Kann Noah in Deutschland noch eine Arche bauen? | Satire11.10.2026
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Abschrift des Videos vom 11.10.202620 Abschnitte
Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.
Gott gibt Noah sechs Monate Zeit, dann kommt die zweite Sintflut. Sechs Monate später regnet es, Noah sitzt weinend in seinem Vorgarten, eine Arche. Dabei hatten CDU-Kanzler Merz in alle 16 Länder im Dezember 2025 beschlossen, 25% weniger Bürokratie kosten. Neu ist das nicht. Dasselbe Ziel beschloss 2007 nun das Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Im Oktober 2026 meldete der Normenkontrollrat, die Bürokratiekosten sind gestiegen um 1,3 Milliarden Euro im Jahr.
Wo also ist die Arche? Wer schon einmal einen Bauantrag gestellt hat, der ahnt es. Mein Name ist Uwe Loose und die Satire heißt Noah Anno 2000. Ihr Verfasser ist unbekannt und ich lese sie jetzt so, wie sie im Netz überliefert ist. Nach vielen Jahren sah Gott wieder einmal auf die Erde. Die Menschen waren verdorben und gewalttätig, und er beschloss, sie zu vertilgen, genauso wie er es vor langer Zeit schon einmal getan hatte.
Gott sprach zu Noah, Noah, baue mir noch einmal eine Arche aus Zedernholz, so wie damals, 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch. Ich will eine zweite Sintflut über die Erde bringen. Die Menschen haben nichts dazugelernt. Du aber gehe mit deiner Frau, deinen Söhnen und deren Frauen in die Arche und nimm von allen Tieren zwei, je ein Männchen und ein Weibchen.
In sechs Monaten werde ich den großen Regen schicken. Noah stöhnte auf. Muss sie denn das schon wieder sein? 40 Tage Regen und 150 unbequeme Tage auf dem Wasser, mit all den lästigen Tieren an Bord und ohne Fernsehen. Aber Noah war gehorsam und versprach, alles genau so zu tun, wie Gott ihm aufgetragen hatte. Nach sechs Monaten zogen dunkle Wolken auf und es begann zu regnen.
Noah saß in seinem Vorgarten und weinte, denn da war keine Arche. Noah, rief der Herr, Noah, wo ist die Arche? Noah blickte zum Himmel und sprach, Herr, sei mir gnädig. Gott fragte abermals, wo ist die Arche, Noah? Und da trocknete Noah seine Tränen und sprach, Herr, was hast du mir angetan? Als erstes beantragte ich beim Landkreis eine Baugenehmigung.
Die dachten zuerst, ich wollte einen extravaganten Schafstall bauen. Die kamen dann mit der ausgefallenen Bauform nicht zurecht, denn an einen Schiffsbau wollten sie nicht glauben. Auch deine Maßangaben stifteten Verwirrung, weil niemand mehr weiß, wie lang eine Elle ist. Also musste mein Architekt einen neuen Plan entwerfen. Die Baugenehmigung wurde zunächst abgelehnt, weil eine Werft in einem Wohngebiet planungsrechtlich unzulässig sei.
Nachdem ich dann endlich ein passendes Gewerbegrundstück gefunden hatte, gab es nur noch Probleme. Im Moment geht es zum Beispiel um die Frage, ob die Arche feuerhemmende Türen, eine Sprinkleranlage und einen Löschwassertank benötige. Auf meinen Hinweis, ich hätte im Ernstfall rundherum genug Löschwasser, glaubten die Beamten, ich wollte mich über sie lustig machen. Als ich ihnen erklärte, das Wasser käme noch in großen Mengen, und zwar viel mehr, als ich zum Löschen benötigte, brachte Minas den Besuch eines Arztes vom Landeskrankenhaus ein. Er wollte von mir wissen, was ein Schiffbau auf dem Trocknen fernab von jedem Gewässer solle.
Die Bezirksregierung teilte mir daraufhin telefonisch mit, ich könnte ja gerne ein Schiff bauen, müsste aber selbst zusehen, wie es zum nächsten größeren Fluss käme. Mit dem Bau eines Sperrwerks könnte ich nicht rechnen, nachdem der Ministerpräsident zurückgetreten sei. Dann rief mich noch ein anderer Beamter dieser Behörde an, der mir erklärte, sie seien inzwischen ein kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen und darum wolle er mich darauf hinweisen, dass ich bei der EU in Brüssel eine Werftbeihilfe beantragen könne.
Allerdings müsste der Antrag achtfach in den drei Amtssprachen eingereicht werden. Inzwischen ist beim Verwaltungsgericht ein vorläufiges Rechtsschutzverfahren meines Nachbarn anhängig, Der einen Großhandel für Tierfutter betreibt, der hält mein Vorhaben für einen großen Werbegag. Mein Schiffbau sei nur darauf angelegt, ihm Kunden abschwänzig zu machen. Ich habe ihm schon zweimal erklärt, dass ich gar nichts verkaufen wolle. Er hörte mir gar nicht zu und das Verwaltungsgericht hat offenbar auch viel Zeit.
