Sie sich noch? Damals habe ich gefragt, ob der Gewinner am Ende verliert. Ob also die Partei mit den meisten Stimmen ohne Regierungsamt dasteht, jetzt ist die Frage beantwortet. Die AfD ist stärkste Kraft geworden. Zur Mehrheit fehlen ihr vier Sitze. SPD, Linke und Grüne haben zusammen mehr als genug. Die stärkste Partei sitzt also in der Opposition und die Schwächeren können gemeinsam regieren. Und jetzt kommt der Punkt, an dem ich genau sein möchte, weil hier die meisten Kommentare schlampen. Heißt oft, die AfD könne rechnerisch nicht regieren. Das stimmt eben nicht. Rechnerisch hätte sie mehrere Mehrheiten. Mit der Linken, mit den Grünen, mit der SPD. Das heißt, die Arithmetik schließt die Mehrheit mit der AfD überhaupt gar nicht aus. Aber was schließt sie dann aus? Sätze, Behauptungen, gesprochene, datierte Sätze von Menschen mit Namen. Die Linke hat es auf ihrem Landesparteitag im Mai beschlossen und die Grünen als Landesverband schon im Januar 2025. Und Manuela Schwesig hat drei Tage vor der Wahl gesagt, sie sei gesprächsbereit gegenüber allen demokratischen Parteien. Die AfD hat sie ausdrücklich nicht dazugezählt. Und wo steht das geschrieben? Nirgends. Denken Sie da mal an einen Kleingartenverein. Sie könnten sich die Parzelle noch so gut leisten. Sie können der solventeste Bewerber auf der ganzen Liste sein. Wenn der Vorstand Sie nicht aufnimmt, bekommen Sie den Garten nicht. Und der Vorstand muss das nicht einmal begründen. Er muss es nur beschlossen haben. Anders als im Kleingartenverein steht die Ablehnung hier allerdings nicht in einem Protokoll, sondern in Interviews und Parteitagsbeschlüssen. Das ist der eine Punkt, an dem man aufpassen muss. Denn ein Beschluss lässt sich aufheben. Jetzt könnten Sie aber sagen, das war Wahlkampf, nach einer Wahl wird neu sortiert. Wurde es auch. Nur in die andere Richtung. Denn am Montag nach der Wahl hat Frau Schwesig Gespräche mit Linken und Grünen angekündigt. Und live Erik Holm hat für seine eigene Partei den Schluss gezogen. Zitat Und deshalb lege ich Wert auf diesen Unterschied. Wer sagt, die AfD kann nicht regieren, klingt, als spreche er über Mathematik. In Wahrheit spricht er über Entscheidungen von Menschen. Und die kann man konkret benennen, auch mit Datum. Nimmt eine dieser Parteien ihren Satz zurück, ändert sich die Lage sofort. Bei einer Rechnung wäre das so nicht möglich. Kommen wir zu einer Sache, die am Wahlabend kaum ein Kommentar erwähnt hat. Leif-Erik Rollen war der Kandidat der AfD für das Ministerpräsidenten. Angetreten ist er nur in einem einzigen Wahlkreis in Schwerin. Und zwar ohne Platz auf der Landesliste. Dort stand die Manuela Schwesig gegenüber und sie hat den Wahlkreis deutlich gewonnen. Das heißt, seine Partei gewinnt also das Land. In den amtlichen Listen der Gewählten steht sein Name trotzdem nicht. Live Erik Holm, der Ministerpräsident werden sollte, gehört dem neuen Landtag gar nicht an.

Und damit zur zweiten Hauptstadt dieses Wahlabends. In Berlin sieht die Lage auf den ersten Blick einfacher aus. Der zweite Blick zeigt etwas anderes. Die Linke ist dort stärkste Kraft geworden. Dahinter liegen CDU, AfD, Grüne und SPD. Ohne die AfD sind drei Bündnisse denkbar, in denen kein Partner überflüssig wäre. Die Linke mit den Grünen und SPD, die CDU mit Grünen und SPD und die Linke mit der CDU. Die dritte ist die Unbequeme und über die wird kaum gesprochen. Warum eigentlich nicht? Weil sie ausgeschlossen ist, wörtlich und mit Datum. Stefan Efers von der CDU hat das Anfang September gesagt. Elif Ehrald von der Linken hat es bestätigt. Und am Tag nach der Wahl hat Evers seine Gesprächsbereitschaft ausdrücklich auf die Parteien der Mitte bezogen. Diese Mehrheit bleibt ein totes Ergebnis. Was heißt das für die Regierungsbildung? Ich habe mir das mal wie einen alten Bauplan vorgestellt, wie ich ihn in meinem Berufsleben hundertfach auf dem Tisch hatte. Auf dem Plan sind drei Wege ins Obergeschoss aufgezeichnet, die Haupttreppe, die Nebentreppe und ein Durchgang. Stehen im Haus, gehen zum Durchgang und da ist eine zugemauerte Wand. Auf dem Plan steht der Weg, ja, in der Wirklichkeit gehen sie aber nicht durch. Was dieser Bauplan nicht sagt, ist, wie lange die Wand dort steht. Eine zugemauerte Tür bleibt zu. Ein politischer Ausschluss ist ein Satz und ein Satz lässt sich zurücknehmen. Deshalb sage ich Ihnen nicht, wer tatsächlich in Berlin regieren wird. Ich sage Ihnen, welche Wege heute eingezeichnet sind und welcher Weg heute zu ist. Mehr ist seriös nicht drin. Und daraus folgt etwas, das mir auch wichtig ist. Nicht die Rechnung entscheidet, regiert, sondern die Frage, wer wen vorher ausgeschlossen hat.

Damit sind wir bei der zweiten Frage, bei der einen Zahl, bei der ich zweimal hingeschaut habe. Die CDU haben in Mecklenburg-Vorpommern 1138 Stimmen mit 5% Hürde gefehlt. 1138 waren mehr als eine Million. Und das Ergebnis ist nicht etwa ein kleiner Verlust, sondern kein einziges Mandat. Vor fünf Jahren saß die Partei dort noch mit einer zweistelligen Zahl von Abgeordneten im Landtag. Von Berufs wegen kenne ich diese Bauart von Regel aus den Bauakten. Ist so wie bei einem Bauantrag. Da planen sie ein Haus, alles passt, die Statik stimmt, die Nutzung stimmt. Und dann am Ende bilden am Grenzabstand zum Nachbarn zwei Zentimeter. Nicht zwei Meter, zwei Zentimeter. Und sie bekommen dann keine Baugenehmigung mit Abzug, sondern sie bekommen gar keine. Nur lässt sich natürlich ein Bauantrag wiederholen. Man plant um, man reicht neu ein und im Zweifel dauert es ein halbes Jahr länger. Doch bei einer Wahl gibt es keinen zweiten Antrag. Die nächste Gelegenheit kommt erst in knapp fünf Jahren. Und das ist die Folge, die in den Wahlberichten kaum vorkommt. Ein Landesverband ohne Mandate hat keine Fraktion. Er ist im Landtag bis zur nächsten Wahl nicht mehr vorhanden. Wer dann für die CDU antritt, war vorher nirgends zu sehen. Keine Rede, keine Anfrage, keine Ausschussarbeit, aus der man ihn kennt. Jetzt werden Sie vielleicht sagen, das ist doch der erste Fall dieser Art in der Bundesrepublik, der stand überall. Ja, das habe ich nachgezählt und der Satz stimmt. Bei keiner Landtagswahl seit 1946 ist eine CDU unter 5% geblieben. Dieser Sonntag ist der erste Fall. Halten wir also kurz fest, zwei Länder, in denen der Sieger nicht regiert und in beiden liegt es nicht an der Arithmetik, sondern an Sätzen mit Datum. Dazu eine Partei, die an 1138 Stimmen gescheitert ist. Und jetzt kommt die dritte Frage, wegen der ich dieses Video überhaupt mache. Was davon kommt dem Bund an?

Ist der Kanzler jetzt geschwächt? Ich beantworte das in drei Schritten. Und die drei Antworten fallen sehr verschieden aus. Zuerst das Amt, dann die Koalition und dann seine eigene Partei. Das Amt zuerst, denn dort ist die Lage eindeutig. Woran es hängt, habe ich Ihnen am 27. August vorgerechnet. An 316 Stimmen im Deutschen Bundestag. Am Sonntag ist kein einziger Bundestagsabgeordneter gewählt worden. Nicht ein einziger. Das ist so wie beim Grundbuch. In meinem Berufsleben habe ich oft genug erklären müssen, dass ein Eintrag dort nicht dadurch verschwindet, dass im Nachbarhaus ausgezogen wird. Das Grundbuch nimmt den Nachbarn nicht. Geändert wird es nur durch eine Eintragung und die erfolgt nur auf Antrag. Gut, dieser Vergleich hat eine Grenze und die ist natürlich wichtig. Beim Grundbuch kann nämlich jeder Berechtigte diesen Antrag stellen. Das Amt Kanzlers kann allerdings nur der Bundestag selbst antasten und auch er nur, indem er gleichzeitig einen Nachfolger wählt. Damit steht die erste der drei Antworten, das Amt ist unberührt und wer nach jeder Landtagswahl dieses Jahres erklärt hat, der Kanzler sei geschwächt, hat ihn rechnerisch fünfmal geschwächt und tatsächlich keine einzige Stimme bewegt.