Die Suche nach dem Zedernholz habe ich eingestellt. Libanesische Zedern dürfen nicht mehr eingeführt werden. Als ich deshalb hier im Wald Bauholz beschaffen wollte, wurde mir das Fällen von Bäumen unter Hinweis auf das Landeswaldgesetz verweigert. Ich schädige den Naturhaushalt und das Klima. Außerdem sollte ich erst eine Ersatzaufforstung nachweisen. Mein Einwand in Kürze wäre, dass es gar keine Natur mehr geben und das Pflanzen von Bäumen an anderer Stelle sei deshalb völlig sinnlos,
ich brachte mir den zweiten Besuch des Arztes vom Landeskrankenhaus ein. Die angeheuerten Zimmerleute versprachen mir schließlich, für das notwendige Holz selbst zu sorgen. Sie wählten jedoch erst einmal einen Betriebsrat. Der wollte mit mir zunächst einen Tarifvertrag für den Holzschiffbau auf dem flachen Lande ohne Wasserkontakt aushandeln. Weil wir uns aber nicht einig wurden, kam es zu einer Urabstimmung und zum Streik.
Weißt du eigentlich, was Handwerker heute verlangen? Wie soll ich denn das bezahlen? Weil die Zeit drängte, fing ich schon einmal an, Tiere einzusammeln. Am Anfang ging das noch ganz gut, vor allem die beiden Ameisen sind immer noch wohlauf. Aber seit ich zwei Tiger und zwei Schafe von der Notwendigkeit ihres gemeinsamen friedlichen Aufenthalts bei mir überzeugt hatte, meldete sich der örtliche Tierschutzverein und rügte die artwidrige Haltung. Auch mein Nachbar klagt schon wieder, weil er auch die Eröffnung eines Zoos für geschäftsschädigend hält.
Herr, ist dir eigentlich klar, dass ich auch nach der Europäischen Tierschutz-Transportverordnung eine Genehmigung brauche? Ich bin schon auf Seite 22 des Formulars und grüble im Moment darüber, was ich als Transportziel angeben soll. Und wusstest du zum Beispiel, dass geweihtragende Tiere während der Brunftzeit überhaupt nicht transportiert werden dürfen? Und die Hirsche sind ständig am Schnackeln, wie Fürstin Gloria sagen würde.
Und auch der gemeine Elch und Ochse denken an nichts anderes, besonders die Südlicheren. Herr, wusstest du das? Übrigens, wo hast du eigentlich die Calipepia caliconica? Du weißt schon, die Schopfwachteln und den Letamus discolor versteckt. Den Schwalbensittich habe ich bisher auch nicht finden können. Dir ist natürlich auch bewusst, dass ich die 43 Vorschriften der Binnenmarkt-Tierschutz-Verordnung bei dem Transport der Kaninchen strikt beachten muss.
Meine Rechtsanwälte prüfen gerade, ob diese Vorschriften auch für Hasen gelten. Übrigens, wenn du es einrichten könntest, die Arche als fremdflaggiges Schiff zu deklarieren, das sich nur im Bereich des deutschen Küstenmeeres aufhält, bekäme ich die Genehmigung viel einfacher. Du könntest dich doch auch einmal für mich bemühen. Ein Umweltschützer von Greenpeace erklärte mir, dass ich Gülle, Jaucherexkremente und Stallmist nicht im Wasser entsorgen darf. Wie stellst du dir das eigentlich vor? Damals ging es doch auch.
Vor zwei Wochen hat sich das Oberkommando der Marine bei mir gemeldet und von mir eine Karte der künftig überfluteten Gebiete erbeten. Ich habe ihnen einen blau angemalten Globus geschickt. Und vor zehn Tagen erschien die Steuerfahndung. Die haben den Verdacht, ich bereite meine Steuerflucht vor. Ich komme so nicht weiter her, ich bin verzweifelt. Soll ich nicht doch lieber meinen Rechtsanwalt mit auf die Arche nehmen?
Noah fing wieder an zu weinen. Er hörte der Regen auf, der Himmel klarte auf und die Sonne schien wieder. Und es zeigte sich ein wunderschöner Regenbogen. Noah blickte auf und lächelte. »Herr, du wirst die Erde doch nicht zerstören?« Er sprach daher. »Darum sorge ich mich nicht mehr. Das schafft schon eure Verwaltung von ganz allein.« Soweit die Satire und jetzt die Wirklichkeit.
Seit 2006 hat Deutschland einen eigenen Rat, der über die Bürokratie wacht, den Nationalen Normenkontrollrat. In diesem Jahr ist er 20 Jahre alt geworden. 2007 hieß das Ziel 25% weniger Bürokratiekosten. 2025 heißt das Ziel 25% weniger Bürokratiekosten. Dasselbe Versprechen, nur 18 Jahre älter. Und dann meldet derselbe Rat, es sind nicht weniger geworden, es sind mehr geworden.
Vielleicht hat Gott in der Satire ja recht. Für den Untergang braucht es keine Sintflut mehr. Ein ordentliches bürokratisches Verfahren reicht da völlig aus. Kann Noah in Deutschland noch eine Arche bauen? Bauen schon. Um Stapel laufen darf sie erst, wenn der Antrag durch ist. Und dann das Wasser längst wieder weg. Und Sie? Bei welchem Antrag dachten Sie schon einmal, die Sintflut wäre schneller gewesen?
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Uwe Loose liest die Satire „Noah anno 2000 in Deutschland“ (Verfasser unbekannt): Gott kündigt die zweite Sintflut an, und Noah scheitert an Bauamt, Landeswaldgesetz, Betriebsrat, Tierschutz und Steuerfahndung. Davor und danach stellt er den Text neben die Wirklichkeit: dasselbe Ziel, 25 Prozent weniger Bürokratiekosten, 2007 und 2025 beschlossen, und der Normenkontrollrat meldet 2026 höhere statt niedrigere Kosten.