Kommen wir zur zweiten Antwort. Union und SPD haben im Bundestag zusammen eine Mehrheit von zwölf Stimmen. Zwölf, wenn 13 Abgeordnete der eigenen Koalition nicht mitstimmen, ist die Mehrheit weg. Von diesen zwölf Stimmen hat der Sonntag nichts geändert. Keine einzige. Geändert hat sich etwas anderes. Der Preis, den der Kanzler für jeder dieser Stimmen zahlen muss. Hören Sie mal hin, was die SPD seit Sonntagabend sagt. Parteichef Lars Klingbeil, Zitat, Gerade in Fragen wie der Rente mit 45 Beitragsjahren müssen wir jetzt schnell zur Lösung auch in der Koalition kommen. Zitat Ende. Jetzt achten Sie bitte auf das, was nicht gesagt wurde. Niemand hat den Bruch der Koalition verlangt. Niemand hat Neuwahlen gefordert. Gestritten wird über Rente, Arbeitszeit, Krankenversicherung und Pflege. Also über Sachfragen, nicht über den Fortbestand der Regierung. Warum eigentlich nicht? Die SPD liegt bundesweit noch unter ihrem eigenen Ergebnis der letzten Bundestagswahl. Bei solchen Werten ist eine vorgezogene Wahl kein Ausweg, sondern ein Risiko. Wer im Bundestag für eine Neuwahl stimmt, stimmt über den eigenen Arbeitsplatz ab. Das ist wie bei einer Eigentümergemeinschaft aus zwei Parteien. Beschließen können die beiden nur gemeinsam und keiner kommt allein weiter. Verkaufen will trotzdem niemand, weil der Markt gerade schlecht ist. Also bleiben beide sitzen und streiten über die Hausordnung. Doch ein Unterschied ist mir dabei wichtig. In einer Eigentümergemeinschaft muss niemand miteinander regieren. Aber eine Koalition muss liefern, und zwar sichtbar. Genau deshalb wirkt ein Wahlsonntag hier nicht auf die Zahl der Stimmen, sondern darauf, was jede Seite dafür verlangt. Und damit steht die zweite Antwort. Die Mehrheit ist unverändert, die Verhandlungslage nicht.

Und damit zur dritten Antwort. Hier wird es für Friedrich Merz unangenehm. Und hier liegt auch der Grund, warum seit Montag so viel über ihn geschrieben wird. Ein Kanzler steht auf drei Beinen, auf drei Dingen, dem Amt, der Koalition und der eigenen Partei. Nachrechnen lässt sich nur das Erste. Koalition und Partei kosten keine Stimmen. Sie sind Stimmungsgrößen und deshalb sehr viel leichter zu erschüttern. Und am Sonntag ist genau das passiert. In Mecklenburg-Vorpommern fliegt die CDU aus dem Landtag. In Berlin verliert sie deutlich. Merz hat das selbst benannt. Am Montag nach den Gremiensitzungen, Zitat, diese Wahl ist eine tiefe Zäsur, Zitat Ende. Und jetzt kommt die Frage, auf die es Ihnen wahrscheinlich ankommt. Sehen wir uns zuerst an, was gemessen ist. Mit der Arbeit des Kanzlers zufrieden sind je nach Institut zwischen 10 und 13 Prozent der Befragten. Ich nenne Ihnen bewusst die Spanne und nicht eine Zahl, denn eine einzelne Umfrage ist keine solide Lage. Und fast die Hälfte der Befragten erwartet, dass er am Jahresende nicht mehr Kanzler ist. Und jetzt der Satz, auf den es mir ankommt. Eine Erwartung ist kein Verfahren. Es gibt nämlich genau drei Wege, auf denen ein Kanzleramt endet. Ausführlich am 27. August habe ich das besprochen und hier nur das Ergebnis. Zwei dieser drei Wege gehören ihm selbst. Der eine ist der Rücktritt, für ihn nennt das Grundgesetz überhaupt kein Verfahren. Der andere ist die Vertrauensfrage und den Antrag dazu kann nur der Kanzler selbst stellen. Seine Gegner können mit beiden nichts anfangen. Es gibt keinen Antrag, keine Frist, kein Quorum, das ihn zwingen könnte. Werden sie einwenden, gestürzt werden muss er ja gar nicht. Er kann auch selbst gehen. Das stimmt. Der Rücktritt ist der einzige Weg ohne Verfahren und deshalb der einzige, bei dem die Stimmung wirklich zählt. Nur fragen Sie sich einmal, was er dafür als Ausgleich bekäme. Ein Nachfolger, der seine Politik weiterführt? Den gibt es nicht. Es gibt bis heute nicht einmal einen Namen. Und am Montag hat die CDU spitze angekündigt, ihren Kurs zu korrigieren, nicht ihre Führung. Ein Rücktritt ohne Nachfolger löst in der CDU kein Problem, erschafft ein neues. ist. Deswegen ist das kein Motiv, das ist das Gegenteil davon. Damit bleibt der dritte Weg, und das ist der einzige, der den Gegnern offen steht, das konstruktive Misstrauensvotum. Konstruktiv heißt, der Bundestag muss im selben Moment einen Nachfolger wählen. So stellen Sie sich das vor wie beim Staffellauf. Den Start wird man nur los, wenn einer dasteht, der ihn nimmt. Dort steht der Nächste allerdings von vornherein fest. Hier dagegen müssten sich die Ablösenden erst auf einen einigen, der ihnen allen passt. Und dafür, das ist das Interessante, reicht die Opposition nicht aus. Nicht einmal geschlossen. Die fehlenden Stimmen müssten aus der Koalition selbst kommen. Und zwar für einen Nachfolger, auf den sich AfD, Grüne und Linke vorher geeinigt haben. Wer das für wahrscheinlich hält, sollte diese drei Namen einmal in einem Satz zusammen aussprechen. Daraus folgt etwas, das die Aufregung im Land fast umdreht. Merz kann nur von den eigenen Leuten gestürzt werden. Solange kein Nachfolger feststeht, ist jede Rücktrittsforderung nichts anderes als ein inhaltsleeres Geräusch. Bleibt die Partei. Kann die CDU ihren Vorsitzenden überhaupt abwählen? Ja, aber nur auf einem Parteitag. Und er steht regulär erst in zwei Jahren an. Nur geht es auch schneller. Und dieser eine Satz im Statut ist der eigentliche Hebel. Ich zitiere, auf Antrag des Bundesausschusses oder von mindestens einem Drittel der Landesverbände muss er einberufen werden. Zitat Ende. Es ist also wie bei einer Eigentümerversammlung. Den Verwalter können die Eigentümer abberufen, aber nicht am Telefon und nicht per Leserbrief, sondern nur durch Beschluss auf einer Versammlung. Und solange niemand diese Versammlung verlangt, bleibt der Verwalter im Amt, ganz gleich wie laut im Treppenhaus geschimpft wird. Gut, was hier in diesem Bild nicht mitgeliefert wird, in einer Eigentümergemeinschaft zählt Eigentum, in einer Partei zählen Landesverbände. Wer den Termin erzwingen will, braucht nicht die lautesten Landesverbände, sondern ein Drittel von allen Verbänden. Und damit steht die dritte Frage. Und sie ist im Grunde die Ehrlichste von allen drei. Getroffen ist die Stellung von Merz in der Partei, nicht sein Amt. Ob daraus jemals mehr wird, entscheidet keine Umfrage, sondern die Frage, ob sich in der CDU genug Leute auf denselben Nachfolger einigen. Dafür gibt es bis heute keinen Beleg. Weder einen Namen noch einen Antrag. Die Frage war, ist der Kanzler jetzt geschwächt? Die Antwort hat drei Teile und sie fallen verschieden aus. Erstens, das Amt ist unberührt. 316 Stimmen und keine davon wurde am Sonntag vergeben. Die Koalition hat unverändert ihre knappe Mehrheit. Eurer geworden ist nur der Preis für jede einzelne Stimme. Und die Partei ist getroffen. Das ist der Teil, der wirklich passiert ist. Und der Teil, an dem kein Verfahren hängt.

bleibt der eine Ort, an dem eine Landtagswahl im Bund nicht als Stimmung ankommt, sondern als reale Stimme. Die Kammer, in der die Länder sitzen. Der Bundesrat. Zum Aufbau nur so viel, wie man dafür braucht. Jedes Land hat dort je nach Einwohnerzahl drei bis sechs Stimmen und kann sie nur einheitlich abgeben, alle oder keine. Und die Mehrheit bemisst sich an allen Stimmen der Kammer, nicht an den abgegebenen. Stellen Sie sich das wie einen Verein vor, in dessen Satzung steht, ein Beschluss braucht die Mehrheit aller Mitglieder, nicht der Anwesende. Wer sich dort enthält, ist damit nicht dagegen, der Mehrheit fehlt er trotzdem. Am Ende kann ein Antrag durchfallen, obwohl kein einziger Anwesender dagegen gestimmt hat. Aber ein Unterschied zum Verein ist, diese Satzung lässt sich nicht einfach ändern. Die Regel steht im Grundgesetz. Daraus folgt der Satz, auf den es in diesem Kapitel ankommt. Eine Enthaltung im Bundesrat wirkt wie ein Nein. Bleibt die Frage, warum ein Land das tun sollte? Die Antwort steht nicht im Grundgesetz. Sie steht wo? In Koalitionsverträgen. Im Zukunftsvertrag für Nordrhein-Westfalen heißt es, Zitat, kommt eine Einigung über das Abstimmungsverhalten nicht zustande, wird sich das Land Nordrhein-Westfalen dem Bundesrat der Stimme enthalten. Zitat Ende. Zwei Partner, eine Stimme, keine Einigung, also Enthaltung. Und genau deshalb haben die beiden Parteien, die zusammen die Bundesregierung stellen, im Bundesrat keine Mehrheit, obwohl in jedem einzelnen Bundesland eine von beiden mitregiert. In der Mehrzahl der Länder sitzt nämlich ein Partner mit am Tisch, der im Bund nichts zu entscheiden hat. Und damit zurück zu unseren beiden Wahlabenden. Die ehrliche Antwort ist unspektakulär. Mecklenburg-Vorpommern ändert daran nichts. Dort regierten schon vorher SPD und Linke. Das Land zählte nie zu den Stimmen der Bundesregierung. Wer dort einen Verlust ausrechnet, rechnet einen Verlust, den es in der Realität gar nicht gibt. Berlin kostet die Regierung vier Stimmen. sobald dort eine Regierung mit eigener Mehrheit steht. Der Grund steckt in der Arithmetik von vorhin. In jeder Koalition, die in Berlin sitzt, sitzt mindestens auch ein Partner, der im Bund nicht mitregiert. Und jetzt kommt der Teil, an dem die meisten Berichte aufhören. Wir alle nehmen an, dass eine Wahl am Wahlabend wirkt. Im Bundesrat sitzen aber keine Abgeordneten, sondern Mitglieder der Landesregierung. Und eine Landesregierung bleibt im Amt, bis ein Nachfolger da ist. Das ist wie beim Hauskauf. Der Vertrag ist unterschrieben, beide Seiten sind sich einig, der Notar hat den Vertrag verlesen und trotzdem wohnt der Verkäufer weiter drin. Der Verkäufer heizt, mäht den Rasen und entscheidet, ob die Hecke geschnitten wird. Die Schlüssel bekommt der Käufer erst bei der Übergabe und das kann Wochen oder Monate später sein. Nur steht beim Hauskauf der Übergabetag im Vertrag. Hier in der Politik steht er in einem von zwei Fällen nirgends. Für Mecklenburg-Vorpommern nennt die Landesverfassung den Termin. Nämlich, der neue Landtag tritt spätestens am 30. Tag nach der Wahl zusammen. Also spätestens am 20. Oktober. Mit diesem Zusammentritt endet dort das Amt des Ministerpräsidenten und das Amt aller Minister. Für Berlin habe ich in der Verfassung nachgesehen und dort steht etwas, das ich so nicht erwartet hatte. Das Abgeordnetenhaus muss spätestens sechs Wochen nach der Wahl zusammentreten. Das ist Anfang November. Für die Bildung einer Regierung setzt diese Verfassung aber keine Frist. Und mehr noch, ich habe den ganzen Text durchsucht. Diese Verfassung nennt überhaupt keinen Tatbestand, durch den das Amt des Senats mit einer Wahl endet. Andere Länder haben so eine Bestimmung ausdrücklich, Thüringen zum Beispiel, Berlin nicht. Und deshalb gilt am heutigen Tag. In Berlin führt der alte Senat die Stimmen des Landes weiter. Nicht als Provisorium, sondern als amtierende Regierung. Der Senat kann das wochenlang tun und wenn die Verhandlungen sich ziehen, auch Monate. hatte. Der Ort, an dem eine Landtagswahl bundespolitisch ankommt, ist also genau der Ort, an dem niemand hinsieht. Und damit sind wir am Ende. Kommen wir zurück auf den Satz

vom Anfang. Der Sieger bestimmt nicht, wer regiert. In Schwerin nicht, in Berlin nicht. Derselbe Satz gilt von der anderen Seite. Der Verlierer verliert auch nicht automatisch sein Amt. Und der Grund ist einfacher als er klingt. Nicht der Wahlabend entscheidet, wer regiert. In Schwerin und Berlin entscheiden Sätze, Aussagen, die Menschen vorher gesagt haben. Im Kanzleramt entscheiden 316 Stimmen, die am Sonntag niemand angefasst hat. Und der Wahlabend liefert nur das Material. Doch ein Einwand gehört hierher und das ist auch der stärkste. In Mecklenburg-Vorpommern hat der Wahlabend sehr wohl entschieden. Die CDU ist für knapp fünf Jahre draußen und daran ändert kein Satz und kein Verfahren irgendetwas. Der Unterschied ist, wer draußen ist, das entscheidet der Wahlabend. Wer regiert, das entscheidet der Wahlabend nicht. Was folgt daraus? Zunächst einmal keine Empörung. Das ist kein Skandal, sondern die Bauart unserer Ordnung in Deutschland. Ein Land soll mit einer Stimme sprechen. Eine Regierung soll nicht im luftleeren Raum enden. Und ein Kanzler soll nicht von einer Zufallsmehrheit gestürzt werden. Es ist wie mit der Eigentümerversammlung von vorhin. Dort ärgert sich niemand über die Regel, dass ein Verwalter nur durch Beschluss abberufen werden kann. Man ärgert sich über den Verwalter, ja. Aber die Regel schützt nämlich auch den, der gerade in der Minderheit ist. Und das ist am Ende irgendwann jeder einmal. Mal. Anders als ein Hauseigentümer kann ein Wähler diese Versammlung allerdings nicht verlangen. Gewählt wird nur, wer an ihr teilnimmt. Jetzt werden Sie vielleicht sagen, dann war meine Stimme am Sonntag also wirkungslos? Das stimmt nicht. Ihre Stimme hat gewirkt, nur nicht dort, wo die Kameras standen. Entschieden hat sie, wer überhaupt am Tisch sitzt. In In Schwerin, in Berlin und in der Länderkammer. Und verändert hat sie den Preis, den eine Bundesregierung für ihre Reformen zahlt. Wann diese Stimmen wechseln, wissen sie für Schwerin jetzt. Spätestens am 20. Oktober. Für Berlin weiß es niemand, nicht einmal die Beteiligten. Damit meine Frage an Sie. Sie haben gehört, dass nur 10-13% der Befragten mit der Arbeit des Kanzlers zufrieden sind und dass diese Zahl keine einzige Rechtsfolge auslöst. Halten Sie das für richtig? Oder sollte unsere Verfassung einen Weg kennen, einen Kanzler abzuwählen, ohne dass sich seine Gegner vorher auf einen Nachfolger einigen müssen? Schreiben Sie es mir unten in die Kommentare. Und wenn Ihnen diese Art der Einordnung etwas gebracht hat, dann abonnieren Sie den Kanal. Ein Klick kostet Sie nichts und hilft mir mehr als Sie denken. In diesem Sinne bis zum nächsten Mal. Die Welt klar sehen. Orientierung in bewegten Zeiten.

Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Nach MV und Berlin – wer kann Merz stürzen?“, Die Welt Klar Sehen, 23.09.2026.

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Zwei Landtagswahlen am 20.09.2026, zwei Sieger — und in keinem der beiden Länder regiert der Sieger. Der Vortrag rechnet nach, woran ein Kanzleramt tatsächlich hängt: an 316 Stimmen im Bundestag, an 12 Stimmen Koalitionsmehrheit und an einer Partei, die keine Stimmen zählt. Dazu die CDU in Mecklenburg-Vorpommern, der 1.138 Stimmen zur Fünf-Prozent-Hürde fehlten, die drei Berliner Bündniswege und der Bundesrat, in dem dieser Sonntag fast nichts bewegt.

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